Gibson Les Paul Studio c.jpg Die Les Paul (unter Musikern umgangssprachlich auch „Paula“ genannt) ist eine E-Gitarre. Sie wird seit 1952 von der amerikanischen Firma Gibson hergestellt.
Unter Leitung des Gibson-Präsidenten Ted McCarty in Zusammenarbeit mit dem Musiker Lester William Polfus (Künstlername „Les Paul“) als Antwort auf die Instrumente des Konkurrenten Fender entwickelt, stellte die „Les Paul“ als erste Solidbody-E-Gitarre von Gibson zunächst einen Exoten im Programm des Instrumentenherstellers dar. Trotz schleppender Verkaufszahlen und vorübergehender Produktionseinstellung 1961 wurde die „Les Paul“ im Verlauf der 1960er Jahre durch ihren warmen, druckvollen Klang schnell zum Hauptinstrument von Künstlern wie Jimmy Page, Jeff Beck und Eric Clapton. Nach Wiederaufnahme der Produktion 1967 entwickelte sich die „Les Paul“ zum erfolgreichsten Instrument von Gibson. Sie wird bis heute hergestellt und gilt neben der Fender Stratocaster und der Fender Telecaster als Klassiker unter den E-Gitarren.
Kurz darauf erzielte der kalifornische Radiotechniker Leo Fender mit seiner neu entwickelten Solidbody-E-Gitarre „Fender Broadcaster“ (im Frühjahr 1951 umbenannt in Telecaster) erste kommerzielle Erfolge. Der neue Gibson-Präsident Ted McCarty entschied, dass Gibson ebenfalls eine massive E-Gitarre ins Programm nehmen müsse, und erinnerte sich an Les Paul und seine „Klotz“-Gitarre. Les Paul und McCarty wurden sich schnell einig, dass eine „Les Paul Gitarre“ entwickelt werden soll. Wie diese Entwicklung im Detail ablief, ist umstritten: Paul McCartney on stage in Prague.jpg
Sicher ist, dass Les Paul und McCarty bei einem Treffen Mitte 1951 einen Vertrag schlossen, der den Bau der Gitarre unter dem Namen Les Pauls möglich machte. Das Patent der Gitarre wurde später auf McCarty angemeldet, Les Paul erhielt das Patent für den Saitenhalter.
Im Jahr 1952 erschienen die ersten Modelle der „Les Paul“ auf dem Markt. Diese waren mit zwei P90-Single Coil Tonabnehmern ausgestattet und in der Farbe Gold lackiert (Abbildung hier). Die Farbe Gold sollte laut Les Paul Luxus und Wertigkeit ausdrücken. Im Gegensatz zu dieser Annahme erschienen die ersten Modelle mit einem Konstruktionsfehler in den Läden: Der Trapez-Saitenhalter war für die Gitarre zu hoch, weshalb die Saiten unter diesem hindurch geführt werden mussten. Erst im Jahr 1953 wurde dies durch eine veränderte Brücke (das sog. Stud-Tailpiece) behoben. Sammler bezeichnen die frühen Modelle mit dem Namen „Goldtop“.
Im Jahr 1954 erschien die „Les Paul Custom“, ein optisch aufgewertetes Modell in der Farbe Schwarz, welches in der Werbung als „fretless Wonder“ (Bundloses Wunder) angepriesen wurde. Die Custom besaß am Hals den neuen „Alnico“-Singlecoil Tonabnehmer und eine neue Brücken-/Saitenhalterkombination, die aus Saitenhalter (Stop-Tailpiece) und Brücke (Tune-O-Matic) bestand. Seit 1955 wird diese Konstruktion auch auf den meisten anderen Modellen angewendet.
Im Jahr 1957 wurde die „Les Paul“ mit den neu entwickelten Humbucker-Tonabnehmern ausgestattet. Die Tonabnehmer trugen zu Beginn der Produktion einen Aufkleber „Patent Applied For“ (Patent beantragt) um Kopisten abzuschrecken. Diese unter Musikern „PAF“ genannten Tonabnehmer gelten bei Sammlern als sehr begehrt. Die Gitarren waren jetzt in weiteren Farbvarianten erhältlich. Als besonders beliebt stellte sich die Variante „Sunburst“ heraus; eine Lackierung, bei der die Farbe von einem dunklen Rot oder Braun am Deckenrand zu einem nahezu transparenten Honiggelb in der Mitte der Decke verläuft.
SG LPbody3.jpg Im Jahr 1961 wurde die „Les Paul“ wegen zurückgehender Verkaufszahlen durch die „Gibson SG“ ersetzt, welche bis 1963 den Namen „Les Paul SG“ trug. Da Les Paul die Form der „SG“ nicht gefiel und sein Vertrag bei Gibson 1962 auslief, zog er sich zurück. Der Name „Les Paul SG“ wurde zu „SG“ gekürzt, welches für „Solid Guitar“ (massive Gitarre) stehen sollte. In späteren Interviews erinnerte sich Les Paul, dass neben der ungeliebten neuen Form der „SG“ die anstehende Scheidung von seiner Ehefrau und Duopartnerin Mary Ford ebenfalls Grund für seinen Rückzug gewesen ist. Les Paul befürchtete hohe Zahlungen an seine Noch-Ehefrau und war an einer lukrativen Vertragsverlängerung mit Gibson nicht interessiert. Höhere Einnahmen hätten für Les Paul auch höhere Unterhaltszahlungen bedeutet, weshalb sich Les Paul zu dieser Zeit nahezu komplett aus dem Musikbusiness zurückzog.
Nachdem die „Les Paul“ in den 1960er Jahren zur Kultgitarre des aufstrebenden Bluesrock wurde, entschied man sich bei Gibson im Jahr 1967 zur Wiederaufnahme der Produktion. Da Les Paul nun geschieden war, stimmte er einer Erneuerung des Vertrages zu. Seitdem ist die „Les Paul“ in verschiedenen Versionen ununterbrochen im Programm von Gibson.
Für den Klang sorgen bei der „Les Paul“ gewöhnlich zwei Humbucker. Einige Modelle (Les Paul Custom, Les Paul Artisan) haben in der Mittelstellung einen dritten Humbucker. Verwaltet werden die Tonabnehmer von je einem Ton- und einem Lautstärkeregler. Geschaltet werden die beiden Humbucker über einen dreistufigen Schalter, der entweder den Hals-, den Brücken- oder beide Pickups einschaltet. Gemäß dem Sprachgebrauch der 1950er Jahre ist der Schalter nach dem erzeugbaren Klang der Gitarre, d. h. „Treble“ für den höhenreichen Brücken-, „Rhythm“ für den dunkleren Halstonabnehmer, beschriftet.
Verschiedene Modelle der „Les Paul“ (Special, Goldtop) besitzen statt der Humbucker ein oder zwei Single Coil Pickups des Typs P90. Dieser liefert einen dünneren, helleren Ton als die Humbucker und ist daher vor allem bei Blues- und Rock-'n'-Roll-Musikern beliebt.
Die „Standard“ wurde 1976 eingeführt, um das wachsende Interesse an Modellen der Phase 1958–1961 zu befriedigen. Zuvor bot Gibson zwar schon ähnliche Modelle an, Puristen bemängelten jedoch immer wieder die zum Teil unglücklichen Detaillösungen. Falsche Abmessungen und Dimensionen, ungewohnte Farbkombinationen, eine mehrteilige „Sandwich“-Bauweise des Korpus zur Materialeinsparung und die allgemein schlechte Verarbeitungsqualität schreckten bei den Vorgängermodellen zunächst ab.
Da die „Custom“ das Spitzenmodell der regulären Produktion darstellt, werden immer wieder Ausstattungsvarianten angeboten, die sich nur auf diesen Gitarren finden. Dazu gehören u. a. ein dritter Humbucker, die Ausstattung mit einem Bigsby-Vibrato oder die Verwendung von Farbkombinationen, die so auf anderen Gitarren nicht zu finden sind. Teilweise verzichten die Modelle auf die typische Ahorndecke und weisen unter ihrer deckend schwarzen Lackierung einen Korpus aus massiven Mahagoni auf.
Die „Studio“ wurde 1990 eingeführt, um ein preisgünstiges Modell anbieten zu können. Die Namensgebung spielt darauf an, dass im Tonstudio, wo außer den Toningenieuren keine Zuschauer anwesend sind, auf optischen Zierrat verzichtet werden kann. Genau darin sehen viele Musiker jedoch den Reiz: Die Signature-Gitarren von Gary Moore und Joe Perry (Aerosmith) basierten auf der „Studio“. Durch den anhaltenden kommerziellen Erfolg ist die „Studio“ die einzige neu entwickelte Modellinie, die sich seit ihrer Einführung ununterbrochen im Programm befindet.
Zu Beginn der Produktion 1952 wurden „Les Pauls“ besonders von Blues- und Jazzmusikern eingesetzt. Neben dem Namensgeber Les Paul selbst setzte u. a. John Lee Hooker eine „Goldtop“ ein.
Mit Aufkommen der britischen Bluesrock-Welle in den 1960ern wurde die „Les Paul“ zur Kultgitarre. Vor allem Eric Claptons Gitarrenarbeit auf dem John-Mayall-Album Blues Breakers sowie Claptons weitere Bands (Yardbirds, Cream) machten die „Les Paul“ berühmt. Jimmy Page benutzte bevorzugt „Les Paul“-Gitarren bei Liveauftritten von Led Zeppelin. Pete Townshend von The Who spielte sowohl die „Les Paul“ als auch das Nachfolgemodell „SG“. George Harrison von den Beatles benutzte eine „Les Paul“ während der letzten Aufnahmen der Band. Diese Gitarre, eine nachträglich rot lackierte „Goldtop“, ist u. a. auf dem Klassiker „While my Guitar gently weeps“ zu hören. Paul McCartney besitzt eine seltene Linkshänder-„Les Paul“ aus dem Jahr 1960, welche er bis heute regelmäßig bei Livekonzerten einsetzt. In den USA begannen Gitarristen wie Michael Bloomfield, Neil Young, Pat Travers und Duane Allman die „Les Paul“ wiederzuentdecken. Aufgrund dieses nachträglichen Booms entschloss sich Gibson, die „Les Paul“ erneut ins Programm zu nehmen.
Guitarra.jpg In den 1970ern wurde die Les Paul besonders im Bereich der Rockmusik eingesetzt. Bekannte Namen sind u. a. Carlos Santana, Peter Frampton, Gary Moore, Peter Green, Paul Kossoff von Free und Billy Gibbons von ZZ Top. Jeff Beck ist auf dem Cover seines Albums „Blow By Blow“ mit der schwarzen „Les Paul“ zu sehen, die er für die Aufnahmen benutzt hat.
Als exemplarisch für den dichten, warmen Ton, den die „Les Paul“ erzeugt, wird oft der Song „Money for Nothing“ von den Dire Straits genannt. Mark Knopfler, Gitarrist der Dire Straits, ist bekannt dafür, dass er kein Plektrum benutzt. Nach eigenen Angaben spielt er deshalb bei Stücken, die „rockig“ klingen sollen und daher eigentlich den Anschlag mit dem Plektrum verlangen, eine „Les Paul“.
In den 1990ern wurde der druckvolle Klang der Gitarre von Hard-Rock- und Heavy-Metal-Gitarristen entdeckt. Beispiele sind Slash von Guns N' Roses, Zakk Wylde (u. a. Ozzy-Osbourne-Band), Kirk Hammet und James Hetfield von Metallica bis hin zu Dimebag Darrell (Pantera, Damageplan), der auf der Bühne jedoch oft zu den auffälligeren Modellen der Marke „Dean“ griff.
Um die besonders im asiatischen Raum stark vertretenen Sammler zu befriedigen, stellt Gibson in Japan exakte Kopien historischer „Les Paul“-Modelle her. Diese Gitarren werden unter dem Namen „Orville“ (Name des Firmengründers Orville H.Gibson) angeboten und finden nur selten den Weg nach Europa.
Aufgrund der Beliebtheit der „Les Paul“ werden von verschiedenen anderen Herstellern ebenfalls Kopien angeboten. Da Gibson seit jeher starken Wert auf seine Urheberrechte legt, gibt es mittlerweile eine Reihe von Gerichtsprozessen, mit denen Gibson exakte Kopien zu verhindern versucht. Berühmt geworden sind zum einen die Prozesse gegen den japanischen Hersteller Ibanez in den 1970ern, sowie der im Jahr 2005 vorläufig beigelegte Rechtsstreit mit dem Gitarrenbauer Paul Reed Smith. Um Plagiatsvorwürfen durch allzu exakte Kopien der „Les Paul“ zu entgehen, ersannen verschiedene Hersteller leichte Variationen im Design der Instrumente. Am weitesten gingen dabei die Gitarren der Marke „Tokai“: Der Firmenname „Tokai“ und der Modellname „Love Rock“ wurde so auf die Kopfplatte geschrieben, dass aus einiger Entfernung scheinbar die Worte „Gibson“ und „Les Paul“ zu lesen sind.
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