Graham Greene (* 2. Oktober 1904 in Berkhamsted (Hertfordshire); † 3. April 1991 in Vevey (Schweiz)) war ein britischer Schriftsteller. Er gilt als der Autor von Weltruf mit den meisten Nominierungen überhaupt für den Literaturnobelpreis, erhielt ihn aber letztendlich doch nicht. Greenes jüngerer Bruder war Sir Hugh Carleton Greene (1910-1987).
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1926 konvertierte er mit 22 Jahren zur Überraschung seiner anglikanischen Umgebung zum katholischen Glauben, u.a. um seine Frau, eine überzeugte Katholikin, heiraten zu können. Das Paar trennte sich nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Greenes zahlreicher Affären (er war u.a. ein häufiger Gast in Bordellen), blieb aber bis zu Greenes Tod verheiratet. Zeitlebens war er ein Kritiker der Amtskirche, eines seiner Bücher, Die Kraft und die Herrlichkeit (The Power and the Glory), landete gar zeitweilig auf dem vatikanischen Index der "Verbotenen Bücher", obwohl es eine einzigartige Darstellung der besonderen Berufung des katholischen Priesters ist.
In den 1930er Jahren schrieb er für mehrere britische Zeitungen Filmkritiken (in denen er Alfred Hitchcock regelmäßig verriss), und einige Äußerungen über den US-Kinderstar Shirley Temple führten zu einem Verleumdungsprozess, der die Zeitschrift "Night and Day" in den Ruin trieb. In dieser Zeit begann auch seine Leidenschaft für das Reisen, die er zeitlebens beibehielt; so war er beispielsweise als junger Mann kurze Zeit Mitglied der Kommunistischen Partei, weil er hoffte, so umsonst nach Russland reisen zu können.
Den Zweiten Weltkrieg über hatte er eine Anstellung beim britischen Außenministerium, genauer beim Auslandsgeheimdienst (hier war er dem legendären Spion Kim Philby unterstellt). Daher stammen seine genauen Kenntnisse der verborgenen Seiten des Diplomatischen Korps, die er in seinen Romanen (etwa Unser Mann in Havanna) so genussvoll ironisierend darstellt.
Seine zum Teil außerordentlich erfolgreichen Romane thematisieren immer wiederkehrend zentrale Punkte der human condition wie Schuld, (Un-)Glaube und Verrat im äußeren Gewand von Abenteuergeschichte, spy story und Krimi, sodass auch die nach spannender Unterhaltung suchenden Leser das ihre darin fanden. Greene war unter anderem ein vehementer Kritiker des Kolonialismus und seiner Auswüchse. Greene selbst unterteilte seine Werke lange in "novels" (die ernsten Romane wie "Schlachtfeld des Lebens", 1934) und "entertainments" (die Unterhaltungsromane wie "Jagd im Nebel", 1939), gab diese Unterscheidung aber später auf, weil er ebenso wie viele Leser entdeckte, dass die "entertainments" wie "A Gun For Hire" zu seinen besten Romanen gehören. Besonders in seinen frühen Romanen herrscht eine schäbige, triste Atmosphäre, in der die Menschen Erlösung suchen (bis "Ein ausgebrannter Fall", 1960). Im englischen Sprachgebrauch etablierte sich für diese Atmosphäre der Begriff "Greeneland". In seinen späteren Romanen, etwa ab "Die Reisen mit meiner Tante" (1969), verband er seine traditionellen Themen wie Religion und Verbrechen zunehmend mit einem grotesken, makabren Sinn für Humor (wie in "Dr. Fischer aus Genf oder Die Bombenparty").
Greene selbst wurde von dem ewigen Gefühl der Langeweile getrieben, dem er entkommen wollte (wie er in seiner Autobiographie "Ways of Escape" erzählt). Das führte ihn zum Alkohol (der in vielen seiner Romane eine große Rolle spielt, so beim "Schnaps-Priester" in "Die Kraft und die Herrlichkeit" und in der entscheidenden Szene von "Unser Mann in Havanna"), in alle Krisengebiete seiner Zeit, in viele Affären und zu einer erstaunlichen Produktivität: außer als Romancier und Journalist arbeitete er als Dramatiker (sein erstes Stück, "The living-room", war ein großer Erfolg) und Drehbuchautor (z.B. bei Der dritte Mann und "Die Stunde der Komödianten"). In dem Film "Die amerikanische Nacht" von François Truffaut hat er eine stumme Rolle. Er war auch ein gefürchteter Verfasser von Leserbriefen.
Große Verbreitung fanden einige seiner Romane in Deutschland, als sie in den 50ern als preiswerte Taschenbücher im Rowohlt-Verlag herauskamen.
Seine weltweite Beliebtheit zeigt sich auch an den zahlreichen Verfilmungen fast aller seiner Romane durch Regisseure wie John Ford, Otto Preminger, Joseph L. Mankiewicz, Neil Jordan und Carol Reed (Der dritte Mann, "Unser Mann in Havanna"), und in den letzten Jahren v.a. "Das Ende einer Affäre" mit Julianne Moore und Ralph Fiennes und Der stille Amerikaner mit Michael Caine und Brendan Fraser. Zu seinem großen Freundeskreis gehörten der Schriftsteller Evelyn Waugh (ein katholischer Konvertit wie Greene selbst), Omar Torrijos, der Präsident von Panama, und der Filmproduzent Alexander Korda. Greene traf sich mit Fidel Castro und wurde von François "Papa Doc" Duvalier, dem Staatschef von Haiti, nach dem kritischen Buch "Die Stunde der Komödianten", in dem Greene das Terrorregime der Tontons Macoutes dargestellt hatte, mit Verleumdungen verfolgt (so bezeichnete Duvalier Greene in einer Broschüre als "Folterer").
So präsent wie Greene in der Öffentlichkeit über 40 Jahre lang auch war, liebte er es doch, sich möglichst geheimnisvoll und bedeckt zu geben, was sein eigenes Privatleben betraf. Das führte dazu, dass auch nach seinem Tod heftige Diskussionen über ihn geführt werden, etwa was die Frage betrifft, ob er seine Arbeit für den Geheimdienst wirklich nach dem Zweiten Weltkrieg beendet hatte.
Mit 87 Jahren starb Graham Greene am 3. April 1991 in Vevey in der Schweiz.
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