Die Geschichte Kärntens verläuft in vielen Epochen parallel zur österreichischen, die Historie des südlichsten Bundeslands Österreichs ist aber von Beginn an durch zahlreiche Begebenheiten und Zusammenhänge gekennzeichnet, die eine spezifische Betrachtung rechtfertigen.
Kaernten herzogeinsetzung.jpg auf dem Zollfeld. Zeitgenössische Darstellung von Leopold Stainreuter (14. Jhd.)]]
In der darauf folgenden Zeit bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde Kärnten zunächst durch die Türkenkriege, Bauernaufstände und durch die Folgen von Reformation und Gegenreformation in Mitleidenschaft gezogen. Unter Maria Theresia kam es Ende des 18. Jahrhunderts zu Reformen, die die Macht der Stände beschnitten und den Bauern das Recht an ihrem Besitz zusicherten, allerdings verlor Kärnten auch seine administrative Selbständigkeit. Einen erneuten Rückschlag in der Entwicklung des Landes hatten die Koalitionskriege ab 1797 zur Folge, wodurch schließlich 1809 ganz Oberkärnten an Frankreich fiel. Schon 1813 wurde das Land wieder befreit und einem habsburgischen Königreich Illyrien unterstellt.
Nach dem Revolutionsjahr 1848 erlangte Kärnten im Jahr 1849 die Selbständigkeit und Landeseinheit zurück und war von 1867 bis 1918 Herzogtum in Österreich-Ungarn. Nach Gebietsverlusten im Süden des Landes als Folge des Ersten Weltkriegs behielt Kärnten als Bundesland der Republik Österreich seine damaligen Grenzen bis heute bei.
Auch aus der Bronzezeit gibt es einige Fundstücke. Neben bronzenen Werkzeugen und Waffen, die möglicherweise aus einer frühzeitlichen Handelstätigkeit mit dem kupferreichen Siebenbürgen schließen lassen, stammt auch der älteste Skelettfund auf Kärntner Boden (St. Salvator bei Friesach) aus der Zeit um 2000 v. Chr.
In der letzten prähistorischen Epoche, der Eisenzeit, betrieb man in Kärnten bereits während der als Urnenfelderkultur bezeichneten Zeit intensiv Ackerbau. In der Hallstattkultur wurde reger Handel mit Salz und mediterranen Produkten betrieben, für die späte Hallstattzeit gibt es Fundstücke mit Schriftzeichen aus Dellach im Gailtal, wohl die ältesten Schriftdenkmäler Österreichs.
Mit den Römern erreichte der norische König Cincibilus ab 170 v. Chr. durch ein „hospitium publicum“ (lat. für „staatliche Gastfreundschaft“) ein freundschaftliches Verhältnis. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erreichte Noricum unter Voccio eine bedeutende Ausdehnung nach Osten und Norden. Die Beziehungen mit den Römern weiteten sich über die Handelstätigkeit hinaus aus, so sandte Voccio 49 v. Chr. Julius Caesar im beginnenden Bürgerkrieg am Rubikon zur Unterstützung 300 Reiter.
Ab dem 5. Jahrhundert wurde das Römische Reich von germanischen Stämmen bedrängt. Nach mehreren Einfällen in Italien drangen die Goten im Jahr 408 unter Alarich I., von Emona (dem heutigen Ljubljana) über die Karnischen Alpen kommend, erstmals in das durch den römischen Heerführer Stilicho befehligte Noricum ein. Stilicho verbündete sich mit Alarich, wurde aber aufgrund dieses Paktes des Hochverrats beschuldigt und hingerichtet. Sein Nachfolger Jovius verweigerte aufgrund eines Eides, den alle römischen Beamten abzulegen hatten und der einen Frieden mit Alarich verbot, diesem die Überlassung der Provinzen. Ab 472 kamen Ostgoten und Alemannen durch das Land, ohne es erobern zu können. Selbst nachdem Odoaker 476 den letzten römischen Kaiser abgesetzt hatte, blieb in den Provinzen die römische Verwaltung erhalten. Mit dem Tod des Königs Theoderich zerbrach das Reich der Goten schließlich, ohne dass diese die Kontrolle über das Noricum erlangt hatten. Unter Kaiser Justinian eroberte das Oströmische Reich zwischen 535 und 555 Italien von den Goten zurück.
Der fränkische König Theudebert I. erlangte für kurze Zeit Herrschaft über das Noricum und setzte dort Bischöfe ein. Daraufhin kamen Bayern in das Gebiet, trafen dort aber ab 591 auf Slawen, die, bedrängt von den mongolischen Awaren, von Osten einfielen, so dass die Bayern genauso wenig wie die einheimische keltoromanische Bevölkerung Widerstand leisten konnten. So entstand innerhalb von zwei bis drei Generationen aus der norischen Bevölkerung und den slawischen Einwanderern ein neues Volk, die Karantanen.
Während der Römerzeit entstanden zahlreiche Siedlungen, wichtige Orte waren Virunum (nördlich des heutigen Klagenfurt) und Teurnia (nahe Spittal an der Drau), Ausgrabungsstätten für diese Zeit sind unter anderem Kleinklein (heute Steiermark) und das Zollfeld (Magdalensberg).
So ließen sich die slawischen Volksstämme in den Tälern von Drau, Mur und Save nieder, um das Jahr 600 wurde hier das erste unabhängige slawische Staatsgebilde Europas, Karantanien, gegründet. Mit den verbliebenen Resten der einheimischen keltoromanischen Bevölkerung verband sie der Wille zum Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der benachbarten Franken und Awaren in den südöstlichen Alpenraum. Zentrum Karantaniens war das Zollfeld, wo die Karantanen auch den Fürstenstein hinterließen, die umgedrehte Basis einer römischen Säule, die dazu diente, die in Karnburg residierenden Fürsten rituell einzusetzen. Dieser Brauch wurde später durch die Kärntner Herzöge aufgegriffen und in das Ritual der Herzogeinsetzung integriert.
Der alte, auf das Reich in der Eisenzeit zurückgehende Landesname Karantanien – abgeleitet vom keltischen „carant“ (Freund, Verwandter) – zeigt an, dass hier Traditionen weitergegeben wurden, wohl durch die verbliebenen einheimischen Keltoromanen. Die Bezeichnung „Carontani“ wurde nachweislich um 700 durch den Geografen von Ravenna erstmals erwähnt, die spätere Form „Carantanum“ für das Gebiet des Volks der Slawen ist vor dem Jahr 800 durch den Geschichtsschreiber Paulus Diaconus belegtFräss-Ehrfeld, Bd. 1, S. 51. Von den deutschen Nachbarn wurden die Karantanen mit dem germanischen Sammelnamen für die slawischen Völker als „Windische“ bezeichnetet.
Die slawischen Karantanenfürsten, die sich sowohl der Angriffe der Awaren im Osten als auch den von Norden in das Gebiet drängenden Franken erwehren mussten, schlossen Karantanien wohl zunächst dem großen Slawenreich des Samo an. Als dieser aber den Awaren gegenüber tributpflichtig wurde, ersuchte Borouth, der erste uns namentlich bekannte Slawenfürst, die Baiern vor 743 um Hilfe gegen die Awaren, die durch Herzog Odilo von Bayern auch gewährt wurde, allerdings unter der Voraussetzung der Anerkennung der bairischen bzw. fränkischen Oberhoheit.
Maria_Saal_Dom_Suedansicht.jpg, Ort einer der ersten Kirchen in Kärnten (Mitte 8. Jh.)]]
Cheitumar bat Virgilius um die Christianisierung des Landes. Dieser entsandte 767 Modestus als Vikar sowie weitere Kleriker nach Karantanien. Nach dem Tod von Modestus gab es zwei Aufstände der heidnischen Karantanier, ein dritter Aufstand folgte nach dem Tod von Cheitumar im Jahr 770. Die Rebellen konnten die Truppen von Valhun, dem Nachfolger Cheitumars, besiegen und vertrieben die christlichen Missionare. Daraufhin zog der Herzog von Baiern Tassilo III. im Jahr 752 mit Truppen nach Karantanien, schlug den Aufstand zurück und Valhun wurde wieder als Herzog eingesetzt.
Im Zuge der Christianisierung entstanden im Auftrag des Bischofs Virgilius von Salzburg um 757 zwei Kirchen in Teurnia und Maria Saal, des weiteren wurden die ersten Klöster, die auch der Heranholung von Siedlern aus dem Altland diente, gegründet, zu den ersten gehören Innichen (769, heute Südtirol) und Kremsmünster (777, heute Oberösterreich).
Awarenmark-frankenreich.png]] Nachdem Karl der Große, seit 768 König der Franken und ab 800 römischer Kaiser, Tassilo im Jahr 788 abgesetzt hatte, bedeutete dies das Ende des baierischen Stammesherzogtums. Karantanien wurde gemeinsam mit Baiern und den anderen bis dahin mit Baiern verbundenen Gebieten dem von den Karolingern geschaffenen Fränkischen Reich angegliedert und Reichsbeamten unterstellt. Karl setzte die Expansionspolitik im südöstlichen Raum seines Reichs fort, unterwarf die Awaren und verleibte das benachbarte westliche Pannonien ein, so dass die südöstlichen Grenzen seines Reichs vom Plattensee bis an die Adriaküste nach Istrien reichte.
Um 820 lösten fränkische Markgrafen die Stammesfürsten slawischer Abstammung in Karantanien, die bis dahin noch eine gewisse Autonomie des Gebiets gewährleistet hatten, als Landesherren ab. Die Besitzungen der Slawen wurden Königsland, und die bayerischen Bistümer wurden mit Gebietsschenkungen dotiert. Die kirchlichen Grundherren holten weitere Siedler nach Ober- und Mittelkärnten, der geringer werdende slawische Bevölkerungsanteil assimilierte sich allmählich.
Der fränkische König Ludwig der Deutsche übertrug 856 seinem Sohn Karlmann Baiern und Karantanien. Dieser weitete daraufhin seinen Einflussbereich auf weitere Gebiete im Ostland aus und verlegte den Mittelpunkt seiner Herrschaft nach Karantanien. Seinem unehelichen Sohn, Arnulf von Kärnten, übertrug er 876 zunächst die Präfektur Pannoniens und die Mark Karantanien. Nach dem Tod des ostfränkischen Königs Karlmann im Jahr 880 erbte er Karantanien, wurde dann 887 selbst König des Ostfrankenreiches und schließlich 896 Römischer Kaiser. Eine der wichtigsten seiner Pfalzen war die Karnburg („Curtis Carantana“), die er zur Festung ausbauen ließ. Als Kaiser vereinigte er für kurze Zeit und zum letzten Mal in der Geschichte die Teile des Frankenreichs unter einer Regentschaft. Er gilt als letzter bedeutender Herrscher aus dem Haus der Karolinger; sein Sohn Ludwig das Kind trat 899 im Alter von sechs Jahren die Nachfolge an und starb 911 als letzter ostfränkischer Kaiser.
Bereits 893 wurde Luitpold von Arnulf als Markgraf von Karantanien und Oberpannonien eingesetzt. Der Namensgeber des Geschlechts der Luitpoldinger, dessen Nachfolger noch bis 947 in Karantanien regierten, starb 907 bei der Schlacht von Pressburg, in der die Ostfranken eine der verheerendsten Niederlagen während der Ungarnkriege erlitten. Nach den Luitpoldingern herrschten die baierischen Herzöge Heinrich I. (von 947 bis 955) und Heinrich II. (von 955 bis 976) über Karantanien.
Vojvodski stol.jpg am Zollfeld]] Ossiach stiftskirche.jpg]]
Karantanien wurde damit eigenständiges Herzogtum neben den alten Stammesherzogtümern Baiern, Schwaben, Franken und Sachsen, und somit die älteste Ländereinheit auf dem Boden der heutigen Republik Österreich. An Stelle der Bezeichnung Karantanien kam im Lauf der Zeit immer mehr „Kärnten“ bzw. die lateinische Form „Carinthia“ immer häufiger in Gebrauch.
Unter der Verwaltung des Herzogtums standen
Als erster Herzog wurde der Luitpoldinger Heinrich III. eingesetzt, dieser verlor das Amt bereits zwei Jahre später. Die deutschen Kaiser wollten in Kärnten zunächst ein erbliches Adelsgeschlecht verhindern. Die erste Dynastie des Herzogtums wurde zwar schon 1011 durch die Eppensteiner begründet, deren erster Vertreter, Herzog Adalbero von Eppenstein, jedoch 1035 nach politischen Auseinandersetzungen mit den Saliern gestürzt und verbannt wurde. Es folgten in raschem Wechsel schwäbische und fränkische Herzöge, wobei Heinrich III. zwischen 1039 und 1047 die Herzogswürde für sich behielt.
An die Kirche hingegen wurden umfangreiche Besitztümer vergeben, das erst 1007 gegründete Bistum Bamberg wurde großzügig mit Hoheitsgebieten bedacht und das Bistum Salzburg erhielt die Gegend um die Stadt Friesach, im Mittelalter eine der florierendsten Gegenden im südöstlichen Alpenraum. Das 11. Jahrhundert wurde zu einer Epoche benediktinischer Klostergründungen:
1072 wird das Bistum Gurk als erstes der Salzburger Eigenbistümer gegründet, 1131 folgte die Zuteilung einer kleinen Diözese (Dioecesis Gurcensis).
Mit Luitpold von Eppenstein wurde im Jahr 1077 durch Heinrich IV. erstmals wieder ein Eppensteiner mit dem Herzogtum Kärnten und der Mark Verona belehnt. Mit dem Tod seines Bruders und Nachfolgers Heinrich III. starb das Geschlecht 1122 jedoch endgültig aus. Nachfolger der Eppensteiner war das rheinfränkische Geschlecht Spanheimer, die als erste die Erblichkeit des Lehens durchsetzten. Sie wählten St. Veit als Residenzstadt, und unter ihrer Herrschaft setzte ein wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung in Kärnten ein, insbesondere die Entwicklung des Markt- und Städtewesens unter Herzog Bernhard von Spanheim. Allerdings verlor das Herzogtum Kärnten unter den Spanheimern, die bis 1269 regierten, an Einfluss.
Schon ab 1025 hatten einige Marken begonnen, sich vom Herzogtum zu lösen, in diesem Jahr wurde das Sanntal eigenständige Markgrafschaft, 1040 folgten die Krain und Istrien diesem Beispiel. Unter der Regentschaft der Spanheimer gingen 1151 die Marken Verona und Friaul verloren. Als letzte Mark des Herzogtums spaltete sich die Mark Karantanien ab. Ottokar I., der aus der baierischen Grafenfamilie der Traungauer stammte, sowie seine Nachfolger waren ab 1056 Markgrafen der Karantanischen Mark. Barbarossa erhob diese im Jahr 1180 zum selbständigen Herzogtum, das nach der Stammburg zu Steyr auch schon zuvor Steiermark genannt wurde, und setzte Ottokar IV. als Herzog ein. Schließlich ging auch der Lungau, ein Gebiet in den Zentralalpen, vom Kärntner Kernland durch hohe Berge getrennt, dem Herzogtum 1246 verloren und in den Besitz der Salzburger Bischöfe über. 1252 wurden mit dem Frieden von Lieserhofen zwischen Philipp, Erwähltem von Salzburg, Albert II., Graf von Tirol, und Meinhard IV., Graf von Görz, die Einflusssphären in diesem Raum geregelt.
Die spätere Hauptstadt Klagenfurt wurde 1193/99 erstmals urkundlich als forum Chlagenuurt erwähnt. Aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage zwischen Wien und Venedig und nicht zuletzt wegen seiner reichen Silbervorkommen im nahen Zeltschach wurde jedoch Friesach ab 1215 erste und lange Zeit wichtigste Stadt Kärntens. Das mittelalterliche Kärnten erreichte mit Bernhard von Spanheim, der von 1202 bis 1256 regierte, durch die Vollentwicklung seines Städtewesens seine Blütezeit. Der silberne Friesacher Pfennig war in dieser Zeit auch über die Grenzen Kärntens hinaus das wichtigste Zahlungsmittel im Ostalpenraum. Mit dem Tod seines Nachfolgers Herzog Ulrich III. von Kärnten erlosch 1269 die letzte einheimische Herzogdynastie, 1279 starb mit seinem Bruder Philipp von Spanheim der letzte seines Geschlechts.
Neben dem Herzogsgeschlecht waren aber auch mehrere andere Adelsfamilien, vor allem aber der Erzbischof von Salzburg, der Bischof von Freising und der Bischof von Bamberg Besitzer bedeutender Ländereien, was die Ausbildung einer geschlossenen Landesherrschaft verhinderte.
Mit Graf Ulrich von Heunburg wurde 1270 zum ersten Mal ein Kärntner Landeshauptmann berufen. 1292 war Ulrich der Anführer eines gegen Albrecht I. von Habsburg gerichteten Aufstands, in dessen Verlauf er 1292 die Burg Griffen besetzte und zum Zentrum seiner Aktivitäten machte. Die Aufständischen wurden jedoch 1293 durch Herzog Meinhard II. am Wallersberg und bei Griffen endgültig geschlagen.
Meinhards Söhne, Heinrich, Otto und Ludwig, beerbten ihn nach seinem Tod 1295 als gleichberechtigte Erben, 1305 war jedoch nur noch Heinrich am Leben, der selbst ohne männliche Nachkommen blieb, so dass mit ihm das Geschlecht der Meinhardiner 1335 ausstarb.
1335 wurde Kärnten durch Kaiser Ludwig den Bayern den Habsburgern übertragen und mit Österreich, Steiermark und Krain vereinigt. Allerdings wurden die Landesfreiheiten, die „Kärntner Landshandveste“, durch Herzog Albrecht II. bestätigt, ebenso wie die Stadtrechte von St. Veit und Klagenfurt. Als 1363 auch Tirol an den Habsburger Herzog Rudolf IV. fiel, entstand in den Ostalpen ein Länderkomplex, der Herrschaft zu Österreich genannt wurde.
Dieser wurde allerdings im ausgehenden 14. sowie fast das gesamte 15. Jahrhundert über durch Erbteilungen mehrfach geteilt, sowie teilweise durch den Ungarnkönig Matthias Corvinus besetzt. So wurde Kärnten in den Jahren 1379/1411 bis 1457 (und später nochmals von 1564 bis 1619) gemeinsam mit der Steiermark, der Krain und dem Küstenland zu Innerösterreich vereint. Erst Friedrich V. gelang Ende des 15. Jahrhunderts eine Vereinigung der habsburgischen Länder, als er alle seine Gegner überlebte und beerbte.
Die nach den Ursachen für diese Folge von Unglücken betroffenen Kärntner vermuteten teilweise ein Strafgericht Gottes, was zu Bußfertigkeit bis hin zur Selbstkasteiung wie unter anderem öffentlichen Prozessionen von Flagellanten führte; andere Zeitgenossen verdächtigten die Juden als Auslöser der Seuche durch die Vergiftung von Brunnen und Quellen. Dies hatte örtlich die Verfolgung von Judengemeinden zur Folge, so sind zum Beispiel von Wolfsberg schwere Ausschreitungen gegen Juden aus dem Jahr 1349 überliefert.
Weil die Bauern angesichts der Untätigkeit ihrer Herren sich nicht weiteren Angriffen wehrlos ausgesetzt sehen wollten, organisierten sie sich in einem Kärntner Bauernbund unter der Führung von Peter Wunderlich. Zu der Gründung dieses Bundes 1478 bei Spittal schrieb der Chronist Jakob Unrest: Do man zahlt nach Christi gepurt 1478 umb Lichtmeß machten die Pawren pey der Traa unter Spital einen Pundt. Sie machten iren punt in kurzen Tagen grosz und ye langer, je grozer und weyter. Der Bauernbund konnte, als die Türken am 25. Juni des Jahres über den Predil zum dritten Mal eindrangen, auf der "Goggauer Wiese" bei Arnoldstein 3000 Bewaffnete mobilisieren Geschichte und Geschichten, Jänner 2006, S. 55. Angesichts der anstürmenden Reiter ergriff ein großer Teil jedoch die Flucht, so dass die verbliebenen etwa 600 Mann in kurzer Zeit überwältigt wurden. Auch dieser Überfall war nicht der letzte, es sollten noch zwei weitere Einfälle in den Jahren 1480 und 1483 folgen.
Da zudem zwischen 1480 und 1490 der Ungarnkönig Matthias Corvinus im Bunde mit Salzburg Friedrich III. bekriegte und Teile Kärntens besetzte, kam es zu einer der schlimmsten Notzeiten des Landes. Daran schloss sich 1490 eine Heuschreckenplage an. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung, insbesondere der Bauern, entlud sich ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in mehreren Aufständen. Einerseits erhoben die Grundherren und der Adel aufgrund der Überfälle der Türken immer höhere Rüststeuern, waren aber andererseits nicht in der Lage, für einen ausreichenden Schutz zu sorgen. So kam es in Kärnten 1478 zum gegen die Grundherrn gerichteten „Großen Bauernaufstand“ eines Bauernbunds unter der Führung von Peter Wunderlich, 1515 lehnte sich die im „Windischen Bundschuh“ organisierte Bauernschaft gegen neue gefasste Rechtsgrundsätze in der slowenischen Untersteiermark auf (dieser Aufstand, der unter dem Motto „za staro pravdo“ – für das alte Recht stand, wird als „Windischer Bauernkrieg“ bezeichnet), und die Ausläufer des Deutschen Bauernkriegs erreichten 1525 auch Oberkärnten und die Krain (Schlacht bei Schladming). Die Aufstände wurden schließlich 1526 durch vom Schwäbischen Bund unterstützte österreichische Truppen niedergeschlagen.
Burg-hochosterwitz.jpg]] 1500 erlosch das Geschlecht der Grafen von Görz mit Leonhard von Görz, der Besitz wurde zwischen Kärnten und Tirol, das die Gegend um Lienz erhielt, aufgeteilt. Die Besitzungen des salzburgischen Bistums wurden größtenteils der landesfürstlichen Hoheit unterworfen. 1518 schenkte Kaiser Maximilian I. den Kärntner Ständen die 1514 abgebrannte Stadt Klagenfurt. Sie wurde im 16. Jahrhundert als landständische Residenz neu auf- und ausgebaut und folgte Sankt Veit an der Glan, das bislang Sitz der Stände war, als politischer Mittelpunkt und Landeshauptstadt.
Nach der Schlacht bei Mohács im Jahr 1526 lag Kärnten nicht mehr weit von der Grenze zum Osmanischen Reich, die Türkenkriege nahmen einen guten Teil der Kraft des Landes in Anspruch. Zahlreiche Wehrkirchen und vor allem die damals massiv ausgebaute Burg Hochosterwitz zeugen noch heute von der latenten Gefahr von Plünderungen, Brandschatzungen und Massakern an der Bevölkerung.
Im Lauf des 16. Jahrhunderts kam es zu einem starken Anstieg des Protestantismus, Zentrum der Bewegung in Kärnten war ab Mitte der 1520er Jahre Villach. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 wurden die Protestanten zwar anerkannt, doch erst infolge des „Brucker Libells“ von 1578, in dem der dem Augsburger Bekenntnis zugetane Adelsstand dem Calvinismus eine Absage erteilte, wurde auf Druck des Adels hin durch Erzherzog Karl II. in Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain) Religionsfreiheit gewährt. Dies hatte nicht nur die Duldung des Protestantismus zur Folge, sondern auch, dass fast ganz Kärnten im ausgehenden 16. Jahrhundert protestantisch war. Das Land ist bis heute neben dem Burgenland eine Hochburg des Protestantismus in Österreich, der sich vor allem in entlegenen Tälern halten konnte.
Strassburg-gesehen-von-richtung-gurk.jpg, Sitz der der Gurker Fürstbischöfe]] Erzherzog Ferdinand III., der spätere Kaiser Ferdinand II., begann um 1600 mit der landesfürstlichen Gegenreformation im Bürgertum und Bauernstand. Die Reformationskommission unter der Führung von Bischof Martin Brenner von Seckau zog durchs ganze Land und erzwang Bekehrungen. 1628 wurde auch die Religionsfreiheit des Adels aufgehoben. Die Auswirkungen der Gegenreformation waren wirtschaftlicher Niedergang, Erliegen des Edelmetallbergbaues, Abstieg der Ständemacht und massive Auswanderung vor allem nach Süddeutschland.
Der Kärntner Besitz des Erzbistums Bamberg wurde 1649 voll der landesfürstlichen Hoheit unterworfen.
Im 18. Jahrhundert verloren die Konfessionskämpfe an Schärfe, allerdings kam es noch 1732 zu einer neuen Protestantenverfolgung. Die Protestanten wurden nunmehr in die von den Türkenkriegen verwüsteten Gebiete Siebenbürgens und des Banats abgesiedelt.
Unter Maria Theresia kam es zu verschiedenen Reformen in der Verwaltung (Kreiseinteilung) und Steuererhebung (Steuerrektifikation), die das Ziel hatten, die Verwaltung der Monarchie zu vereinheitlichen und die Macht der Stände zu beschneiden. 1772 wurde auch das gesetzliche Erbrecht der Bauern an ihrem Besitz verfügt.
Nach dem Toleranzpatent Kaiser Josephs II. 1781 bekannten sich über 14.000 Geheimprotestanten und bildeten evangelische Pfarren.
1782 verlor Kärnten durch die Unterstellung unter die Regierung in Graz seine administrative Selbständigkeit (mit Unterbrechungen von 1790 bis 1804). Das innerösterreichische Appellationsgericht kommt nach Klagenfurt.
Der Gurker Fürstbischof übersiedelte 1787 nach Klagenfurt. Es entstand die Diözese Gurk-Klagenfurt, die den größten Teil Kärntens umfasste.
Nach dem Sieg der Französischen Revolution befand sich 1792 halb Europa im Krieg mit Frankreich (siehe Koalitionskriege). Zunächst nicht von Kampfhandlungen betroffen, wurde Kärnten im Zuge des oberitalienischen Feldzugs 1797 Angriffsziel Napoléon Bonapartes. Am 27. März marschierten französische Truppen unter Führung von General André Massénas vor Klagenfurt auf. Die Stadt wurde den Angreifern kampflos überlassen, zwei Tage später kam Napoléon selbst in die Stadt und bestätigte hier eine provisorische Stadtverwaltung („Centralcommision“) Klagenfurter Bürger. Kurz darauf, am 18. April 1797, wurde der Vorfrieden von Leoben zwischen Frankreich und Österreich beschlossen und bereits am 24. Mai, nach dem Frieden von Campo Formio, verließen die Franzosen Klagenfurt wieder.
Der Frieden hielt allerdings nicht lange, schon 1799 bis 1802 bekämpften sich die europäischen Großmächte im Zweiten Koalitionskrieg. Auch hierbei kam es nicht zu militärischen Auseinandersetzungen auf Kärntner Boden, dennoch organisierte sich in diesen Jahren eine Landesverteidigung, da man sich angesichts der Erfolge Napoléons in Italien auch weiterhin bedroht sah. Obwohl nicht direkt vom Kriegsgeschehen betroffen, verlor Kärnten 1805 seine Eigenstaatlichkeit sowie einige Besitzungen, die dem österreichischen Staat angegliedert wurden. Im selben Jahr zog Napoléon siegreich in Wien ein, Klagenfurt wurde im November 1805 zum zweiten Mal von französischen Soldaten besetzt.
Nach dem Pressburger Frieden wurde Kärnten ein Grenzland, da Österreich Venedig und Dalmatien an die Republik Italien abtreten musste. Dem Land wurden schwere Kriegskontributionen auferlegt, dies sowie die Missernten der Jahre 1804 und 1805 brachten Kärnten an den Rand des Ruins.
In den Folgejahren begann sich Widerstand gegen die aus den Koalitionskriegen resultierende Fremdherrschaft zu formieren. Von Tirol aus, das seit dem Pressburger Frieden unter bayerischer Herrschaft stand, führte Andreas Hofer die Aufständischen an, in Kärnten hatte Johann Baptist Türk den Oberbefehl über den „Kärntner Landsturm“. Am 9. April 1809 kam es erneut zum Krieg zwischen Frankreich und Österreich, in Kärnten wurden die Stellungen Malborghet im Kanaltal und auf dem Predilpass durch die Hauptleute Johann Hermann und Friedrich Hensel verteidigt, die allerdings beide in den Schlachten den Tod fanden.
Bis zum Frieden von Schönbrunn besetzten die Franzosen Kärnten erneut und sprengten hierbei mehrere Befestigungsanlagen, wovon vor allem Klagenfurt betroffen war. Als weitere Folge des Kriegs wurde Oberkärnten mit der Stadt Villach vom Land abgetrennt und bildete als Teil von Napoléons „Illyrischen Provinzen“ das Département „Carinthie“.
Nach Napoléons Niederlage in Russland konnte Villach zwar 1813 zurückerobert werden, das Gebiet wurde aber 1813/14 dem habsburgischen Königreich Illyrien mit der Hauptstadt Laibach zugeschlagen. Erst 1849 sollte Kärnten wieder selbständige Verwaltungseinheit werden.
Das Revolutionsjahr 1848, das in Österreich am 13. März mit blutigen Ausschreitungen in Wien begann, verlief für Kärnten relativ friedlich. Die errungenen Freiheiten äußerten sich – nach Wiener Vorbild – in der Aufstellung einer Nationalgarde sowie der Gründung des demokratischen „Kärntner Volksvereins“. Die neue politische Ordnung brachte den Bauern eine Grundentlastung von allen Abgaben an die Grundherrschaft und weitgehend gleichberechtigte Bürgerrechte.
Ein erster frei gewählter Kärntner Landtag trat zusammen und forderte die Wiederherstellung der Selbständigkeit und Verwaltungseinheit des Landes. Diese Forderung wurde schließlich auch durchgesetzt, und 1849 wurde das alte Kronland Kärnten innerhalb der Habsburger Erbmonarchie wieder hergestellt, Klagenfurt wurde zur unabhängigen Landeshauptstadt. Um nationalstaatlichen Bestrebungen entgegenzuwirken, wurden den Kärntner Slowenen Autonomierechte zugestanden.
Mit dem provisorischen Gemeindegesetz vom 17. März 1849 wurden im Lauf des Jahres 1850 in Kärnten die 713 im Jahr 1785 geschaffenen Steuer- und Katastralgemeinden zu 181 Ortsgemeinden zusammengefasst. Seither gab es zwar einige Korrekturen, wie z. B. die Gemeindereform 1973, und Zusammenlegungen, ein Großteil der heute 132 Gemeinden hat ihre 1850 festgelegten Gebiete bis heute beibehalten.
Der Kirche, die im Josephinismus dem Staat untergeordnet war, wurden weitreichende Rechte im Bereich Klerus, Eherecht und Schulwesen zugestanden. Das Bistum Lavant erhielt mit Marburg 1859 einen neuen Sitz, seine Kärntner Gebiete kamen an das Bistum Gurk-Klagenfurt, das auf diese Weise mit Kärnten deckungsgleich wurde.
Heft-hochofen.jpg in der Heft bei Hüttenberg]] Für die einheimische Industrie erwies es sich als Vorteil, dass hier schon seit Jahrhunderten Bergbau betrieben wurde. Etwa ein Viertel der Bevölkerung lebte von der Eisenverarbeitung, dem Bergbau und der Holzkohleherstellung. Diese Produkte erlebten mit dem Siegeszug der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine enorme Nachfrage.
Durch den Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz gewannen zwar die einheimische Industrie und der Handel zunächst an wirtschaftlicher Stärke, allerdings konnten die meisten Kärntner Betriebe langfristig mit der rasanten industriellen Entwicklung nicht Schritt halten: Viele Gruben und Werke mussten Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossen werden, darunter zwischen 1901 und 1908 auch die Hochöfen in der Heft bei Hüttenberg.
Ein Nebeneffekt des Anschlusses an das Schienennetz war, dass in Kärnten nach und nach der Fremdenverkehr zunahm; eine Entwicklung, die ab den 1930er Jahren zum systematischen Ausbau eines eigenen, heute für das Land sehr wichtigen Wirtschaftszweigs führte.
Alter_Grenzstein_Pontebba_01.jpg
Der Friedensvertrag von St. Germain von 1919 teilte das Kanaltal Italien, das Mießtal, Unterdrauburg und die Gemeinde Seeland (Kankertal) dem SHS-Königreich zu – was für Kärnten den Verlust von immerhin 8% des Territoriums und 6% der Bevölkerung bedeutete – und legte eine Volksabstimmung für den Verbleib Südkärntens fest. Die Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 ergab bei einer fast 100%-igen Wahlbeteiligung, dass die Mehrheit der Bevölkerung (59,04%) für einen Verbleib Kärntens zu Österreich stimmte, darunter auch ein nicht geringer Anteil an Slowenen, die in diesem Wahlgang rund 70% der Wähler stellten, und denen seitens der Landesregierung kurz vor der Wahl weitgehende Minderheitsrechte zugesagt wurden.
Zwar versuchte der SHS-Staat nach der Volksabstimmung neuerlich, Kärnten zu besetzen, musste aber seine Truppen aufgrund internationaler diplomatischer Proteste bis 22. November 1920 aus dem Abstimmungsgebiet abziehen. Die 1920 festgelegten Grenzen Kärntens Gebiet sind bis heute unverändert geblieben.
Das Ergebnis der Volksabstimmung wurde als großer Erfolg gefeiert, jedoch waren damit die Probleme, die die Kriegswirtschaft hinterlassen hatte, nicht beseitigt. Mangelnde Versorgung an Lebensmitteln und Kohle und abgeschnittene Handelsverbindungen in die ehemaligen Gebiete der Donaumonarchie und der daraus folgende Anstieg von Inflation und Arbeitslosigkeit sorgten für eine wirtschaftliche Krise in Kärnten.
Zudem polarisierte sich das politische Leben ab den frühen 1920er Jahren zusehends, mit den konservativen „Heimatschützern“ und dem sozialdemokratischen „Republikanischen Schutzbund“ standen sich sogar zwei paramilitärische Verbände mit gegensätzlicher Weltanschauung gegenüber, allerdings kam es zunächst nicht zu ernsthaften Auseinandersetzungen.
| Jahr | Gäste | Herkunftsland | ||
|---|---|---|---|---|
| Österreich | Deutschland | Sonstige | ||
| 1923 | 11.300 | 78,6% | 5,8% | 15,6% |
| 1926 | 164.900 | 75,3% | 21,6% | 3,1% |
| 1929 | 276.400 | 67,5% | 18,9% | 13,6% |
| 1934 | 250.160 | 83,3% | 1,1% | 13,1% |
| 1938 | 341.040 | 35,3% | 56,2% | 8,3% |
| Entwicklung des Fremdenverkehrs 1923-38 | ||||
Auf die Ansätze des wirtschaftlichen Aufschwungs und des Optimismus folgte die Weltwirtschaftskrise der beginnenden 1930er Jahre, die in Kärnten die Schließung von Hüttenwerken, einen Verfall der Viehpreise, fallende Nachfrage nach Produkten der holzverarbeitenden Industrie sowie einen erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Angesichts dieser gesellschaftlichen Situation verschärfte sich auch das politische Klima wieder, Sozialdemokraten und Kommunisten auf der einen sowie die Heimwehren und die Nationalsozialisten auf der anderen Seite gerieten bei Aufmärschen aneinander.
Seit Anfang der 1930er Jahre erzielten die Nationalsozialisten in Kärnten bei Landtagswahlen, vor allem aber auch bei Gemeinderatswahlen beachtliche Stimmengewinne. So stellte die NSDAP in der Landeshauptstadt Klagenfurt 1931 die zweitstärkste Gemeinderatsfraktion, im darauf folgenden Jahr gelang ihr auch in zahlreichen Gemeinden der Durchbruch zu einer politisch bedeutsamen Partei.
Der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß versuchte ab März 1933 – nach der vorgeblichen „Selbstausschaltung des Parlaments“ – mit Notverordnungen einen Weg aus der Krise zu finden. Er bildete ein autoritäres Regime und stand sowohl dem Nationalsozialismus (dessen Partei er per Landesverfassungsgesetz im Sommer 1933 verbot) als auch der Sozialdemokratie strikt ablehnend gegenüber. Doch auch während des Verbots der NSDAP und nach der Aufhebung aller Landtags- und Gemeinderatsmandate war Kärnten im austrofaschistischen Ständestaat (ab 1. Mai 1934) eine österreichische Hochburg des Nationalsozialismus, was sich in Flugblättern, Demonstrationen bis hin zu Sprengstoffanschlägen äußerte, ein Putschversuch der Nazis am 25. Juli 1934 (Juliputsch), dem Tage der Ermordung Dollfuß´, der auch in Kärnten zur Stürmung mehrerer Orte führte, wurde innerhalb weniger Tage von Truppen der österreichischen Armee und der Heimatverbände niedergeschlagen. Der Ständestaat konnte sich unter Bundeskanzler Kurt Schuschnigg trotz vergleichsweise geringen Rückhalts in der Bevölkerung bis 1938 halten. Landeshauptleute der Vaterländischen Front in Kärnten waren Ludwig Hülgerth (1934-36) und Arnold Sucher (1936-38).
Ab Mai war Hubert Klausner Landeshauptmann, nach seinem Tod folgte ihm im Februar 1939 Pawlowski als geschäftsführender Landeshauptmann. Pawlowski war parallel dazu von August 1939 bis Juni 1942 Regierungspräsident, von März 1940 bis Dezember 1941 Gauhauptmann und ab April 1940 Vertreter des Reichsstatthalters in Kärnten, ein Musterbeispiel für die Ämterverflechtung von Partei- und Staatsämtern im Dritten Reich. Am 18. November 1941 wurde Friedrich Rainer zum NSDAP-Gauleiter und Landeshauptmann von Kärnten ernannt.
Bereits im Oktober 1938 wurde Osttirol dem Gau Kärnten angegliedert. Dieser blieb zunächst ein Partei-Gau und wurde erst mit 1. Mai 1939 ein Reichsgau. Nach der Kapitulation Jugoslawiens am 17. April 1941 (Balkanfeldzug) wurden das Mießtal und Oberkrain an Kärnten angeschlossen.
Kärnten stellte mit rund 6 % der Bevölkerung Österreichs 15,4 % der NSDAP-Mitglieder. In Kärnten gab es 13.333 SS-Mitglieder.
Nach der Eroberung Jugoslawiens 1941 wurden aus Slowenien 20.000 Slowenen ausgesiedelt. Die „nicht Eindeutschungsfähigen“ wurden nach Serbien ausgesiedelt, die „rassisch Wertvollen“ wurden zur „Eindeutschung“ ins Altreich gebracht. Dies motivierte auch den Kärntner Gauleiter Rainer, die Aussiedlungen wieder aufzunehmen. Entsprechend Himmlers Parole „Macht dieses Land deutsch!“ wurden im April 1942 1.075 Kärntner Slowenen von ihren Höfen vertrieben und in ein Lager in Ebenthal gebracht, 917 von ihnen wurden später nach Norddeutschland zur Zwangsarbeit verbracht. In ihre Höfe zogen Kanaltaler Bauern ein.
Gegen die geplanten und zum Teil durchgeführten Aussiedlungen erhoben selbst NS-Funktionäre Protest. Selbst das Stabshauptamt Himmlers und die Organisation Todt hegten Bedenken aufgrund der anwachsenden Unruhe in Südkärnten, verstärkten die Aussiedlungen doch den Zustrom zur Partisanenbewegung. Die Aussiedlungen gingen in geringem Ausmaß weiter, so etwa im Jänner 1944, als im Raum Eisenkappel-Petzen 50 Slowenen verhaftet und abtransportiert wurden. Die endgültige „ethnische Flurbereinigung“ sollte nach dem Krieg vollendet werden.
Im November 1942 wurden 130 Partisanen und Sympathisanten verhaftet. In einem Volksgerichtshofprozess in Klagenfurt verurteilte Roland Freisler 13 Angeklagte zum Tode. Die Partisanenbewegung erholte sich rasch. Im März 1944 setzte sich eine Gruppe im Sattnitzgebiet fest, im Juni eine weitere Gruppe auf der Saualpe. Ihre größte Aktivität entwickelten die Verbände jedoch außerhalb des Kärntner Gebietes, im Oktober kam es zu heftigen Kämpfen auf der Saualpe. 1944/45 hatten die Deutschen im Kärntner Partisanengebiet 15.000 Bewaffnete im Einsatz, die Zahl der Gendarmerieposten hatte sich von 43 auf 153 erhöht. Es kam immer wieder zu Übergriffen. Noch im April 1945 ermordeten Polizeieinheiten beim Peršmann in Koprein-Petzen eine 11köpfige Familie, von der 80jährigen Großmutter bis zum acht Monate alten Säugling.
Bei Kampfhandlungen fielen etwa 500 Partisanen. Dies war der einzige kontinuierliche, organisierte und bewaffnete Widerstand gegen die NS-Diktatur in Österreich, und damit ein wichtiger Beitrag Österreichs zur Befreiung im Sinne der Moskauer Deklaration von 1943.
In weiterer Folge wurden katholische Schulen geschlossen, Klöster wie St. Paul im Lavanttal aufgehoben, kirchliche Güter eingezogen wie das Sanatorium Maria Hilf in Klagenfurt und die Druckerei Carinthia. Die Kirchenaustrittspropaganda war in Kärnten recht wirkungsvoll, 1940 etwa traten 4.327 Katholiken und 828 Evangelische aus den Kirchen aus.
Auch in Kärnten wurden viele Kriegsgefangene und zwangsverpflichtete Fremdarbeiter als Arbeitskräfte eingesetzt. Rund 26.000 Ausländer arbeiteten in der Landwirtschaft, rund 36.000 in anderen Wirtschaftsbereichen. Auf Kärntner Gebiet gab es zwei Kriegsgefangenen-Stammlager, Wolfsberg und Spittal an der Drau. Am Loiblpass und in Klagenfurt-Lendorf gab es Außenlager des KZ Mauthausen.
662 behinderte Kärntner fielen 1940/41 der „Euthanasie“ in Schloss Hartheim in Oberösterreich zum Opfer. In der „Reichskristallnacht“ am 8. November 1938 wurden alle männlichen Kärntner Juden verhaftet und in die KZ Dachau und Buchenwald gebracht. Bis Anfang 1940 waren die jüdischen Betriebe zur Hälfte „arisiert“, zur anderen Hälfte liquidiert. Bis Anfang 1943 waren auch sämtliche Kärntner Roma und Sinti in KZ gebracht worden, nur wenige überlebten. Insgesamt wurden etwa 2.400 Kärntner Opfer der NS-Verfolgung.
Die Britische Armee hatte nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht an der italienischen Front am Nachmittag des 7. Mai die Kärntner Grenze erreicht und rückte am Vormittag des 8. Mai in Klagenfurt ein, nur wenige Stunden vor dem Eintreffen jugoslawischer Truppen. Die Briten stellten sogleich klar, dass sie einen Verbleib der jugoslawischen Truppen in Kärnten nicht dulden würden und demonstrierten dies u. a. mit dem Aufstellen von Kanonen auf dem Neuen Platz und vor dem Landhaus in Klagenfurt. Nachdem diplomatischer Druck und militärische Drohgebärden erfolglos blieben, wurden die jugoslawischen Truppen am 16. Mai unter sowjetischen Befehl gestellt. Die Sowjets waren an einer Einhaltung der ausgehandelten Besatzungszonen interessiert und befahlen den Rückzug aus Kärnten, der in den folgenden Tagen erfolgte. In diesen Tagen nahmen die Jugoslawen im von ihnen besetzten Gebiet 263 Personen fest. Rund 100 wurden noch in Kärnten freigelassen, rund 90 kamen in Jugoslawien wieder frei. 96 Personen wurden getötet oder sind in Haft verstorben. Die meisten Verschleppungen fanden in Gebieten statt, in denen es davor besonders heftige Partisanenkämpfe gegeben hatte. Die genauen Motive konnten meist nicht eruiert werden. (Die hier genannten Zahlen folgen Valentin 2005, S. 150.)
Hans Piesch wurde am 24. Juli 1945 von der Britischen Besatzungsmacht als Landeshauptmann anerkannt und durch die ersten Kärntner Landtagswahlen nach Kriegsende am 25. November 1945 bestätigt. Er hatte dieses Amt aber nur wenig mehr als ein Jahr inne; da ihm seine NSDAP-Mitgliedschaft im Dritten Reich zum Vorwurf gemacht wurde, trat er im April 1947 zurück. Sein Nachfolger wurde Ferdinand Wedenig (SPÖ). Nach der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags 1955 zog die britische Besatzungsmacht bis Ende Oktober ab.
Die Umsetzung der im Artikel 7 des Staatsvertrags der slowenischen Minderheit zugesicherten Rechte sorgte in der zweiten Republik für harte politische Auseinandersetzungen, die sich am heftigsten im symbolisch stark aufgeladenen Ortstafelstreit äußern. So wurden im Jahr 1972 die zur Erfüllung von völker- und verfassungsrechtlichen Verpflichtungen aufgestellten zweisprachigen topographischen Aufschriften von slowenenfeindlichen Bevölkerungsteilen wieder entfernt. Die Topographieverordnung von 1977 legte den slowenischsprachigen Bevölkerungsanteil mit 25% fest. Dieser Prozentsatz wurde im Jahr 2001 vom österreichischem Verfassungsgerichtshof als zu hoch und damit verfassungswidrig aufgehoben. Eine Lösung der Frage steht noch aus.
In Kärnten stellte von 1945 bis 1989 die SPÖ den Landeshauptmann. Nachdem die SPÖ bei den Landtagswahlen 1989 die absolute Mehrheit verloren hatte, wurde mit Jörg Haider erstmals in Österreich ein Mitglied der FPÖ zum Landeshauptmann gewählt. 1991 wurde er abgewählt, nachdem er im Landtag die „ordentliche Beschäftigungspolitik“ des Dritten Reichs gelobt hatte. Statt ihm wurde Christof Zernatto (ÖVP) Landeshauptmann, bis 1999 wieder Haider das Amt übernahm. Bei den Landtagswahlen 2004 setzte sich Haider erneut mit 42,2 Prozent der Stimmen gegen seinen langjährigen politischen Kontrahenten Peter Ambrozy (SPÖ) und Elisabeth Scheucher (ÖVP) durch. Die nächsten Landtagswahlen finden im Jahr 2009 statt.
Geschichte Kärntens | Österreichische Geschichte | Geschichte Sloweniens
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Geschichte Kärntens".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world