Gilbert Keith Chesterton (* 29. Mai 1874 in London; † 14. Juni 1936 in Beaconsfield) war ein englischer Schriftsteller, Essayist und Journalist.
In seinen Romanen, Essays und Kurzgeschichten setzte er sich intensiv mit modernen Philosophien und Denkrichtungen auseinander. Bekannt sind seine oft gewagten, aber selten misslungenen Gedankensprünge und sein Zusammenbringen scheinbar ganz verschiedener Ideen, oft mit überraschenden Ergebnissen. Seine typische Argumentationsweise ist als "geistiger Husarenritt" beschrieben worden.
Zu seinen wichtigsten Diskussionspartnern gehörte neben H. G. Wells der irische Publizist und Schriftsteller George Bernard Shaw, mit dem ihn eine herzliche Freundschaft bei gleichzeitiger herzlicher Ablehnung von dessen Philosophie verband. Auch mit den Gedanken Nietzsches zum Übermenschen setzte er sich intensiv auseinander, seine Haltung zu Nietzsche war ebenfalls recht ablehnend. Er bekämpfte auch andere im frühen 20. Jahrhundert "moderne" Ideen, vor allem die Euthanasie und die pseudowissenschaftliche Rassenkunde sowie jede Art von Menschenzucht-Ideen. Ebenso lehnte er den Britischen Kolonialismus ab und unterstützte die irische Unabhängigkeit. Chesterton war ein Bewunderer des Mittelalters, das seiner Meinung nach in der Neuzeit oft unfair negativ dargestellt wird. Er setzte sich ein für eine echte Demokratie, die im eigenen Überlebensinteresse v.a. auch auf die Stimme der Armen und Slumbewohner hören müsse, anstatt von oben herab "zu ihrem Besten" über sie zu entscheiden ("Anstatt uns zu fragen, was wir mit den Armen machen sollen, sollten wir uns lieber fragen, was die Armen mit uns machen werden.") Wirtschaftspolitisch forderte er eine Begrenzung der Macht des Großkapitals bei gleichzeitiger Förderung des Kleineigentums ("Jedermann sollte eine Kuh und drei Morgen Land besitzen können", "Das Problem des Kapitalismus ist nicht, dass es zu viele, sondern dass es zu wenige Kapitalisten gibt.") Er nannte dies Distributismus.
Nach seinem Tod wurde er von Papst Pius XI. als Defensor Fidei (Verteidiger des Glaubens) bezeichnet, unter bewusster Anspielung auf Heinrich VIII. , dem diese Ehrenbezeichnung päpstlicherseits zuerkannt wurde, bevor er zum Urheber der englischen Kirchenspaltung wurde.
Vor einigen Jahren veröffentlichte der Eichborn Verlag in seiner Reihe Die Andere Bibliothek zwei Essay-Zusammenstellungen Chestertons: "Ketzer" und "Orthodoxie". Damit ist Chesterton auch in Deutschland wieder ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt.
Chestertons bekannteste literarische Schöpfung ist Father Brown, der im Mittelpunkt von insgesamt 49 Kurzgeschichten steht, die in fünf Bänden erschienen. Brown ist ein unscheinbarer Geistlicher, der mit psychologischem Einfühlungsvermögen und durch logische Schlüsse auch die scheinbar mysteriösesten Kriminalfälle löst. Im Gegensatz zu anderen bekannten Romanhelden wie Sherlock Holmes und Agatha Christie's Hercule Poirot steht bei Brown nicht so sehr die äußere Logik des Tatherganges, sondern die innere Logik und Motivation des Täters im Vordergrund. 1953 spielte Alec Guinness den detektivischen Seelsorger in Die seltsamen Wege des Pater Brown (Father Brown). Nicht zuletzt aus dieser Begegnung mit Chesterton und seiner Verteidigung der katholischen Weltanschauung resultierte später Guinness' eigene Konversion zum katholischen Glauben. Durch die Verfilmung der Pater Brown-Kriminalkurzgeschichten mit Heinz Rühmann ist Chestertons Werk in den 1960ern auch in Deutschland bekannt geworden. Allerdings sind die Filme in vieler Hinsicht gegenüber den oft grotesk-bizarren und stark von der katholischen Theologie geprägten Buchvorlagen "entschärft" und dem Geschmack der deutschen 1950/60er angepasst worden. Auch die deutschen Übersetzungen der Bücher sind "entschärft". Anfang der 1990er Jahre brachte der Haffmans-Verlag originalgetreue Neuübersetzungen der Father-Brown-Geschichten von Hanswilhelm Haefs heraus.
In dem kurzen Roman The Man Who Was Thursday von 1908 (dt. Der Mann, der Donnerstag war) beschreitet Chesterton einen Ausflug in des Genre der Fantasy. Ein Komplott anarchistischer Terroristen am Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt sich darin, unter zunehmender Verfremdung der Wirklichkeit, in ein verrückt-göttliches Spektakel. Auch hier stellt Chesterton theologisch-philosophische Fragestellungen seiner Zeit literarisch dar.
Daneben verfasste Chesterton zum Teil hochgelobte Biografien unter anderem von Thomas von Aquin, Franz von Assisi, Charles Dickens, Robert Louis Stevenson und George Bernard Shaw.
Das Copyright für die englischen Originalwerke Chestertons ist inzwischen erloschen; die meisten finden sich als e-Texte im World Wide Web.
Mann | BriteEngländer | Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Englisch) | Kriminalliteratur | Roman, Epik | Lyrik | Sachliteratur | Theologie | SF-Literatur | Fantasy-Literatur | Journalist | Satire | Geboren 1874 | Gestorben 1936
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