Gottfried Semper (* 29. November 1803 in Hamburg; † 15. Mai 1879 in Rom) war einer der bedeutendsten deutschen Architekten in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Semper wurde als Sohn eines wohlhabenden Wollfabrikanten in Hamburg geboren und am 4. Januar 1804 im holsteinischen Altona (damals zum Königreich Dänemark gehörig!) getauft. Nach der französischen Besetzung Hamburgs 1806 zog die Familie nach Altona. Er war das fünfte von acht Kindern.
Die Schulzeit verbrachte er zunächst auf der Gemeineschule in Barmstedt bei Hamburg und besuchte ab 1819 die hamburger Gelehrtenschule des Johanneums.
Nach dem Abitur 1823 begann er in Göttingen das Studium der Mathematik und Geschichte.
Nach einem vergeblichen Versuch 1825 eine Stelle als Volontär bei den Düsseldorfer Hafen- und Wasserbauten zu erlangen, schrieb er sich Ende des Jahres in der Architekturklasse der Kunstakademie München ein, ohne allerdings ernsthafte Studien zu betreiben.
1826 ging er nach ausgedehnten Wanderungen durch Deutschland (Heidelberg, Würzburg, Regensburg) im Dezember nach Paris um für den Architekten der Pariser Krankenhäuser Franz Christian Gau zu arbeiten. Hier arbeitete er konzentriert an mehreren Studienentwürfen.
1828 begann er als Volontär am Hafenbau in Bremerhaven zu arbeiten, reiste aber schon 1829 zu einem erneuten Studienaufenthalt nach Paris zu Gau. Dort erlebte er begeistert die Juli-Revolution.
Zwischen 1830 und 1833 bereiste er Italien und Griechenland, um Bauten der Antike zu studieren. 1832 war er deshalb vier Monate lang an archäologischen Forschungen auf der Athener Akropolis beteiligt. Dabei interessierte ihn vor allem die in der Biedermeierzeit aufgeworfene Frage, ob die Bauwerke der Griechen und Römer bunt bemalt waren oder nicht (Polychromiestreit). Sein 1834 unter dem Titel "Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architectur und Plastik bei den Alten" publiziertes "Ja", das er durch Farbuntersuchungen an der Trajanssäule in Rom untermauerte, machte ihn schlagartig europaweit bekannt.
Dresden Hoftheater J C A Richter.jpg Am 17. Mai 1834 erhielt Semper auf Betreiben Franz Christian Gaus einen Ruf als Professor der Architektur an die Königlichen Akademie der bildenden Künste zu Dresden und wird am 30. September in dieses Amt eingeführt. Er leistete dem sächsischen König den Untertaneneid und wurde damit Sächsischer Staatsbürger. Er wurde Mitglied des Sächsischen Kunstvereins.
Am 1. September 1835 ehelichte Semper die Majorstochter Bertha Thimmig. Aus der Ehe gehen in den Jahren bis 1848 sechs Kinder hervor.
1837 legte er die ersten Entwürfe zu einer Erweiterung des Zwingers (Zwingerforum) und eines Hoftheaters vor. Davon wurde in den nächsten Jahren das 1841 eröffnete erste Hoftheater (1869 abgebrannt) ausgeführt. Die Pläne zum Zwingerforum wurden mehrfach überarbeitet, aber keiner realisiert. Statt dessen wurde 1846 entschieden, den Zwinger nach Nordosten durch eine Gemäldegalerie abzuschließen. Semper reiste nach Italien um dort Galerien kennenzulernen. Der von ihm vorgelegte Entwurf wurde zur Ausführung angenommen. Bereits im Sommer 1847 wurde mit der Ausführung begonnen, die 1855 abgeschlossen war. Die damit entstandene Platzanlage zwischen Zwinger, Hofkirche und Schloss durch den Bau der Gemäldegalerie und des Hoftheaters beeindruckt noch heute als wirkungsvolles Ensemble.
Neben diesen großen Aufträgen entstanden auch andere Bauten, die untrennbar mit seinem Namen verbunden sind, etwa das Maternihospital, die (im Dritten Reich zerstörte) Synagoge, das Stadtpalais Oppenheim oder die für den Bankier Martin Wilhelm Oppenheim errichtete Villa Rosa. Letztere gilt als Prototyp deutscher Villenarchitektur.
P4024357 (Small).JPG Am Dresdner Maiaufstand 1849 beteiligten sich Gottfried Semper und sein Freund Richard Wagner als überzeugte Republikaner an vorderster Front. Eine Vielzahl demokratisch gesinnter Leute wollte mit ihrem Widerstand gegen die Obrigkeit bürgerliche Grundrechte erstreiten. Semper war Angehöriger der Dresdner Kommunalgarde und ließ Barrikaden umbauen. Er trat jedoch, obwohl aufgefordert, nicht der provisorischen Regierung bei, da er dies mit seinem Eid für nicht vereinbar hielt. Der Aufstand scheiterte am 9. Mai. Semper floh über Pirna, Zwickau und erreichte am 16. Mai Würzburg. Am gleichen Tag wurde von der neuen Regierung ein Steckbrief gegen den "Demokraten I. Klasse" und Haupträdelsführer" erlassen. Seine Familie blieb zunächst in Dresden.
Semper kehrte Dresden für immer den Rücken. Die sächsische Regierung hob den Steckbrief gegen ihn 1863 auf. Als das von ihm erbaute erste Hoftheater 1869 Opfer eines Feuers wurde und Sachsens König Johann auf Drängen der Bürgerschaft ihn mit dem Bau des zweiten beauftragte, lieferte er zwar die Pläne. Den Bau selbst leitete jedoch sein Sohn Manfred nach väterlichen Weisungen.
Semper wirkte ab 1855 als Professor für Architektur am neuen Polytechnikum und viele seiner Schüler sorgten später mit für seinen internationalen Ruhm, nicht ohne Eigennutz, denn die meisten Semperschüler aus Zürich sind selbst berühmte und erfolgreiche Architekten geworden. Die Bezahlung erlaubte es ihm, seine Familie aus Sachsen nach Zürich nachkommen zu lassen.
Zu den weiteren in der Schweiz entstandenen Bauten Sempers zählt unter anderem das Stadthaus in Winterthur.
Für König Ludwig II. von Bayern konzipierte Semper einen Entwurf für ein Richard-Wagner-Theater in München. Die Planung von 1864 – 1866 für das Festspielhaus blieb unrealisiert.
Semperstrasse_Leipzig.jpg Außerdem:
Mann | Deutscher | Architekt | Geboren 1803 | Gestorben 1879 | Pour le Mérite (Friedensklasse) | ETH Zürich
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