| Ginkgo | ||||||||||
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| Ginkgo biloba 1.jpg | ||||||||||
| : | Gefäßpflanzen (Tracheobionta) |
| : | Samenpflanzen (Spermatophyta) |
| : | Ginkgopflanzen (Ginkgophyta) |
| : | Ginkgogewächse (Ginkgoaceae) |
| : | Ginkgo (Ginkgo) |
Der Ginkgo (Ginkgo biloba), (eigentlich Ginkyo, aus chin. 銀杏 Yín Xìng, „Silberne Aprikose“; jap. ギ ンキョウ Ginkyō - heute イチョウ ichô), deutsch auch Silberpflaume, Ginkgobaum, Fächerblattbaum oder Fächerbaum genannt, ist der einzige noch existierende Vertreter der Ginkgophyta, einer Abteilung der Samenpflanzen (Spermatophyta).
Der Baum stammt aus Ostasien, wo er auch um seiner Früchte willen kultiviert wird; er wird in Europa seit Mitte des 18. Jahrhunderts als Zierbaum gepflanzt.
Gingko fossile-jurassique 0.png aus dem Jura, Blätter aus der Cloughton Formation,
Fundort: Scarborough, Yorkshire, England]]
Die taxonomische Einordnung war für die Botaniker eine Herausforderung, denn der Ginkgo gehört weder zu den Nadel-, noch zu den Laubbäumen. Er zählt aber wie die Nadelbäume zu den Nacktsamern (Gymnospermae). So wurde für ihn eine eigene Abteilung geschaffen, die Ginkgopflanzen (Ginkgophyta), die heute nur noch eine einzige Art umfasst, den Ginkgo biloba.
Die Abteilung Ginkgophyta (Ginkgopflanzen) existieren schon seit dem Unterperm, vor 290 Millionen Jahren. Die größte Artenzahl hatten die Ginkgophyta von der Trias bis zur Kreide. Ab dem Jura gab es die Gattung Ginkgo. Vom Jura bis zur Kreide hatten die Ginkgophyta eine weltweite Verbreitung, deshalb kann man Fossilien von Ginkgo-Arten auch in Mitteleuropa finden. Da heute alle anderen Gattungen ausgestorben sind, gilt der Ginkgo biloba als das älteste lebende Fossil der Pflanzenwelt.
In der Paläobotanik werden die Ginkgo-ähnlichen Gewächse in 6 Familien mit mindestens 14 Gattungen eingeordnet (Ausgestorbene Gattungen sind gekennzeichnet mit †):
Mögliche Vorfahren der Ordnung Ginkgoales:
Ordnung Ginkgoales:
Unsicher ist die Zuordnung von
Die folgenden Gattungen gehören eher zu den Czekanowskiales, die man früher wegen ihrer dichotom geteilten Blätter zu den Ginkgophyten gestellt hat:
Auffällig sind die fächerförmigen, breiten Blätter, die in der Mitte mehr oder weniger stark eingekerbt sind. Kaum ein Ginkgo-Blatt gleicht dem anderen; Blätter von jungen Bäumen sind deutlich anders geformt als die von alten Bäumen (Heterophyllie). Die Blätter sind gabelnervig (dichotom), evolutionär betrachtet ein sehr ursprüngliches Merkmal. Sie sind zu Beginn ihres Wachstums im Frühjahr hellgrün und dunkeln über den Sommer nach, im Herbst färben sie sich auffallend hellgelb und fallen schließlich etwa Anfang November ab. Eine Besonderheit des Ginkgo ist hierbei, dass alle Blätter an einem Tag abfallen können.
Ginkgo biloba Inflorescences.jpg Der Ginkgo ist zweihäusig, es existieren also männliche und weibliche Pflanzen. Die Pflanzen sind bis zur Geschlechtsreife, die erst im Alter zwischen 20 und 35 Jahren erfolgt, äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden. Der Ginkgo blüht im März, wobei die männlichen Blüten auffälliger als die weiblichen sind. Letztere stehen an mehrjährigen Kurztrieben und reifen nach der Befruchtung zu einer Frucht mit essbarem Kern. Die Pollen sind große, sich selbständig bewegende Spermatozoiden, also Zellen mit Geißeln. Monate liegen zwischen Bestäubung und Befruchtung, für Pflanzen eine recht ungewöhnliche Entwicklung (siehe hierzu auch: Generationswechsel und Spermienbefruchtung bei Ginkgo).
Gingko biloba3.jpg Die mirabellenähnlichen Samen entwickeln bei der Reifung einen unangenehmen Geruch nach Buttersäure. Dies führt dazu, dass in Europa vornehmlich männliche Ginkgobäume aus Stecklingen angepflanzt werden. Ganz entgegengesetzt dazu werden in China und Japan vorwiegend weibliche Bäume (siehe Verwendung als Nahrungsmittel) als Straßen- und Alleebäume gesetzt. Damit eine Befruchtung stattfinden kann, werden in Asien männliche und weibliche Bäume nebeneinander gepflanzt.
Aufgrund seiner Resistenz gegen Schädlingsbefall und seiner Anspruchslosigkeit ist der Ginkgo als Stadtbaum weltweit beliebt. Langjährige Erfahrung in Berlin als Straßenbaum hat gezeigt, dass er resistent gegen Autoabgase und Streusalz ist. Allerdings ist der junge Baum frostempfindlich. Die Wurzeln des Ginkgos scheinen zudem eine Delikatesse für Wühlmäuse darzustellen.
Die Vermehrung des Ginkgo erfordert auch von einem Gärtner viel Geduld. Nur etwa 30 Prozent aller Stecklinge gehen nach sehr langer Zeit an. Bis zur Keimung eines jungen Ginkgo können zwei Jahre und mehr vergehen, unabhängig von seiner Vermehrung durch Stecklinge oder Samen. Stecklinge sind im Allgemeinen schwachwüchsiger als Sämlingspflanzen. Bei der Vermehrung durch Samen muss die penible Reinigung des Samens vom Fruchtfleisch beachtet werden. Sie können, müssen aber nicht vor der Saat stratifiziert werden. Sie keimen ohne Probleme auf der Fensterbank, wenn man im Spätherbst frische Samen gesammelt hat, die unter weiblichen Bäumen liegen, die weniger als 100 Meter entfernt von männlichen Bäumen stehen. Denn dann ist deren Befruchtung gesichert. Der Saft des Fruchtfleisches kann zu Hautreizungen und Allergien führen. Der Ginkgo ist bei Verpflanzung empfindlich.
Der Ginkgo geht eine Symbiose mit verschiedenen Mykorrhiza-Pilzen ein, unter anderem mit Glomus epigaeum.
Von der typischen Blattform abweichende Sorten sind der tiefgeschlitzte Saratoga und der kleinblättrige Tubifolia, der sich deswegen hervorragend für die Bonsaigestaltung eignen soll.
Ginkgos, deren Blattfarbe panaschiert ist, sind ebenfalls eine Seltenheit. Der Aureovariegata trägt gelb gestreifte Blätter, der Albovariegata weißgrün gestreifte Blätter, die zusätzlich zur Einzigartigkeit des Ginkgo eine ganz besondere Attraktivität darstellen.
Jingu Gaien Ginkgo Street Tokyo.jpg Die erste ausführliche westliche Beschreibung stammt von dem deutschen Arzt und Botaniker Engelbert Kaempfer, der während seines zweijährigen Aufenthaltes in Japan (1690 - 1691) die japanische Pflanzenwelt intensiv erforschte und sein Material in dem 1712 in Lemgo gedruckten Werk „Amoenitates Exoticae“ publik machte. Allerdings hatte er den alten sinojapanischen Namen des Baums (ginkyo) nicht korrekt notiert. Der Biologe und Botaniker Carl von Linné übernahm Kaempfers Schreibung Ginkgo in seine botanische Nomenklatur. Seitdem gilt diese Form in der Pflanzenkunde als verbindlich und hat sich daher auch im Alltagsvokabular vieler westlicher Sprachen festgesetzt.
1730 soll der erste Ginkgo Europas im botanischen Garten der Universität Utrecht in den Niederlanden gepflanzt worden sein. Er steht heute noch dort und gilt als der älteste seiner Art außerhalb Asiens. Allerdings gibt es einen Baum im belgischen Geetbets bei Hasselt, der mit ca. 5 Metern Stammdurchmesser deutlich dicker und damit vermutlich älter ist als der in Utrecht.
Der älteste Ginkgo-Baum Deutschlands wurde etwa im Jahr 1750 gepflanzt und steht im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. Im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel befinden sich weitere alte Ginkgos, die um 1780 gepflanzt wurden. Auch in Mannheim und Dresden gibt es sehr alte Bäume. In Jena steht ein Ginkgo, den Goethe pflanzen ließ.
Da der Ginkgo nachweislich so gut wie keine Schädlinge hat, und er in nahezu jedem Klima und in jedem Boden gedeiht, kann er unter günstigen Bedingungen ein enormes Alter erreichen. In Asien sind Bäume bekannt, die ein Alter von 1.000 Jahren erreicht haben sollen. (In einigen Berichten ist gar von angeblich 4.000 Jahre alten Pflanzen die Rede.) Es verwundert insofern nicht weiter, dass diese Bäume von jeher als kraftspendend und lebensverlängernd verehrt werden.
Alte Bäume können auf der Unterseite kräftiger Äste sowie am Stamm wurzelartige Wucherungen ausbilden (Geotropismus), die einige Meter lang werden, und in ihrer Form an weibliche Brüste erinnern. Es wird vermutet, dass es sich um Stützwurzeln handelt, die zu Unterstützung des gesamten Baumes auf weichem Grund dienen, doch genauere Erkenntnisse liegen derzeit noch nicht vor. Diese Auswüchse werden "Chi-Chi" genannt und wurden in Japan lange als Fruchtbarkeitssymbol verehrt. Vor allem kinderlose Frauen pilgerten in der Vergangenheit zu solchen Ginkgos, berührten die "Chi-Chi", und baten um Kindersegen, andere um reichen Milchfluss für ihre Säuglinge.
Zur modernen Mythenbildung hat auch wesentlich die Geschichte des Tempelbaumes in Hiroshima beigetragen, der bei der Atombombenexplosion 1945 in Flammen aufging, aber im nächsten Frühjahr wieder austrieb und weiter lebte.
Die Verwendung der Blätter als Heilmittel ist bereits in der Sammlung Shen nung pen Ts'ao king belegt, die zwischen 300 v. Chr. und 200 n. Chr. entstanden sein soll. Li Shi-chen verfasste 1595 das umfangreiche, 52 Bände große Ben Cao Gan Mu, in dem die Heilkräfte des Ginkgo bereits detailliert festgehalten wurden. Ginkgoblätter dienten schon im Mittelalter zur Behandlung von Asthma, Bronchitis, Frostbeulen, Gonorrhoe, Hautkrankheiten, Husten, Magenleiden, Tuberkulose und Unruhezuständen, und wurden als Heiltee und Wundpflaster verwendet.
In der heutigen Heilkunde wird dem Ginkgo (Früchte und Extrakte aus Blättern) vornehmlich eine durchblutungsfördernde Wirkung zugesprochen; er wird oft zur Stärkung des Gehirns genommen. Auch zur Wirksamkeit als Schutz vor Arteriosklerose werden seit neuerem medizinische Studien mit Ginkgo-Extrakt durchgeführt. Allein in den USA beläuft sich der Umsatz dieses beliebten Naturpräparats auf über 300 Millionen Euro jährlich (Quelle: New Scientist).
Gingko biloba0.jpg Grund für die positive Wirkung auf den Menschen ist vermutlich die hohe Konzentration an Flavonoiden und Terpenoiden. Letztere sind in spezieller Form (Ginkgolide und Bilobalid) nur im Ginkgo zu finden. Diese Stoffe sind zum Teil so komplex, dass es noch nicht gelungen ist, sie in vollem Umfang synthetisch herzustellen. Aus diesem Grund wurden riesige Plantagen, hauptsächlich in den USA angelegt.
Es gibt eine ganze Anzahl von wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von Ginkgo-Extrakten belegen. So erkennt beispielsweise die WHO Ginkgo biloba als Antidementivum (siehe Demenz) an. Die "WHO International Working Group for Drug Statistics Methodology" erstellte für den internationalen ATC-Code (anatomical-, therapeutic-, chemical-classification) für Arzneimittel erstmalig eine Gruppe Antidementiva. In dieser neuen Gruppe "Anti-dementia drugs" ist mit dem Code "N06D" Ginkgo biloba gelistet.
Andererseits gibt es auch kritische Stimmen, die einen tatsächlichen Nutzen für unbelegt halten. Dies gilt insbesondere für den Einsatz von Ginkgo-Präparaten bei den Indikationen Tinnitus und Hörsturz, jedoch auch für die Verwendung zur Verbesserung des alternden Gedächtnisses. Zur Verwendung kommen nur Extrakte aus den Ginkgoblättern, die nach speziellen Verfahren hergestellt werden, wobei eine Anreicherung der Inhaltsstoffe, die für das wirksame Prinzip angesehen werden, erfolgt und Substanzen, die Nebenwirkungen auslösen können, entfernt werden.
Der Brief mit dem Gedicht, dem Goethe zwei Ginkgo-Blätter beilegte, ist heute im Goethe-Museum Düsseldorf zu sehen.
Alle Namen zeugen davon, wie der Baum stets die Phantasie seiner Betrachter anzuregen vermochte. Internationale Bezeichnungen für den Ginkgo biloba:
Studien über Ginkgo-Extrakte zur Verbesserung der Gedächtnisfunktion:
Metaanalysen und vergleichende Untersuchungen zu Ginkgo-Extrakten:
Studien und Metaanalysen zu Ginkgo-Extrakten bei Tinnitus:
Allgemein:
Nacktsamer | Baum | Heilpflanze
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