Die Grafschaft Ravensberg war ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches im nordöstlichen Westfalen. Sie bestand von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis 1807, war ab 1346 mit Berg, ab 1437 mit Jülich-Berg und darüber ab 1511 mit Kleve verbunden. Seit 1614 gehörte es schließlich zu Brandenburg-Preußen. Hauptstadt bzw. Verwaltungssitz war Bielefeld.
Ausgehend von solch günstigen Bedingungen, gelang es den Grafen von Ravensberg im Mittelalter lange, trotz mancher Rückschläge ihr Gebiet langsam aber stetig zu erweitern. Dieser Aufstieg endete erst, als die Grafschaft ab dem 14. Jahrhundert in Personalunion mit größeren Territorien trat und die Herrscher ihr politisches Hauptaugenmerk auf andere Schauplätze richteten.
Militärstrategisch und als Geldquelle war Ravensberg aber weiterhin bedeutsam. Das galt besonders für die Zeit der Herrschaft der Hohenzollern, für die die Grafschaft ein wichtiges Bindeglied zu ihren entlegenen westlichen Besitzungen Kleve und Mark darstellte. Auch profitierte Brandenburg-Preußen finanziell erheblich von der Blüte von Leinenindustrie und -handel in und um Bielefeld im 17. und 18. Jahrhundert.
Während des 12. Jahrhunderts können sowohl die alten als auch die neuen Besitzungen (im Raum um Bielefeld, Herford und Halle) erweitert und darüber hinaus zusätzliche im Emsland erworben werden. Die Grafen von Calvelage-Ravensberg gehören damit zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern Westfalens und ringen in dessen Norden mit den Bischöfen von Münster, denen von Osnabrück und besonders den Grafen von Tecklenburg um die Vorherrschaft.
1226 wird das Gebiet geteilt: Graf Ludwig erhält die Besitzungen um den Teutoburger Wald, sein Bruder Otto II. Vlotho und die Gebiete im Norden. Otto stirbt 1244 ohne männlichen Erben, seine Tochter Jutta verkauft die Güter um Vechta und im Emsland 1252 an Münster, wodurch das Niederstift Münster begründet wird, Vlotho fällt an Tecklenburg. Somit beschränkt auf sein Gebiet in Ostwestfalen, sinkt Ravensberg zur nachrangigen Macht ab.
Bielefeld, 1214 erstmals als Stadt erwähnt, entwickelt sich zum Hauptort der Grafschaft. Graf Ludwig lässt bis etwa 1250 die Sparrenburg errichtet, die für die folgenden 100 Jahre der bevorzugte Sitz der Herrscher ist. Dies ist auch die Zeit langsamen Wiederaufstiegs: Vlotho fällt um 1270 wieder zurück an Ravensberg, um 1300 werden die nordwestlichen Gebiete um die Burg Limberg, 1334 Bünde erworben.
1346 endet diese Entwicklung: mit dem Tod des Grafen Bernhard stirbt das Haus Calvelage-Ravensberg im Mannesstamm aus. Erbin ist Bernhards Nichte Margarete, verheiratet mit einem Angehörigen aus dem Hause Jülich. Dieser wird als Gerhard I. neuer Graf, 1348 auch Graf von Berg. Ravensberg steht fortan lange in enger Verbindung mit Berg und bald auch Jülich.
Ab 1389 überträgt Wilhelm I., 1380 zum Herzog von Berg erhoben, die Grafschaft nacheinander seinen zwei Söhnen. Während sie Adolf nur als Basis für weiteren persönlichen Machtausbau dient, macht Wilhelm II. sich wieder mehr um die Grafschaft selbst verdient und erwirbt 1409 Enger. Mit ihm hat letztmalig ein Graf seine Residenz auf der Sparrenburg und in der Neustädter Marienkirche seine Grablege. Als sein Sohn Graf Gerhard II. 1437 die Herzogtümer Jülich und Berg erbt, wird Ravensberg endgültig bloßes Nebenland innerhalb größerer Territorialverbünde.
1511/21 wird Jülich-Berg-Ravensberg durch Erbfall mit Kleve-Mark zu Jülich-Kleve-Berg verbunden. Die Herzöge stehen den Ideen der Reformation, die seit etwa 1525 sich im Ravensbergischen verbreiten, tolerant gegenüber, so dass hier die Bevölkerung bis 1600 allmählich aber schließlich vollständig zum Luthertum übertritt.
Als das Herzogenhaus 1609 ausstirbt, kommt es zum Jülich-Klevischen Erbfolgestreit. Der Erbvergleich 1614, bestätigt 1647 und 1666, bringt Ravensberg zusammen mit Kleve und Mark an Brandenburg(-Preußen).
Während des Dreißigjährigen Krieges durchziehen Truppen fast aller Kriegsparteien die strategisch wichtige Grafschaft, die Landesburgen werden mehrfach belagert. Der Friedensschluss 1648 bringt Brandenburg als günstige territoriale Verstärkung und Abrundung das der Grafschaft benachbarte Fürstentum Minden ein. Dazu kommt noch die Reichsstadt Herford, die 1652 aufgrund umstrittener Ansprüche annektiert und zu Ravensberg geschlagen wird.
Minden und Ravensberg bilden ab 1719 die Verwaltungseinheit Minden-Ravensberg mit Sitz in Minden.
Im Zuge der Neuordnung Deutschlands durch Napoleon wird die Grafschaft Ravensberg 1807 dem Königreich Westphalen eingegliedert, was ihr Ende der Gebietseinheit darstellt. 1811 fallen der Norden und Westen unmittelbar an Frankreich.
Durch den Wiener Kongress erhält Preußen 1815 die Ravensbergischen Lande zurück. Die Grafschaft wird nicht wiederhergestellt, sondern auf die neugebildeten Kreise Bielefeld, Halle, Herford (mit kleineren mindischen Anteilen) und zu kleinen Teilen Lübbecke verteilt. Die Kreise gehören zum Regierungsbezirk Minden und damit zur Provinz Westfalen.
Seit 1973 sind die ravensbergischen Gebiete wie o.a. aufgeteilt.
Diese Verbindung galt spätestens seit 1666 als gelöst, deshalb beantragte 1705 Preußen für Ravensberg einen Sitz auf der westfälischen Grafenbank. Das Verfahren beim Reichskammergericht fand aber bis zum Ende des Reiches keinen Abschluss mehr. Seit der Einteilung des Reichsgebietes in Reichskreise im Jahre 1500 gehörte Ravensberg zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis.
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