Religiöse Konversion (v. lat.: conversio = Umwendung) bedeutet die Übernahme von neuen, anderen Glaubensgrundsätzen, religiösen Traditionen und Bräuchen bzw. der Kultur, in Beziehung zu den früheren Glaubensgrundsätzen der konvertierenden Person.
In der Vergangenheit waren Konversionen eher selten, da eine relativ homogene kulturelle Umwelt - bis hin zur Staatskirche - existierte. Heute, in einer Zeit, da die Globalisierung Menschen mit fremden Kulturen und Religionen konfrontiert, ist auch das Interesse für fremde oder exotische Religionen gestiegen. Als Fachwort für die Übernahme von Elementen aus anderen Religionen wird häufig der Begriff der Patchworkreligion benutzt, wo Glaubensvorstellungen zu einer individuellen Art zusammengesetzt werden. Eine echte Konversion ist jedoch seltener. Hier treten auch weitere Probleme auf, da Religionen oft einen gewachsenen kulturellen Hintergrund haben, der mit dem eigentlichen religiösen Glauben vermischt ist. Ein Beispiel hierfür ist das Interesse für den Buddhismus in Mittel- und Westeuropa, dessen Ausrichtung von einigen Buddhisten aus Asien kritisiert wird.
Religionswissenschaftler haben bei Konversionen zu Religionen fremder Kulturen einen häufigen Zusammenhang von persönlicher Krise (Änderungen im Leben) - beispielsweise durch Auftreten einer schweren Krankheit - und der Konversion festgestellt. Allgemein gesprochen gehört zu einer Konversion im Normalfall ein wichtiger Grund zu einem Wechsel, da hier Grundlagen des Selbstbildes betroffen sind.
Proselytenmacherei nennt man ein aufdringliches Bemühen, andere zu veranlassen, ihren Glauben zu wechseln. Manchmal wird auch jede missionarische Aktivität so bezeichnet. Sie ist in Staaten, die sich zu einer einzigen Staatsreligion bekennen, häufig verboten, so z.B. in der Verfassung Griechenlands (Art. 13 Abs. 2 Satz 3) oder in vielen Staaten mit islamischer Verfassung. Proselytismus kann ein Problem in den Beziehungen zwischen verschiedenen Kirchen sein, da darin ein gewisser Widerspruch zur gegenseitigen Anerkennung steht. Aus jüdischer Sicht wird insbesondere auch Proselytismus gegenüber Juden, d.h. Judenmission, als problematisch gesehen.
Mehrheitsreligionen haben im Lauf der Geschichte immer wieder versucht, Minderheiten und Dissidenten zur Konversion zu zwingen und Konversionen (Apostasie und Häresie) ihrer eigenen Gläubigen mit Strafandrohung zu verhindern. Noch im 20. Jahrhundert gab es in europäischen Familien Konversionsdruck auf angeheiratete "Andersgläubige" einer unterschiedlichen Konfession.
In den westlichen Kulturen, in welchen sich Religionen und öffentliche Kultur voneinander getrennt haben, ist dieses Phänomen inzwischen weitgehend verschwunden. In vielen islamischen Ländern ist eine Konversion eines Moslem zu einer anderen Religion jedoch strafbar, oft steht sogar mit Bezug auf den Koran die Todesstrafe darauf.
Wenn die Motive für religiöse Konversionen in der Persönlichkeit wurzeln, können Konversionen mit Identitätskonflikten einhergehen. Die Konversion kann Ausdruck des Wunsches sein, solche Konflikte zu lösen. Falls dies scheitert, kann es zu neuem Glaubenswechsel oder zur Ablehnung aller Religionen und Religionsgemeinschaften kommen.
Das Judentum betrachtet Kinder einer jüdischen Mutter als jüdisch, oder Menschen, die den Prozess des Gijur mit der Anerkennung eines Rabbinatsgerichtes, dem Bet Din, abgeschlossen haben, d. h. dem jüdischen Volk beigetreten sind.
Für einen nach der Halacha (religiöse Gesetze) gültigen Gijur gibt es drei notwendige und gleichzeitig hinreichende Bedingungen:
Voraussetzungen sind üblicherweise auch der feste eigene Entschluss, Jude bzw. Jüdin zu werden, der Glaube an den einen Gott und der Vorsatz, jüdisch zu leben. Der Konvertit wird außerdem über eine längere Zeit hinweg Kenntnisse über das Judentum erwerben (meistens im Unterricht eines Rabbiners oder in Kursen). Vor einem Bet Din ("Gerichtshof", d.h. eine Sitzung dreier als Richter befugter Rabbiner) wird überprüft, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind und der Kenntnisstand über das Judentum ausreicht, um als Jude zu leben.
Teile des orthodoxen Judentums erschweren Übertritte und erkennen die Übertritte des konservativen und des reformierten oder progressiven Judentum nicht an. Prinzipiell sind aber alle Strömungen für die Konversionen offen.
Das Judentum hat sich, außer in der Zeit von ca. 150 v. Chr. bis ca. 50 n. Chr., nicht missionarisch betätigt, da es auch Nichtjuden, d.h. allen Menschen, einen Platz im erwarteten Gottesreich zuspricht (Sieben Gebote an Noah). Als Kriterium gilt nicht die Zugehörigkeit zum Judentum oder der rechte Glaube, sondern das moralische Handeln. Daher ist die Zahl der Übertritte im allgemeinen gering.
Im Judentum gibt es daher zwei Stufen der Annäherung ans Judentum:
Erstere hatten ihren Namen daher, dass sie nur zum Vorhof des Tempels zugelassen wurden und an der Pforte standen. Die Proselyten der Gerechtigkeit hatten dagegen das Judentum völlig angenommen.
Die traditionellen christlichen Konfessionen bieten Konversionswilligen Begleitung an. Die Konversion wird gewöhnlich mit einer gottesdienstlichen Handlung vollzogen.
Wo unter christlichen Konfessionen die Taufe gegenseitig anerkannt ist, entfällt die Taufe des Konvertierten, je nach Kirche findet aber eine Firmung oder Konfirmation statt. Zahlreiche christliche Sondergemeinschaften verbinden die Konversion mit der Konvertitentaufe.
Noch Ungetaufte werden (in der römisch-katholischen Kirche) zunächst feierlich in das Katechumenat aufgenommen und mit Katechumenenöl gesalbt. In der Zeit des Katechumenates wird der Taufwillige (Katechumene) in den Glauben eingeführt. Die Taufe von Erwachsenen findet in der katholischen Kirche traditionell in der Feier der Osternacht statt, in der auch das Taufwasser geweiht und das Taufversprechen der Gemeindemitglieder erneuert wird.
Vom Wechsel zu Sondergemeinschaften abgesehen, geschieht eine Konversion heute in zahlreichen Fällen nicht mehr nur aufgrund eines absolut richtig oder falsch gesehenen Glaubens. Häufige Gründe für eine Konversion sind:
Gleichzeitig ist in der heutigen, stark säkularisierten westlichen Gesellschaft manchmal das Phänomen der Hinwendung von ehemaligen Agnostikern oder Atheisten zu einem kirchlich fundierten Glauben zu beobachten, die etwa als bewusste individuelle Ablehnung von Relativismus und zunehmend verwischten Grenzen zwischen wahr und falsch gedeutet werden kann.
Eine innerchristliche Konversion konfrontiert nicht nur den Betreffenden, sondern auch die übrigen Angehörigen beider Konfessionen mit den möglichen Gründen für eine solche Konversion. Konversionen können eine Gelegenheit für kritisches Hinterfragen der eigenen kirchlichen Praxis sein.
Eine Mitgliedschaft wie im Christentum gibt es nicht, da der Islam nicht kirchlich organisiert ist. Dennoch ist das einmal geleistete Bekenntnis um so bindender. Ein erneuter Gesinnungswechsel und eine Distanzierung sind nicht leicht möglich, da nach dem Prophetenwort (Hadith) "Wer seine Religion wechselt, den tötet!" der Abfall vom Glauben (Apostasie) mit dem Tode bestraft wird. Es gibt außerdem Ordensgemeinschaften (z.B. Sufis), bei denen ein zusätzlicher Treueeid (Baiat) auf den Sheikh geleistet wird.
Religious conversion | Proselitismo | Prosélytisme | המרת דת | Bekering | Prozelityzm | Proselitismo
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"Konversion (Religion)".
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