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Gottfried Freiherr von Cramm, auch genannt der Tennis-Baron, (* 7. Juli 1909 in Nettlingen bei Hannover, † 9. November 1976 bei Kairo, Ägypten) war ein deutscher Tennisspieler. Er trug den Adelstitel Baron und entstammte dem süd-ost-niedersächsischen Adelsgeschlecht derer von Cramm. Gottfried von Cramm spielte 101 mal für Deutschland im Davis-Cup und konnte dabei 82 Spiele im Einzel und Doppel gewinnen. In den 1930-er Jahren war er trotz kritischer Haltung zum Nationalsozialismus ein außerordentlich populärer Sportler, der zum Ende des Zweiten Weltkrieges aus Deutschland floh.
Herkunft
Die
von Cramm sind ein bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähntes
Rittergeschlecht, deren Herkunft im Dorf
Cramme im heutigen
Landkreis Wolfenbüttel vermutet wird. Die Adelsfamilie war seit dem 13. Jahrhundert Mitinhaber und ab dem 17. Jahrhundert Alleineigentümer von
Schloss Oelber in
Oelber am weißen Wege, einem Ortsteil von
Baddeckenstedt in
Niedersachsen.
Leben
Jugend
Gottfried von Cramm kam als drittältester Sohn von Burghard von Cramm und Ehefrau Jutta, geborene von Steinberg, im Schloss Nettlingen auf die Welt. Er hatte sechs Brüder und wuchs auf dem elterlichen Schloss und
Rittergut in
Brüggen auf.
Er genoß Privatunterricht auf dem Schloss und legte das Abitur ab. Schon früh war der Berufswunsch des Tennisspielers vorhanden.
Ehen
Vor dem Zweiten Weltkrieg war er kurz verheiratet, bis die Ehe 1937 scheiterte. Zu dieser Zeit hatte er in Ägypten eine kurze Romanze mit der
Woolworth-Erbin
Barbara Hutton . Er sah sie 1951 in Deutschland wieder und machte sie 1955 als 5. Ehemann zur
Freifrau von Cramm. Die Ehepartner waren jedoch geschäftlich getrennt unterwegs und die Ehe scheiterte schon 2 Jahre später, wurde aber erst 1960 geschieden.
Inhaftierung
1938 wurde er inhaftiert und wegen Verstoßes gegen den
§ 175 des
Strafgesetzbuches (
Unzucht zwischen Männern) zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt. Laut der Urteilsbegründung habe er eine Beziehung zu dem Juden Manasse Herbst unterhalten und ihm durch finanzielle Unterstützung die Flucht aus Deutschland ermöglicht. Von Cramm wurde in das
Strafgefangenenlager Rollwald verbracht. Nach einem halben Jahr Haft wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Die Umstände ließen darauf schließen, das die Nazis mit strafrechtlicher Verfolgung gegen eine politisch unliebsame Person vorgingen. Er stand nicht hinter dem Regime und weigerte sich, der
NSDAP beizutreten. Auch während seiner Tennis-Weltreise 1937/38 (siehe Tennissport) vertrat er nicht in gewünschter Weise den nationalsozialistischen Sport und erweckte beim Regime den Eindruck politischer Unzuverlässigkeit.
Zweiter Weltkrieg und danach
1940 wurde von Cramm in die Wehrmacht einberufen und an die
Ostfront geschickt. 1942 wurde er als Vorbestrafter, der kein Offizier werden konnte, entlassen. In der Folge reiste er oft nach Schweden und setzte sich im letzten Kriegsjahr 1945 ganz nach dort ab. Gottfried von Cramm hielt sich dort mit Unterstützung des tennis-interessierten schwedischen Königs
Gustav V. als Flüchtling auf. Vermutlich unterhielt er Kontakte zum
deutschen Widerstand.
Nach dem Krieg wurde er 1948 Besitzer des Rittergutes Wispenstein bei Alfeld, wo er seinen Wohnsitz nahm. Die von Cramms hatten ihren Besitz kurzerhand an die 7 Söhne aufgeteilt, weil sie Besitzverlust durch eine Bodenreform befürchteten. Das Gut ließ von Cramm verwalten und verbrachte wegen seiner sportlichen Karriere dort nur wenig Zeit. Beruflich wechselt er in den Kaufmannsberuf und gründete 1951 in Hamburg eine Importfirma für ägyptische Baumwolle.
Von Cramm starb 1976 während einer Geschäftsreise bei einem Autounfall in der Nähe von Kairo in Ägypten. Nach ihm ist ein Weg in Berlin benannt, an dem die Tennisanlage des Vereins LTTC Rot-Weiß Berlin liegt, dem Cramm angehörte. Sein Grab befindet sich bei der Familienkapelle derer von Cramm in Oelber am weißen Wege nahe dem Schloss Oelber. Posthum wurde er 1977 als erster Deutscher in die International Tennis Hall of Fame, ein Tennismuseum in den USA, aufgenommen.
Tennissport
Von Cramm begann mit dem Tennisspiel im Alter von 11 Jahren. Der Verlust der rechten Zeigefingerkuppe durch einen Pferdebiss beeinträchtigte ihn dabei nicht. Nach dem Abitur zog er nach Berlin, um Jura für seine angestrebte Diplomatenlaufbahn zu studieren. Beim Tennis im Spitzenclub
Rot-Weiß wird sein Talent erkannt und er taucht schon bald in der deutschen Tennis-Rangliste auf. Aufgrund der Teilnahme an Turnieren im europäischen Ausland brach er sein Studium ab und erreichte schon 1934 die Welt-Tennis-Elite. In dieser Zeit ist er neben
Max Schmeling der populärste Sportler Deutschlands.
1937 ging von Cramm im Auftrag des Deutschen Tennis Bundes mit anderen Spitzenspielern per Schiff auf eine Weltreise. Er vertrat bei Turnieren in der USA, Japan, Indonesien und Australien das deutsche Tennis in der Welt. Bei seiner Rückkehr 1938 nach 200 Tagen wurde ein Empfang durch den Reichssportführer in Berlin abgesagt. Einen Tag nach der Ankunft wurde er inhaftiert und angeklagt (siehe Inhaftierung). Aufgrund dieser Ereignisse und seiner kritischen Haltung zum Nationalsozialismus durfte er 1939 nicht am Tennisturnier in Wimbledon teilnehmen.
Nach dem Krieg setzte er seine Tennislaufbahn fort und wurde 1947 sowie 1948 zum ersten Sportler des Jahres in Deutschland gewählt. Er war am Wiederaufbau des deutschen Tennissports beteiligt und Mitbegründer des Deutschen Tennis Bundes. Auch fördert er den Tennisnachwuchs. Als fast 42-jähriger nahm er 1951 noch einmal (erfolglos) am Wimbledon-Turnier teil und bestritt sein letztes Davis-Cup-Match 1953.
Fair Play
Gottfried von Cramm als populärster Tennisspieler seiner Zeit war ein großer Vertreter von
Fair Play, der nie Weltmeister wurde. Ihm mangelte es am Willen zum Sieg um jeden Preis. Das hatte allerdings auch zur Folge, dass der dreimal Endspiele in Wimbledon verlor. Die Presse bezeichnete ihn als würdevollen Verlierer und als elegantesten sowie anmutigsten Spieler aller Zeiten.
Zitat eines Spielgegners:
- Er spielte schönes, einfach beneidenswert schönes Tennis, das war ihm wichtiger als der Sieg
Größte Erfolge
Von Cramm war drei Mal unterlegener Finalist in
Wimbledon (
1935,
1936,
1937). Zwei Mal gewann er die
French Open (
1934, 1936). Sechs Mal gewann er das Turnier am
Hamburger
Rothenbaum (
1932,
1933, 1934, 1935, 1948,
1949).
Die US Open konnte er 1937 im Doppel gewinnen (zusammen mit Henner Henkel). In Wimbledon war er mit Hilde Krahwinkel 1933 im Mixed erfolgreich.
Weblinks
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