Gonadoliberin ist ein Hormon, welches die Synthese und Sekretion der Gonadotropine des Hypophysenvorderlappens stimuliert. Weitere Bezeichnungen für das Hormon sind Gonadorelin, Gonadotropin-releasing hormone 1 (GnRH1) oder luteinisierendes-Hormon-Releasing-Hormon (LH-RH) bzw. follikelstimulierendes-Hormon-Releasing-Hormon (FSH-RH).
Struktur
Das
Peptidhormon Gonadoliberin besteht aus zehn
Aminosäuren, es handelt sich also um ein Dekapeptid. Der
Precursor des
Peptids hat eine Größe von 92 Aminosäuren. Der
Locus der
codierenden DNA-Sequenz befindet sich auf dem
Chromosom 8.
Synthese und Sekretion
Gonadoliberin wird im
Hypothalamus synthetisiert und von dessen
Neuronen an der
Eminentia mediana pulsatil, d. h. in Stößen von 90 bis 120 Minuten, ins
Blut abgegeben. Pulsgeber ist der
Nucleus arcuatus. Die periodische Form der Stimulierung ist Voraussetzung für die Gonadotropin-Sekretion durch die Hypophyse
[Löffler, Georg und Petro E. Petrides 2003: Biochemie und Pathobiochemie. Heidelberg: Springer.].
Wirkung
Das Hormon wirkt im Hypophysenvorderlappen über Bindung an einen
G-Protein-gekoppelter_Rezeptor (
gonadotropin-releasing hormone receptor). Dessen Aktivierung bewirkt über den
Second Messenger Inositoltriphosphat einen Anstieg des intrazellulären Spiegels an
Kalzium-
Ionen (Ca
2+), was zur Hormonwirkung, d h. der Bildung und Sekretion der Gonadotropine des Hypophysenvorderlappens, führt. Der genannte Rezeptor für Gonadoliberin ist auch in der
Brustdrüse, den
Lymphozyten,
Ovar und
Prostata ausgebildet
[http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?db=gene&cmd=retrieve&dopt=default&list_uids=2798].
Erkrankungen
Genetische Defekte des Gonadoliberin-Rezeptors werden als eine Ursache des
hypogonadotrophen Hypogonadismus genannt
[Beranova M et al.: Prevalence, phenotypic spectrum, and modes of inheritance of gonadotropin-releasing hormone receptor mutations in idiopathic hypogonadotropic hypogonadism. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2001) PMID 11297587].
Therapeutischer Einsatz
Fertilitätsstörungen
Gonadoliberin wird therapeutisch bei
Fertilitätsstörungen bei Frauen eingesetzt, um die Funktion des
Ovars anzuregen. Dazu wird das Hormon stoßweise in Intervallabständen von 60-90 Minuten über Injektionspumpen in das Blut gegeben. Bei optimaler Wirkung wird durch das Hormon im Ovar der
Eisprung herbeigeführt. Die alternative Behandlung durch die Gabe von
Gonadotropin führt häufig zu Überstimulierungen und Mehrlingsschwangerschaften durch mehrere parallele Eisprünge, dies tritt bei Gonadoliberin-Gabe selten auf.
Krebsbehandlung
Bei einer dauerhaften Gabe des Gonadoliberin kommt es zu einer Reduzierung der Gonadoliberin-Rezeptoren, wodurch die Gonadotropinsynthese und -sekretion stark vermindert wird. Als Effekt sinkt die Bildung von Sexualhormonen in den
Gonaden und versiegt schließlich vollständig. Dieser Effekt wir bei der Behandlung von
Prostata- und
Mammakarzinomen sowie bei der
Endometriose und
Mastodynie genutzt.
Quellen
Literatur
- Thomas Küttler: Allgemeine Pharmakologie und Toxikologie, Urban & Fischer, München, Jena 2002. ISBN 3-437-41041-5
Weblinks
Hormon
Gonadotropin-releasing hormone | Gonadolibérine | GnRH | Гонадолиберин | 性腺刺激ホルモン放出ホルモン