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Getreidegasse_aug2005.jpg Die Salzburger Getreidegasse befindet sich in der Altstadt und ist Salzburgs berühmteste Einkaufsstraße. Ihr besonderes Flair entsteht nicht zuletzt durch die zahlreichen typischen schmiedeeisernen Zunftzeichen. In dieser Straße wurde 1756 Wolfgang Amadeus Mozart geboren.

Geschichte


Römerzeit und Mittelalter

Die Getreidegasse war bereits zur Römerzeit eine bedeutende Verkehrsroute, da sie die einzige Verkehrsader durch die Stadt und in Richtung Bayern darstellte (und das bis in die Regierungszeit von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau zu Ende 16. Jh./Beginn des 17. Jh.). Die Straße wurde 1150 erstmals als „Trabegasse’ erwähnt. Der Ursprung des Namens liegt also nicht im hier verkauften Getreide, sondern es wurde vermutlich aus Trabe-, Trab- oder Trav-Gasse später Tragasse - Traidgasse - Getreidgasse und schließlich Getreidegasse. Das ursprüngliche Wort stammt also vom Traben der Pferde ab und hat mit dem „Getreide“ gar nichts zu tun.

Von der ältesten Kaufmannssiedlung am Waagplatz wuchs die Häuserzeile der Juden- und Getreidegasse flussabwärts. Bei ihrer Entwicklung waren der Ausbreitung durch Besitzgrenzen im Süden und im Westen und durch die Stadtmauer bzw. die Salzach im Norden Grenzen gesetzt. Die alten Häuser der Gasse sind oft mit Jahreszahlen, dem Auge Gottes oder den Namen früherer Bewohner, geschmückt. An manchen Häusern sind noch Balken zu sehen, an denen vormals Hebezüge die Lasten aus den Lagerräumen transportierten.

Im 14. Jahrhundert bekam Salzburg das Stapelrecht und die durchreisenden Kaufleute boten am Waagplatz 1 und in der Getreidegasse 18-22 wichtige Waren an. Dabei war die Getreidegasse auch die gesellschaftlich erste Adresse für Bürger (z.B. Stadträte, erzbischöfliche Beamte, Richter, Münzer wohnten hier) und das wirtschaftliche Zentrum mit den großen Handelshäusern, für gehobene Handwerker, Brauereien und Gaststätten, Chirurgen und Apotheker.

17.-19. Jahrhundert

Aus der Zeit des 16. bis 19. Jh. stammen einige der bekannten, kunstvoll gestalteten Zunftschilder.

Ihre internationale Bekanntheit hat die Getreidegasse – wie könnte es in diesem Jahr anders sein - Mozart zu verdanken. Am 27. Januar 1756 kam in der Getreidegasse 9 Wolfgang Amadeus Mozart zur Welt. Sein Geburtshaus heißt Hagenauer Haus nach seinem Eigentümer dem Handelsherrn und Spezereiwarenhändler Johann Lorenz Hagenauer (1712-1792). Die Familie Leopold Mozart mietete sich 1747 im dritten Stock des Hauses ein und lebte hier bis 1773. Im Jahr 1773, nach Vater und Sohns dritter Reise nach Wien, übersiedelten sie mit Mutter und Schwester Nannerl in das Tanzmeisterhaus am damaligen Hannibalplatz (heute Makartplatz 8).

Getreidegasse9 2003 ori 450px.jpg | Geburtshaus_mozart_schild.jpg

Bereits 1880 errichtete die Internationale Mozart-Stiftung ein Museum im Geburtshaus Mozarts. In den letzten Jahrzehnten (2003) konnte das Museum von der Internationalen Stiftung Mozarteum systematisch um- und ausgebaut werden. Zu sehen gibt es Dokumente und Bilder der Familie Mozart und Instrumente von W. A. Mozart. (unter anderem Mozarts Kindergeige, seine Konzertgeige und sein Hammerklavier)

Auch die Familie Keutzl mit Ihrem noch heute existenten "Geschlechterturm" ist in Bezug auf die Getreidegasse erwähnenswert. Ihr Wohnhaus diente seit 1407 der Stadt als Rathaus. Dieses Rathaus bildet den Anfangspunkt der Getreidegasse, während am anderen Ende der „Kranzlmarkt“ den Abschluss bildet. Der Name dieses Marktes leitet sich von den Kranzbindern her, die hier in vergangenen Zeiten ihren Platz hatten. Aber auch andere klingende Namen finden sich unter den Bewohnern der Getreidegasse: Bürgermeister Hans Matsperger, der schärfste Gegner von Erzbischof Leonhard von Keutschach, ebenso wie sein Kollege Ruprecht Lasser, die Ratsherren Rauenperger und Salome Alt. Auch eine Wohlfahrtseinrichtung, das Arme-Leute-Bad, wurde über Jahrhunderte in der Getreidegasse, nahe dem Bürgerspital, betrieben. Lorenz Hübner schreibt darüber im 18. Jahrhundert: "Eine milde Stiftung für Arme, welche sich dieses Bades, der Wohltat des Schröpfens, Aderlassens, Haar- und Bartschneidens jährlich drei Male zu festgesetzten Zeiten unentgeltlich zu erfreuen haben." – daher auch der Name „Badergässchen“ für eine kleine Straße, die beim Hotel „Goldener Hirsch“ von der Getreidegasse abzweigt.

Eine Besonderheit stellte die Reinigung der stark frequentierten Getreidegasse dar: jeden Samstag und am Vorabend von Feiertagen wurde sie durch den aufgestauten Almkanal überflutet und so die Abfälle in die Salzach geschwemmt.

Gegenwart (20./21 Jh.)

Schenkt man den Tourismusinformationen im Internet Glauben, so erhält die Getreidegasse „ihren Charme nicht nur durch hohe, schmale und eng aneinandergeschmiegte Häuser, verlockende Geschäfte und die schmiedeeisernen Zunftzeichen, sondern auch durch romantische Durchhäuser und Innenhöfe.“ Typisch für die Häuser sind dabei die vom ersten Stock an kleiner werdenden Fenster und die wunderschönen Hausportale, wie z.B. bei Nr. 9, Mozarts Geburtshaus. In den früheren Wohnräumen der Familie Mozart befindet sich jetzt das Mozart-Museum.

Die Häuser in der Getreidegasse erscheinen sehr schmal, doch sie erstrecken sich nach beiden Seiten der Gasse in die Tiefe. Früher lag hinter der Häuserzeile noch ein meist als Garten genutzter Raum. Später wurden diese Flächen immer mehr verbaut, weil man Platz für Werkstätten, Lager, Ställe und Dienstboten-Wohnungen brauchte. So entstanden Rückgebäude, die dann mit dem Haupthaus verbunden wurden und so zu den typischen Innenhöfen führten. In den letzten Jahren wurden die Hinterhäuser vor allem für die Vergrößerung der Verkaufsflächen der ansässigen Geschäfte genutzt. Die Durchhäuser wurden zu Einkaufspassagen und erfüllen die Funktion gedeckter Galerien. Gerade diese miteinander verbundenen Häuser haben die städtebauliche Charakteristik Salzburgs entscheidend geprägt. Die bis zu 750 Jahre alten Bürgerhäuser wurden entkernt und zu Geschäftsräumen umfunktioniert – alleine von 1960 bis 1980 wurden angeblich ca. 700 Altbauwohnungen in gewerblich genutzte Räume umgewandelt – und dies äußert lukrativ, wie vermutet werden darf. Ein verschärftes Altstadterhaltungsgesetz versucht dieses Handeln einzudämmen.

Nochmals zurück zu den Innenhöfen/Arkadenhöfen: Säulen, Wölbungen, Kapitelle, profilierte Gesimse, Reliefs, Marmorbrüstungen, eingravierte Hausmarken und Daten, Laubengänge, steile und schmale Treppen sowie farbenprächtiger Blumenschmuck in den Bogengängen, schaffen eine einmalige Atmosphäre. Der wohl frequentierteste Durchgang ist das Schatz-Haus von der Getreidegasse 3 zum Universitätsplatz. In einer dunklen Nische befindet sich eine Reliefdarstellung der Madonna mit dem Kind und hier erinnert auch eine Gedenktafel an den Aufenthalt des deutschen Sozialistenführers August Bebel.

Zukunft?

Heute zieht vor allem das reichhaltige Angebot von unterschiedlichsten Geschäften die Menschen in die Getreidegasse. Die unterschiedlichsten Waren, vorwiegend im oberen Preissegment, werden angeboten. In den letzten Jahren lässt sich aber auch eine verstärkte Aktivität von preisgünstigeren Modeketten, die speziell die jugendliche Käuferschicht ansprechen, bemerken.

Wie sich die Zukunft der Getreidegasse gestalten wird, ist ungewiss. Einerseits deutet nichts darauf hin, dass die Touristenzahl in der Stadt Salzburg – von denen kaum jemand die Getreidegasse nicht besucht – sich wesentlich verringern wird, eher im Gegenteil, sofern man den Tourismusstatistiken Glauben schenkt. Ob jedoch alleine die Touristen diese Einkaufsstraße am Leben erhalten werden, ist fraglich. Das Käuferpotential der Einheimischen wird stark von den am Stadtrand befindlichen Einkaufszentren von der Innenstadt abgezogen, worüber sich die Geschäftsleute der Innenstadt naturgemäß beschweren und fürchten. Durch den sich derzeitig in der Raumordnung im Vormarsch befindlichen Stopp von Einkaufszentren „im Grünen“ dürfte sich diese Entwicklung zumindest abschwächen, wenn schon nicht umkehren. Zwei mögliche Zukunftsszenarien für die Getreidegasse sind denkbar: 1) eine weiter voranschreitende „Verkitschung“ und völlige Ausrichtung auf die Touristen 2) die Positionierung als „Gegenpol“ zu den Einkaufszentren am Stadtrand mit einem mehr oder weniger gemeinsamen Altstadtmarketing

Ob die zweite Variante dann auch eine erfolgreiche ist, hängt vermutlich davon ab, wie sich der Branchenmix in Zukunft gestalten wird, ob das hochpreisige Marktsegment genügend Anziehungskraft hat etc. oder ob schlussendlich ein „urban blight“ wie in anderen Einkaufsstraßen einsetzen wird.

Weblinks


Getreidegasse

  • http://www.salzburginfo.at/sehenswertes_171.htm
  • http://www.gasthofschorn.at/de/getreidegasse.shtml
  • http://www.stadtleben.at
  • http://de.salzburg-visitorscenter.com/information/getreidegasse.htm
  • http://www.aeiou.at/mz-gtg-k.htm
  • http://www.salzburgnet.com/50476695161323901/504766952112c4c01/50476695211300707/index.html
  • http://www.salzburg.info/sehenswertes_171.htm

Mozarts Geburtshaus

Salzburg (Stadt)

 

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