Der Heilige Gregor I., genannt der Große (* um 540 in Rom; † 12. März 604 in Rom) war von 590 bis 604 Papst der römisch-katholischen Kirche. Er ist auch unter dem Namen Gregor Dialogus bekannt, gilt als einer der bedeutendsten Päpste überhaupt und ist der jüngste der vier großen lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike.
Gregory I - Antiphonary of Hartker of Sankt Gallen.jpg des Hartker von St. Gallen, um 1000)]]
Andrea Mantegna 032.jpg, Laurentius von Rom und Johannes dem Täufer auf einem Bild von Andrea Mantegna (1459)]]
Seit Justinian I. stand die Stadt Rom zumindest nominell unter der Herrschaft des oströmischen Kaisers. Gregor war nie auf Konflikt mit Kaiser Maurikios aus, dessen Hauptaugenmerk auf der Verteidigung des Imperiums an Euphrat und Donau lag; er riskierte aber dessen Ungnade, als er 593 eigenmächtig einen teilweisen Abzug der Langobarden aushandelte und auf ihre Forderung nach einem jährlichen Tribut von 500 Goldpfund einging. Um den Titel "ökumenischer Patriarch" kam es zu Auseinandersetzungen mit Konstantinopel und nicht zuletzt dem dortigen Patriarchen Kyriakos. Gregor war der von Innozenz I. aufgestellte Anspruch der Vormacht Roms in der Gesamtkirche bewusst. Historisch bedeutend wurde seine Entscheidung, Missionare nach England zu entsenden. In Folge dessen trat der englische König Æthelberht zum katholischen Glauben über. Damit wurde der Grundstein für ein neues gesamtabendländisches Kirchenbewusstsein gelegt, mit dem römischen Papsttum an der Spitze.
Als "Mönchspapst" nannte sich Gregor "Knecht der Knechte Gottes", was bis heute Bestandteil der päpstlichen Selbsttitulatur blieb. Die Armenfürsorge wurde ein wichtiges Element seines Pontifikats. Die Getreidevorsorgung der damals wohl noch immer etwa einige Zehntausend Einwohner zählenden Stadt Rom, die eigentlich dem Kaiser oblag, war mangelhaft, weshalb er die riesigen Ländereien der Kirche in Süditalien und Sizilien neu organisierte und bewirtschaften ließ. Zu Anfang jeden Monats fand eine allgemeine Verteilung von Lebensmitteln statt. Ebenso mahnte Gregor die anderen Bischöfe, dass der Darbende nur dann für die Predigt empfänglich sei, wenn ihm zuvor eine "helfende Hand" gereicht wurde. Almosen betrachtete er als Gott dargebrachtes Opfer, das letztlich Gnade im Gottesgericht erwirkt.
Gregor schrieb den Begriff "Papst" als ausschließliche Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom fest. Mit ihm trat das Papsttum von der Spätantike ins Mittelalter über.
Durch seine zahlreichen Schriften erlangte Gregor über Jahrhunderte in der katholischen Kirche hohe Bedeutung. Daneben findet er als einer von ganz wenigen westlichen Heiligen auch in der orthodoxen Kirche viel Beachtung und Verehrung.
Obwohl weder das gregorianische Sakramentar noch der gregorianische Choral seine Schöpfungen sind, wurde ihm im Mittelalter deren Urheberschaft zugesprochen, um ihnen zusätzliche Autorität zu geben. Dem katholischen Messbuch gab Gregor in der Liturgie seine noch heute gültige Form.
Die Heiligsprechung erfolgte 1295 durch Papst Bonifatius VIII. Seine Attribute sind die Tiara, Buch, Taube, Arme bedienend. Er ist Patron des kirchlichen Schulwesens, der Bergwerke; des Chor- und Choralgesanges; der Gelehrten, Lehrer, Schüler, Studenten, Sänger, Musiker, Maurer, Knopfmacher; gegen Gicht und Pest.
Gregors Stil ist literarisch anspruchsloser als der der anderen Kirchenväter, seine Sprache ist näher am gesprochenen Wort und vermeidet bewußt die Schmuckmittel und gebildeten Reminiszenzen einer griechisch und klassisch lateinisch gebildeten Elite, wie sie Augustinus und Hieronymus noch voraussetzen konnten. Die Einfachheit seines Stils ist nicht nur Ausdruck der gewandelten Bildungsverhältnisse seiner Zeit, sondern auch bewußte Entscheidung für einen "demütigen Stil" (stilus humilis), der die Wahrheit des Evangeliums in den Mittelpunkt stellt und der kunstvollen Form als Ausdruck der Weltweisheit mißtraut, dabei Schlichtheit des Ausdrucks durchaus mit Stärke des Gefühls und dem Gestus leidenschaftlicher Überzeugung zu verbinden weiß. Den Erfolg und die Beliebtheit seiner Werke im Mittelalter und deren Einfluß auf die Volksfrömmigkeit hat dieser Stil wesentlich mitbegünstigt: seine exegetischen Schriften gehören zu den am häufigsten exzerpierten, seine Dialogi zu den meistgelesen Werken im Mittelalter.
Des weiteren sind 854 Briefe erhalten, die Gregor an Bischöfe, Fürsten, Missionare u.a. Personen im gesamten Bereich des Christentums schrieb. Die Briefe behandeln Themen, wie Theologie, Moral, Politik, Diplomatie, Mönchstum, bischöfliche und päpstliche Verwaltung und geben Aufschluß über Gregors Charakter und seine Amtsführung.
Mann | Papst | Heiliger | Kirchenvater | Kirchenlehrer | Spätantike | Theologe (6. Jh.) | Benediktiner | Bischof (6. Jh.) | Römisch-katholischer Bischof (7. Jh.) | Theologe (7. Jh.) | Geboren 6. Jahrhundert | Gestorben 604
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