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Die Hans Glas GmbH in Dingolfing war ein deutscher Landmaschinen- und Kraftfahrzeughersteller.
In Italien beobachtete man den Siegeszug der Vespa und ahnte, dass sich auch im Nachkriegsdeutschland eine Nachfrage nach Motorrollern ergeben würde.
In Dingolfing machte sich Juniorchef Andreas Glas sogleich an die Arbeit: Die Entwicklung eines Motorrollers. Schon im Juli 1951 ging der daraus hervorgegangene Roller mit Zweitaktmotor und 125 cm³ Hubraum in Serie. Diesen nannte man Goggo, nach dem Kosenamen des jüngsten Familiensprosses der Familie Glas.
Eine Schönheit war dieser Goggo-Roller nicht. Aber er war solide und robust und dies kam am Markt gut an. Der Goggo-Roller wurde zum meistverkauften Roller auf dem deutschen Markt. Nach diesem Erfolg waren auch Roller mit 200 cm³ und mit diversen Seitenwagen, sowie verschiedene Lastenroller zu haben. Mit diesem Roller wurde gutes Geld verdient und damit die Grundlage zum Einstieg in den Automobilbau geschaffen.
Ab 1955 bot Glas zum Preis von 3000 DM das für eine vierköpfige Familie gedachte, legendäre Goggomobil an. Diese Limousine war ein Raumwunder und solide und robust gebaut. In den folgenden Jahren wurde dieses modifiziert und es entstanden verschiedene Versionen dieses Gefährts mit maximal 20 PS und 400 cm³.
Das Goggomobil war in der Technik und seinem Gesamtkonzept seinen deutschen Konkurrenten, dem Messerschmitt Kabinenroller, der BMW Isetta und der Heinkel Kabine weit überlegen. Damit hatte der Siegeszug der Dingolfinger Autoschmiede begonnen. Ein Jahr nach dem Beginn der Goggo-Produktion exportierte Glas schon in 36 Länder. Täglich stellte man 170 Fahrzeuge her.
1957 entwickelte Glas eine Coupéversion des Goggomobils, sowie einen Transporter und einen Pick-Up-Transporter. Es entstand ein Kleinwagen-Familienprogramm, das gut auf die sich abzeichnende Wohlstandsgesellschaft zugeschnitten war. Der Erfolg blieb nicht aus. Das Goggomobil wurde zum erfolgreichsten Kleinwagen Deutschlands.
Das zeigte sich 1962, als Glas mit einem neuen Vierzylindermotor die Fachwelt verblüffte. 1000 Kubikzentimeter und 42 PS gehörten in diesen Jahren zum modernsten erhältlichen Motorenkonzept. Als erster Automobilmotor mit einem Zahnriemen für den Antrieb der Nockenwelle war er seiner Zeit zu weit voraus – man misstraute dem Bauteil. Dieser Motor jedoch verlieh dem neu konstruierten Coupé S1004 eine sportliche Qualität. Dieses war vor allem in den später lieferbaren TS Varianten auch auf den Rennstrecken sehr erfolgreich und galt gar als Porsche des kleinen Mannes.
Dagegen war die Karosserie eher konventionell, ja gar gewöhnungsbedürftig für das Auge. Ein preisgünstiges Angebot war er aber und dies machte diesen Nachteil wieder wett. Das Programm wurde ausgeweitet. Eine Limousine und ein Cabrio kamen auf den Markt, 1966 dann eine Schräghecklimousine, der CL. Auch die Motoren wurden derweilen groß und stark. Die Autoindustrie begann endlich, Glas als ernstzunehmenden Konkurrenten anzusehen.
1963 stellte Glas auf der IAA in Frankfurt seine neuen Produkte, den GLAS GT und die 1700 Limousine vor und wurde damit zum Mittelpunkt der Messe. Beide Modelle waren vom italienischen Designer Pietro Frua entworfen. Das Publikum war begeistert. Der Verkauf lief gut an, zugleich wurde den Strategen der Firma aber deutlich, dass man damit in die oberen Preisregionen vorgestoßen war, wo mehr als ein überzeugendes Produkt zählte. Es fehlte der Firma an Ansehen und Tradition und GLAS war für viele immer noch ausschließlich Goggomobil.
Schließlich stimmte Glas einer Übernahme durch BMW zu. Diese erfolgte am 10. November 1966. Die Glas Automobilwerke in Dingolfing wurden Bestandteil der Bayerischen Motorenwerke. Dies hat den Standort Bayern definitiv zu einem bedeutenden Automobilzentrum gemacht. Die Glas-Modelle wurden nach und nach aus der Produktion genommen. Als letztes Modell lief ein Goggomobil 1969 vom Band. Der Glas GT wurde als BMW 1600 GT mit BMW-Motoren (und Antriebsstrang) im Jahr 1968 weiterproduziert. Aus dem Glas 2600 V8 wurde der BMW 3000 V8 der ebenfalls, wenn auch nur in geringer Stückzahl, noch 1968 produziert worden ist. Der 1700er sollte als BMW 1804 und 2004 mit einigen Änderungen in Südafrika eine zweite Chance bekommen.
Die Leistungen der Firma Glas, die in 16 Jahren Automobilgeschichte schrieb, sind in der Tat beeindruckend. Aber sechzehn Jahre waren zuwenig Zeit, um als Autobauer traditionsreich konkurrenzfähig zu werden.
Der GLAS Automobil Club International e.V. (gegründet 1975) betreut alle existierenden GLAS-Fahrzeuge und deren Besitzer weltweit mit Informationen, Ersatzteilen, der Club-Zeitschrift und einem Internetportal.
Automobilhersteller | Motorrollerhersteller | Dingolfing-Landau | Ehemaliges Unternehmen (Deutschland)
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