Die Goldene Horde (tatarisch Altın Urda, vergleiche auch türkisch Altın Ordu) ist die Bezeichnung für ein turko-mongolisches Teilreich in Osteuropa und Westsibirien. Die Bezeichnung leitet sich angeblich von dem Palastzelt des Heerführers ab (ordu: Heerlager, Palastzelt).
Die spätere Goldene Horde wurde 1236 von Batu Khan (reg. 1236-1255), einem Enkel Dschingis Khans, als Ulus Jochi oder Khanat Kyptschak gegründet. Die Hauptstadt war bis ca. 1342 Alt-Sarai im Wolgadelta, danach das weiter nördlich an der Wolga gelegene Neu-Sarai (auch Berke-Sarai), das heutige Saratow.
Die Zentren des Staates bildeten vom 13. bis zum 16. Jahrhundert die Städte Sarai in Astrachan, Neu-Sarai, Bolgar, Kasan und Asow. Sie wurden von verschleppten Handwerkern erbaut und durch russische Steuern beziehungsweise Tribute sowie den Handel finanziert. Das Wissen dazu wurde aus Ägypten (durch Einwanderer), aus dem einstigen Wolgabulgarien und Turkestan (Wasserversorgung) entlehnt. Neu-Sarai hatte eine halbe Million Einwohner und wurde 1395 von Timur zerstört.
Doch war die Goldene Horde formal in verschiedene Unter-Khanate geteilt: Die Blaue Horde im Wolgaraum, sowie die Weiße Horde und die Orda-Horde in Sibirien. Die Farbbezeichnungen sind jedoch nicht eindeutig, auch überschnitten sich die Einflussbereiche der Herrscherklans von Zeit zu Zeit. Aufgrund der besonderen Stellung des prinzlichen Emirs Noqai († 1299) bildete sich später in den ukrainischen Steppengebieten noch die Nogaier-Horde heraus.
Die Khane der Goldene Horde beherrschten von 1238/1240 bis 1480 Russland, was die kulturelle Entwicklung und die wirtschaftliche Stellung Russlands in Europa beeinträchtigte. Die russischen Fürsten mussten sich in Sarai in ihrem Amt bestätigen lassen, mongolische Steuer- und Tributeintreiber unterstützen und Truppen stellen. Die Khane förderten die Aufspaltung Russlands in bedeutungslose Fürstentümer und unternahmen deswegen wiederholt Kriegszüge in dem Land (besonders 1263, 1293, 1318, 1327). Zu guter Letzt unterstützten sie Iwan Kalita (reg. 1325-1341) von Moskau, der ihnen eine verhältnismäßige Ruhe und damit den Tribut garantierte. (siehe auch Mongolische Invasion in Russland)
Die Goldene Horde unter Batu Khan belagerte 1241 u.a. Krakau und Breslau und drang in Teile Brandenburgs vor. Sie blieben bei der Schlacht bei Wahlstatt (Schlesien) und der Schlacht von Muhi (Ungarn) ungeschlagen. 1242 stießen sie bis Wiener Neustadt bzw. an die Adria (Dubrovnik) vor und fielen 1262 bzw. 1285 erneut in Polen, Ungarn, die Walachei und Bulgarien ein.
Der militärische Erfolg, der dazu führte, dass ihnen besonders im späten 13. Jahrhundert und frühen 14. Jahrhundert der Ruf der Unbesiegbarkeit vorauseilte, war begründet in einer der russisch-europäischen Heeresform des Mittelalters überlegenen, leicht gepanzerten und sehr beweglichen Reiterei (Kavallerie). Während das klassische Feudalheer in zwei oder mehr Teile geteilt war, einer schwer gepanzerten und mit langen Lanzen bewaffneten Reitereinheit, die vom Adel oder reichen Grundbesitzern gestellt wurde, und dem nicht gepanzerten und mit einfachen Waffen ausgerüsteten Fußvolk (Infanterie), so war das Heer der Goldenen Horde meist vollständig beritten und mit leichten Waffen wie Pfeil und Bogen, Speeren oder Säbeln bewaffnet.
Die Taktik der aussergewöhnlich guten Reiter bestand darin, mit hoher Geschwindigkeit an das feindliche Heer heranzureiten, Pfeile abzuschießen oder Speere zu schleudern und sich wieder zurückzuziehen. Die dem Fußvolk vorangestellten, zu unbeweglichen Ritter waren gegen diese Form des Angriffs meist machtlos, das ungeschützte Fußvolk oft schon vor der eigentlichen Feindberührung durch Pfeile großen Verlusten ausgesetzt. Nach erfolgreicher Zermürbung des Gegners fiel die Reiterei der Goldenen Horde dann über die geschwächte gegnerische Armee her.
Im 14. Jahrhundert fand unter Sultan Usbek (reg. 1312-1341/2) eine umfassende Islamisierung der Goldenen Horde statt, was – verbunden mit einer staatlichen Neuordnung – zu einer Blütezeit führte. Die Oberschicht trat gleichsam auf Befehl zum Islam über, aber in der Bevölkerung duldete man noch lange schamanistische und auch viele christliche (Assyrische Kirche, Orthodoxe Kirche) Türken und Mongolen. Analog dazu setzte sich unter Usbek das islamische Recht durch, man hielt sich im 14. Jahrhundert nur noch an einige wichtige Bestimmungen der Jassa. Anders als die mongolischen Ilchane in Persien oder später Timur Lenk, erkannten die Khane der Goldenen Horde das von den Mameluken errichtete Schatten-Kalifat der Abbasiden in Kairo formal an.
Die Khane der Goldenen Horde zeigten kein übermäßiges Interesse an staatlichen Einrichtungen. Von Usbek Khan (reg. 1312-1341/2) wird beispielsweise gesagt, dass er sich nur im allgemeinen um die Belange seines Reiches kümmerte, mit den ihm zufließenden Geldern zufrieden war und nicht weiter danach fragte, wie sie eingenommen und wieder ausgegeben wurden. Heer und Regierungsapparat waren wie auch im Ilchanat nach Funktionsbereichen aufgeteilt, doch hatten die ranghöchsten Wesire und Emire nicht das gleiche Bestimmungsrecht wie dort. Die Frauen der Khane hatten auch größeren Einfluss.
Ab 1346 wurde die Goldene Horde von der Großen Pest in Mitleidenschaft gezogen (85.000 Todesopfer allein auf der Krim), wobei sich die Tataren und Ägypter gegenseitig die Schuld zuwiesen. Sie kam über den Handelsverkehr (vielleicht aus China, wo sie 1344 ausbrach) und hat sich – der Legende nach über genuesische Flüchtlinge aus Kaffa – weiter nach Europa verbreitet.
Nach 1357 begann der Niedergang der Goldenen Horde durch inneren Streit: Thronanwärter hielten sich nur ein oder zwei Jahre, mächtige Emire wie Mamai auf der Krim schwangen sich zu den faktischen Herrschern auf. Weite Teile des Territoriums um den Dnepr gingen an das Großfürstentum Litauen verloren. Außerdem sah sich die Goldene Horde den von Moskau angeführten, erstarkenden russischen Fürstentümern gegenüber. Der Versuch Mamais, Russland mittels eines neuen großen Plünderungszuges zu schwächen, mündete 1380 in der vollständigen Vernichtung seines Heeres durch vereinigte russische Kräfte unter Dmitri Donskoi in der Schlacht von Kulikowo.
Nach mehreren Thronwechseln spalteten sich die Khanate Kasan (1438/1445) und Krim (1427/1449), später noch Astrachan (1466/85) ab, was die unablässigen Machtkämpfe an der Wolga zusätzlich verkomplizierte. Trotzdem blieb die Horde noch eine Weile brandgefährlich, so z.B. kam es 1445 zur Gefangennahme des Großfürsten Wassili II. von Moskau. Erst 1480 verlor sie unter Khan Ahmed (reg. 1465-81) die Oberherrschaft über Russland. Das russische und das tatarische Heer standen sich mehrere Wochen lang an der Ugra zur Schlacht gegenüber, dann zog Ahmed (fast) kampflos ab und wurde kurz darauf von Rivalen (aus Sibir) beseitigt, die sich als Khanat Sibir abspalteten.
Im Jahr 1502 wurde der letzte Khan, Saih Ahmed (reg. 1481-1502) von Mengli Giray (reg. 1467-1514), dem Khan der Krimtataren besiegt und wenig später in Litauen hingerichtet.
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