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Image-L. A. Muratori - Geschichte von Italien 426.jpg Google Book Search (ehemals: Google Print) ist ein Service der Suchmaschine Google mit dem Fernziel, das in Büchern gespeicherte Wissen der Welt vorwiegend durch Retrodigitalisierung für die Volltextsuche verfügbar zu machen.

Beschreibung


Google Book Search speist sich aus zwei Quellen: Google Print im engeren Sinn, dem - nicht weiter kontroversen - Kooperationsprojekt mit Verlagen, und dem juristisch umstrittenen Google Library, bei dem Bücher großer akademischer Bibliotheken ohne Zustimmung der Rechteinhaber massenweise gescannt werden.

Geschichte


Im Oktober 2004 wurde auf der Frankfurter Buchmesse auf einer Pressekonferenz der auf die Buchverlage ausgerichtete Aspekt von Google Print vorgestellt. Anwesend waren dabei auch die beiden Firmengründer Sergey Brin und Larry Page.

Erste Berichte über Google Print erschienen im gleichen Monat, im Dezember 2004 begannen Suchergebnisse aus gescannten Büchern in den Ergebnislisten der englischen Suchoberfläche Google.com zu erscheinen.

Seit April 2005 existiert eine eigene Suche für die Inhalte des Programms.

Im Oktober 2005 wurden zur Frankfurter Buchmesse deutsche und anderssprachige Benutzungsoberflächen vorgestellt.

Am 4. November 2005 wurde die Suchseite, nunmehr versehen mit einer Möglichkeit der Abfrage nach Zeiträumen in der erweiterten Suche, offiziell vorgestellt.

Am 17. November 2005 kündigte Google die Umbenennung des Dienstes in seinem Firmen-Weblog an. Jen Grant: Judging Book Search by its cover. Nov. 2005. Zu diesem Zeitpunkt leiteten Anfragen von print.google.com nach books.google.com um.

Kooperation mit den Verlagen


Google erhält von den Verlagen Bücher oder PDF-Dateien zugesandt. Die Bücher werden gescannt und durch OCR als E-Texte in den Index aufgenommen. Nutzer können jeweils nur vergleichsweise wenige Seiten des einzelnen Buchs einsehen. Nach einigen Seiten können nur (kostenfrei) registrierte Nutzer eine Anzahl weiterer Seiten einsehen. Eine Reihe von Seiten ist von vornherein für den Zugriff gesperrt. Nach Erschöpfung des Tageskontingents können keine weiteren Seiten betrachtet werden. Frei zugänglich sind in der Regel das Inhaltsverzeichnis, nicht selten auch das Register.

Google schützt die Inhalte durch ein Digital Rights Management. Die gefundenen Seiten bauen sich langsam auf und können mit den üblichen Mitteln weder abgespeichert noch ausgedruckt werden. Allerdings kursieren im Netz einfache Anleitungen, diesen Schutz zu umgehen.

Kooperation mit Bibliotheken


Google hat vor, in den nächsten Jahren den kompletten Bestand der Bibliothek der University of Michigan (über 7 Millionen Bände) einzuscannen sowie große Teile der US-Universitätsbibliotheken Harvard und Stanford, der New York Public Library und in Europa der Bodleian Library in Oxford.

Heftige Kritik von Autoren- und Verlegerseite hat Google dazu gebracht, das Scannen von urheberrechtlich geschützten Büchern bis November 2005 auszusetzen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten die Rechteinhaber angeben, welche Bücher sie nicht zugänglich gemacht haben möchten (opt-out-Lösung). Während Google sich auf den fair use des US-Rechts beruft und dabei von renommierten Juristen unterstützt wird, fordern die Verleger und Autorenverbände, dass kein Buch ohne Zustimmung ins Programm eingestellt wird (opt-in). Im Oktober 2005 wurden in den USA Klagen von Autoren und Verlegern gegen Google eingereicht.

Stellungnahmen und Kritik


Im Mai 2006 beantragte die Wissenschaftliche Buchgesellschaft mit Unterstützung des Börsenvereins eine Einstweilige Verfügung gegen Google Book Search http://www.boersenverein.de/de/69181?rubrik=&dl_id=112071.

Börsenblatt Online/Die Welt 30.6.2006: Auch wenn die Wissenschaftliche Buchgesellschaft ihren Antrag auf einstweilige Verfügung gegen Google zurückgezogen hat: Moderatere Interessengruppen wie der Börsenverein wollen klären. Er arbeitet an einem Projekt 'Volltextsuche online', das gleichfalls den weltweiten Zugriff auf digitale Inhalte ermöglichen soll, die Urheberrechte aber ganz den Verlagen läßt. (...) "So wird sich Google Print, das im Sommer 2005 wegen juristischer Querelen für mehrere Monate aussetzte, mutmaßlich auch künftig an mehreren Fronten gleichzeitig wehren. In Frankreich etwa ist seit Anfang Juni ein Verfahren, in dem die Verlagsgruppe La Martinière (Le Seuil, Knesebeck, Abrams) den Kaliforniern gleichfalls zur Last legt, das Urheberrecht durch die Digitalisierung von verlagseigenen Titeln zu unterwandern."

Durch Googles Riesen-Projekt sind die traditionellen Träger kostenfreier Digitalisierung, vor allem die Bibliotheken, unter Druck geraten. Grundsätzlich begrüßt man die Möglichkeit, riesige Buchbestände kostenfrei im Volltext durchsuchen und gemeinfreie ältere Bücher vollständig lesen zu können.

Der vehementeste Kritiker in Europa ist der Direktor der Französischen Nationalbibliothek, Jean-Noël Jeanneney, der mit Gallica das ambitionierteste freie europäische Digitalisierungsprojekt betreibt. Er befürchtet, dass durch die englischsprachige Ausrichtung des Projekts die europäischen Sprachen ins Hintertreffen geraten könnten und warnt vor der "Google-Arroganz" und der Dominanz einer Hypermacht.Michael Mönninger: Die Google-Bibliothek. in: Die Zeit. Hamburg 2005,32. Der Historiker Jeanneney plädiert dafür, dass Europa eine Alternative zum Google-Digitalisierungsprojekt auf die Beine stellt. An Google kritisiert er vor allem die Hegemonie des Englischen und den Kumulationseffekt (bei ihm genannt die "Blickfang-Methode", üblich ist der Begriff "Ranking", siehe: Popularitäts-Ranking), der dazu führe, dass im Kampf um die Aufmerksamkeit des Lesers eine gewollte Konzentration auf die Listenführer stattfinde. Der stärkere Anbieter wird immer noch stärker auf Kosten des Schwächeren. Dadurch werde Google besonders für die Werbung wichtig. Diesem "kapitalistischen" Google-Prinzip möchte Jeanneney ein Modell entgegensetzen, bei dem der Staat das Sagen in Dingen des kulturellen Gedächtnisses hat. 19 National- und Universitäts-Bibliotheken in Europa haben den Appell der französischen Nationalbibliothek unterzeichnet, um eine drohende geistige und kulturelle Vorherrschaft der USA zu verhindern.

Kritiker bemängelten an Google Library, dass die Partnerbibliotheken mit Knebelverträgen über den Tisch gezogen wurden. Aus bibliothekarischer Sicht werden die oft miserable OCR-Qualität und die mangelhaften Metadaten bemängelt. Die Suchmaschine behält den gesamten Digitalisierungsprozess, als Betriebsgeheimniss, in der Hand und schliesst die Mitarbeiter der Universitäten systematisch aus, sie haben keinen Zugang zu den Räumen des Scan-Projekts und etwaige Fenster sind abgeklebt.

Europäische Nutzer beschweren sich darüber, dass Google für US-Nutzer alle vor 1923 erschienenen Bücher frei zugänglich macht, bei Nicht-US-Nutzern aber alle Bücher nach 1864 als unfrei behandelt, obwohl darunter sehr viele Bücher sind, die in allen Staaten der Welt Public Domain sein dürften (siehe: Regelschutzfrist). Auch bezeichnet Google reine Reprints gemeinfreier Werke als copyrighted material, was zumindest nach US-Recht eine unbegründete Anmaßung (Copyfraud) darstellen dürfte.

Bücher, die nur US-Bürgern zugänglich sind, können mittels eines in den USA ansässigen Proxy-Servers trotzdem weltweit eingesehen werden. Beispiel einer via browseatwork.com verlinkbaren Seite

Weitere Projekte


  • Auch der Konkurrent und möglicher Partner von Google, das Internet-Versandhaus Amazon bietet gescannte Bücher im Volltext an, konzentriert sich jedoch auf aktuell im Handel erhältliche Bücher, und will damit den Verkauf gedruckter Bücher fördern. Mit seiner Suche "Search Inside a Book" Amazon "Search Inside a Book" macht Amazon Titelseite, Klappentext, Inhaltsverzeichnis, Register und zwei Seiten vor und hinter einem Suchergebnis verfügbar.

  • Die Suchmaschine A9.comA9.com, eine Amazon-eigene Suchmaschine, die Googles Suchtechnologie mit Amazons "Search Inside the Book" verknüpft, zeigt auf der Basis eines noch kleinen, englischsprachigen Katalogs, wie sich in eingescannten Bücher, Bilder und Websites übergreifend suchen lässt.

  • In Deutschland gibt es zwei große universitäre Digitalisierungszentren: in Göttingen und in München. Bis zum heutigen Tag (Mai 2006) wurden im Göttinger Digitalisierungszentrum 4.487.815 Seiten in 11.726 Bänden digitalisiert. Rund die Hälfte davon ist frei zugänglich. Das Göttinger Vorzeigeobjekt ist die Digitalisierung der Gutenberg-Bibel.

  • The European Library europäischen Initiative, die den Zugang zu den digitalisierten Werke der Mitgliedsländer verbessern soll.

Belege


Literatur


  • Jean-Noël Jeanneney: Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek. Mit einem neuen Vorwort des Autors zur dt. Ausg. Nachwort Klaus-Dieter Lehmann. Übers. Sonja Finck, Nathalie Mälzer-Semlinger. Stiftung Preuß. Kulturbesitz Berlin. Wagenbach-Verlag, Berlin-Hamburg 2006 (deutsche Ausg.). ISBN 3803125340
    • Quand Google défie l'Europe. Plaidoyer pour un sursaut. Mille et Une Nuits, Paris 2005 (franz. Origausg.). ISBN 2842059123
  • Dirk Lewandowski: Die Search Engines erobern die Buchwelt. In: Password. Das deutsche Newsletter für Informationsprofis. Hattingen 2005,11, S. 29 (PDF).

Weblinks


Retrodigitalisierung | Google | Digitale Bibliothek

Google Book Search

Google Book Search

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Google Book Search".

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