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Gregor Gysi (* 16. Januar 1948 in Berlin) ist ein deutscher Rechtsanwalt und Politiker (Die Linkspartei.).

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Er ist seit 2005 Vorsitzender der Bundestagsfraktion Die Linke. und war von 1990 bis 1998 Vorsitzender der Gruppe der PDS im Deutschen Bundestag bzw. von 1998 bis 2000 der PDS-Bundestagsfraktion. 2002 war er Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen des Landes Berlin und von 1989 bis 1993 Vorsitzender der SED/PDS bzw. PDS.

Ausbildung und Beruf


1966 erwarb Gysi sein Abitur auf einer Erweiterten Oberschule (EOS), auf der er gleichzeitig ab 1962 zum Facharbeiter für Rinderzucht ausgebildet worden war. Danach absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin, welches er 1970 als Diplom-Jurist beendete. Ab 1971 war Gysi einer der wenigen freien Rechtsanwälte in der DDR. In dieser Funktion verteidigte er auch Systemkritiker und Ausreisewillige, darunter bekannte Personen wie Robert Havemann, Rudolf Bahro, Bärbel Bohley und Ulrike Poppe. 1976 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur. mit der Arbeit Zur Vervollkommnung des sozialistischen Rechts im Rechtsverwirklichungsprozeß. Im Herbst 1989 übernahm er noch vor der politischen Wende in der DDR das Mandat des oppositionellen Neuen Forums. Von 1988 bis 1989 war er Vorsitzender des Kollegiums der Rechtsanwälte in Berlin und gleichzeitiger Vorsitzender der Kollegien der Rechtsanwälte in der DDR.

Familie


Gregor Gysi wuchs in einer kommunistischen Funktionärsfamilie auf. Sein Vater, Klaus Gysi, trat 1931 der KPD bei und arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR als Botschafter, Kulturminister und Staatssekretär. Gysis Frau Andrea Gysi ist Rechtsanwältin und Politikerin, seine Schwester Gabriele Gysi Schauspielerin.

Partei


Seit 1967 war er Mitglied der SED (ab 1990: PDS). Als er 1989 in den Blickpunkt der Öffentlichkeit trat, arbeitete er an einem Reisegesetz mit. Am 4. November 1989 sprach Gysi vor 500.000 Menschen auf der legendären Massenkundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz und forderte ein neues Wahlrecht sowie ein Verfassungsgericht. Seine Eloquenz und rhetorische Begabung ließen ihn schnell zu einem der Medienstars des Herbstes werden. Ab dem 3. Dezember 1989 gehörte er dem Arbeitsausschuss zur Vorbereitung des außerordentlichen Parteitages der SED an und wurde am 9. Dezember 1989 zum Vorsitzenden der SED gewählt – die heute den Namen Linkspartei trägt. Am 16. Dezember 1989 sprach er sich auf dem Sonderparteitag der SED/PDS für eine Zusammenarbeit beider deutscher Staaten bei voller Wahrung ihrer Souveränität aus. Im Winter 1989/1990 lehnte Gysi als Parteivorsitzender der PDS deren Auflösung mit der Begründung ab, das Eigentum der Partei, viele Arbeitsplätze innerhalb des Apparates und letztlich das Parteivermögen soweit wie möglich sichern zu wollen. Den Parteivorsitz hatte er bis zum 31. Januar 1993 inne.

Am 23. Dezember 2005 wurde er auch Mitglied der WASG, ebenso Oskar Lafontaine auch Mitglied in der Linkspartei. Damit machten beide demonstrativ von der Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft in der Linkspartei und in der WASG Gebrauch.

Abgeordneter


Von März bis Oktober 1990 war er Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Am 3. Oktober 1990 wurde er Mitglied des Deutschen Bundestages, aus dem er am 1. Februar 2002 ausschied. Hier war er von 1990 bis 1998 Vorsitzender der Gruppe der PDS im Deutschen Bundestag, dann bis zum 2. Oktober 2000 Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion.

Von 2001 bis 2002 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Für die Bundestagswahl 2005 kehrte er als Spitzenkandidat der Linkspartei zurück. Er war Direktkandidat für den Wahlkreis Treptow-Köpenick und führte die Landesliste der Linkspartei Berlin an. Bei der Wahl konnte er sich gegen seinen Konkurrenten Siegfried Scheffler von der SPD durchsetzen und gewann das Direktmandat für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis 85 Berlin-Treptow-Köpenick mit 40,4 % Stimmen. Neben Oskar Lafontaine wurde er als Fraktionsvorsitzender gewählt.

Neben Gysi errangen die Berliner Direktkandidatinnen Petra Pau und Gesine Lötzsch ein Direktmandat für die Linkspartei.

Öffentliche Ämter


Am 17. Januar 2002 wurde Gysi Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen des Landes Berlin in dem vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geführten Senat.

Am 31. Juli 2002 trat er von allen Ämtern mit der Begründung zurück, er habe beruflich erflogene „Bonus-Meilen“ eines Vielfliegerprogramms privat genutzt (siehe auch Bonusmeilen-Affäre).

Kritik


Im Mai 1998 stellte der Immunitätsausschuss des Deutschen Bundestages in seinem Abschlussbericht fest, dass Gysi zwischen 1975 und 1986 für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR unter verschiedenen Decknamen, dabei hauptsächlich als IM Notar gearbeitet haben soll, nachdem in einer früheren Version des Abschlussberichtes noch davon die Rede war, dass ein solcher Nachweis aufgrund unzureichender Unterlagen nicht erfolgen konnte. Diese Feststellung des Immunitätsausschusses hatte aber keine Auswirkungen auf Gysis Arbeit als Abgeordneter, der im Abschlussbericht selbst der Beschuldigung widersprach und auf wesentliche Mängel und Fehler im Verfahren hinwies. Die PDS und die FDP stimmten dem Papier nicht zu; Gysi legte erneut Klage gegen die Feststellung ein.

Gregor Gysi bekannte sich zur Kooperation mit der Staatsanwaltschaft und dem ZK im Interesse und mit Wissen seiner Klienten und ging mehrmals erfolgreich gegen die Verbreitung der Behauptung, er wäre IM Notar gewesen, vor.

1998 untersagte das Landgericht Hamburg dem Magazin „Der Spiegel“ weiterhin zu behaupten, Gregor Gysi habe für die Stasi-Spionageabteilung gearbeitet und dort den Decknamen „IM Notar“ geführt. Das Landgericht Hamburg begründete seine Entscheidung damit, dass „Der Spiegel“ seine Behauptungen nicht habe beweisen können.

Literatur


  • Wolfgang Brinkschulte, Hans Jörgen Gerlach & Thomas Heise: Freikaufgewinnler. Die Mitverdiener im Westen. Frankfurt/M. & Berlin: Ullstein Report, 1993. ISBN 3-548-36611-2.
  • Jens König: Gregor Gysi. Eine Biographie. Berlin: Rowohlt Berlin Verlag, 2005. ISBN 3-87134-453-2.

Zitate


  • Frage: „Wie würden Sie einem Blinden Ihr Äußeres beschreiben?“ Gysi: „Groß, stark, schlank, mit tollen Locken
  • Sollen nackte Körper und Gewalt aus unserem Fernseher verbannt werden? Nackte Körper gehören glücklicherweise, Gewalt unglücklicherweise zu unserem Leben. Also lautet die eigentliche Frage: Soll das Leben aus unseren Fernsehern verbannt werden?“ (in „Talk im Turm“ vom 12. Dezember 1993)
  • In der Wirtschaft finde ich Marktwirtschaft völlig in Ordnung, anders kriegst du weder Qualität noch Effizienz hin, noch kannst du Arbeitsplätze sichern. Nur bitte keine Marktgesellschaft: Das heißt, Gesundheit, Bildung, Kultur, Verkehr und partiell das Wohnen dürfen nicht durchkommerzialisiert werden.

Werke


  • 1990: Handbuch für Rechtsanwälte. o. O.
  • Zs. mit Falkner, Thomas u. Werner Hübner (1990): Sturm aufs große Haus. Der Untergang der SED. Berlin. ISBN 3910164072
  • 1992: Einspruch! Aufsätze, Reden, Briefe, Gespräche. Berlin.
  • Zs. mit Heuer, Uwe-Jens u. Michael Schumann (1992): Zwei geteilt. Über den Umgang mit der SED-Vergangenheit. Hamburg. ISBN 3879756090
  • 1995: Das war's. Noch lange nicht! Autobiographische Notizen. Düsseldorf. ISBN 3548750621
  • 1995: Freche Sprüche. Berlin.
  • 1995: Ingolstädter Manifest. Wir – mitten in Europa. Plädoyer für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Berlin.
  • 1998: Nicht nur freche Sprüche. Berlin. ISBN 3896023861
  • 1999: Über Gott und die Welt. Berlin. ISBN 3896023152
  • 2000: Neue Gespräche über Gott und die Welt. Berlin. ISBN 3896023519
  • 2001: Neueste Gespräche über Gott und die Welt. Berlin. ISBN 3896023667
  • 2001: Ein Blick zurück, ein Schritt nach vorn., Hamburg. ISBN 3455093388
  • 2003: Was nun? Über Deutschlands Zustand und meinen eigenen. Hamburg. ISBN 3455093698

Weblinks


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