Die über dreitausendjährige Geschichte des Jüdischen Volkes lässt sich in zwei Perioden unterteilen:
Abrahams Enkel Jakob geriet dem Bericht der Genesis zufolge am östlichen Ufer des Flusses Jabbok in einen Ringkampf mit einem Engel (Gen 32). Er erhielt darauf hin von Gott den Namen "Israel" (hebräisch Jisrael = Kämpfer mit o. für Gott). Er hatte zwölf Söhne, die zu den Stammvätern der zwölf Stämme Israels (Israeliten) wurden: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Isaschar, Sebulon, Benjamin, Dan, Naphtali, Gad, Asser und Joseph.
Bei der Zählung der zwölf Stämme wird nicht immer einheitlich verfahren. So werden die zwölf Söhne Israel im 1. Buch Mose (Gen 49) nach den Söhnen Jakobs benannt. Bei der Volkszählung des Volkes Israel nach dem Exodus (Num 1) werden statt dessen nur zehn Söhne Jakobs gezählt und der Stamm Josef in die Stämme Efraim und Manasse aufgeteilt. Diese hatte Jakob als Söhne angenommen (Gen 49). Der Stamm Levi ist zum Priesterdienst und Levitendienst ausgesondert und leistet deshalb keinen Wehrdienst und bekommt kein Stammesgebiet.
Joseph, der Lieblingssohn Jakobs, wurde aus Neid von seinen Brüdern an ägyptische Sklavenhändler verkauft. Durch seine Talente gelangte er in eine einflussreiche Position am Pharaonen-Hof und konnte seine Angehörigen nachholen.
Ein indirekter historischer Beleg für den Aufenthalt der Israeliten in Ägypten könnte die Erwähnung von Volksgruppen Namens habiru in ägyptischen Urkunden aus dem 15. bis 12. Jahrhundert sein. Einige Forscher setzen diese habiru mit den hibri, den Hebräern gleich. Der Begriff stand aber vermutlich weniger für ein Volk als eher für einen sozialen Status (etwa die Fremden oder die Anderen) und muss nicht unbedingt die Israeliten gemeint haben.
Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich bei dem in der Bibel beschriebenen Pharao um Ramses II.. In seine Amtszeit fielen umfangreiche Bauvorhaben, zu denen die habiru, ebenso wie das gewöhnliche Volk, zwangsweise zur Saisonarbeit herangezogen wurden. Wegen seiner außenpolitischen Orientierung nach Asien verlegte Ramses seine Residenzen in das östliche Nil-Delta, also in die Nähe des biblischen Goschen.
Dass der Exodus in zeitgenössischen Quellen keinen Niederschlag gefunden hat, kann bedeuten, dass der biblische Bericht bezüglich der Größe der Exodusgruppe eine volkstümliche Übertreibung darstellt. Der Auszug aus Ägypten hatte möglicherweise kaum dieselbe 'weltpolitische' Bedeutung, wie er sie für ein kleines Volk hatte, das der Sklaverei entflohen war.
Ein derartig großer Fluchtversuch scheint kaum möglich - zumal dann, wenn der Pharao davon Kenntnis nahm und ihn militärisch zu verhindern suchte. Das Land Kanaan selbst war ägyptisch besetzt, und auf der Route dorthin lagen gleich mehrere ägyptische Befestigungen samt ganzer Garnison - eine Flucht aus Ägypten endete wieder in Ägypten.
Die Marschroute, welche die Israeliten nach Kanaan nahmen, lässt sich trotz der biblischen Wegbeschreibung nicht genau rekonstruieren. Die genauen Lagen des Jam-suf (Schilfmeer) und des Berges Sinai sind ebenfalls nicht geklärt.
Nach dem biblischen Bericht war es Mose, der die Israeliten aus Ägypten führte. Er gilt noch heute im Judentum als der bedeutendste Prophet. Daher auch die Bezeichnung "Mosaischer Glauben" für das Judentum. Am Berg Sinai offenbarte sich den Juden der Gott Jahwe, der sich ihnen als der Gott ihrer Erzväter vorstellte. Hier erhielten die Juden durch Mose die Tora (Weisung) und schlossen einen Bund mit Gott, dieses Gesetz zu halten. Der Bund umfasst eine vollentwickelte soziale und moralische Botschaft, die in den Zehn Geboten (Dekalog) zusammengefasst ist.
Der Glaube an den einzigen Gott (Monotheismus) stellt eine Neuerung in der Religionsgeschichte dar. Er unterscheidet sich vom monolatrischen Glauben der Patriarchen, der die Existenz anderer Götter nicht negierte. Allerdings belegt sowohl die Archäologie als auch die Bibel selbst den Fortbestand monolatrischer Verhältnisse in Israel bis weit in die nach-exilische Zeit.
Die Ansiedlung israelitischer Volksstämme im Gebiet des heutigen Staates Israel und den umgebenden Regionen ist ab ca. 1250 v. Chr. nachweisbar.
Als Kyros II. im Jahr 539 v. Chr. Babylon erobert hatte, erlaubte er den Juden, nach Judäa zurückzukehren, und gab ihnen eine relative Selbständigkeit.
So spielt die Eroberung Jerusalems und die Gefangennahme der Juden eine wichtige Rolle sowohl in der babylonischen als auch in der jüdischen Geschichte!
Schon zu dieser Zeit lebten Juden im gesamten Mittelmeerraum (insbesondere in Alexandria und Kleinasien), sowohl Emigranten als auch Konvertierte. Zusammen mit den durch die Aufstände vertriebenen und verschleppten Juden bildeten diese Juden die Diaspora ohne Heimatland oder religiöses Zentrum.
Im heutigen Deutschland wurden in Köln 321 die ersten Juden erwähnt und bis ins 11. Jahrhundert nicht aufgrund ihrer Religion verfolgt. Obwohl Christen der Verkehr mit Juden untersagt war und Juden zumeist in eigenen Stadtvierteln lebten, durften sie unbehelligt ihre Religion ausüben, fast jedem Handwerk nachgehen, Waffen führen und Zweikämpfe austragen (ein Privileg freier Männer). Bis zur Klosterreform im 11. Jahrhundert verliehen nur reiche Klöster Bargeld. Danach mussten sie das lukrative Geschäft aufgeben. Im Zuge des Ersten Kreuzzuges, nach dem Massaker am Rhein, stellte Heinrich IV. die Juden unter seinem Schutz, somit durften sie aber keine Waffen mehr tragen, wurden also zu Knechten degradiert. 1147, während des Zweiten Kreuzzuges, kam der Vorwurf des Ritualmordes auf, der seither immer wieder erhoben wurde. Kaiser Friedrich II. setzte einen Untersuchungsausschuss ein. Das Ergebnis war der Freispruch und das Verbot, jemals wieder solche Anklagen zu erheben. Trotzdem häuften sich diese Anklagen und wurde sogar auf angebliche Hostienschändung ausgeweitet. Papst Gregor IX. drängte deutsche Priester, die Übergriffe von Juden einzudämmen, da sie mancherorts noch immer hohe Ämter bekleideten und hetzte damit die Bevölkerung weiter auf. 1290 wurden alle 16.511 Juden aus England verbannt, nachdem der König sie ausgeplündert hatte. Die meisten gingen nach Frankreich, aber 1306 ließ der hochverschuldete Philipp IV. alle 100.000 Juden einsperren. Schließlich mussten sie, nur mit dem was sie auf dem Leib trugen, das Land verlassen, und Philipp IV. wurde mit einem Schlag steinreich.
Im Mittelalter bildeten die christliche Kirche und der Staat eine Einheit. Seit dem Hochmittelalter betrachteten Christen Juden als Angehörige einer fremden, veralteten Religion. Sie begegneten dieser religiösen Minderheit mit Misstrauen und Feindschaft. Wo Krieg, Krankheit, Hunger auftraten, gaben die Menschen den Juden die Schuld. Massenmorde an Juden, Verbrennungen und Folterungen erhielten den kirchlichen Segen, wodurch die Täter von ihrem schlechten Gewissen befreit wurden. Über Jahrhunderte durften Juden, die stark zusammenhielten, nur in bestimmten Wohnbezirken (Ghettos) leben. Sie waren in den Zünften der christlichen Handwerker nicht zugelassen, konnten keine öffentlichen Ämter bekleiden und keinen Grundbesitz erwerben. Daher waren sie immer stärker in Handel und Geldgeschäften tätig. Da Christen kein Geld gegen Zinsen verleihen durften, übernahmen dies die Juden und kamen so in den schlechten Ruf Wucherer zu sein und zu hohe Zinsen zu nehmen; besonders wurde dies von Schuldnern, die ihren Kredit nicht zurückzahlen konnten, aufgebracht. Für die christliche Kirche waren alle Juden "Gottesmörder und Brunnenvergifter". Die mittelalterlichen Kreuzzüge bildeten den ersten traurigen Höhepunkt der religiös begründeten Judenfeindschaft. Kreuzritter plünderten auf dem Weg ins Heilige Land jüdische Stadtviertel und Dörfer, vor allem im Rheinland. Viele Juden flüchten in andere Regionen Deutschlands, eine große Zahl bis weit nach Osteuropa und nahmen ihre Sprache, das Jiddische mit. Daher hatten und haben viele osteuropäische Juden deutschklingende Namen.
Siehe auch: Wormser Privileg, Kammerknechtschaft
Auch die Spanische Inquisition ermordete tausende Juden, was eine verstärkte Ansiedlung im Osten Europas zur Folge hatte.
Vermutlich sind Juden seit Ende des 7. Jahrhundert von Konstantinopel kommend in der heutigen Ukraine ansässig. Bis in das 10. Jahrhundert können jüdisch-chasarische Siedlungen zurück verfolgt werden. In der Zeit zwischen 786-809 n.Chr. trat die gesamte Oberschicht der Chasaren zum Judentum über. Die Chasaren werden daher gelegentlich auch "der 13. Stamm Israels" genannt.
Die Zahl der Bekehrten belief sich angeblich auf etwa 4.000 Menschen, die jüdische Lehre durchdrang also auch das gesamte Volk. Im Laufe der Zeit mischten sich Juden und turksprachigen Chasaren. In den Jahrzehnten nach Einfall der Russen um 944 und durch innere Zwistigkeiten zerbrach das Chazaren-Reich schließlich. In der Zeit der Kiewer Rus (980-1015) erlebten die Juden eine weitere Blütezeit.
Während des 12. und 13. Jahrhundert mit seinen zahllosen regionalen Verfolgungen und des 14. Jahrhundert mit deren vorläufigen Höhepunkt zur Zeit der großen Pest, kam es zu einer ständigen Zuwanderung von Juden nach Polen. Sie siedelten zunächst in den dem Deutschen Reich nahegelegenen Städten und Provinzen. Unter Mecheslav III. und weiteren Prinzen hielten Juden die Münze von Groß- und Kleinpolen. 1264 erhielten die Juden durch den damaligen Herrscher Großpolens Boleslav V, der Fromme weitreichenden Schutz und Privilegien. Das sogenannte Statut von Kalisch, das sich eng an die Privilegien die Ottokar II. den mährener Juden gewährte anlehnt, sah unter anderem vor, dass ein Rechtsstreit zwischen einem Juden und einem Christen vor dem Prinzen selbst oder dessen Vertreter in der Provinz, dem Wojwoden geführt werden. Rechtsstreite zwischen Juden wurden unter die Jurisdiktion eines "jüdischen Richters" gestellt. Auch sollte nach §32 der Statuten, "Ritualmord"-Anklagen von sechs "Zeugen" untersucht werden, von denen drei Christen und drei Juden sein sollten. Dank dieser und anderer für die Juden Polens positiven Gesetzgebung konnten sich die jüdischen Gemeinden relativ sicher entwickeln. Diese Sicherheit war zum Nutzen beider Seiten. Auch wenn schon bald Versuche unternommen wurde diese Freiheiten einzuschränken (Synoden von Breslau 1267 und Ofen 1279), so war es diese Sicherheit die beiden Seiten nutzte. Denn es waren jüdische Händler die wichtige Handelslinien nach Westen und Osten eröffneten oder ausbauten und somit nicht unwesentlich zur Orientierung Polens nach Westen beitrugen. König Kazimierz Wielki (der Große) bestätigte nicht nur die Privilegien während seiner Regierungszeit, sondern er erweiterte oder präzisierte sie in einigen Punkten und dehnte ihre Rechtsgültigkeit auch auf das Gebiet Kleinpolens aus. Jagiello, Großfürst Litauens heiratete im Jahre 1386 die Kronerbin Jadwiga. Nach seiner Taufe wird er zum König gewählt. Sein gesamtes bis zu diesem Zeitpunkt heidnisches Fürstentum wird zwangschristianisiert. Kein gutes Zeichen für alle die anderen Glaubens waren. Doch Witold, der Bruder des Königs, der zunächst den Widerstand gegen Jagiello und dessen Politik der Christianisierung leitete, gewährte den jüdischen Gemeinden von Troki, Brest-Litowsk und Grodno weitreichende Privilegien, die letztendlich einer Gleichstellung mit der sonstigen Bevölkerung gleichkamen.
Im Jahre 1399 kommt es in Posen zur ersten bekannten Beschuldigung wegen Hostienfrevels. Der Rabbi der Gemeinde, sowie dreizehn Gemeindeälteste und die Frau, die ihnen angeblich geweihte Hostien besorgt hatte, werden öffentlich verbrannt. Die jüdische Gemeinde zu Posen wird zur jährlichen Zahlung einer Geldstrafe an die Dominikaner verurteilt. 1407 kommt es in Krakau zur ersten bekannten Ritualmordklage. Von der Kanzel der St. Barbara-Kirche verkündet der Priester Budek der Gemeinde, die Juden hätten ein christliches Kind in der Nacht ermordet und sein Blut für rituelle Zwecke verwendet. Der Mob stürmte die jüdischen Häuser und steckte sie in Brand. Viele jüdischen Mitbürger wurden ermordet oder suchten Zuflucht in der Taufe. Alle Kinder der Ermordeten wurden zwangsgetauft.
Eine europäische Geistesbewegung die im 18. Jahrhundert stattfand und gleichzeitig forderte, dass die Vernunft die Quelle der Erkenntnis und die Grundlage allen menschlichen Handelns sein solle. Außerdem setzte sie sich für die Gleichheit und Freiheit aller Menschen ein. Die Aufklärung hatte großen Einfluss auf die Philosophie und die Politik, sie war Wegbereiterin für die Französische Revolution und den aufgeklärten Absolutismus Friedrichs II. von Preußen. Ihre wichtigsten Vertreter waren Voltaire, Lessing, Kant und Rousseau.
Siehe hierzu: Geschichte der Juden in Polen
Seit der Französischen Revolution im Jahr 1789 erhielten die Juden in Europa nach und nach die Bürgerrechte und wurden zunehmend rechtlich gleichgestellt. Sie waren jetzt mehr oder minder anerkannte Mitbürger, die eben nur einer anderen Religion angehörten. In Deutschland fühlten sie sich als deutsche Bürger jüdischen Glaubens. Viele Juden traten sogar zum Christentum über. Zum Teil wurden jüdische Familien auch in den erblichen Adelsstand erhoben, zum Beispiel die Oppenheims (stammen aus Köln, wurden in Preußen 1867 und Österreich 1868 geadelt) oder die Familie Hirsch auf Gereuth, die in Bayern bereits 1815 in den Erbadelsstand erhoben wurden. Die Rothschilds wurden in Österreich 1822 in den Erbadelsstand erhoben, in England wurde erst 1885 mit Nathaniel de Rothschild der erste praktizierende Jude zum Lord erhoben. Ihr Bekenntnis zu Deutschland zeigten sie mit ihrer Teilnahme an den Befreiungskriegen 1813 bis 1815, am Deutsch- Französischen Krieg 1870/71 und am ersten Weltkrieg. Im Laufe des 19. Jahrhunderts passten sich die Juden nahezu vollständig an ihre christliche Umwelt an und galten fast als gleichberechtigte Mitbürger. Sie waren Mitglieder bei Feuerwehren oder Schützenvereinen oder stellten Bürgermeister. Teilweise akzeptierten die Christen auch die religiösen Sitten der Juden. Sie nahmen z.B. an Einweihungen von Synagogen teil oder verlegten - wie die Stadt Oberkirchen 1854 - den Markttag, wenn er auf einen jüdischen Feiertag fiel. Die Juden blieben in der Minderheit, sie stellten weniger als zwei Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Doch die Zahl der jüdischen Ärzte, Rechtsgelehrten, Maler, Dichter, Musiker und Regisseure war überproportional hoch. Der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy, die Arbeiterführer Karl Marx und Rosa Luxemburg, der Arzt und Psychiater Sigmund Freud, der Physiker Albert Einstein sind nur einige von vielen jüdischen Persönlichkeiten, die das deutschsprachige Geistes- und Kulturleben über die Landesgrenzen hinaus belebten. Unter 40 deutschen Nobelpreisträgern bis 1933 waren 11 Juden. Im 1. Weltkrieg kämpften jüdische Offiziere und Soldaten mit und es wurden einige mit hohen Orden ausgezeichnet.
Nach dem Versuch der Nationalsozialisten (Nationalsozialismus), die deutschen und europäischen Juden zu vernichten (Shoa), sah es nicht nach einer Fortsetzung jüdischen Lebens in Deutschland aus. Die nach 1945 entstehenden Gemeinden verstanden sich als "Liquidationsgemeinden" für eine Übergangszeit. Doch sie hielten und etablierten sich; seit den 50er Jahren wurden neue Synagogen gebaut. Allerdings drohte Ende der 80er Jahre doch ein Absterben dieser Gemeinschaften ; erst die jüdische Einwanderung aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion hat seit 1990 zu einer Neubelebung beigetragen. Die Gemeinden sind nun auf ein Vielfaches angewachsen, errichten neue Zentren, bilden Jugendgruppen und Kulturorganisationen - sind aber auch von scharfen Konflikten zwischen den Zuwanderern und den früheren Gemeindemitgliedern belastet. Ein neuer religiöser Pluralismus (liberale Gemeinden, weibliche Rabbiner) beginnt sich zaghaft durchzusetzen.
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"Geschichte des jüdischen Volkes".
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