article

Glasmalerei.jpg Unter Glasmalerei versteht man in erster Linie die Herstellung farbiger Fenster mit bildlichen Darstellungen. Die Wirkung entsteht durch das durchscheinende Licht und ist damit nur bei Tageslicht sichtbar. Die Farbenpracht erzeugt eine mystische bis feierliche Stimmung und wurde deshalb überwiegend im sakralen Bereich verwendet. Als Teil großer Gesamtwerke steht die Glasmalerei im Dienste der Architektur.

Technik


Zwei grundlegende Techniken werden dabei angewendet:
  1. auf farbiges Glas wird nur die Zeichnung mittels Schwarzlot aufgetragen, mit dem man auch Schatten- und Lichtwirkung erzielen kann.
  2. farblose oder einfarbige Gläser werden mit Schmelzfarben bemalt, die beim Brennen die gewünschte Farbgebung entwickeln.

Weitere Effekte erzielt man, indem man farbige Echt-Antikgläser vor dem Bemalen bearbeitet. So eigenen sich z.B. Überfanggläser (bestehend aus einer farblosen Träger- und einer farbigen Oberschicht) unter anderem zum Ätzen, Sandstrahlen sowie für die Glasgravur. Hierbei wird die farbige Glasschicht durch die genannten Techniken entfernt und man erzielt zahlreiche Gestaltungseffekte. Man kann Beispielsweise ein blaues Überfangglas durch Flußsäure so gestalten, daß Teile des Glasstückes blau, hellblau und farblos sind. Unter Zuhilfenahme von Silbergelb kann man das Stück dann weiter gelb, bzw. grün färben. Auf einem einzigen Glasstück können somit mehrere Farben und Schattierungen erreicht werden.

Eine völlig andere Art ist die Hinterglasmalerei, die nur bei auffallendem Licht wirkt.

Geschichte und Verbreitung


Gedaechtniskirche Speyer Fensterdetail.jpg Speyer]] Watbenchamawinglass.jpg (Bangkok, Thailand)]] Der Ursprung der Glasmalerei liegt wahrscheinlich im sassanidischen Persien.

Die Glasmalerei findet sich vorwiegend im sakralen Bereich, seit dem Spätmittelalter gibt es jedoch auch Beispiele aus dem profanen Bereich.

Reste von Glasmalereien sind seit der Karolinger Zeit überliefert (siehe Christusfragment in Lorsch). Als erste Blütezeit gilt allgemein die Gotik, insbesondere die Glasmalereien in den französischen Kathedralen, wo sie Teil eines Gesamtkonzeptes waren. Nach dem Niedergang der Glasmalerei während des Barock erlebte sie im 19. Jahrhundert eine zweite große Blütezeit, die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts anhielt. Doch auch die durch den Zweiten Weltkrieg entstandenen Beschädigungen führten zu einer weiteren großen Anzahl neuer Glasmalereien und Bleiverglasungen, die vor allem während der 1950er und 1960er Jahre entstanden. In neuerer Zeit lassen sich vermehrt Rekonstruktionen älterer Glasmalereien beobachten, die anstelle dieser modernen Verglasungen treten. Ein herausragendes Beispiel dafür ist der Kölner Dom.

Kabinettglasmalerei

Eine besondere Gruppe ist die spätmittelalterliche Kabinettglasmalerei. Seit etwa der Mitte des 15. Jahrhunderts sind auf diesem Gebiet reizvolle Vierpaßscheiben fassbar, beispielsweise die beiden Scheiben aus dem Augsburger Kreis um Jörg Breu d. Ä. (seit 2000 im Germanischen Nationalmuseum, MM 898 und 899), die wohl ein Geschenk für König Ferdinand I. waren.

Literatur zu Kabinettglasmalerei

Liste von Glasmalern und Glasmalerinnen


Literatur


  • Glasmalerei, in: Meyers Konversationslexikon, 4. Aufl. 1888, Bd. 7, S. 401 f.
  • Oidtmann, Heinrich, Die Glasmalerei, Allgemein verständlich dargestellt, I: Die Technik der Glasmalerei, Köln 1892.
  • Ders., Technik und Geschichte der Glasmalerei, Köln 1898.
  • Wenzel, Hans, Meisterwerke der Glasmalerei, Berlin 1954.
  • Strobel, Sebastian, Glastechnik des Mittelalters, Stuttgart 1990.
  • Becksmann, Rüdiger, Deutsche Glasmalerei des Mittelalters I: Voraussetzungen, Entwicklungen, Zusammenhänge, Berlin 1995.
  • Bornstein, Falko, Brinkmann, Ulrike, Rauch, Ivo, Erfurt. Köln. Oppenheim. Quellen und Studien zur Restaurierungsgeschichte mittelalterlicher Farbverglasungen. Mit einer Einführung von Rüdiger Becksmann (CVMA Deutschland Studien II), Berlin 1996.
  • Jansen-Winkeln, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Walther Benner, Eitorf 1983
  • Jansen-Winkeln, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Egbert Lammers. Mit Beiträgen von Martina Ludewig, Birgitta Ringbeck. Eitorf 1998.
  • Jansen-Winkeln, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Wilhelm Buschulte. Mit Beiträgen von Friedhelm Hofmann, Erich Kock, Maria Schwarz, Gregor Lechner OSB. Eitorf 1999.
  • Jansen-Winkeln, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Wilhelm Geyer. Mit Beiträgen von Ulrike Brinkmann, Susanne Fischer, Werner Groß, Michael Kessler, Josef Reichart, Karl Schein, Wolfgang Urban. Eitorf 2000.
  • Jansen-Winkeln, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Jakob Schwarzkopf. Mit Beiträgen von Karl Peter Böhr, Franz Ronig, Michel Schmitt, Josef Sudbrack, Reinhard Vitt. Eitorf 2001.
  • Jansen-Winkeln, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Hubert Distler. Mit Beiträgen von Suzanne Beeh-Lustenberger, Helmut Braun, Peter Poscharsky. Eitorf 2002.
  • Jansen-Winkeln, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Ida Köhne. Eitorf 2004.
  • Jansen-Winkeln, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Margarete Franke. Eitorf 2005.
  • Jansen-Winkeln, Annette, Gerhard Senn: Künstler zwischen den Zeiten - Elisabeth Coester. Eitorf 2005.
  • Schütte, Annette, Künstler zwischen den Zeiten - Ernst Jansen-Winkeln, Mönchengladbach 1983.
  • Schütte, Annette, Mönchengladbach - 700 Jahre Glasmalerei, Mönchengladbach 1988.
  • Olie, Gottfried, Michael Buyx (1795-1882) - Sammler von Kabinett- und Bierscheiben 1995

Siehe auch


Weblinks


Glas | Handwerksberuf | Künstlerische Technik | Glasverarbeitung | Glasmaler

Vitrall | Vitráž | Βιτρώ | Stained glass | Vitral | Vitrail | ויטראז' | Üvegfestés | ステンドグラス | Gebrandschilderd glas | Glassmaleri | Witraż | Vitral | Glasmålning

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Glasmalerei".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld