Giordano Phillipo Bruno - Livre du recteur - 1578.jpg Giordano Bruno, eigentlich Fillipo Bruno (* Januar 1548 in Nola; † 17. Februar 1600 in Rom) war ein italienischer Dichter und Philosoph.
Bruno postulierte die Unendlichkeit des Weltraums und die ewige Dauer des Universums. Damit stellte er sich der herrschenden Meinung einer in Sphären untergliederten geozentrischen Welt entgegen. Viel schwerer wog damals, dass seine Thesen von einer unendlichen materiellen Welt keinen Raum für ein Jenseits ließen, die zeitliche Anfangslosigkeit des Universums eine Schöpfung und dessen ewiger Bestand ein Jüngstes Gericht ausschlossen. Überdies hatte Bruno sich äußerst abfällig über Jesus Christus und die Evangelien geäußert. Als Ketzer verurteilt, wurde er auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
Giordano Bruno wurde unter dem Namen Filippo Bruno in Nola bei Neapel geboren. Von seinem Heimatort ist seine spätere Selbstbezeichnung "Nolano" (der Nolaner) abgeleitet. Sein Vater war Giovanni Bruno, ein Soldat, seine Mutter Fraulissa (Flaulisa?) Savolino.
Bruno studierte zunächst in Neapel und trat 1565 in den Orden der Dominikaner ein. Dort legte er den Taufnamen Filippo ab und nahm den Ordensnamen Jordanus/Giordano (nach dem 2. Ordensmeister Jordan von Sachsen) an. Bald darauf geriet er in Konflikt mit der Ordensleitung, da er sich der Marienverehrung verweigerte und alle Heiligenbilder aus seiner Klosterzelle entfernte. Doch das wurde als jugendliche Verirrung aufgefasst und blieb zunächst folgenlos. 1572 empfing er die Priesterweihe.
1576 geriet er zum ersten Mal unter Verdacht der Ketzerei und musste Neapel verlassen. Er floh nach Rom, um sich dem Papst zu Füßen zu werfen. Als dort jedoch ruchbar wurde, dass Bruno seine Flucht aus dem Kloster mit der Beförderung von "Schriften des Kirchenvaters Hieronymus" (der Vulgata?) in die Latrine gekrönt hatte, musste er auch von dort fliehen. Brunos Leben wurde fortan zu einer Wanderschaft durch halb Europa.
Die wieder entdeckten Ideen der antiken Naturphilosophie übten große Anziehung auf ihn aus. Zu dieser Zeit begann sich das von Nikolaus Kopernikus postulierte heliozentrische Weltbild durchzusetzen. Hierdurch ermutigt, entwickelte Bruno im Laufe der folgenden Jahre seine eigene Philosophie.
Über Chambéry ging er zunächst nach Genf. Er trat der calvinistischen Kirche bei, aber Calvin stand den kopernikanischen Thesen, denen Bruno anhängt, ablehnend gegenüber. Bruno wurde verhaftet und von den Calvinisten exkommuniziert. Er widerrief und kam frei. Bruno gelangte 1579 nach Toulouse und hatte dort kurz einen Lehrstuhl inne. Zu dieser Zeit begann sein phänomenales Gedächtnis Furore zu machen. Bruno arbeitete mit einem speziellen Merksystem. Aber die Erklärung, dass er magische Fähigkeiten habe, schien manchen Zeitgenossen dann doch einleuchtender.
Die Hugenottenkriege trieben ihn dann zwei Jahre später nach Paris. Dort blieb er bis 1583 und wurde von Heinrich III. gefördert. Mit einem Empfehlungsschreiben Heinrichs ging er 1583 nach England, versuchte zunächst in Oxford zu lehren, verursachte mit seinen Angriffen auf Aristoteles jedoch einen Skandal und erhielt keinen Lehrstuhl. Bis Mitte 1585 lebte er dann im Haus seines Freundes und Förderers, des französischen Botschafters in London. Dort veröffentlichte er seine "italienischen Dialoge", darunter Cena de le Ceneri (Das Aschermittwochsmahl) (1584), in dem er schonungslose Polemik gegen den Oxforder Gelehrtenstand übt und das Londoner Geistesleben heftig karikiert, sowie De l'Infinito, Universo e Mondi (Über die Unendlichkeit, das Universum und die Welten). In letzterem erklärte er die Sterne damit, dass sie wie unsere Sonne seien, dass das Universum unendlich sei, es eine unendliche Anzahl von Welten gebe und diese mit einer unendlichen Anzahl intelligenter Lebewesen bevölkert seien.
1585 ging er wieder nach Paris, die Stimmung dort war aber nicht so aufgeschlossen wie noch zwei Jahre zuvor. Nach Tumulten, die durch seine 120 Thesen gegen die aristotelische Naturlehre und ihre Vertreter entfacht wurden, und nach einer Schmähschrift gegen den katholischen Mathematiker Fabrizio Mordente musste er Paris verlassen.
Bruno reiste nach Deutschland weiter und versuchte einen Lehrstuhl in Marburg zu erhalten. Im Sommer 1586 kam Bruno nach Wittenberg. Auf Fürsprache des Rechtsgelehrten Albericus Gentilis fand er Aufnahme als Extraordinarius an der Artistenfakultät der Universität Wittenberg. Er erhielt das Recht auf freie Vorträge über Philosophie. In seinen Vorlesungen behandelte er das Organon des Aristoteles, Mathematik, Logik, Physik und Metaphysik. In der Elbestadt entstanden 1587 zwei Bücher über Logik und Gedächtniskunst – ein Thema das später Leibnitz fortsetzen sollte - , die Bruno dem Kanzler der Universität Georg Mylius widmete. Als 1588 in Wittenberg Streitigkeiten zwischen Gnesiolutheranern und Philippisten ausbrachen, verließ Bruno am 8. März die Stadt und ging für ein halbes Jahr nach Prag. Zwar gewann er die Gunst Kaiser Rudolf II., erhielt aber keinen Lehrauftrag. Mit einer finanziellen Unterstützung von 300 Talern von Rudolf II. reiste er nach Helmstedt weiter. Dort erhielt er eine Professur an der Academia Julia. Auch hier hielt es ihn nicht lange, nach den Calvinisten in Genf wurde er jetzt von den Lutheranern exkommuniziert.
Wo auch immer Bruno wirkte, versucht er einen festen Lehrstuhl zu erhalten - erfolglos. Brunos Talent, sich in der Welt der komplizierten Machtverhältnisse der Renaissance zu behaupten, könnte zwiespältiger nicht interpretiert werden: Auf der einen Seite gelang es ihm immer wieder, mächtige Gönner auf seine Seite zu ziehen. Auf dem theologisch-philosophischen Kampfplatz aber scheint er ein besonderes Talent dafür gehabt zu haben, sich mit rücksichtsloser Polemik, beißendem Spott und insbesondere mit der Leugnung der Gottessohnschaft Christi und mit seiner kompromisslosen Gegnerschaft zu Aristoteles Feinde zu schaffen.
1590 kam er nach Frankfurt am Main, legte sich mit den Stadtoberen an, die ihn 1591 auswiesen. Es folgt ein Kurzaufenthalt in Zürich.
Während seiner Frankfurter Zeit erfasst ihn so etwas wie Heimweh. In Italien war freilich die Inquisition mächtig, und die katholische Kirche kämpfte mit allen Mitteln gegen die Reformation. Schließlich waren es der Tod des konservativen Papstes Sixtus V. und die Vakanz eines Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Padua, die den Ausschlag gaben, dass Bruno nach Italien zurückkehrte. Während eines Aufenthalts zur Buchmesse in Frankfurt erreicht ihn eine Einladung nach Venedig.
Er lehrte zunächst in Padua, doch wurde der Lehrstuhl bald an Galileo Galilei vergeben. Bruno nahm danach eine Einladung nach Venedig an. Sein Gastgeber, Zuane Mocenigo, wollte in die Gedächtniskunst eingeweiht werden, doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass er sich von Bruno Einblick in weit "magischere" Künste erhoffte. Wohl aus Enttäuschung, dass diese Erwartungen nicht erfüllt wurden, kam es zu Streitigkeiten. Während Bruno noch überlegte, Venedig zu verlassen, wurde er von Mocenigo denunziert und am 22. Mai 1592 von der Inquisition verhaftet.
Im venezianischen Kerker widerrief er nach sieben Verhören. Die Macht der Inquisition traf in Venedig auf nicht viel Widerstand, das sich für Bruno mehr oder minder als nicht zuständig erachtet haben dürfte.
Anfang 1593 wurde Giordano Bruno nach Rom gebracht und in der Engelsburg gefangen gesetzt. In den folgenden sieben Jahren wird der Prozess gegen ihn vorbereitet. Er versuchte vergeblich, eine Audienz bei Papst Clemens VIII. zu erreichen und war sogar bereit, teilweise zu widerrufen. Dies genügte der Inquisition nicht. Als sie den vollständigen Widerruf forderte, reagierte Bruno hinhaltend und schließlich trotzig: An der Leugnung der Gottessohnschaft Christi und des Jüngsten Gerichts und der Behauptung vieler 'Welten' hielt er fest. Brunostatue.jpg Am 8. Februar 1600 wurde das Urteil verlesen: Giordano Bruno wurde aus der Kirche und dem Orden der Dominikaner ausgestoßen und wegen Ketzerei und Magie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Bruno reagierte auf das Urteil mit seinem berühmt gewordenen Satz: "Mit mehr Angst verkündet Ihr das Urteil, als ich es entgegennehme".
Von achtjähriger Kerkerhaft körperlich gebrochen, wurde der 52-jährige Giordano Bruno am 17. Februar 1600 auf dem Campo dei Fiori auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Vor der Hinrichtung wurde Giordano Bruno angeblich die Zunge festgebunden, um nicht zum anwesenden Volk sprechen zu können.
Seine Bücher werden auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt, wo sie bis zur Abschaffung des Index 1965 im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils auch blieben. Das Todesurteil gegen Bruno wurde von Papst Johannes Paul II. am 12. März 2000 im Rahmen eines Gottesdienstes zum 'Tag der Vergebung' öffentlich bereut.
Auf dem Campo dei Fiori erinnert ein Denkmal an Giordano Bruno. Ein höchst ironischer Umstand ist, dass Bruno hier mit einem Kapuzenmantel dargestellt ist, wenn man bedenkt, wie er sich in den ersten Abschnitten von "De Magia" über die Kapuzenmantelträger ereifert.
Für Bruno stammte alles aus der Natur von der göttlichen Einheit von Materie und Dunkelheit ab. Zum einen trennte er Gott von der Welt und zum anderen tendierte er zu einem dazu entgegengesetzten Pantheismus. Bruno verband die These, dass Gott allem innewohne, mit dem Glauben, dass die Realität der Vorstellung entspringt. Damit nahm er Gottfried Wilhelm Leibniz und Baruch de Spinoza vorweg. Er stellte sich gegen das geozentrische Weltbild, nahm stattdessen an, dass die Welt und die Menschen ein einmaliger "Unfall" einer einzelnen lebenden "Welt-Substanz" seien und bekannte sich zur kopernikanischen Theorie. Darüber hinaus glaubte Bruno nicht nur, dass das Weltall unendlich ist, sondern dass es auch unendlich viele Lebewesen auf anderen Planeten im Universum gibt. Diese Schlussfolgerungen zog er aus dem Gedanken, dass einer allmächtigen und unendlichen Gottheit auch nur ein unendliches Universum entsprechen kann. Denn alles andere wäre einer unendlichen Gottheit nicht würdig. In seiner Gesamtheit kann Brunos Denken in die Philosophia perennis eingeordnet werden, der er einen revolutionären und kämpferischen Aspekt hinzufügte.
Seine Lehren wurden von Platon, Lukrez/Epikur, Thomas von Aquin, Johannes Scotus Eriugena, Marsilio Ficino, Nikolaus von Kues und der Hermetischen Literatur sowie - nicht nur, aber vorwiegend im negativen Sinne - von Aristoteles beeinflusst.
Bruno beeinflusste u.a. Pierre Gassendi, Baruch de Spinoza, Lucilio Vanini, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und Goethe.
Romanbiografie
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