Ein
Hügelgrab oder
Grabhügel ist eine Erdaufschüttung
unter bzw.
in der sich eine
Grabstätte, oft auch als Mehrfach-
Bestattungen befinden. Unterhalb oder in
Grabhügeln sind Körperbestattungen mit und ohne
Baumsarg,
Sarkophage,
Steinkisten (aus zusammengestellten Steinplatten) oder hölzernen Kammern (
Kammergräber), aber auch Urnengräber und verstreuter Leichenbrand zu finden.
Formen
Die Hügel können niedrig (um 1 m) oder hoch (2 bis 4 m) und außen von kleinen Gräben oder Steinkreisen umgeben sein. Kreisförmige Einbauten aus Steinkreisen im Innern (Ausgrabung
Uelzen, Stadthafen) oder Kreissegmenten (niedriger Größe) werden als bauliche Mittel zur Statikverbesserung der Hügel verstanden, könnten aber durchaus auch rituellen Bezug haben. Der Durchmesser der Aufschüttung kann von wenigen Metern bis zu mehr als 100 m reichen. Der
hallstattzeitliche Magdalenenberg bei
Villingen-Schwenningen hat rd. 46.000 m³ Schüttungsmasse. Dort fand man – neben einer zentralen Grabkammer – in der Aufschüttung 126 Nebengräber mit insgesamt 136 Bestattungen.
Die größten Grabhügel überhaupt sind wohl die Hügel über den Gräbern der frühen chinesischen Kaiser. Sie verbergen riesige interirdische Grabanlagen.
Grabhügel sind weder zeitlich noch kulturell oder regional einzugrenzen. Es gibt sie in der Steinzeit Europas ebenso wie in der Bronzezeit oder Eisenzeit. Die Griechen warfen in der Antike für ihre Helden ebenso Grabhügel auf. Grabhügel gibt es auch aus römischer Zeit und aus der Merowingerzeit. Die Wikinger in Skandinavien bestatteten Herrscher in Grabhügeln, die über einem Schiff aufgeworfen wurden (z.B. Schiffsgrab von Gokstad oder Osebjerg für die Königin Åse).
Archäologen haben mit der „Hügelgräberkultur (HGK)“ verschiedene lokale Kulturgruppen der Bronzezeit Europas vom Karpatenbecken bis zum Rheinland zusammengefasst, bei denen Grabhügel üblich waren.
Ein künstlicher Hügel, der weitgehend oder völlig aus Steinen besteht, wird englisch Cairn, auf schwedisch Rojr (Röse) genannt. Neben diesen Bezeichnungen sind in der Archäologie "Tumulus", "Barrow" und "Burial Mound" (englisch), "Tertre funéraire" (französischer Sprachraum) gebräuchlich. Die Steinhügel sind vielfach im selben Gebiet verbreitet in dem auch Megalithanlagen und Menhire vorkommen.
Wie weit Berge die Vorbilder für spätere Grabanlagen aus Stein waren, und ob die Pyramiden in Ägypten oder in Mittelamerika als Götterberge zu verstehen sind, bleibt der weiteren Forschung vorgehalten.
Geschichte
Bereits im Mesolithikum finden sich Bestattungen in
Muschelhaufen, die freilich nicht für diesen Zweck errichtet wurden. Es gibt in Mitteleuropa seit dem ausgehenden
Neolithikum irdene Grabhügel, echte Steinhügel kommen nicht vor. Die Totenhäuser (Kollektivgräber) der südlichen
Trichterbecherkultur (Walternienburg-Bernburg) aus Holz oder Trockenmauerwerk waren vermutlich von einem kleinen Erdhügel bedeckt. Typisch ist die Bestattung unter einem Hügel in Mitteleuropa erst für die
Schnurkeramische Kultur oder
Einzelgrabkultur bzw.
Streitaxtkultur und Jahrhunderte später die
Hügelgräberkultur der mittleren
Bronzezeit. Auch in der frühen
Eisenzeit (
Hallstattzeit) gibt es Hügelgräber, wie das von
Magdalenenberg bei
Villingen-Schwenningen aus der Stufe Hallstatt D1, das
dendrochronologisch an das Ende des
7. Jahrhundert v. Chr. datiert ist. Weiters wäre das Hügelgrab von
Eichlehen im
Frankfurter Stadtwald zu nennen, das in die Stufe Hallstatt C1-2 datiert wird. Das abgebildete Grab von
Hochdorf an der Enz stammt ebenfalls aus der Hallstatt-Zeit (HaD).
Hügelgräber finden sich auch in der späten Kaiserzeit und im Frühmittelalter, z. B. in
Sutton Hoo.
Verbreitung
Hügelgräber finden sich in Eurasien in zahlreichen Ländern und Kulturen.
Europa
Westeuropa
In
Großbritannien finden sich Hügelgräber (etwa 200) Long- und (etwa 40) Round-
Barrows, aus der
Jungsteinzeit. Vor allem in den Grafschaften
Dorset,
Hampshire,
Yorkshire und
Wiltshire, hier rund um die Ortschaft
Avebury aber auch in Schottland gibt es diese Grabhügel mit ganz unterschiedlicher Detailgestaltung. Keine Hügelgräber sind
Megalithanlagen, die zwar mit Erde bedeckt sind, wie der
West Kennet Long Barrow, aber als Megalithic Tombs bezeichnet werden. Einige
Long Barrows sind also keine Hügelgräber im eigentlichen Sinne. Auch der
Silbury Hill, der noch nicht vollständig untersucht werden konnte, ist vermutlich kein Hügelgrab.
In Frankreich wo diese Grabhügel Tumuli heißen, finden sie zwei unterschiedliche Formen. Zum einen die spermienförmigen Langhügel (über 200 m) der mittelneolithischen Cerny Kultur im Pariser Becken, zum anderen die Tumuli in der Bretagne, darunter der Tumulus St. Michel in Carnac als größter Erdhügel auf dem Kontinent. Der Tumulus St.Michel ist für die Öffentlichkeit gesperrt und nur noch für wissenschaftliche Zwecke zugänglich.
= Deutschland
=
= Österreich
=
- Großmugl
- Niederhollabrunn( Niederösterreich)
- Niederfellabrunn
- Unterzögersdorf
- Obermalebern
-
Nordeuropa
Die Hügelgräber in
Skandinavien (
dänisch: Gravhøj,
schwedisch: Gravhög, plur. Gravhögar) wurden (wie die in der norddeutschen Tiefebene) ab dem
Endneolithikum bis ins 11. Jahrhundert n. Chr. angelegt. Viele dänische Hügel sind ausnehmend groß. Von den kleineren sind viele in der Zwischenzeit durch Pflügen zerstört worden. In Schweden gibt es große Steinhügelgräber (Röser) und kleine (2 - 3 m) runde Steingräber. Einige sind wie zu kurzgeratene Säulen geformt, wie die Trullhalsar auf
Gotland.
Osteuropa
Die moldauischen,
südrussischen, ukrainischen und bessarabischen (
Moldawien/
Rumänien) Kurgane - Rundhügel mit Einzelbestattungen - wurden von halbnomadischen Völkern der
Balkengrab- und
Grubengrabkultur errichtet und waren ein Charakteristikum der
Steppe.
Südeuropa
Die
Etrusker errichteten ab dem 7. Jahrhundert v.Chr.
Totenstädte in denen sich zahlreiche Tumuli befanden. Sowohl einfache Erdhügel als auch fest ummauerte Grabhügel mit unterirdischen Grabkammern wurden in
Cerveteri,
Populonia und anderen etruskischen Ausgrabungsstätten gefunden.
Afrika
Ägypten
In
Ägypten wurden Tumuli bis zum Ende der
vordynastischen Zeit für Beerdigungen genutzt, sind somit die Vorläufer der
Mastabas und der
Pyramiden.
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Sudan
In fast allen
nubischen Kulturen (z.B.
C-Gruppe,
X-Gruppe, aber auch in historischer Zeit) kommen Hügelgräber vor.
Asien
Japan
In
Japan werden die Tumuli, die verstorbenen Machthabern errichtet wurden, als „
Kofun“ bezeichnet. Die
Kofun-Zeit der
japanischen Geschichte (etwa 300-552, japanische Epochengliederung: etwa 300 - 710) leitet ihren Namen von diesen Gräbern her, deren größtes mehr als 700 Meter lang ist.
Weblinks
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