Gevelsberg ist eine Stadt im
Ruhrgebiet,
Nordrhein-Westfalen,
Deutschland und gehört dem
Ennepe-Ruhr-Kreis an. Die Stadt ist Mitglied des
Regionalverband Ruhr.
Geografie
Geografische Lage
Die
geographische Lage ist 7°20' östliche Länge und 51°18' nördliche Breite. Die größte Höhendifferenz beträgt etwa 200
Meter von der
Ennepe bei Vogelsang mit 131,5 m über
NN bis zum Hageböllinger Kopf mit 336,4 m über NN. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 7,1 km und die größte West-Ost-Ausdehnung 7,15 km. Die Fläche misst 26,27 km².
Ausdehnung des Stadtgebiets
Das Stadtgebiet erstreckt sich von den südlichen bewaldeten sieben Steilhängen über das schmale Tal der Ennepe mit der
Bundesstraße 7 bis weit in das nördliche flache Hügelland. Die kulturgeographische Übergangslage zwischen
Sauerland im Süden und
Ruhrgebiet im Norden vereint Nähe zu den Erholungsgebieten und gute Verkehrsanbindungen zu den benachbarten Großstädten
Düsseldorf,
Dortmund,
Wuppertal und
Hagen. Das Stadtbild wird unter anderem geprägt von viel Grünvegetation entlang der
Flussaue der Ennepe und überall in den Wohngebieten.
Geschichte
Ennepebrücke1.jpg
Gevelsberg ist aus der früheren Bauernschaft Mylinghausen hervor gegangen. Urkundlich erwähnt wurde "Milinchusen" erstmals am
13. Dezember 1096 .In dieser Urkunde überließ der Erzbischof von Köln dem Kloster von Siegburg u.a. einen Hof in Mylinghausen.
- 1102 musste Friedrich Graf von Westfalen (Arnsberg) die Hälfte seiner Grafschaft an den Erzbischof von Köln abtreten. Zu dem abgetretenen Teil, mit dem die Edelherren von Volmarstein belehnt wurden, gehörte auch das Gebiet um Gevelsberg.
- Ab 1180 wurden die Erzbischöfe von Köln als Herzöge von Westfalen auch weltliche Herrscher über Gevelsberg.
- Bekannter wurde Gevelsberg vor mehr als 780 Jahren. Denn am 7. November 1225 wurde in einem Hohlweg am Hange des Gevelsbergs der Reichsverweser und Kölner Erzbischof Engelbert, Graf von Berg, von einem Verwandten, dem Grafen Friedrich von Isenberg, überfallen und erschlagen. Am vormaligen Tatort wurde etwa um 1230 zur Sühne ein Zisterzienserinnenkloster errichtet, das die Keimzelle der heutigen Stadt wurde.
- Seit 1324 gehört Gevelsberg zur Grafschaft Mark.
- Ab Mitte des 15. Jahrhunderts Abbau von Steinkohle im Ortsteil Silschede.
- Ab 1577 wurde das Zisterzienserinnenkloster in ein freiweltliches adeliges Damenstift umgewandelt, das dann im Jahre 1812 unter Napoleon aufgelöst wurde.
- 1609 geriet Gevelsberg unter die Herrschaft des Churfürsten von Brandenburg, da dieser die Grafschaft Mark erbte. Da die Erbteilung auf Schwierigkeiten stieß, erfolgte bis 1614 eine gemeinsame Verwaltung der Grafschaft Mark mit dem Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg.
- Während der napoleonischen Besatzung der Jahre 1807 - 1813 gehörte Gevelsberg zum Großherzogtum Berg.
- 1815 wurde die preussische Provinz Westfalen geschaffen, zu der auch Gevelsberg gehörte.
- 1867 wurde die Mylinghauser Bauernschaft offiziell in Gevelsberg umbenannt.
- Am 1. Februar 1886 wurden Gevelsberg aufgrund der Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen von Kaiser Wilhelm I. als König von Preussen die Stadtrechte verliehen.
- 1889/90 wurde in Gevelsberg eines der ersten kommunalen Elektrizitätswerke in Deutschland errichtet.
Das Aufblühen der kleinindustriellen Wirtschaft (Wasserkraft nutzende Hammerwerke, Kleineisenprodukte) ließ die Bevölkerungsanzahl im
19. Jahrhundert stark ansteigen. Zahlreiche Wohnhäuser, Fabrikantenvillen und Fabrikanlagen entstanden in dieser Zeit, die das Stadtbild noch heute prägen.
Nach der Reichspogromnacht 1938 wurden die jüdischen Bürger in der folgenden Zeit verschleppt. Fedor und Johanna Rosenthal, die ein großes Textilkaufhaus in Gevelsberg betrieben, kamen im KZ Sachsenhausen und Ghetto Theresienstadt um.
- 1946 Preussen wird aufgelöst, Gevelsberg gehört zum Land Nordrhein-Westfalen.
Eingemeindungen
Im Rahmen der
Gemeindereform wurden im Jahre 1970 folgende Gemeinden mit Ausnahme geringer Randgebiete nach Gevelsberg eingegliedert:
Politik
Bürgermeister
- 1886 - 1911 Fritz Knippschild
- 1911 - 1919 Walter Leinberger
- 1919 - 1929 Hermann Müller
- 1930 - 1933 Konrad Rappold
- 1933 Dr. Heinrich Hanholz (danach Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises)
- 1933 - 1945 Dr. Günter Albitz
- 1945 Hermann Hußmann
- 1945 - 1961 Gustav Trost
- 1961 - 1991 Helmut vom Schemm
- 1991 - 2004 Dr.-Ing. Klaus Solmecke
- ab 2004 Claus Jacobi
Stadtdirektoren
Von 1946 bis zur Zusammenlegung der Funktion des Stadtdirektors mit der des Bürgermeisters im Jahre 1996 standen an Spitze der Stadtverwaltung folgende Stadtdirektoren:
- 1946 - 1969 Erich Blumenroth
- 1969 - 1981 Gerhard Borgemeister
- 1981 - 1996 Volker Stein (danach Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises)
Gemeinderat
Bei der Kommunalwahl am 26. September 2004 ergab sich folgende Zusammensetzung:
- 20 Sitze SPD
- 15 Sitze CDU
- 6 Sitze FWG - Freie Wählergemeinschaft
- 3 Sitze Grüne
- 2 Sitze FDP
Wappen
Das historische Gevelsberger Stadtwappen war der Stadt durch Erlass des Preußischen Innenministeriums vom 9. März 1903 verliehen worden.
Auf einem goldfarben grundierten, rechteckigen Schild mit unten abgerundeten Ecken erhebt sich über einem grünen Hügel ein roter, von drei Rundbogenfenstern durchbrochener Backsteingiebel. Im Zentrum des Wappens befindet sich auf einem goldenen Herzschild ein schwarzes Kammrad.
Aus diesem ursprünglichen Stadtwappen wurde Mitte der 1950er Jahre das aktuelle Gevelsberger Stadtwappen entwickelt, das seither bei allen offiziellen Anlässen verwendet wird. Am oberen Rand angebracht ist hier zusätzlich eine dreitürmige, sandsteingrauen Mauerkrone mit einem geschlossenen Stadttor unter dem Mittelturm, das Abzeichen der Stadtrechte. Das zentrale Herzschild mit dem Rad als Zeichen der Industrie ist hier farbig in das Rot des Gebäudes aufgenommen.
Städtepartnerschaften
- Vendôme (Frankreich) Die Kleinstadt von 18.500 Einwohnern liegt im Departement Loir-et-Cher in der Region Centre.
- Sprottau (polnisch: Szprotawa) (Polen) Die Partnerschaft besteht seit dem 17. Mai 1996. Szprotawa, eine Kleinstadt von 22.000 Einwohnern, gehört zum Bezirk (polnisch: Wojewodschaft) Grünberg (polnisch: Zielona Gora). Das liegt im ehemaligen Niederschlesien, rund 50 km von der deutsch-polnischen Grenze bei Cottbus.
- Butera (Italien) Dies ist ein Dorf im südwestlichen Sizilien. Knapp 1.000 Italiener in Gevelsberg haben ihre familiären Wurzeln in Butera oder der umliegenden Region Caltanisetta. Die Urkunde wurde am 8. Mai 2004 unterzeichnet. Butera ist 29.704 ha groß und hat rund 5.800 Einwohner.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
An der zentralen Hauptstraße der Stadt Gevelsberg, Mittelstraße 86/88, liegt das "Bürgerzentrum", der Sitz des
Volkshochschulzweckverbands Ennepe-Ruhr Süd. Durch zahlreiche Seminare und Veranstaltungen trägt die Volkshochschule zur Weiterbildung der heimischen Bevölkerung bei. Außerdem haben im Bürgerzentrum noch zahlreiche
Vereine eigene Räumlichkeiten.
Gevelsberg zeichnet sich darüber hinaus durch ein reges Kulturleben aus, das indes von den Bewohnern der Stadt im wesentlichen selber organisiert wird. Das Kulturerleben der jüngeren Einwohner wurde in den letzten Jahren insbesondere vom NGK - Neuen Gevelsberger Kulturverein geprägt. Anspruchsvolles Programm-Kino bietet regelmäßig "Filmriss".
Neben dem Programm in klassischer Musik der "Konzertgesellschaft Gevelsberg" ist außerdem das "Internationale Gitarrenfestival" in der Woche vor Ostern zu nennen.
Einen traditionellen Höhepunkt im Stadtleben stellt die alljährlich am letzten Juni-Wochenende stattfindende Gevelsberger Kirmes dar, die Gevelsbergs Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Ebenfalls traditionsgebunden sind Veranstaltungen in der Fußgängerzone wie das "Quellenfest" im Mai (erstmalig 1988) und der Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende.
Es gibt in der Stadt eine Vielzahl aktiver Vereine.
Sehenswürdigkeiten
Im Jahre 1805, also kurz vor Aufhebung des Klosters durch Napoleonisches
Dekret, wurde noch das repräsentative Schieferhaus Im Stift 6 im Stil des Klassizismus für die Äbtissin fertiggestellt. Zahlreiche noch erhaltene ältere Häuser des alten Klosterbereiches wurden 1989 im Rahmen einer Denkmalbereichssatzung "Elberfelder Straße / Altes Dorf" unter
Denkmalschutz gestellt.
Das "Gevelsberger Stadtzeichen" wurde 1989 von dem Künstler Janusz Hajduk-Gubalke geschaffen. Die Realisierung des Projektes war u.a. durch die großzügige Spende des Mäzens Wasyl Seniw, der in Gevelsberg eine neue Heimat gefunden hatte, möglich. Zielsetzung war es, zeitgenössische Kunst ins Stadtbild einzubringen. Neben diesem auf der zentralen "Ennepe Brücke" gehören auch die "Zeitschichten" des Japaners Yoshiaki Watanabe am "Lusebrink" zum Gesamtprojekt.
Das Schwimm-in-Gevelsberg ist ein modernes Sport- und Freizeitbad, das im Jahre 2000 umgebaut wurde. Es verfügt über ein Erlebnisbecken, 4 Riesenrutschen und eine großzügige Saunalandschaft.
Das Stadion Stefansbachtal wurde im Rahmen der Bewerbung als Trainingsstandort für die Fussball WM 2006 in den Jahren 2004 - 2006 modernisiert. Es verfügt über 2 Kunstrasenplätze und das FSV-Gevelsberg Vereinsheim.
Die Erlebniswelt Gevelsberg ist eine Freizeitanlage für Kinder, die aus dem ehemaligen Kruiner Gußstahlwerk am Kruiner Tunnel nach Ennepetal entstanden ist.
Im Ortsteil Silschede sind noch Überreste der Trasse der ehemaligen von Friedrich Harkort gegründeten Harkortschen Kohlenbahn, die auch als Silscheder Kohlenbahn oder Hasper Kohlenbahn bezeichnet wird, zu sehen. Die Trasse führte von Schlehbusch zur Hasper Hütte.
Bauwerke
Regelmäßige Veranstaltungen
- Quellenfest am Himmelfahrtswochenende im Mai
- Gevelsberger Kirmes am letzten Wochenende im Juni
- Weihnachtsmarkt Silschede am ersten Adventswochenende
Wirtschaft und Infrastruktur
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Die mittelständisch geprägte Industrie Gevelsbergs (Metallindustrie, Maschinenbau, Zulieferer) hat sich bis in die Gegenwart durch alle Krisenzeiten als sehr anpassungsfähig erwiesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der hier nur vergleichsweise geringe Schäden anrichtete, zeigte sich, dass die Stilllegung großer, inzwischen konzernabhängiger Betriebsstätten und der Rückgang der Industriebeschäftigten auch Gevelsberg nicht verschonte.
Daneben gibt es auch zukunftsorientierte innovative Ansätze, etwa am Beispiel der Regenerative Energien Dienstleister "Sonne & Regen" und Radtaxi/Rikscha.
Medien
- Presse
- Rundfunk
- TV
Gevelsberg gehört zum Redaktionsgebiet des Studio Dortmund, dem Lokalsender des
WDR.
Verkehr
Gevelsberg liegt an der Autobahn
A 1 und den Bundesstraßen
B 7 und
B 234 und den
Landesstraßen L527 - Elberfelder Straße + Wittener Straße + Eichholzstraße, L 666 - Haßlinghauser Straße, L 702 - Asbecker Straße, L 891 - Rosendahler Straße.
Ein Eisenbahnanschluss besteht über die S8 nach Hagen und über Wuppertal und Düsseldorf nach Mönchengladbach.
Bedeutsam ist der Bau der Südumgehung, eines Tunnels als Ortsumgehung der Innenstadt, wodurch die Innenstadt verkehrsberuhigt wird. Dieses Vorhaben dient dem Zweck Gevelsberg zu einem bekanntem Einkaufszentrum zu machen.
Gevelsberg gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr an. Außerdem gilt der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Ruhr-Lippe für Fahrten in deren Gebiet. Der Tarif des Verkehrsverbund Rhein-Sieg kann als Übergangstarif bis Köln benutzt werden.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Folgende Persönlichkeiten leben in Gevelsberg oder wurden in Gevelsberg geboren:
- Klaus-Peter Thaler (* 14. Mai 1949 in Eckmannshausen, Netphen) Radrennfahrer, mehrfacher Amateur- und Profiweltmeister
- Elisabeth Höngen (* 7. Dezember 1906; † 6. August 1997 in Wien) Sängerin (Mezzosopran) an der Semperoper Dresden, Professorin an der Wiener Musikakademie
- Ernst Krukowski (* 2. April 1918; † 22. Oktober 1982 Berlin) Opernsänger (Bariton) an der Deutschen Oper, Berlin
- Dr. Ernst Weisenfeld (* 21. August 1913) Buchautor und Frankreich-Korrespondent der ARD und des WDR in Paris
- Heinz Lohmann (* 1934) Konzertorganist
- Prof. Dr. Ulrich Samm (* 1950) Lehrstuhlinhaber für Plasmaphysik in Düsseldorf/Jülich
- Prof. Dr. Otto Goetze (* 1886) Namensgeber des Otto-Goetze-Preises für chirurgischen Nachwuchs
- Klaus Weiss (* 17. Februar 1942) Jazzmusiker und Schlagzeuger u.a. mit Klaus Doldinger
- Maik Schott (* 1969) Jazzmusiker
- Arthur Kulling, Konzertmeister, Dirigent, Komponist, Präsident der Deutschen Johann Strauss - Gesellschaft, Träger des Bundesverdienstkreuzes
- Ralph Kulling (* 1953) Leiter des Alt-Wiener-Strauß-Ensembles, Stuttgart, Inhaber des audiophilen Klassik - CD Labels Edition HERA
- Prof. Dr.-Ing. Heinrich Theodor Vierhaus (* 14. Juli 1951) Leiter des Lehrstuhls Technische Informatik an der Universität Cottbus
- Dr. Hans-Jürgen Abromeit (* 13. Oktober 1954), Bischof der [[Pommersche Evangelische Kirche|
Pommerschen Evangelischen Kirche]]
- Rüdiger Frohn, Jurist, Chef des Bundespräsidialamtes (1999-2004)
Ehrenbürger
- Helmut vom Schemm (* 18. Dezember 1918; † 25. Juni 1995) (Altbürgermeister), Ehrenbürger der Stadt Gevelsberg
Literatur
- Schloemann, Friedrich: Geschichte von Gevelsberg, Gevelsberg 1907
- Zierenberg, Bruno: Die Geschichte Gevelsbergs, Gevelsberg 1928
- Overkott, Franz: Gevelsberg, Die Kleineisen - Industriestadt an der Ennepe, Gevelsberg 1956
- Herrmann, Walter: 1886 - 1986, 100 Jahre Stadt Gevelsberg, Das Werden einer Stadt, Meinerzhagen 1985
- Reininghaus, Wilfried, u.a.: Gevelsberg 1225 - 1886 - 1986, Untersuchungen und Quellen zur Geschichte der Stadt Gevelsberg, Gevelsberg 1988
- Meister, Wido: Die Engelbert-Tafeln in Gevelsberg, in: RomerikeBerge, Heft 1/2003, S.32 - 37.
- Meister, Wido: Der Hohlweg, in dem der Erzbischof von Berg überfallen wurde, in: Romerike Berge, Heft 4/2003, S.2 - 6.
Weblinks
Ort in Nordrhein-Westfalen
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