Als Gespenst oder Geist bezeichnet der Volksglaube ein meist unkörperliches, häufig mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattetes, aber zugleich mit menschlichen Eigenschaften versehenes Wesen. Es gilt als Phänomen des Spuks oder ruft diesen hervor. Sein zeitweiliges Erscheinen fällt angeblich regelmäßig in die Geisterstunde um Mitternacht und vollzieht sich häufig in nebelhaft durchsichtiger, angedeutet menschlicher oder nichtmenschlicher Gestalt oder in einer weißen, zuweilen an Bettlaken erinnernden Gewandung. Gespenster gibt es in der Vorstellungswelt verschiedener Kulturen. Im engeren Sinne des Wortes sind Gespenster nur die Totengeister.
Einteilungen der Gespensterwelt sind fragwürdig, soweit sie sich auf angenomme tatsächliche Phänomene beziehen wollen. So unterscheiden manche zwischen sog. Dämonen, Elementalen, Engeln und Familiaren. Nach George Tyrrell (s. "Literatur") und anderen gibt es vier oder fünf Hauptkategorien von Geistern oder Gespenstern:
Wissenschaftlich sinnvoll kann dagegen nur eine Gliederung auf der Basis vorgefundener subjektiver oder kollektiver Vorstellungswelten sein.
Der Spiritismus geht davon aus, dass die Seelen der Verstorbenen zu Geistern werden, im Jenseits existieren und in der diesseitigen Welt in Erscheinung treten können. Solche Totengeister treten nicht nur zufällig und unvorhersehbar auf, etwa um Menschen zu erschrecken oder ihnen Botschaften zu übermitteln, sie können angeblich auch von so genannten Medien durch Materialisation heraufbeschworen werden und verfügen dann in der Erwartung ihrer Zuhörer über überlegenes Wissen zu vergangenen oder zukünftigen Ereignissen.
Lokale Gespenstererscheinungen werden häufig durch die Bindung einer "unerlösten" Seele an einen bestimmten Ort gedeutet, etwa den Schauplatz eines verübten oder erlittenen Verbrechens. Die Aufklärung der Tat kann zur Erlösung des Gespenstes führen.
Auch eine rituell nicht korrekt vollzogene Bestattung kann zu Erscheinungen eines Totengeistes führen.
Zu den angenommenen Fähigkeiten von Gespenstern gehören das schwerelose Schweben und das Durchdringen von Wänden oder Personen. Manche Gespenster können Geräusche erzeugen, sich sprachlich verständigen, sichtbar oder unsichtbar machen oder verschiedene äußere Gestalten annehmen. Ihre Erscheinung löst häufig starke Kälteempfindung (Grabeskälte) aus. Im Ganzen ist die Begegnung mit Gespenstern unheimlich und angsteinflößend, wobei unklar bleiben kann, worin genau die konkrete Gefahr bestehen soll.
In gleichem Schloss führte der Geisterforscher Wiseman einen Versuch durch. Man brachte eine Videokamera im Schloss an, um eine Frau zu beobachten, die den Kerker des Schlosses betrat. In einer Ecke wurde ein roter Punkt gefilmt, den auch die Frau sah. Sie geriet jedoch in Panik und der Versuch musste abgebrochen werden. Bis heute ist ungeklärt, um was es sich dabei handelte. (pro-Geister)
Einen naturwissenschaftlich-empirischen Beweis für die Existenz von Gespenstern gibt es nicht. Aus naturwissenschaftlicher Sicht wird die Existenz derartiger Phänomene daher nicht anerkannt. Ihre Existenz ist allerdings auch nicht Thema der Naturwissenschaften.
Aus historischer Sicht werden behauptete Geistererscheinungen häufig als subjektive Deutung noch nicht verstandener Naturphänomene erklärt.
Aus psychologischer Sicht werden Gespenster als Phänomene gedeutet, die in der "Einbildung" der sie Wahrnehmenden vorhanden sind. Bei diesem Deutungsmuster bleibt allerdings die gleichgerichtete Wahrnehmung durch verschiedene Personen zu verschiedenen Zeiten unerklärlich.
Aus medizinischer Sicht können Gespenstersichtungen die Folge falscher Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn oder Halluzinationen sein. Auch bei diesem Deutungsmuster ist aber die behauptete Regelmäßigkeit verschiedenen Personen unerklärlich.
Die Vorstellung der Existenz einer Geisterwelt darf als prähistorisch angesehen werden. Frühe naturreligiöse Deutungsmuster und Mythologien setzen sie voraus. Zu dieser Welt der Naturgeister treten im weiteren Sinn dann auch Vorstellungen von Totengeistern oder anderen Gespenstern hinzu.
Der Gespensterglaube im engeren Sinne ist als Folge einer Unterscheidung der Götter von den Geistern häufig nicht mehr dem Bereich der Religion zuzuordnen. Aus aufklärerischer oder einer aufgeklärten christlichen Sicht handelt es sich, in negativer Wertung, schlicht um Aberglauben.
Bei vielen angeblichen Geistererscheinungen handelt es sich um absichtliche Betrügereien und Täuschungen. Ein solcher Fake war der 1982 in einer Neutraublinger Zahnarztpraxis aufgetretene "Chopper".
Zahlreiche angebliche Gespenstererscheinungen beruhen auf einer Sinnestäuschung. Kaum wahrnehmbare physikalische Effekte haben auf viele Menschen reproduzierbare Wirkungen: ein plötzlicher Temperaturabfall innerhalb von Gebäuden wird von vielen Menschen wie ein Berührungsreiz wahrgenommen. Ein Beispiel für physikalische Ursachen von Gespenstersichtungen ist das Brockengespenst. Durch geschickte Anordnung eines Magnetfeldes kann man das Gehirn eines Menschen derart täuschen, dass sich Chimären bilden. So bildet sich die Person dann ein, es würde einen Geist sehen, oder ein Atmen hören. Neuere Forschungen ergaben auch ein Zusammenspiel verschiedener physikalischer Phänomene, etwa der Luftschwingungen tiefer Frequenzen (Wind gegen stärkere Burgmauern) und den Eigenresonanzen des Augapfels (Sehen von weißen Flecken).
Schilderungen von Geistern finden sich zahlreich in Volkssagen, mythologischen Texten oder Märchen, etwa auch den Dschinn aus 1001 Nacht. Ebenso erscheinen sie in der klassischen und romantischen Literatur (Shakespeares Hamlet; Goethes Braut von Korinth) oder in trivialen Gespenstergeschichten, Spukromanen und Gespensterkrimis (z.B. Geisterjäger John Sinclair sowie teils auch in "Christoph Schwarz - Detektiv des Übersinnlichen").
Friedrich Schillers Romanfragment "Der Geisterseher" thematisiert den Betrug durch ein angebliches spiritistisches Medium.
Satirisch greift Oscar Wildes Gespenst von Canterville das Thema auf. Für Kinder erzählt Otfried Preußler vom Kleinen Gespenst.
Die Filmindustrie findet im Gespensterglauben einen reichen Vorrat an Stoffen, bereichert aber ihrerseits auch die Vorstellungswelt ihrer Konsumenten.
Eine humoristische Darstellung des Themas boten die Ghostbusters-Kinofilme, in denen Parawissenschaftler in New York verschiedene Geister mit Protonenstrahlern und Geisterfallen einfingen.
Das Gespenst ist der Titel eines 1982 gedrehten, tragikomischen Films von Herbert Achternbusch, bei dem es eine lebensgroße Christusfigur nicht mehr am Kreuz aushält, sondern als lebendig gewordener "Ober" ins Bett einer Oberin oder als Kellner in eine Klosterschenke zieht, wobei sein Treiben allerhand Ärger mit der Polizei, mit dem Bischof und Münchner Passantinnen hervorruft. Der Film wirft die Frage auf, wie Jesus behandelt würde, wenn er heute in Bayern auftauchte, und rief wegen zahlreicher Geschmacklosigkeiten heftige Proteste seitens der deutschen Bischöfe hervor, so dass sich die Staatsanwaltschaft mit ihm beschäftigen musste.
Mit Totengeistern bekommt es Bruce Willis in "The Sixth Sense" zu tun.
Einen ebenfalls etwas anderen Ansatz verfolgt der Film "The Others", der den klassischen Spuk am Ende auf den Kopf stellt. Nicole Kidman spielt in diesem Film von 2001 die Hauptrolle.
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