Im 16. Jahrhundert kam in britischen Adelskreisen die sog. Grand Tour (Kavaliersreise) in Mode. Man schickte den Nachwuchs auf eine meist mehrjährige Reise nach Europa und insbesondere Italien, wo er seine Bildung und Sprachkenntnisse erweitern, Kontakte knüpfen sowie Prestige und Weltläufigkeit erwerben sollte. Später wurde diese Institution auch vom Adel anderer europäischer Staaten und schließlich von bürgerlichen Schichten aufgegriffen.
Schon bald blühten Herbergen und Gasthöfe entlang der Reisestrecken. Adelige Führungsschichten schufen so die Voraussetzungen dafür, dass Wegstrecken und die innere Sicherheit verbessert, Sommerresidenzen ausgebaut, Stadtzentren und Heilbäder gebildet werden konnten.
Die Briten wurden zu „Pionieren des Massentourismus“, denn je mehr sie zu einer mächtigen Kolonialmacht wurden, reisten sie in immer größerer Zahl in die großen Städte Italiens.
Im Zeitalter der Romantik (1795-1840) vergrößerte sich die Zahl der Reisenden erheblich, da solche hinzukamen, die eine „Sehnsucht nach dem Unendlichen“ verspürten, sich vergnügen und selbst finden wollten. Diese Denkweise war typisch für dieses Zeitalter.
Da man in dieser Zeit sehr naturverbunden war, entdeckte man die Alpen als Reiseziel . Darauf folgend entstand 1857 der erste Alpenverein in England. Auch nahe liegende Reiseziele lockten die Reisenden bald an, so entstanden Wandervereine, für die die Erkenntnis Goethes galt: „man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen“.
Die Geschäftswelt entdeckte nun auch, dass mit der steigenden Reiselust große Gewinne erzielt werden konnten. In diesem Aufschwung wurde 1827 der erste deutsche Verlag für Reisehandbücher von K. Baedeker gegründet. Da die Infrastruktur nicht genügend ausgeweitet war, erlangten die Reisehandbücher eine hohe Bedeutung, denn sie enthielten wichtige Tipps und Informationen für die Reisevorbereitung. 1841 folgte die erste touristische Gruppenreise, die von Thomas Cook organisiert wurde. Seine Angebote waren auch für die breitere Masse erschwinglich. Im Jahr 1845 gründete Thomas Cook das erste Reisebüro in Leicester. 1863 wurde das erste Reisebüro in Deutschland von Karl Stangen in Breslau eröffnet. Dieses bot 1873 Reisen nach Ägypten an und 1878 sogar Weltreisen.
Mit Beginn der Industrialisierung versuchte das neue Bürgertum (Kapitalbürgertum) das adelige Freizeitverhalten zu kopieren (Theaterbesuche, Wohnungsverhältnisse), andererseits war es aber auch den neuen Zwängen der Leistungsgesellschaft und des Kapitalismus unterworfen.
Durch dieses Verhalten der neuen städtischen Bürgerschicht wandte sich der klassische Adel neuen Tourismusräumen zu: dem Meer und dem Hochgebirge als neues Sommerfrischeziel. Meeresaufenthalte hatten bis dorthin lediglich medizinische Gründe, der Adel entdeckte allerdings abgelegene Fischerdörfer bzw. einzelne Küstenabschnitte als Segregationsziele. Der sportlich und wissenschaftlich motivierte Alpintourismus wurde durch Rousseaus „Zurück zur Natur“ sowie durch die Gründung diverser Alpenvereine (1862: Österreichischer Alpenverein und 1869: Deutscher Alpenverein, 1873 Zusammenschluss der beiden Vereine zum Deutschen und Österreichischen Alpenverein DOeAV) gefördert.
Als 1870 der Schilauf in der Schweiz erfunden wurde, weitete sich der Alpentourismus auch auf den Winter aus, wobei klassische "Wintertourismuszentren" entstanden. Die Zeit vor dem 1. Weltkrieg und der Zwischenkriegszeit ist durch die klassische Sommerfrische geprägt: die Arbeiter erhalten Urlaubsregelungen und Urlaubsgeld in der Absicht, durch ihr Freizeitverhalten die Tourismusbranche zu finanzieren. Die geographische Richtung dieses Freizeitverhaltens konzentriert sich auf das "Landleben", wobei die Erreichbarkeit mit dem individuellen Automobil Bedeutung erlangt. Am Land selbst spielt die "Urlaubstreue" zur Gastfamilie/Gasthaus eine wichtige Rolle.
Die Nazis bildeten zudem die Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF). Durch diese wurden zu sehr günstigen Preisen attraktive Reisen angeboten, die sich auch die Arbeiter mit ihrem niedrigen Lohn leisten konnten. Mit dem gewährleisteten Jahresurlaub und der Organisation „KdF“ gewannen die Nationalsozialisten nicht nur eine Menge von Wählern, sondern schufen auch eine riesige Reisewelle.
Aber der aufkommende Tourismus wird auch als politisches Mittel eingesetzt: Am 1. Mai 1933 verhängte die nationalsozialistische deutsche Regierung eine Tausend-Mark-Sperre gegen Österreich, um das Nachbarland, das zuvor die NSDAP verboten hatte, wirtschaftlich zu schwächen. Die Freizeit im Nationalsozialismus wurde durch den Staat organisiert und reglementiert: Freizeitorganisationen "Kraft durch Freude", die "Hitler-Jugend", der "Bund Deutscher Mädel" gewährleisteten, daß alle Teile der Bevölkerung freizeitmäßig organisiert waren. Der angebliche ideologische Nutzen für die Nazis war es, den Arbeitern die „Gleichheit aller Volksgenossen“ vor Augen zu führen, indem auch die Arbeiter sich an teuren Urlaubsorten erholen konnten. In Wirklichkeit beschrieb Hans Magnus Enzensberger die Lage wie folgt: „Unversehens verwandelt sich die auftrumpfende KdF-Reisen in die geduckte Verschickung und hinter den Ferienlagern stehen unsichtbar die Wachtürme jener anderen Lager, für die unsere Epoche einzustehen hat... Die vorgebliche Ungebundenheit der HJ-Fahrten stand schon unter dem Gesetz jener Fahrten, die ihre Teilnehmer später nach Stalingrad und Sibirien führen wollten.“
Anfang der 1950er Jahre erhielt die Wirtschaft nach dem 2. Weltkrieg einen riesigen Aufschwung. Der Glaube an „Wohlstand für alle“ wuchs von Jahr zu Jahr. Die Versandhändler Neckermann und Quelle sowie der ADAC, die zunächst gar nicht zu der Branche des Tourismus gehörten, brachten plötzlich sehr günstige Reiseangebote auf den Markt. Dies schafften sie, indem sie ihre Kosten durch billige Hotelhochbauten im Ausland sehr niedrig hielten. Dadurch wurden andere Unternehmen ebenfalls gezwungen, ihre Angebotspreise zu senken; so wurde die allgemein angesprochene Masse immer größer.
Nach den Wirren des 2. Weltkrieges gab es während der Wiederaufbauzeit bzw. der Besatzungszeiten keine Möglichkeit der Freizeitorganisation. Erst in der wirtschaftlichen Aufschwungphase der 60er Jahre entstanden "Boom-Faktoren" und Voraussetzungen für die heutige Tourismuswirtschaft:
Durch diese Boomfaktoren war ein Prototyp der modernen Urlaubsreise entstanden. Industrielle Serienfertigung, Standardisierung, arbeitsteilige Produktion und hohe Stückzahl pro Einheit waren auch Bedingung und Notwendigkeit für den modernen Pauschaltourismus. In diesem Prozess haben Reiseveranstalter Funktionen übernommen, die über jene eines normalen Produzenten hinausgehen: sie bieten den weltweiten Transport, die Lösung auftretender Urlaubsprobleme sowie die Organisation der Urlaubssituationen (Cluburlaub, Incentive).
Heutzutage gibt es in Deutschland im Allgemeinen ca. 30 Urlaubstage im Jahr. Daher ist es nicht mehr nötig, diese Tage als reine Erholungsphase zu nutzen. Der Trend der Bildungsreise, den es ursprünglich auch im 18. Jahrhundert zur Zeit der „Grand Tour“ der Adligen gab, ist wieder im Aufschwung.
Siehe auch: Tourismus
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