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Vorgeschichte


Aus der Altsteinzeit gibt es Funde, die auf bewohnte Neandertaler-Höhlen (Wildkirchli, Wildenmannlisloch) hinweisen. Über weite Abschnitte dieser Zeit war das Gebiet der heutigen Schweiz jedoch von Gletschern bedeckt und unbewohnt. Erst während des Magdalénien ab etwa 22.000 v.Chr. setzte mit der beginnenden Erwärmung eine Wiederbesiedlung ein. So ist etwa das Gebiet der heutigen Stadt Chur seit etwa 11.000 Jahren (Ende der Altsteinzeit) besiedelt.

In der Jungsteinzeit war das Gebiet der heutigen Schweiz dicht besiedelt. Es gibt zahlreiche Fundstellen. Viele der bekannten Pfahlbauten, deren Überreste man an den Uferzonen der Schweizer Seen findet, stammen aus der Stein-, Kupfer- und Bronzezeit.

Vor der Eroberung durch die Römer lebten laut Aufzeichnungen des römischen Feldherrn und Politikers Julius Caesar in seiner Rechtfertigungsschrift für den Gallischen Krieg (De Bello Gallico) auf dem Territorium der heutigen Schweiz verschiedene keltische Stämme und Völker: das zu den Galliern gehörende Volk der Helvetier im Mittelland, die Lepontier im heutigen Tessin, die Seduner im Wallis und in Genf, die Raetier in der Südostschweiz, usw.

Römerzeit


Map_Gallia_Tribes_Towns.pngs (58 v. Chr.)]] Gemäss Caesar wollten die Helvetier im 1. Jahrhundert v. Chr. aus dem Gebiet des heutigen Schweizer Mittellands ins Rhonetal auswandern. Der römische Staat und andere gallische Stämme sahen sich jedoch dadurch bedroht, weshalb Caesar die Helvetier mit Gewalt an der Auswanderung hinderte. In der Schlacht bei Bibracte wurden die Helvetier geschlagen und in ihr altes Siedlungsgebiet zurückgeschickt. Bis ins 1. Jahrhundert wurde das gesamte Gebiet der heutigen Schweiz schrittweise ins römische Reich integriert. Der grösste Teil der Nordschweiz kam zuerst zur römischen Provinz Gallia Belgica, dann zur Provinz Germania Superior, der Osten zur Provinz Raetia. Die Zentralalpen (Wallis und Hochsavoyen) gehörten zur Provinz Alpes Graiae et Poenina, das Südtessin zur Provinz Gallia Transpadana. Die Zentren der römischen Schweiz waren die alte helvetische Hauptstadt Aventicum (Avenches) und die römischen Neugründungen Vindonissa (Windisch), Augusta Raurica (Kaiseraugst), und Colonia Julia Equestris (Nyon).

Der römische Staat baute Verkehrswege, an denen sich kleinere Siedlungen (vici) entwickelten, hauptsächlich auf einer Linie zwischen Genfersee und Bodensee: Ad Fines (Pfyn), Arbor Felix (Arbon), Basilia (Basel), Curia (Chur), Genava (Genf), Lousanna (Lausanne), Octodurus oder Forum Claudii Vallensium (Martigny), Salodurum (Solothurn), Drusomagnus (?) (Sion), Tasgaetium (Eschenz), Turicum (Zürich), Urba (Orbe), Vitudurum (Oberwinterthur). Römische Legionslager (lat: castra) gab es in Tenedo (Zurzach) und Vindonissa (Windisch).

In der spätrömischen Zeit wurde die Schweiz wieder zum Grenzgebiet. Bei der Reorganisation der Provinzen im 3. Jahrhundert wurde die Nordschweiz der neuen Provinz Maxima Sequanorum zugeteilt und entlang des Rheins eine dichte Kette von befestigten Städten, Kastellen und Wachtürmen angelegt. Nach dem Einfall der Goten ins Weströmische Reich wurden im Jahr 401 alle römischen Truppen zum Schutz Italiens aus den Gebieten nördlich der Alpen zurückgezogen. Die Herrschaft über die Westschweiz ging an das Reich der Burgunder über, die Zentral- und Ostschweiz wurde von den Alamannen kontrolliert und besiedelt, während die Alpengebiete noch weiter in der Hand gallo-romanischer Lokalherrscher, z.B. der Bischöfe von Chur und Sitten, verblieben

Christianisierung


Hist kirchl Einteilung CH.png Das Auftreten des Christentums ist in der Schweiz ab dem 3. Jahrhundert nachgewiesen. Es verbreitete sich entlang der römischen Strukturen, d.h. in den alten römischen Städten und entlang der römischen Handelswege. Die anfänglichen Schwerpunkte lagen dabei in der heutigen Westschweiz. So verbreitete sich etwa die Legende des Martyriums der Thebäischen Legion von Martigny (Octodurus) über St. Maurice (Mauritius), Solothurn (Ursus und Viktor) bis nach Zürich (Felix und Regula).

In Genf, Martigny, Avenches (Aventicum), Augusta Raurica, Chur und Vindonissa entstanden im 4. Jahrhundert Kirchen und Bischofssitze. In Genf und Martigny gibt es Überreste von sakralen Bauten aus dieser Zeit. In Kirchendokumenten ist 381 ein Bischof Theodul von Martigny bezeugt, um 400 ein Bischof Isaak von Genf, 451 ein Bischof Asinio von Chur. Die Bischofssitze von Martigny, Avenches, Augusta Raurica und Vindonisse gingen während der Völkerwanderung unter und wurden nach Sion, Lausanne, Basel und Konstanz verlegt. In Chur und Sion gelang es den Bischöfen bereits im Frühmittelalter zu lokalen Herrschern aufzusteigen.

In den von der Völkerwanderung mehr oder weniger nicht betroffenen Gebieten, in Graubünden und im Tessin, entstanden bereits im 5. Jahrhundert zahlreiche Kirchen und einige Klöster. In der Westschweiz wurde die Christianisierung nach einer kurzen Unterbrechung durch die Burgunderkönige gefördert, die z.B. die Abtei Saint-Maurice und das Kloster Romainmôtier gründeten. Als die germanischen Franken im 6. Jahrhundert die Burgunder ablösten, waren die Bewohner der Westschweiz bereits christlich.

In der Ostschweiz gab es zwar vereinzelte christliche Gemeinschaften aus der Römerzeit (z.B. Arbon), unter den einwandernden Alamannen war jedoch der alte germanische Götterglaube verbreitet. Als die irischen Wandermönche Columban, Gallus und Fridolin im 7. Jahrhundert an den Bodensee kamen, fanden sie starken Widerstand, weil die Einwohner dort Wodan verehrten. Die ersten Kirchen auf alemannischem Gebiet waren Säckingen und die Einsiedelei von Gallus an der Steinach, das spätere Kloster St. Gallen. Die Wandermönche waren jedoch in ihrer Mission recht erfolgreich, und die zahlreichen Klostergründungen im 8. Jahrhundert in der Ostschweiz (z.B. St. Gallen, Disentis, Pfäfers, Luzern, Zürich) fanden in einem mehrheitlich christianisierten Land statt. Wie andernorts hielten sich jedoch heidnische Volksbräuche noch lange Zeit parallel zum Christentum.

Frühmittelalter


Alamannien Hochburgund ca 1000.png und Hochburgunds um das Jahr 1000]] Während der Zeit der Völkerwanderung wurde die heutige Westschweiz Teil des Reiches des germanischen Stammes der Burgunder, die zwischen 443 und 534 als römische Föderaten in die Gebiete rund um den Genfersee einwanderten. Die Burgunder assimilierten sich jedoch schnell an die ansässige gallo-römische Bevölkerung, so dass sich die romanische Sprache in der Westschweiz in der franko-provenzalischen Form des Französischen halten konnte. In der Ostschweiz wanderten zwischen dem 5. und dem 7. Jahrhundert die Alamannen ein. In ihrem Herrschaftsbereich wurden die römischen Städte und Ansiedlungen weitgehend zerstört und die gallo-romanische Bevölkerung übernahm die alamannische Sprache, die sich zum heutigen Schweizerdeutschen weiterentwickelte. Die spätere französisch-deutsche Sprachgrenze ergab sich zwischen Saane und Aare im zwischen den Burgundern und Alamannen umstrittenen Aargau. In Churrätien überdauerten die römischen Strukturen am längsten. Die dortige Bevölkerung entwickelte ihre Sprache weiter zum modernen Rätoromanischen. Bis in die Neuzeit wurde diese Sprache jedoch vom Schweizerdeutschen weitgehend zurückgedrängt.

534 wurde die burgundische Westschweiz, 536 Alamannien ein Teil des Frankenreiches. Bei der Teilung des Frankenreiches im Vertrag von Verdun (843) kam das Gebiet der Westschweiz zu Lotharingien, die Ostschweiz zum Ostfrankenreich. Die Königspfalz Zürich wurde von den Karolingern häufiger besucht. Ludwig der Deutsche gründete dort für seine Töchter das Kloster Fraumünster, das zu einem der reichsten Grundbesitzer in der Zentral- und Ostschweiz wurde.

Nach 888 bildete sich in der Westschweiz das unabhängige Königreich Hochburgund, das seine Zentren in Payerne und St. Maurice hatte. Alamannien blieb hingegen als Stammesherzogtum Schwaben im späteren Heiligen Römischen Reich deutscher Nation integriert.

Um 926 fielen die Ungaren in die Ostschweiz ein und zerstörten unter anderem das Kloster St. Gallen. Die Ungarengefahr wurde erst 955 durch den deutschen König Otto auf dem Lechfeld gebannt. Praktisch zur gleichen Zeit eroberten 939 die aus dem südfranzösischen Fraxinetum (Provence) vorstossenden Araber Genf. Sie plünderten und zerstörten in den folgenden Jahren das Wallis, Teile Graubündens und der Ostschweiz. Zwischen 952 und 960 beherrschten die Araber nach der Schlacht bei Orbe weite Teile im Süden und Westen der Schweiz einschliesslich des Grossen St. Bernhard-Passes und stiessen ebenfalls bis St. Gallen vor.

Hochmittelalter


Auch die Ottonen und Salier reisten öfters via Zürich, wahrscheinlich auf dem Weg nach Italien.

Die Zähringer gründeten im 12. Jahrhundert im Mittelland einige Städte: Bern, Murten, Freiburg im Üechtland, Thun, eine Zeitlang gehörte ihnen auch Zürich.

Die Habsburger haben in der Schweiz ihr Stammschloss, die Habsburg und in der nahen Brückenstadt Brugg (unweit von den Ruinen des römischen Kastells Vindonissa) ihre erste städtische Residenz im 11. Jahrhundert. Der Aargau gehört zu ihren Stammlanden.

Durch das Aussterben einiger lokaler Grafengeschlechter im 13. Jahrhundert, konzentrierte sich der Grundbesitz beim Adel - die Habsburger erbten durch geschickte Heiratspolitik ausgedehnte Ländereien der Zähringer, Lenzburger und Kyburger auf dem Gebiet der heutigen Kantone Schwyz, Nidwalden, Glarus, Zürich.

Städte wie Zürich, Bern, Basel und Freiburg wurden im 13. Jahrhundert zu freien Reichsstädten.

Beginn der Eidgenossenschaft


Ab 1230 wurde der Gotthardpass durch den Bau der Teufelsbrücke zu einer Handelsstrasse. Die Bünder Pässe waren allerdings weiterhin wichtiger.

Die Waldstätte (Orte) Uri (1231) und Schwyz (1240) erlangten im 13. Jahrhundert Freiheitsbriefe von Friedrich II., die ihnen die Reichsunmittelbarkeit mit weitgehender Selbstverwaltung durch einen Landammann zusicherten. 1273 wurde Rudolf I. von Habsburg deutscher König. Er reorganisierte das Reichsgut im ehemaligen Herzogtum Schwaben und setzte Vögte als Vertreter der königlichen Gerichtsgewalt ein. Dies geschah auch in der Reichsvogtei der Waldstätte. Die Vögte wurden von den lokalen Adligen, die während des Interregnums das Reichsgut an sich gerissen hatten, angefeindet und eher als Interessenvertreter der Habsburger als des Reiches betrachtet. Historische Karte CH 1315.png um 1315]] Am 15. Juli 1291 starb Rudolf I. Der erste Bundesbrief zwischen Uri, Schwyz und Unterwalden von 1291, der explizit «die bestehenden Verhältnisse nicht umstossen will», entstand wahrscheinlich als direkte Folge seines Todes, um sich gegen allfällige rechtliche Veränderungen durch den Nachfolger des Königs abzusichern. Sicherlich geht diesem Bund ein älterer voran, wahrscheinlich von 1240.

1315 sah sich Leopold I. von Österreich durch Grenzstreitigkeiten zwischen der Abtei Einsiedeln, die unter habsburgischer Vogtei stand, und dem Land Schwyz veranlasst, mit Waffengewalt gegen die Waldstätte vorzugehen. Die Schwyzer hatten im sog. Marchenstreit das Kloster geplündert und geschändet und waren sogar exkommuniziert worden. Das Ritterheer aus habsburgischen Vasallen geriet jedoch noch beim Anmarsch in einen Hinterhalt der Eidgenossen und wurde in der Schlacht bei Morgarten fast vollständig vernichtet.

Die Acht Alten Orte


Bern in der Kapitale der Spiezer Chronik.jpg | Bundesschwur Zuerich.jpg der Innerschweizer]] Nach dem Sieg der Waldstätte über Habsburg bei Morgarten schlossen sich eine Reihe von Städten im schweizerischen Mittelland dem Bund an. 1332 die habsburgische Stadt Luzern, 1351 Zürich, 1352 Zug und 1353 Bern. Diese Städte standen ebenfalls unter äusserem Druck. Die Reichsstadt Zürich hatte seit der Zunftrevolution 1336 innere Schwierigkeiten, die 1350 zu einer Fehde mit Habsburg führten– dem politisch isolierten Bürgermeister Rudolf Brun blieb in dieser Situation nur der Bund mit den Waldstätten. Auch die Reichsstadt Bern stand in einer bedrohlichen Auseinandersetzung mit dem Westschweizer Adel und dem umstrittenen Kaiser Ludwig dem Bayern (Laupenkrieg), als sie sich zusammen mit ihren Verbündeten (Burgundische Eidgenossenschaft) in einen ewigen Bund mit den Waldstätten einliess.

Das zum Kloster Säckingen gehörende Land Glarus wurde als habsburgische Vogtei im Rahmen der Fehde zwischen den Eidgenossen und Herzog Albrecht II. von Österreich besetzt. 1352 schlossen Zürich, Uri, Schwyz und Unterwalden mit den Landleuten von Glarus den sog. «Bösen Bund». Glarus wurde darin nicht als gleichberechtigter Partner anerkannt sondern war eher ein Protektorat der vier Orte.

Das resultierende Gebilde wird als die «Acht Alten Orte» bezeichnet. Es handelt sich allerdings nicht um einen Staatenbund sondern eher um ein Konglomerat von Bündnissen der einzelnen Partner untereinander. Besonders Bern unterhielt mit der sog. Burgundischen Eidgenossenschaft ein weitverzweigtes Bündnissystem, durch das unter anderem auch Solothurn und Biel 1353 als Verbündete (sog. Zugewandte Orte) zu den Acht Alten Orten stiessen.

Historische Karte CH 1385.png

Durch das Ausgreifen der Stadt Luzern auf die habsburgischen Landstädte und Herrschaften in ihrer Umgebung sah sich Herzog Leopold III. von Österreich 1385 zu einer weiteren Intervention in der Innerschweiz genötigt. Im sog. Sempacherkrieg konnten die Waldstätte und Luzern auch ohne die Hilfe von Bern und Zürich durch den Sieg in der Schlacht bei Sempach 1386 sich endgültig von Habsburg lösen. Das Umland von Luzern, das Entlebuch, Einsiedeln gingen Habsburg dadurch verloren. Auch das Land Glarus, das sich in der Schlacht bei Näfels 1388 ebenfalls erfolgreich von Habsburg gelöst hatte, stieg in den Rang eines gleichberechtigten Ortes auf.

Um die Verteilung des Erbes der Grafen von Toggenburg kam es 1436-1450 zum Alten Zürichkrieg zwischen den Eidgenossen und Zürich, das sich mit Kaiser Friedrich III. von Habsburg verbündet hatte. Zürich unterlag in diesem Konflikt bei St. Jakob an der Sihl und musste sein Bündnis mit dem Kaiser wieder auflösen. Auch in diesem Konflikt spielte die besondere Grausamkeit und Unerschrockenheit der Innerschweizer Krieger eine wichtige Rolle. So wurde etwa bei Greifensee die komplette zürcherische Besatzung der Burg hingerichtet, weil sie sich geweigert hatte, sich kampflos zu ergeben. Ein von Friedrich III. angefordertes riesiges französisches Heer von ungefähr 30'000, die sog. Armagnaken kehrten trotz ihrem Sieg bei St. Jakob an der Birs 1444 um, weil die eidgenössische Vorhut von ca. 1600 Mann bei ihrem Untergang ca. 6000 gegnerische Kämpfer mit in den Tod genommen hatte. Zuerichkrieg 1444.jpg Herzog Sigismund von Österreich schloss mit der Eidgenossenschaft 1474/75 in Konstanz die sog. «Ewige Richtung», mit der die langjährigen Feindseligkeiten zwischen Habsburg und der Eidgenossenschaft zu einem Ende kamen. Gleichzeitig verbündeten sich die Eidgenossen mit den Reichsstädten Strassburg, Basel, Colmar und Schlettstadt sowie den Fürstbischöfen von Basel und Strassburg.

Zwischen 1474 und 1478 setzten sich die Eidgenossen in den Burgunderkriegen mit Herzog Karl dem Kühnen von Burgund auseinander, der zum mächtigsten Herrscher zwischen Frankreich und dem Reich der Habsburger aufgestiegen war. Der Krieg brach wegen der kriegerischen Expansion Berns und des mit ihm verbündeten Oberwallis gegen die Herzöge von Savoyen aus, die mit Burgund verbündet waren. 1476 unternahm Herzog Karl der Kühne einen Feldzug gegen Bern, dem die eidgenössischen und Elsässischen Verbündeten zu Hilfe kamen. Karl wurde zuerst bei Grandson und dann bei Murten vernichtend geschlagen. Im folgenden Jahr zogen die Eidgenossen als Verbündete des Herzogs von Lothringen erneut gegen Karl und schlugen ihn erneut bei Nancy. Tagsatzung Stans 1481.jpg]] Der spektakuläre Erfolg der eidgenössischen Krieger gegen die hochgerüsteten burgundischen Ritterheere festigte den Mythos der Unbesiegbarkeit der Eidgenossen. In der Folge begannen alle wichtigen Fürsten Europas eidgenössische Sölder anzuwerben. Die Auswanderung zum Solddienst in der Fremde, das sog. «Reislaufen» blieb bis ins 19. Jahrhundert vor allem in den ärmeren Berggebieten der Schweiz verbreitet.

Innerhalb des Bündnisgefüges der Eidgenossenschaft hatte sich in den Burgunderkriegen das Gewicht eindeutig auf die Städte verschoben. Die Aufnahme der Zugewandten Städte Freiburg und Solothurn in das Bündnis weckte deshalb den Widerstand der Landorte. Das Auseinanderbrechen des Bundes in einen Städte und einen Länderbund konnte aber durch das sog. «Stanser Verkommnis» 1481 unter Vermittlung des Einsiedlers Nikolaus von Flüe verhindert werden.

Die Dreizehn Alten Orte


karte_eidgenossenschaft2.png Nach dem Schwabenkrieg erreichten die Eidgenossen ("Oberdeutscher Bund") 1499 im Frieden zu Basel mit Maximilian I. de facto die Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich.

Mit dem Beitritt von Solothurn und Freiburg 1481, Basel und Schaffhausen 1501, und Appenzell 1513 erweiterte sich die Eidgenossenschaft auf Dreizehn Alte Orte. Die Waadt wurde erobert, Lugano und Locarno wurden dem Bund ebenfalls angeschlossen. Dazu kamen als zugewandte Orte die Städte St. Gallen, Biel, Rottweil, Mülhausen und Genf, die Abtei St. Gallen sowie Neuenburg.

1506 errichtete der Papst Julius II. die Schweizergarde, die Cohors Helvetica, welche bis heute die eigentliche Armee des Vatikans darstellt. Der Höhepunkt der eidgenössischen Militärmacht war 1513, als sie sogar Schutzherren des Herzogs von Mailand wurden.

Nach der Niederlage gegen Frankreich bei der Schlacht bei Marignano schlossen die Eidgenossen am 14. September 1515 Frieden mit Franz I. von Frankreich, verzichteten auf weitere militärische Interventionen in Italien und erklärten sich für neutral. Als Söldner kämpfen Schweizer, besonders diejenigen aus den katholischen Kantonen, jedoch bis zur französischen Revolution weiter in fremden Kriegsdiensten.

Reformation und Gegenreformation


Die vom Wildhauser Ulrich Zwingli 1519 eingeleitete Reformation in Zürich breitete sich im Mittelland aus. Nach den Kappelerkriegen kam es 1531 im Zweiten Kappeler Landfrieden zum Kompromiss: Zürich, Bern, Basel, Schaffhausen und Teile von Graubünden bleiben reformiert; die Urkantone, Luzern, Zug, Solothurn und der Freiburg bleiben katholisch. 1541 setzte Johannes Calvin in Genf die Reformation durch.

Ancien Régime


Am 24. Oktober 1648 erreichte die Schweiz dank des Verhandlungsgeschicks des Basler Bürgermeisters Johann Rudolf Wettstein im Westfälischen Frieden die völkerrechtliche Anerkennung ihrer faktisch längst erreichten Souveränität. Durch die Loslösung vom Heiligen Römischen Reich entstand eine tiefgreifende Wirtschaftskrise, die besonders in den Kantonen Basel, Bern, Aargau und Solothurn zu Bauernaufständen führte; diese wurden 1653 schließlich niedergeschlagen (Schweizer Bauernkrieg). Eine größere Auswanderungswelle aus diesen Kantonen nach Süddeutschland (wo ganze Dorfgemeinden durch den 30jährigen Krieg ausgelöscht waren) war die Folge.

Mit der Französischen Revolution fällt das eroberte Mülhausen 1789 wieder an Frankreich.

Helvetik, Mediation, Restauration


Am 5. Mai 1798 wurde die Alte Eidgenossenschaft von Frankreich erobert und der Zentralstaat Helvetische Republik wurde daraufhin errichtet. Fünf Jahre später, 1803, verordnete Napoléon Bonaparte in der Mediationsakte eine neue Verfassung und Gebietsaufteilung und gab der Schweiz weitgehend ihre Autonomie zurück. Die ehemaligen Untertanengebiete und zugewandten Orte St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin und Waadt wurden zu eigenständigen Kantonen (19-örtige Eidgenossenschaft).

1815 wurde die "immer währende Neutralität der Schweiz" durch die europäischen Grossmächte am Wiener Kongress anerkannt. Eine neue Verfassung, der „Bundesvertrag“, stärkte in der so genannten Restaurationszeit die Eigenständigkeit der Kantone. Das Wallis, Neuenburg und Genf kamen als neue Kantone dazu (22-örtige Eidgenossenschaft). In den Kantonen des Mittellands endete die konservative Restauration bereits in der sog. Regeneration 1830/31, wodurch eine Zweispaltung der Schweiz in liberale und konservative Kantone entstand.

Der Schweizer Bundesstaat


Sonderbund.png 1847]] Nach einer fortlaufenden Polarisierung zwischen liberalen (mehrheitlich städtisch-reformierten) und konservativen (mehrheitlich ländlich-katholischen) Kantonen nach den Freischarenzügen schlossen sich die katholischen Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Freiburg und Wallis 1845 zum Sonderbund zusammen. Da dieser Bund dem Bundesvertrag von 1815 widersprach, beschloss die liberale Mehrheit der Tagsatzung dessen Auflösung, die mit Gewalt im Sonderbundskrieg noch im November 1847 unter dem General Henri Dufour durchgesetzt wurde. Durch den Sieg der liberalen Kantone wurde der Weg frei für eine stärkere Zentralisierung des bisherigen Staatenbundes. Die Bundesrevision führte zur ersten schweizerischen Bundesverfassung.

Am 12. September 1848 konstituierte sich die Schweiz als «parlamentarischer Bundesstaat». Die Bundesverfassung wurde bisher nur zweimal, 1874 und 1999 gesamthaft überarbeitet. Die Auseinandersetzungen zwischen Liberalen und Konservativen fanden ihre Fortsetzung im sog. «Kulturkampf» zwischen dem Staat und der katholischen Kirche unter Papst Pius IX. zur Zeit des Ersten Vatikanischen Konzils von 1870.

Zürich 4 und Zürich 6.jpg Zu dieser Zeit, am 9. August 1847, wurde zwischen Zürich und Baden AG die erste gesamthaft in der Schweiz liegende Eisenbahnlinie eröffnet, die im Volksmund als «Spanisch-Brötli-Bahn» bezeichnet wurde. Einige Jahre zuvor war Basel bereits durch eine französische Bahnlinie mit Strassburg verbunden worden. Nachdem die ersten kantonalen Briefmarken, die Zürich 4 und Zürich 6 1843 herausgegeben worden waren, wurde 1848 die schweizerische Post gegründet. (siehe auch: Postgeschichte und Briefmarken der Schweiz)

Auf Initiative von Henri Dunant (1828-1910) erfolgt im August 1864 in Genf die Gründung des Roten Kreuzes.

20. Jahrhundert


Während des Ersten Weltkriegs bewahrte die Schweiz ihre Neutralität, jedoch wurde die Armee mobilisiert. Soziale Spannungen entluden sich gegen Ende des Krieges in Form von Unruhen, Streiks (Landesstreik) und Demonstrationen. Nach dem Krieg wurde die Schweiz 1920 Mitglied des Völkerbundes, der seinen Sitz in Genf hat.

1926 wurde das Hilfswerk Kinder der Landstrasse der Pro Juventute auf Anregen des Bundesrates Giuseppe Motta gegründet. Unter diesem Hilfswerk wurden jenische Kinder ihren Eltern entrissen und teilweise zwangssterilisiert. 1972 wurde "Kinder der Landstrasse" aufgelöst. Nach heutigem Schweizer Recht gilt diese Verfolgung als Völkermord.

Am 20. Februar 1938 wurde das Rätoromanische als vierte Landessprache, neben Deutsch, Französisch und Italienisch, anerkannt.

Zweiter Weltkrieg

Hauptartikel: Die Schweiz im Zweiten Weltkrieg

Die Schweiz berief sich während des Zweiten Weltkriegs auf ihre bewaffnete Neutralität und ordnet die allgemeine Mobilmachung der Armee unter dem Oberbefehlshaber General Henri Guisan (1874-1960) an. Vollständig von den Achsenmächten eingeschlossen, versuchte man mit Rationierung und systematischer Nutzung von u.a. Grünflächen wie Fussballplätzen (Plan Wahlen) der Lebensmittelknappheit zu begegnen. Zeitweise planten die Achsenmächte die Invasion der Schweiz (Operation Tannenbaum).

Trotz einer strengen Asylpolitik erhielten 51.100 "illegale" zivile, davon 21.300 Juden und weitere Verfolgte, Zuflucht in der Schweiz. Vielen anderen Schutzsuchenden wurde die Einreise jedoch verwehrt ("das Boot ist voll"). Der offizielle Ludwig-Bericht von 1957 geht von 10.000 abgewiesenen Flüchtlingen aus. Ein Historiker des Bundesarchis schätzte 1996 30.000. Seine Schätzungsmethode ist jedoch umstritten. Dossiers sind einzig im Bezirk Genf erhalten geblieben, wo nach der offiziellen Grenzschliessung für "illegale", zivile Flüchtlinge vom 13. August 1942 die Mehrzahl der Flüchtlinge ankam. Gemäss einer computergestützen Analyse der Flüchtlingsdossiers im Jahr 2000 durch das Genfer Staatsarchiv wurden trotz geschlossener Grenze 86% der "illegalen" Flüchtlinge und 92% jüdischer Abstammung aufgenommen.

Um Juden erkennen und abweisen zu können, drängte die Schweiz 1938 das Hitler-Reich, alle Pässe jüdischer Reichsangehöriger mit einem J zu kennzeichnen. Der J-Stempel-Vorwurf ist am 21. März 1954 in einem Artikel des Schweizerischen Beobachters erstmals gefallen: "Dem Schweizer Rothmund kommt das schreckliche Verdienst zu, den Weg (zum J-Stempel) gebahnt zu haben". In der Ausgabe 18/1998 entschuldigte sich der Beobachter für die folgenschwere Verwechslung - auf die ihn Dr. Max Keller aufmerksam gemacht hatte - und korrigierte den alten Vorwurf unmissverständlich: "Damit ist klar; beim Judenstempel handelt es sich um einen deutschen Vorstoss".

Da die Juden als Flüchtlinge nur aus Rassengründen galten, hatten sie keinen Rechtsanspruch auf Aufnahme. Die Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkriegs soll vor allem durch das Wort des Bundesrates Eduard von Steiger des schon stark besetzen Rettungsboot geprägt worden sein. Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wurde in den 1990er-Jahren mit dem Verfassen des Bergierberichtes revidiert.

Waisenpolitik und Verdingkinder

Zwischen ca. 1800 und 1950 wurden Waisen- und Scheidungskinder von den Behörden weggenommen und Interessierten als Verdingkinder öffentlich feilgeboten. Diese konnte man in einem regelmässig durchgeführten öffentlichen Verdingmarkt ersteigern. Den Zuspruch bekam diejenige Familie, welche am wenigsten Kostgeld verlangte. Diese Kinder wurden meistens in Bauernhöfen zu Zwangsarbeit eingesetzt. Sie wurden dabei häufig ausgebeutet, erniedrigt oder vergewaltigt. Die Zahl solcher Kinder belief sich auf mehrere Hunderttausende. Viele dieser, welche bis in die 1960er und 1970er Jahre verdingt waren, warten heute noch auf eine offizielle Entschuldigung der Regierung und verlangen finanzielle Entschädigungen.

Die Schweiz nach dem Krieg und die europäische Integration

1960 begründete die Schweiz zusammen mit Dänemark, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden und dem Vereinigte Königreich die EFTA.

Am 6. Mai 1963 trat die Schweiz dem Europarat bei. Am 7. Februar 1971 wurde an einer Volksabstimmung das Frauenstimmrecht nach einem jahrzehntelangen Kampf angenommen.

Am 1. Januar 1979 wurde der Kanton Jura errichtet.

Der Volk lehnte am 6. Dezember 1992 den Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ab.

Am 26. November 1989 wurde über die Abschaffung der Schweizer Armee abgestimmt. Die Armeegegner konnten dabei wider Erwarten 35,6% der abgegebenen Stimmen gewinnen.

Die neue Bundesverfassung, welche diejenige von 1874 ablöste, trat am 1. Januar 2000 in Kraft. Am 21. Mai des gleichen Jahres wurden die Bilateralen Verträge I mit der Europäischen Union abgeschlossen.

21. Jahrhundert


Als letzter international anerkannter Staat außer dem Vatikan trat die Schweiz nach einer gutgeheißenen Volksabstimmung am 10. September 2002 den Vereinten Nationen (UNO) bei. Siehe auch: Die Schweiz in den Vereinten Nationen.

Am 10. Dezember 2003 wurde Christoph Blocher von der SVP an Stelle von Ruth Metzler (CVP) in den Bundesrat gewählt und übernahm das Justiz- und Polizeidepartement. Damit ändert zum ersten Mal seit 1959 die parteipolitische Zusammensetzung des Bundesrates (= Bundesregierung), die so genannte "Zauberformel" (des parteipolitischen Ausgleichs). Mit der Wahl des populistischen Rechtspolitikers Blocher entsteht im Bundesrat nunmehr eine völlig veränderte Situation, welche die bis dahin praktizierte Konkordanz-Politik der eidgenössischen Staatsführung ernsthaft auf die Probe stellt.

Siehe auch


Literatur


Alt- und Mittelsteinzeit (Paläolithikum und Mesolithikum)

  • J.-M. Le Tensorer, U. Niffeler (Hrsg.): Paläolithikum und Mesolithikum. Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter (SPM). Bd 1. Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel 1993. ISBN 3908006503

Jungsteinzeit (Neolithikum)

  • A. Furger, C. Fischer, M. Höneisen (Hrsg.): Die ersten Jahrtausende. Die Schweiz von den Anfängen bis zur Eisenzeit. Archäologie und Kulturgeschichte der Schweiz. Bd 1. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1998. ISBN 3-85823-721-3
  • E. Stöckli, U. Niffeler, E. Gross-Klee (Hrsg.): Neolithikum. SPM. Bd 2. Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel 1995. ISBN 3908006511

Bronzezeit

  • S. Hochuli (Hrsg.): Bronzezeit. SPM. Bd 3. Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel 1998. ISBN 390800652X
  • Gabriele Kastl (Red.): Goldene Jahrhunderte. Die Bronzezeit in Südwestdeutschland. ALManach. Bd 2. Theiss, Stuttgart 1997. ISBN 3-8062-1298-8
  • Ute Seidel: Bronzezeit. Sammlungen des Württembergischen Landesmuseums. Bd 2. Stuttgart 1995. ISBN 3-929055-38-4

Eisenzeit (Hallstatt- und Latènezeit)

  • Andres Furger-Gunti: Die Helvetier. Kulturgeschichte eines Keltenvolkes. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1984, 1986, 1988. ISBN 3-85823-225-4
  • F. Müller, G. Kaenel, G. Lüscher (Hrsg.): Eisenzeit. SPM. Bd 4. Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel 1999. ISBN 3908006538
  • Konrad Spindler: Die frühen Kelten. Reclam, Stuttgart 1983, 1991, 1996. ISBN 3-15-010323-1

Römerzeit

  • W. Drack, R. Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart 1988. ISBN 3-8062-0420-9
  • L. Flutsch, U. Niffeler, F. Rossi (Hrsg.): Römische Zeit. SPM. Bd 5. Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel 2002. ISBN 3908006546
  • Andres Furger: Die Schweiz zwischen Antike und Mittelalter. Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1996. ISBN 3-85823-560-1

Frühmittelalter

  • R. Windler, R. Marti, U. Niffeler, L. Steiner (Hrsg.): Frühmittelalter. SPM. Bd 6. Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel 2005. ISBN 3-908006-56-2

Allgemein

  • Handbuch der Schweizer Geschichte (Mitarb.: Hanno Helbling u.a.) 2 Bde. Zürich 1972, 1977. ISBN 3855720215
  • J. Ewald, J. Tauber (Hrsg.): Tatort Vergangenheit. Ergebnisse aus der Archäologie heute. Wiese, Basel 1998. ISBN 3909164625
  • Willi Gautschi: Le Général Guisan, Le commandement de l’armée suisse pendant la Seconde Guerre mondiale, Lausanne, Payot, 1991.

Weblinks


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