Als Geschichtsrevisionismus bezeichnet man Versuche, ein allgemein anerkanntes Geschichtsbild zu revidieren, d.h. bestimmte Ereignisse wesentlich anders zu erklären als in der Geschichtswissenschaft üblich. Dabei geht es in der Regel darum, eine „Deutungshoheit“ über die Vergangenheit zu gewinnen, die von der bisherigen Auffassung abweicht und diese ersetzt.
In Deutschland bezeichnet man damit vor allem Versuche, die Ursachen, Verläufe und Folgen von Ereignissen des 20. Jahrhunderts, besonders aus der Zeit des Nationalsozialismus, anders zu interpretieren. Regelmäßig bestreiten Geschichtsrevisionisten die Hauptverantwortung des dritten Reiches für den 2. Weltkrieg, Ausmaß und Besonderheit der Verbrechen nationalsozialistischer Politik, besonders der Shoa. Sie richten ebenfalls oft Ansprüche auf ehemalige deutsche Gebiete oder Großmachtambitionen wieder auf. Politisch sind geschichtsrevisionistische Autoren daher überwiegend national-konservativ oder rechtsextrem orientiert.
Dieser Geschichtsrevisionismus ist vom Begriff des Revisionismus, der in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie und der Kritik des Staatskommunismus verankert ist, und vom Vertragsrevisionismus, der die im Versailler Vertrag von 1919 geforderten Reparationen und Gebietsabtretungen revidieren wollte, zu unterscheiden.
Hauptvertreter ist der Historiker Ernst Nolte, der damals eine neue Variante der Totalitarismusthese aufstellte: Er stellte die Vernichtungslager der Nationalsozialisten als Reaktion auf die Arbeitslager Stalins und den deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 als präventive Abwehrmaßnahme Adolf Hitlers dar. Er bestreitet damit die alleinige deutsche Kriegsschuld und deutet den Holocaust als zufällige Folge des von außen aufgenötigten Krieges um. Auch bewertete er die Bereitschaft des Vorsitzenden der Jewish Agency Chaim Weizmann, an der Seite Großbritanniens gegen das nationalsozialistische Deutschland zu kämpfen, als Kriegserklärung der Juden an das Deutsche Reich und stellte die mit Kriegsbeginn eskalierende Judenverfolgung des NS-Regimes als „Gegenmaßnahme“ dar.
Dieser Revisionismus findet weit über rechtsextreme Gruppen hinaus in der sogenannten Neuen Rechten Zustimmung. Dort sehen Historiker wie Alexander Ruoff einen „Diskurs des völkischen Nationalismus, in dem nicht Auschwitz selbst, sondern die Bedeutung dieses Verbrechens für die Bildung einer „selbstbewussten Nation“ geleugnet wird. Ruoff analysierte dazu die Wochenzeitung Junge Freiheit und stellte fest:
Dieser Versuch ist von einer direkten Holocaustleugnung zu unterscheiden, aber im angestrebten Ergebnis nicht zu trennen. Da Holocaustleugner sich ebenfalls „Revisionisten" nennen, werden Relativieren und Leugnen des nationalsozialistischen Völkermords oft in diesem Begriff zusammengefasst. Zu den bekanntesten direkten Holocaustleugnern gehören u.a. Ernst Zündel in Kanada, Fred A. Leuchter in den USA, David Irving in Großbritannien und der deutsche Diplom-Chemiker Germar Rudolf. Als Zentralen der Holocaustleugnung gelten das Institute for Historical Review in Kalifornien, USA, und das Institut Vrij Historisch Onderzoek (VHO, „Freie Historische Untersuchung“) in Antwerpen, Belgien.
Sofern sie eine direkte Holocaustleugnung darstellen, können geschichtsrevisionistische Äußerungen in Deutschland als Volksverhetzung bestraft werden. Publikationen aus dieser Richtung werden oft vom Verfassungsschutz beobachtet, einige sind verboten.
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