Turiner_Grabtuch_Gesicht_klein.jpg | Shroud-of-Turin-1898-photo.jpg Das Turiner Grabtuch ist ein altes Leinentuch, 4,36 Meter lang und 1,10 Meter breit, das ein Ganzkörper-Bildnis der Vorder- und Rückseite eines Menschen zeigt. Angeblich handelt es sich um das Antlitz und den Körper Jesu Christi nach dessen Kreuzigung. Falls es sich um eine Fälschung handelt, ist diese Deutung beabsichtigt.
Unumstritten ist, dass es sich bei dem Tuch um eine Singularität handelt, und zwar v. a. durch folgende Eigenschaften:
Viele Gläubige verehren das Tuch als Reliquie, da es sich nach deren Ansicht um das originale Leichentuch Christi handelt. Die Abbildungen auf dem Tuch entsprächen dem Körper Jesu Christi.
Wissenschaftlich orientierte Beobachter hingegen vertreten in der Mehrzahl die Meinung, dass das Tuch mittelalterlichen Ursprungs ist. Es sei das Werk eines Fälschers, der sowohl über ein hohes naturkundliches Wissen als auch über große künstlerische Fähigkeiten verfügt haben musste. Auf der Suche nach der wissenschaftlichen und künstlerischen Kapazität, welche als Fälscher mit entsprechender Kompetenz in Frage kommt, fällt vereinzelt der Name Leonardo da Vinci. Gegen diese Annahme spricht indessen, dass sich die Existenz des Grabtuchs eindeutig bis in das 14. Jahrhundert zurück verfolgen läßt, während Leonardo da Vinci erst später geboren wurde (1452).
Daneben gibt es besonders in der historischen Literatur noch verschiedene andere Zugänge mit unterschiedlichem Verifikationsgehalt über die Entstehungsgeschichte des Tuches. So besteht beispielsweise die Hypothese, der Tuch-Abdruck stamme von dem nach Folterung auf dem Scheiterhaufen verbrannten 23. Großmeister der Tempelritter, Jakob von Molay.
Die ersten gesicherten und unumstrittenen Nachweise des Tuches reichen ins Mittelalter bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. Bei weiter zurückliegenden Berichten von Tüchern mit dem Bildnis Christi ist nicht gesichert, ob diese mit dem Turiner Grabtuch identisch sind. Die Schwierigkeit ist dabei, dass zu früheren Zeiten sehr viele gefälschte Reliquien in Umlauf waren und es schwer ist, Berichte über mögliche echte Reliquien von Berichten über Fälschungen zu unterscheiden.
Im sechsten Jahrhundert wird erstmals konkret aus Edessa, in der heutigen Osttürkei, von einem Tuchbildnis mit einem Gesichtsabdruck berichtet, das nicht von Menschenhand geschaffen worden sei, ein sogenanntes Abgar-Bild. 944 wird nach Augenzeugenberichten ein Tuch mit einem Körperabdruck Christi von Edessa nach Konstantinopel überführt. 1203 erwähnt der Geschichtsschreiber Robert de Clari, er habe ein Tuch mit dem Abdruck des Herrn in Konstantinopel gesehen. Als während des 4. Kreuzzuges 1204 die Kreuzritter Konstantinopel plünderten, verschwand es. Der Burgunder Othon de la Roche, Chef von Athen, bemächtigte sich mit seinen Rittern des neuen Blachernen-Palastes, den der Kaiser kurz zuvor bezogen hatte und in dessen Marienkirche hinter Bronze- und Silbertüren das Grabtuch aufbewahrt wurde. Im Jahr darauf fordert ein Verwandter des byzantinischen Kaisers von Papst Innozenz III. die Rückgabe des Tuches, welches sich seiner Ansicht nach jetzt in Athen befände: Die Gallier erhielten die Heiligenreliquien, dessen allerheiligster Teil das Tuch ist, in das unser Herr Jesus Christus nach seinem Tod und vor seiner Auferstehung gewickelt wurde. Wir wissen, ... dass das heilige Tuch in Athen verwahrt wird (Codex Chartularium Culisanense, fol. CXXVI, Nationalbibliothek Palermo, zum Jahre 1205). Im September 1241 soll es angeblich in die Sainte Chapelle von Paris überführt worden sein.
1353 erhält der französische Ritter Geoffroy de Charny vom König Johann dem Guten den Auftrag, eine Stiftskirche in Lirey bei Troyes in der Champagne zu bauen. Dort wurde das Grabtuch erstmals – dokumentarisch durch ein Pilgermedaillon verbürgt – 1357 der Öffentlichkeit präsentiert. Viele Historiker glauben, ein Vorfahre von Geoffroy, ein Ritter des Templerordens, habe das Tuch in Konstantinopel erworben. König Karl VI. von Frankreich erhob später vergeblich Anspruch darauf. 1390 erkannte der Gegenpapst Clemens VII. das Grabtuch an und forderte die Gläubigen auf, dieser Reliquie die gebührende Ehre zu erweisen, trotz des Widerstandes des amtierenden Bischofs von Troyes, Pierre d’Arcis, der das Grabtuch 1389 in einem Brief an den Gegenpapst Clemens VII. eine Fälschung nannte. Pierre d'Arcis bezieht sich bei dieser Feststellung auf seinen Vorgänger, den Bischof Henri de Poitiers, der vom Hörensagen – ohne selbst das Tuch gesehen zu haben – dieses angeblich als eine Malerei entlarvte, und dass der Fälscher dieser ihm gegenüber gestanden hätte (eine Abschrift dieses Briefes siehe unten im Weblink „Diplomarbeit Turiner Grabtuch“). Der Name des Fälschers wird jedoch nicht genannt. Die Authentizität des Grabtuches wurde also bereits zu dieser Zeit von einigen angezweifelt, und das Tuch hat wohl auch eine Rolle bei der Auseinandersetzung zwischen dem Papst Urban VI in Rom und dem Gegenpapst Clemens VII. in Avignon gespielt. In der Zeit zwischen 1378 und 1417 hatte sich die Kirche gespalten (Großes Abendländisches Schisma). Die Folge war, dass Irrlehren und Aberglauben in Europa stark zunahmen und Clemens VII. das Grabtuch wohl auch benutzte, um seine Autorität gegenüber seinem Konkurrenten in Rom zu stärken. Auch das sonstige historische Umfeld ist interessant und könnte mögliche Gründe für das Auftauchen des Tuches bieten. So herrschte von 1347 bis 1353 – also kurz vor der erstmaligen gesicherten Erwähnung des Grabtuches – die große Pestepidemie, bei der etwa ein Drittel der Bevölkerung Europas starb. Bereits zu dieser Zeit hatten religiöse Bewegungen und Bigotterie, welche die Autorität der Kirchen in Frage stellten, sehr stark zugenommen. Das Grabtuch könnte hier gerade recht gekommen sein, um Autorität zurückzugewinnen.
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1418 wurde das Tuch aus Lirey in eine Festung bei Monfort en Anoix gebracht, danach zu Saint-Hippolyte-sur-Doubs. 1453 erlangte es Ludwig, der Herzog von Savoyen. Am 14. September 1578 überführte man das Grabtuch nach Turin, wo es bis heute in der Katedrale von Turin, dem Duomo di San Giovanni aufbewahrt wird. Es blieb im Besitz des Hauses Savoyen bis zum Ende ihres Königtums in Italien im Jahre 1946. Das Grabtuch wurde daraufhin 1983 dem Heiligen Stuhl vererbt. Das Tuch ist seit dem 15. Jahrhundert an vielen Orten aufbewahrt worden. Von Zeit zu Zeit wurde es auch öffentlich gezeigt. Seit 1506 wird am 4. Mai eine Messe und ein Ritual zu Ehren des Tuches abgehalten.
Eine Brandkatastrophe der Schlosskapelle von Chambéry im Jahre 1532 überstand das Tuch gefaltet in einer Silberkiste, was am Rand symmetrische Brandflecken und Löschwasserflecken hinterließ. Die Brandlöcher wurden zwei Jahre später von Nonnen vernäht. Diese 30 Flicken sind 2002 von einer Textilexpertin entfernt worden, so dass das Turiner Grabtuch am Rand anders aussieht als noch auf sämtlichen älteren Fotos.
Bei einem weiterem Feuer in der Turiner Kathedrale am 12. April im Jahre 1997 wurde es durch den Feuerwehrmann Mario Trematore unversehrt gerettet, indem er in letzter Minute das die Reliquie umgebende Panzerglas zertrümmerte.
Die Wissenschaft des Grabtuchs nennt sich Sindonologie (aus dem Griechischen sindón, das für Leichentuch und auch für eine Bekleidung im Markusevangelium verwendet wird). Die erste wissenschaftliche Untersuchung zur Möglichkeit der Entstehung der Abbildung und deren Authentizität wurden ab 1900 durch den Biologen Paul Vignon und den Anatomieprofessor Yves Delage durchgeführt, mit einem ihrer Meinung nach positiven Ergebnis bezüglich der Authentizität. Ausgelöst wurden diese Untersuchungen durch die erste fotografische Aufnahme des Tuches im Jahr 1898 durch Secondo Pia, welcher feststellte, dass das Bildnis im Negativ viel detailreicher wirkte als im Original. Der Mediziner Pierre Barbet führte in den 1930ern weitere Untersuchungen, hauptsächlich zu den Umständen eines Todes durch Kreuzigung, durch. 1969 wurde durch den Erzbischof von Turin eine Kommission gebildet, welche das Tuch fotografierte, aber keine Tests durchführte. Eine 1973 aus Serologen und Forensikern gebildete italienische Kommission, welche das Grabtuch überprüfte, kam zu einem negativen Ergebnis bezüglich des Vorhandenseins von Blutrückständen auf dem Tuch. Eine weitere umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung fand 1978 durch das Shroud of Turin Research Project (STURP) statt, welche im Abschlussbericht das Vorhandensein von Blut feststellte. 1988 wurde eine Radiokohlenstoffdatierung durchgeführt. Weitere Untersuchungen wurden seitdem teilweise an Proben und Materialien durchgeführt, die noch aus dem STURP-Projekt stammen.
Die Sindonologie ist eine sehr kontroverse Wissenschaft, in der sich Authentizitätsbefürworter und Gegner teilweise unversöhnlich gegenüberstehen. Auch sind im Umfeld dieser Wissenschaft viele populärwissenschaftliche oder schlichtweg pseudowissenschaftliche Publikationen entstanden, in denen fragwürdige Theorien verbreitet werden, welche zum Teil auf angeblich heimlichen und unautorisierten Probenentnahmen und entsprechenden Messungen beruhen und deswegen wissenschaftlich nicht überprüfbar sind. Ein besonderes Problem der Sindonologie dürfte auch sein, dass Wissenschaftler nur eingeschränkt und selektiv Zugang zum Grabtuch haben, was Verschwörungstheorien begünstigt und unabhängige Forschung erschwert. So wird etwa dem STURP-Projekt von Kritikern vorgeworfen, dass viele Mitglieder mehr religiös als wissenschaftlich motiviert sind und einige gleichzeitig Mitglied einer „Gilde des Heiligen Grabtuches“ (engl. Holy Shroud Guild) sind, einer katholischen Organisation, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, die „Sache“ des Grabtuches zu fördern. Manche Skeptiker betrachten gar die gesamte Sindonologie als Pseudowissenschaft. Zusätzlich hat das Tuch für viele gläubige Christen auch eine große religiöse Bedeutung, so dass wissenschaftliche Argumente es gelegentlich schwer haben, sich durchzusetzen, wobei allerdings derselbe Vorwurf, nämlich der der Voreingenommenheit, auch den Skeptikern gemacht wird.
Es muss zwischen der eigentlichen Abbildung eines Gekreuzigten und den Abbildungen der Blutflecken unterschieden werden. Während der Wissenschaftler Walter C. McCrone Pigmente von Ockerfarbe auf Teilen des Tuches entdeckt haben will und beide Strukturen als Malerei deutet, wird die Gekreuzigten-Abbildung heute überwiegend durch Dehydration und damit Verfärbung der obersten Faserschicht erklärt. Die Substanz der Blutabbildungen hat das Tuch durchdrungen. Über die Zusammensetzung der Substanz gibt es mehrere widersprüchliche und kontroverse wissenschaftliche Berichte. Das STURP-Projekt schloss sich in seinem Abschlussbericht Anfang der 1980er J. Heller und A. Adler an, die diese Substanz für Blut halten.
Wie das Bild auf dem Tuch entstanden ist, ist bis heute ungeklärt. Eine Fälschung eines mittelalterlichen Künstlers hätte aufgrund der Qualität der Abbildung und ihrer Eigenschaften sehr große Kunstfertigkeiten verlangt. Es gibt viele Erklärungsversuche für die Bildung des Bildes:
Die Entstehungsmöglichkeiten wurden von J. P. Jackson et al. untersucht und 1984 in Applied Optics veröffentlicht. Kriterien, nach denen sie die unterschiedlichen Methoden beurteilten, waren hauptsächlich die Schärfe der Abbildung und eine von ihnen beobachtete Dreidimensionalität der Grabtuchabbildung. Diese letzte Forderung wurde aufgestellt, da aus der Umsetzung der örtlichen Stärke des Grabtuchbildes in ein Höhenrelief ein recht realistisch aussehendes Körperrelief erzeugt werden konnte. Nach diesen Untersuchungen kann keine dieser obigen Methoden die Eigenschaften der Grabtuchabbildung befriedigend beschreiben. Distanzwirkungstheorien können zwar die dreidimensionale Informationen gut erklären, da die örtliche Stärke der produzierten Abbildungen mit der erwarteten Entfernung eines Leintuches vom Körper an der jeweiligen Stelle korreliert, wenn dieses Leintuch den Körper umhüllt. Allerdings produzieren Distanzwirkungmethoden generell nur unscharfe Bilder. Kontaktabdruck-Methoden und Malerei wären zwar in der Lage, scharfe Abbildungen zu produzieren, können aber die dreidimensionale Information nicht erklären. Auch Hybrid-Mechanismen konnten nicht alle geforderten Kriterien erfüllen, obwohl Flachreliefabdrucke im Vergleich zu den anderen Methoden den geforderten Kriterien noch am nächsten kamen.
Ein weiterer wichtiger Einwand gegen eine Abbildung (in sämtlichen Details) eines realen menschlichen Körpers durch direkten Kontakt ist die Tatsache, dass das Abbild in keiner Weise verzerrt ist, obwohl eine Verzerrung aufgrund der Topologie eines menschlichen Kopfes in jedem Fall zu erwarten wäre; ähnlich wie eine zweidimensionale Karte auch nur ein verzerrtes Bild der Erde liefert. Vielmehr stellt die Abbildung eine Projektion dar, was die These einer künstlerischen Fälschung mittels fotografischer Techniken vermuten lässt. Ein „Lichtblitz“ bei der Auferstehung kann die unverzerrte und scharfe Projektion nur schwer oder überhaupt nicht erklären. Je nachdem, ob man sich den Lichtblitz von einer Punktquelle innerhalb des Körpers oder ausgedehnt diffus von der Körperoberfläche ausgehend vorstellt, sollten entweder die weiter von der Punktquelle wegliegenden Körperteile verzerrt sein, oder, bei ausgedehnter Quelle, die Abbildung eher unscharf und verschwommen sein.
Das Prinzip der Camera Obscura war zu dieser Zeit längst bekannt, und ebenso war Silbernitrat (früher oft Höllenstein genannt und medizinisch verwendet) erhältlich. So wurde genau im 14. Jahrhundert eine Methode entwickelt, um Glas mittels Silbernitrat gelb zu färben. Spätestens den damaligen „Experimentatoren“ könnte aufgefallen sein, dass sich Silbernitratlösung bei Sonnenbestrahlung verfärbt. Quarz (wird benötigt, da Silbernitrat für ultraviolettes Licht (UV) empfindlich und Glas im UV-Bereich nicht transparent ist) kommt in ausreichender Qualität als Bergkristall, der noch heute zur Herstellung optischer Bauteile verwendet wird, in der Natur vor. Aus Bergkristall geschliffene Linsen wurden zu dieser Zeit beispielsweise als Lesesteine verwendet, und das Prinzip der Linse wurde auch spätestens seit dem 13. Jahrhundert für Brillen benutzt. Da das Turiner Grabtuch aber aus zwei Strukturen (einer Blut- oder Farbschicht und einer Körperabbildung, welche nach heutigem Stand der Forschung durch Ausbleichung der äußeren Faserschichten verursacht wird) besteht, müsste ein Fälscher eventuell zuerst die Farb- bzw. Blutschicht, welche das Gewebe durchdringt, und dann erst in einem zweiten Arbeitsschritt die Körperabbildung aufgebracht haben, was aber sehr schwierig wäre. Denn es wurde wissenschaftlich gezeigt, dass unterhalb der Blut-Abbildung keine Verfärbung der Fasern und damit keine Körperabbildung vorhanden ist, so dass an diesen Stellen diese bekannte Körperabbildung erst auf das Tuch kam, nachdem das Blut (oder Farbe) bereits in das Tuch eingeflossen war. Was immer dieses Bild verursacht hat, es befindet sich als zweite Schicht darüber. Dabei wurde die Blutschicht nicht beschädigt. Diese Blut- oder Farbschicht kann also nicht nachträglich angebracht worden sein.
Auch eine 2004 wiederentdeckte, mit der Vorderabbildung deckungsgleiche schwache Abbildung auf der Rückseite des Grabtuches wäre eventuell mit dieser fotografischen Methode vereinbar und sogar zu erwarten, wenn das Tuch während der Belichtung, wie anzunehmen, direkt auf oder vor einer ebenen Fläche aufgespannt war. Da kein reines Leinentuch absolut lichtdicht ist und immer etwas Licht durch die Poren eines Leinentuches dringen kann, würde Licht von der ebenen Fläche reflektiert und auf das Tuch von hinten an derselben Stelle, an der es das Tuch durchdrungen hat, zurückgeworfen. Je nachdem wie weit das Tuch von der Wand entfernt war, kann nach den Gesetzen der Optik eine mehr oder weniger scharfe bzw. unscharfe und mit der Abbildung auf der Vorderseite deckungsgleiche Abbildung auf der Rückseite entstehen, was der Fall ist. Auch wurden bei dem Experiment Statuen verwendet, da die Experimentatoren vermuten, dass für eine eventuelle Fälschung des Turiner Grabtuches Statuen verwendet wurden. Tote Körper würden sich bei einwöchiger Belichtungszeit unter der Hitze der Sonne verändern. Sonst existieren keine anderen „Fotos“ aus dem Mittelalter, allerdings dürften andere eventuell entstandene Abbildungen auch nicht so „behütet“ worden sein, wie das Turiner Grabtuch, das selbst dreimal beinahe zerstört worden wäre, und sind eventuell verloren gegangen.
Für eine Fälschung im Mittelalter kann man zwar als Argument anführen, dass es damals (wie heute) mehrfach Fälschungen gegeben hat. Aber die bisher bekannt gewordenen Fälschungen aller Zeiten wurden mittels Methoden hergestellt, die auch sonst für jene Zeit belegt waren und nachweislich erfolgreich zu Anwendung kamen. Außerdem ist das Motiv der Fälschung, etwas der Zeit entsprechend echt wirken zu lassen. Deshalb wurde meist ein Objekt gefälscht, wozu ein durch die Fälschung nachgeahmtes, wenngleich oft absichtlich entstelltes Original in der betreffenden Zeit bekannt war. Eine Urkunde zu fälschen bedeutet, die in einer Zeit üblichen Urkunden so nachzuahmen, dass dieses Produkt von den Zeitgenossen als echt akzeptiert werden kann. So ist zwar die Motivation, ein Schweißtuch Jesu mit seinem Abbild zu fälschen, rational nachvollziehbar – aber ein Grabtuch mit dem Abbild Jesu (das biblisch gesehen gar nicht nötig gewesen wäre) hätte sich bestenfalls an kursierenden Schweißtüchern orientiert und nicht völlig neue Gestaltungswege eingeschlagen, weil zu erwarten gewesen wäre, dass damit die Echtheit zu jener Zeit eher bezweifelt als geglaubt würde. Eine parallele Verwendung jener Methoden, die für eine solche Fälschung notwendig wäre, ist außerdem im Mittelalter gemäß dem gegenwärtigen Wissensstand gänzlich unbekannt. Erst in unserem hochtechnisierten und wissenschaftlich spezialisierten Zeitalter kann man, wenngleich auch nicht mit Sicherheit, angeben, mit welchen Methoden eine solche Darstellung hergestellt werden könnte. Was die Anatomie des Menschen betrifft, war diese im Mittelalter noch viel zu wenig bekannt, das Grabtuch zeigt aber die präzise Anatomie eines vermutlich gegeißelten und gekreuzigten Mannes. Erst die Renaissance hat der heutigen Zeit ähnliche anatomische Kenntnisse, aber selbst damals noch nicht mit jener Präzision, welche eine Darstellung dieser Art möglich gemacht hätte. Nicht einmal aus der Renaissancezeit ist eine ähnlich gediegene und ungewöhnliche Produktion überliefert, auch nicht aus schriftlichen Beschreibungen oder Hinweisen. Dies trifft auch für die technische Fähigkeit zur Herstellung zu, etwa durch fototechnische Mittel. Gegen eine Fälschung im Mittelalter, noch dazu vor der Renaissance, spricht daher mit großer Wahrscheinlichkeit, dass es keine einzige mittels solcher Techniken hergestellte vergleichbare Schöpfung aus jener Zeit gibt, auch keine Berichte von erfolgreich angewandten Verfahren, die zu dieser Fälschung notwendig gewesen wären. Die geistesgeschichtliche Entwicklung für solche absichtliche Produktionen war damals offenbar noch gar nicht gegeben. Wenn schon die erfolgreiche Anwendung der einzelnen Verfahren für jene Zeit sehr zweifelhaft ist, umso mehr die Kombination von solchen für damalige Zeit zweifellos ungewöhnlicher Verfahren in einem Werk. Falls ein solches ungewöhnliches Werk absichtlich zum Zweck der Fälschung geschaffen wurde, wäre dazu jedenfalls eine ganz hervorragende Werkstatt nötig gewesen, in der mehrere Menschen mit ungewöhnlichen Kenntnissen und Fertigkeiten, welche schon einzeln sowohl vorher, als auch danach sonst bisher nicht bekannt sind, zusammengewirkt hätten. Schon die Hypothese der Existenz solcher genialer Einzelpersonen für jede einzelne der zu solcher Fälschung nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu jener Zeit ist durchaus zweifelhaft, umso unwahrscheinlicher ist, dass deren mehrere an einem Platz vereinigt gewesen wären. Eine solche Werkstatt wäre offenbar nur für dieses einzelne Werk zusammengetreten, hätte sich danach aber gleich wieder aufgelöst, ohne sonstige Spuren in der Geschichte hinterlassen zu haben, was aller bisherigen Erfahrung und der Wahrscheinlichkeit widerspricht. Dem geläufigen Geschichtsbild gemäß bestand im Mittelalter außerdem die Ansicht, dass Jesus als Gottessohn weniger im Körper als im Geiste wirksam war, was auch in den für die Kunstwerke der Zeit typischen - aus heutiger Sicht verzerrten - Proportionen der dargestellten Körper zum Ausdruck kam, weswegen eine eher körperbewusste Darstellung bei Verwendung einer jener Zeit vorauseilenden Wissenschaftlichkeit bei einer Fälschung wohl kaum für notwendig erachtet worden wäre. Zwar gab es im Mittelalter Fälschungen, aber eine solche Darstellung Christi, wenngleich diese heute als äußerst präzise angesehen wird, hätte dem Anspruch des damaligen Denkens nicht einmal entsprochen und der Fälschungszweck wäre somit nicht erreicht, ja möglicherweise sogar verfehlt gewesen. Das heißt, die Motivation, diese - noch dazu so ungewöhnliche - Leistung zu erbringen hätte damals wohl kaum bestanden. Aus rationaler Sicht ist es nicht sinnvoll, anzunehmen, dass die Menschheit einer Zeitepoche nur in einem einzigen Werk eine so weit und in so vielen Aspekten die bis dahin bekannte geistesgeschichtliche Entwicklung überschreitende Produktion, nämlich eine solche Darstellung eines über die damals üblichen Kenntnisse hinausgehend exakt darzustellenden Körpers, erfolgreich hervorgebracht hätte. Solange keine annähernd ähnliche Hervorbringung jener Zeit überliefert ist, ist eine Fälschung im Mittelalter hochgradig unwahrscheinlich.
Nach Angaben des Direktors des Jerusalem Museums, L. Y. Rahamni, war es im 1. Jahrhundert kein jüdischer Brauch, Münzen in den Augen der Toten zu platzieren, und bisher seien keine Münzen des entsprechenden Zeitraumes in einem jüdischen Grab aus dieser Zeit gefunden worden.
Die botanischen Untersuchungen werden vielfach sehr stark angezweifelt. Speziell an der Seriosität der Arbeiten Dr. Max Frei-Sulzers entzündete sich Kritik. Dies beruht darauf, dass Frei-Sulzer Anfangs der 1970er in Zusammenhang mit dem Ergebnis einer Untersuchungskommission, welche die Zürcher Regierung 1971 einsetzte, um die Tätigkeit Frei-Sulzers zu prüfen, von seinem Posten als Leiter des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei zurücktrat. Grund waren zahlreiche fehlerhafte Gutachten, an denen Frei-Sulzer mitwirkte und die teilweise zur Verurteilung von Personen führten. Die Untersuchungskommission bemängelte schwerwiegende Fehler und kam z. B. in einem Fall zu dem Schluss: „Dr. Frei-Sulzer war in der Bewertung der Ergebnisse seiner Untersuchungen und in den daraus gezogenen Schlüssen zu wenig kritisch. Das Gutachten könnte den Eindruck erwecken, es habe unbedingt jemand der Tat überführt werden sollen.“ Später war Frei-Sulzer mitverantwortlich für das Gutachten, als Anfang der 1980er in New York auch die angeblichen Hitler-Tagebücher von mehreren Gutachtern fälschlich für echt befunden wurden, was seinem Ansehen weiteren Schaden hinzufügte. So vermutete etwa Stephen Schafersman öffentlich eine Fälschung der Untersuchungen durch M. Frei-Sulzer, indem die Proben z. B. durch Pollen künstlich angereichert worden sein sollen. Da auch die späteren Pollenuntersuchungen durch A. Danin auf den Proben von M. Frei-Sulzer basieren, wären somit auch diese betroffen. Genährt wurde der Verdacht dadurch, dass Pflanzenpollen durch M. Frei-Sulzer einzelnen Arten anstelle von übergeordneten Gattungen zugewiesen wurden, da Pollen verwandter Arten oft schwer zu unterscheiden sind. Solches beweist aber eher die Sachkenntnis des Prüfers. Dass die Pollen an Frei-Sulzers Proben hauptsächlich aus den Gebieten der Türkei und von Palästina stammen, aber nur sehr wenige aus Frankreich oder Italien, zog den Verdacht von Skeptikern auf sich, kann aber auch damit erklärt werde, dass das Grabtuch dokumentarisch gesichert die letzten Jahrhunderte in geschlossenen Räumen sowie in einem Schrein verbrachte. Der Mikrobiologe Joe Nickell vermutete eine Kontamination durch fehlerhafte Probenentnahme mit Hilfe der Klebebänder, da die Klebebänder nur sehr wenig Pollen enthalten und nur ein Klebeband sehr viel Pollen enthält, diese aber an einer Stelle, welche mit dem Tuch nicht in Berührung gekommen ist. Diese Probenentnahme fand allerdings im Beisein von Zeugen statt und wurde mit Fotos dokumentiert, so dass wohl nur eine unbeabsichtigte und schwer zu erkennende subtile Fehlerquelle in Frage käme. Auch die angeblichen Abbildungen von Pflanzenteilen auf dem Tuch wurden kritisiert. Sie sind, wenn überhaupt, nur schwer zu erkennen, und dann vermutlich eher eine Illusion, ähnlich z. B. den früher oft behaupteten Marskanälen, welche durch die Wahrnehmungspsychologie erklärt werden können. Universitätsprofessoren aber, die sich jahrelang mit dieser Problematik beschäftigt haben, bewerten dies anders.
Ein ähnliches Fischgrätmuster, aber nicht diese Technik aus der Antike, war aber auch zur Wikingerzeit im frühen Mittelalter sehr verbreitet, wie beispielsweise Funde in Haithabu, die im Wikinger-Museum-Haithabu ausgestellt sind, zeigen. Die Fäden des Grabtuches sind handgesponnen, was bis zur Erfindung der Spinnmaschine im Jahre 1764 durch James Hargraves die übliche Methode war.
Sogar die Zusammensetzung des Leinentuches ist schon lange untersucht worden. Eine Reihe von Entdeckungen basiert auf zwei kleinen Gewebefragmenten und einigen Fasern, die 1973 dem Tuch entnommen und einem international bekannten Textilexperten, Professor Gilbert Raes von der Universität Gent in Belgien, übermittelt worden waren. Prof. Raes fand in dem hauptsächlich aus Leinen bestehenden Tuch Spuren von Baumwolle aus dem nahen Osten. Diese Baumwolle (Gossypium herbaceum) war bis ins 14. Jahrhundert in Europa unbekannt. Dieses Argument würde den Zeitraum für eine eventuelle Fälschung des Tuches zusätzlich zu den historischen gesicherten Daten und Radiokarbon-Daten auf einen Zeitraum zu Beginn des 14. Jahrhunderts bis zur erstmaligen Ausstellung des Tuches in der Mitte des 14. Jahrhunderts einschränken. Einzelne Leinentücher könnten aber auch durch Kreuz- oder Tempelritter aus dem nahen Osten nach Europa mitgebracht worden sein.
Zudem bewies eine Untersuchung der Blutspuren auf dem Grabtuch angeblich, dass sie aus der seltenen Blutgruppe AB bestehen, was von Skeptikern allerdings angezweifelt wird. Es existiert nicht der geringste Zweifel darüber, dass es heutzutage technisch möglich ist, anorganisches Material wie Farbe von organischem wie Blut zu unterscheiden. Die Schwierigkeit scheint aber darin zu liegen, dass es sich hier nicht um eingetrocknetes Blut, sondern nur um Blutbestandteile handelt. Neue Probeentnahmen zwecks weiterer Untersuchungen wären deshalb angebracht. Neuere Behauptungen von angeblichen DNA-Spuren in den Blutrückständen beruhen auf nicht autorisierten fragwürdigen Proben und werden auch von Alan Adler, welcher ansonsten die Authentizität der Blutrückstände vertritt, als unglaubwürdig abgelehnt. Zudem hätte praktisch jeder, der in der Vergangenheit mit dem Tuch in Berührung kam, DNA-Spuren hinterlassen.
| Probe | Oxford | Zürich | Arizona |
|---|---|---|---|
| Turiner Grabtuch | 750 | 676 | 646 |
| Kontrollprobe (Fäden, 1290–1310 n. Chr) | 755 | 685 | 722 |
| Kontrollprobe (Leintuch, 11./12. Jhd. n. Chr) | 940 | 941 | 927 |
| Kontrollprobe (Leintuch, 1. Jhd. v. Chr–1. Jhd. n. Chr) | 1980 | 1940 | 1995 |
| Radiokarbonalter in yr BP (Jahre vor 1950), wie sie von den drei Laboratorien gemessen wurden. Jedes Labor erhielt auch drei Kontrollproben bekannten Alters. (P. E. Damon et al. 1988, Radiocarbon Dating of the Shroud of Turin, Nature, Vol. 337) | |||
Einige Befürworter der Christusthese behaupten, dass das Feuer von 1532 die Ergebnisse der Datierung verfälscht hat. Demnach könnten unerforschte Stoffe beim Brand oder bei der Reinigung in das Tuch eingedrungen sein. Laut einer im Jahr 2002 verbreiteten Meldung fanden russische Forscher um A. V. Gelyakov angeblich heraus, dass das in die Fasern des Stoffes evtl. eingedrungene Pflanzenreinigungsöl das Tuch bei den Messungen der drei Institute um 1300 Jahre jünger habe erscheinen lassen. Allerdings ist keine Quelle in einem reviewten wissenschaftlichen Journal, in dem diese Forschung von Gelyakov detailliert beschrieben wird, bekannt. Zudem sind diese Behauptungen praktisch identisch mit früheren Behauptungen in Artikeln des angeblichen russischen Forschers D. Kouznetsov, dessen Forschungsarbeiten sich inzwischen als Fälschungen erwiesen haben. So fand M. Polidoro bei Nachforschungen in den Arbeiten Kouznetsovs eine große Anzahl von Zitaten auf wissenschaftliche Artikel, welche nicht existieren, zusätzlich existieren Museen nicht, von denen Kouznetsov die angeblichen Proben für seine Forschungen erhalten haben will, und vieles mehr. Selbst das Forschungsinstitut, dessen Direktor Kouznetsov angibt zu sein, existiert nicht, und seine Forschungen sind vermutlich frei erfunden, zumindest aber sicher verfälscht.
Aus der Grundgleichung der Radiokarbonmethode – dem radioaktiven Zerfallsgesetz – kann leicht hergeleitet werden, dass eine Verfälschung um 1300 Jahre durch eine Verschmutzung aus dem Jahr 1532 eine Kontamination zu 88 Prozent mit Kohlenstoff, der aus Verunreinigungen wie Ruß, Pflanzenöl oder ähnlichem stammt, benötigen würde. Der Kohlenstoff der Proben müsste also zu neun Anteilen aus dem Kohlenstoff der Verunreinigungen und nur zu einem Teil aus dem Kohlenstoff des Grabtuches bestanden haben, was wohl mit Sicherheit bei der Probenpräparation aufgefallen wäre. Da die Leinenfasern bereits zu einem Großteil aus Kohlenstoff bestehen, müsste das Tuch durch eine so starke Verschmutzung mindestens ein Vielfaches an Gewicht zugenommen haben. Die einzelnen Proben sind von den drei Instituten auf Verschmutzungen inspiziert und verschiedenen chemischen und mechanischen Reinigungsprozeduren unterworfen worden. Wenn durch die eine oder andere Prozedur eine Verschmutzung nicht oder nur unvollständig gereinigt wird, würde sich das sehr wahrscheinlich in unterschiedlichen Radiokarbonaltern für die Proben bemerkbar machen, was nicht der Fall ist. Andere behaupten, dass die Auferstehung eine große Zahl von Neutronen erzeugt hätte, die den C-14-Anteil im Tuch erhöht hätten. Hier muss allerdings eingewendet werden, dass hier ein Wunder vorausgesetzt wird und die Theorie damit nicht mehr wissenschaftlich ist. Trotzdem wären die Konsequenzen interessant, da dann auch andere Radionuklide im Tuch entstanden sein müssten, welche heute noch nachweisbar wären.
Wieder andere glauben, dass Bakterien und Pilze, die z. B. laut L. A. Garza-Valdes durch eine Schutzschicht den Verfall des Tuches verhindern, die Verteilung der Isotope beeinflusst hätten. Gemäß Garza-Valdes wurde dies bei Einwicklungsbändern von zwei ägyptischen Mumien nachgewiesen, deren durch die Radiokohlenstoffdatierung ermitteltes angebliches Alter Jahrhunderte von der der Mumie abwich. In einem Fall, einer Ibis-Mumie, wäre das wahre Alter (2625 Jahre) demnach um etwa 20 Prozent höher als das gemessene Radiokarbonalter der Einwickelbänder (2225 Jahre) und bei der Mumie eines dreizehnjährigen Mädchens wäre das wahre Alter (3161 Jahre) 80 Prozent höher als das gemessene Alter (1758 Jahre), wofür also viel weniger Verunreinigung nötig ist, als es nötig wäre, einen relativen Fehler von 200 Prozent zu erklären, wenn das wahre Alter des Grabtuches etwa 2000 Jahre sein sollte, anstatt des Alters von 663 Jahren gemäß der Radiokohlenstoffdatierung. Zudem wurde vom Labor des Britischen Museums, welches die Datierung der Mädchen-Mumie durchführte, ein Fehler während der Messung eingeräumt, die das Radiokarbonalter verfälscht haben könnte. Im Fall der Ibis-Mumie ist es wahrscheinlich, dass nicht die Umwicklung zu jung datiert wurde, sondern der Ibis zu alt, da Ibisse gern in der Nähe von Gewässern leben und sich zum Großteil von Fischen ernähren. Hier müssten dann Reservoireffekte von Gewässern zur korrekten Radiokohlenstoffdatierung berücksichtigt werden.
Die benötigte Kontamination, um einen so großen Fehler von 1300 Jahren durch Verunreinigung gemäß Garza-Valdes zu erzeugen, liegt selbst im günstigsten Fall, wenn die Kontamination durch Mikroorganismen erst im 20. Jahrhundert entstanden wäre und nur aus phototrophen Bakterien bestehen würde (also Bakterien, die ihren Kohlenstoffbedarf durch Photosynthese aus dem Kohlendioxid der Luft decken würden), bei 66 Prozent und ist damit wohl unwahrscheinlich. Nach L. A. Garza-Valdes sind die Bakterien und Pilze aber auch für das Zustandekommen des Bildes verantwortlich, demnach müssen diese schon im 14. Jahrhundert vorhanden gewesen sein, und die benötigte Kontamination müsste dementsprechend viel höher sein. Wichtig wäre hier auch der Stoffwechsel der Mikroorganismen. Nur wenn diese Photosynthese betreiben (zum Beispiel fototrophe Bakterien) – wozu aber Licht nötig ist und was damit nicht möglich war, solange das Tuch in einem Behälter aufbewahrt wurde – nehmen sie Kohlendioxid aus der Luft auf und verfälschen das Radikarbonalter des Tuches. Die meisten Bakterien und alle Pilze sind allerdings chemotroph; deswegen ist es wahrscheinlicher, dass sich die Mikroorganismen von ihrem Substrat ernähren, also dem Grabtuch selbst. In diesem Fall ist der Kohlenstoff der Mikroorganismen mit dem Kohlenstoff des Tuches identisch und das Radiokarbonalter wird überhaupt nicht verfälscht. Hinzu kommt, dass auch eine absichtliche Vertauschung der Proben vor der Datierung durch interessierte Kreise von einigen für möglich gehalten wird, was aber schwierig gewesen sein dürfte, da die Probenentnahme unter anderem durch Videoaufnahmen dokumentiert wurde, die Verteilung der Proben aber nicht. Ebenso könnte der 7,5 cm breite Seitenstreifen am Längsrand nahe der Probenentnahmestelle erst 1389 aufgenäht worden sein, als Schutz vor Beschädigungen beim Hochhalten: „Das Tuch wird nämlich durch zwei Priester gezeigt, mit brennenden Fackeln auf einer erhöhten Bühne ...“ (Brief des Bischofs von Troyes, Pierre d'Arcis, an den Papst Ende 1389). Teile dieses Seitenstreifens sind evtl. mit in die Radiokarbonuntersuchung eingeflossen. Um einen Fehler des Radiocarbonalters um 1300 Jahre zu bewirken, müssten allerdings die Proben zu mindestens 96 Prozent mit dem Material aus dem Seitenstreifen bestehen. Es sollten also nicht nur einige Teile eingeflossen sein, sondern die Proben müssten größtenteils aus dem Seitenstreifen bestehen, was sehr unwahrscheinlich ist. Der Vatikan hat aber bis heute keine Erlaubnis zur neuerlichen Überprüfung erteilt.
Die Radiokohlenstoffdatierung ist heute eine Standardmethode, die, obwohl nicht unfehlbar, viele tausend Male mit Erfolg eingesetzt wurde. Der überwiegende Anteil an Fehlern, die bei dieser Methode auftreten und zu Fehldatierungen führen, ist nicht etwa verursacht durch unerkannte Verunreinigungen oder Problemen mit der Kalibrierung oder der Methode an sich, sondern durch Fehler im Labor (Kontaminierung bei der Probenzubereitung, Fehler bei der Durchführung der Messungen, Vertauschung der Proben etc.). Gerade diese Fehlerquellen sind aber bei der Datierung des Grabtuches praktisch ausgeschlossen, da hier drei Institute unabhängig gearbeitet haben und die Datierung wegen der öffentlichen Aufmerksamkeit für die beteiligten Institute sicher auch entsprechende Priorität gehabt hat, so dass sicher das erfahrenste Personal zur Arbeit eingesetzt wurde.
Da das Gummiarabikum chemisch leicht entfernbar ist, schließt er, dass die Reinigungsprozeduren bei der 1988 durchgeführten Radiokohlenstoffdatierung diese beseitigt haben müssen. Das Vanillin ist sowieso ein Zerfallprodukt des Stoffes und beeinflusst eine Radiokohlenstoffdatierung nicht. Deswegen sei eine Verfälschung der Radiokohlenstoffdatierung an sich auszuschließen, allerdings glaubt Rogers zeigen zu können, dass der Probenort nicht repräsentativ für das Grabtuch ist. Zu diesem Schluss kommt er durch Berechnung der Zeit, die benötigt wird, bis die Vanillin-Konzentration, welche mit der Zeit abnimmt, unter der Nachweisgrenze liegt, so dass er ein minimales Alter für die STURP-Proben erhält. Diese minimalen Alter hängen stark von der angenommenen Umgebungstemperatur ab, bei einer Temperatur eine 25 °C kommt R. Rogers auf ein minimales Alter von 1.300 Jahren, bei 20 °C bereits auf ein minimales Alter von 3.000 Jahren. Demnach müsste also der überwiegende Teil des Grabtuches, von dem die STURP-Proben stammen, älter sein als der Ort, von dem die Radiokarbonproben stammen. Rogers schließt daraus, dass im Mittelalter kunstvoll ein Flicken in das Originaltuch eingewebt wurde, der bei der Entnahme der Proben als solcher nicht erkannt wurde, und daher versehentlich das Alter einer gestopften Stelle gemessen wurde.
Allerdings hat die neue Datierung einige Schwächen (siehe hierzu eine Meldung unter http://www.anomalistik.de/aktuell/news-2005-01-30a.shtml): Das mit dieser Methode datierte minimale Alter hängt stark von der Umgebungstemperatur ab (deshalb der sehr große Bereich von 1300 bis 3000 Jahren), insbesondere können kurze Zeiten mit hohen Temperaturen das gemessene Alter sehr stark erhöhen. Zum anderen ist diese neue chemische Datierungsmethode noch nicht mit Hilfe von anderen Proben bekannten Alters validiert, sondern wurde bisher nur im Zusammenhang mit dem Grabtuch verwendet. Aus der Erfahrung mit anderen chemischen Datierungsmethoden ist aber bekannt, dass man zunächst genau testen muss, ob das Ergebnis auch durch andere Faktoren beeinflusst wird, etwa die Zusammensetzung des Ausgangsstoffes, Anwesenheit anderer Substanzen und auch die Art der Probenentnahme und Lagerung. Vanillin kann prinzipiell durch viele Faktoren zerstört werden, was ein künstlich hohes Alter vortäuschen würde. Die Aussagekraft dieser Datierung (bzw. ob eine Datierung auf diese Art überhaupt möglich ist) lässt sich erst dann beurteilen, wenn diese Methode systematisch mit anderen Proben validiert wurde.
Nach vereinzelter, äußerst umstrittener Ansicht zeigt das Abbild indessen keine Anzeichen von Leichenstarre, denn der Körper scheine mit etwas angewinkelten Beinen wie vom Kreuz abgenommen im Tuch gelegen zu haben. Die Entstehung des Bildes ist nach dieser Ansicht durch Körperwärme hervorgerufen worden, da sie angeblich die einzige natürliche Energiequelle sei, die das Abbild erzeugen könne. Die Gleichmäßigkeit des Abbildes setze nämlich die gleichmäßige Körpertemperatur eines lebenden Körpers voraus. Ein Abdruck durch Dämpfe wäre aber nachweisbar verschwommen und nicht gestochen scharf wie bei einem Foto (siehe oben), was wiederum deutlich gegen diese These spricht. Laut Johannesevangelium (Joh. 19,39 und 40) lässt Nikodemus 30 Liter Salböl aus Aloe und Myrrhe zum Grab Jesus schicken – Substanzen, die in der Antike zum Einbalsamieren von Leichen, aber auch zur Wundheilung genutzt wurden.
Insgesamt gab es drei populärwissenschaftliche Bücher mit dieser These, die mit reißerischen Titeln wie "Skandal in Turin" oder "Fundamentalirrtümer des Christentums" angepriesen wurden. Sie folgern u. a. aus dem Grabtuch, dass Jesus nicht übernatürlich auferstanden sei, sondern die Kreuzigung überlebt habe. Dem widerspricht jedoch die Erfahrung römischer Schergen, welche ihren Vorgesetzten gegenüber in der strengen Pflicht standen, dass ein Hingerichteter auch tatsächlich zu Tode kam. Nicht zuletzt berichtet das Johannesevangelium von einer solchen Prüfung, bei der ein Soldat in die Seite des Gekreuzigten stieß, wobei „Blut und Wasser herausfloss“.
Wäre bei dieser Prüfung tatsächlich Blut geflossen, könnte man daraus nach vereinzelter Ansicht schließen, dass Jesus die Kreuzigung bis zu diesem Zeitpunkt überlebt haben könnte. Andererseits spricht vieles dafür, dass dieser Bericht durch den Wunsch des Verfassers motiviert war, hierdurch die (auch) menschliche - und nicht nur göttliche - Existenz von Jesus zu belegen, weil nach damaliger Auffassung ein Gott nicht bluten konnte.
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"Turiner Grabtuch".
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