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Die Geschichte des Jazz erstreckt sich über etwa 150 Jahre.

Vorgeschichte (19. Jahrhundert)


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es im Süden der USA eine Straßenmusik-Tradition. Die Brass Bands, schwarze aber auch weiße Marschkapellen, spielten zu vielfältigen Anlässen auf. Die schwarzen Blaskapellen waren vor allem vom Blues und kreolischer Musik beeinflusst und mischten diese Einflüsse mit europäischer Musiktradition. Die Musik dieser sogenannten „Marching Bands“ nennt man auch „New-Orleans“-Stil oder Archaischen Jazz. Ihm fehlten die individuelle Improvisation und der Swing, obwohl auch dort schon die „leichten“ Taktzeiten (2 + 4) betont wurden. Im heutigen „Dixieland“- oder „Oldtime“-Jazz hat er eine Fortsetzung gefunden, die aber fast nur von weißen Musikern gepflegt wird. Jazzing orchestra 1921.jpg

Um 1890 entstand der Ragtime (englisch: ragged time, „zerrissene Zeit“): Dies war ein in ausnotierten Stücken festgelegter Klavierstil, bei dem die linke Hand die Rhythmusgruppe einer Band ersetzt (Bass und Schlaggitarre). Auch dort wurde noch nicht improvisiert; aber aus der Spannung zwischen durchgehendem Viertelbeat und synkopisch „zerrissener“ Melodik entstand bereits eine Art Swing. Hauptkomponist dieses Stils war Scott Joplin, dessen bekanntester Ragtime – der „Entertainer“ – durch den Film „Der Clou“ (1973) erneut populär wurde.

Bereits weniger festgelegt und damit „jazzmäßiger“ spielte Jelly Roll Morton in New Orleans, der von sich selbst behauptete, „im Jahre 1902 den Jazz erfunden“ zu haben. Er war ein großartiger Komponist von Blues, Blues-Songs, Ragtimes, Stomps, und ein herausragender und extravaganter Pianist, aber seine nachgewiesene Bedeutung für den Jazz hatte er mit seinen Bands in den 1920er-Jahren, nicht als Erfinder. Ebenso behauptete Nick LaRocca den Jazz erfunden zu haben. Aber auch seine Behauptung gilt als unwahrscheinlich. Hauptrepräsentant des frühen, wahrscheinlich noch ragtimeverwandten Jazz von New Orleans war Buddy Bolden. Von seinem Vorbild ausgehend dürfte zwischen 1900 und 1915 der Jazz entwickelt worden sein von einer Vielzahl von Bands und Musiker-Persönlichkeiten, auch außerhalb von New Orleans, etwa auch in Memphis. Als um 1915 erste namhafte Bands New Orleans verließen, dürften diese dazu beigetragen haben, den Jazz auch abseits des Mississippi in den USA zu popularisieren. Eventuell haben bereits Bands, die um 1910 in andere Metropolen aufbrachen, jazzmäßig gespielt, aber erst ab 1914 nannten sich die Bands auch Jass- beziehungsweise Jazz-Bands, traten also mit dem Selbstbewusstsein auf, eine neue Musikrichtung zu vertreten. Zum Beispiel Pedro Stacholy's Cuban Jazzband (evtl. bereits 1914) in Havanna, Tom Brown's Band From Dixieland 1915 in Chicago, der folgte 1916 Johnny Stein's Jass Band, und 1915 ging das Black And Tan Orchestra mit dem Trompetenvirtuosen Buddy Petit nach Kalifornien.

Siehe auch: Archaischer Jazz, Ragtime, Street Bands

Die Kategorisierung verschiedener Jazzstile und deren zeitliche Zuordnung ist nur schwer möglich. Die Grenzen zwischen den Stilen sind fließend, der Zeitpunkt ihrer Entstehung meist nicht eindeutig zu definieren. Es ist auch in vielen Fällen kaum möglich von der Dominanz eines Stiles während einer bestimmten Periode zu sprechen. Die nachfolgende Auflistung bietet daher nur einige grobe Anhaltspunkte.

Traditional Jazz (1900-1940)


Die Swing-Ära von Ende der 20er Jahre bis Anfang der 40er Jahre ist die beim Publikum erfolgreichste Zeit des Jazz. Bandleader wie Duke Ellington, Count Basie, Benny Goodman und Artie Shaw werden zu Stars. Duke Ellington und sein Orchester haben jahrelang ein festes Engagement im Cotton Club. Die Auftritte der Big Bands ziehen ein riesiges Publikum an, Swing ist die populäre Tanzmusik dieser Zeit.

    • 1934: Gründung des Quintette du Hot Club de France, mit Django Reinhardt: Europa mischt in der Jazzgeschichte mit
  • 1940er-Jahre: New Orleans/Dixieland Revival in den USA, später auch nachhaltig in Europa.

Modern Jazz (seit 1940)


Mit dem Bebop beginnt der Modern Jazz. Um die Entstehungsgeschichte des Bebop ranken sich allerlei Mythen und Legenden. Fest steht jedoch, dass zu einer Zeit als viele Big Bands des Swing ihren Zenit erreicht oder bereits überschrítten hatten und ihre Musik immer formelhafter wurde, junge Musiker unter anderem im Harlemer Club Minton's Playhouse mit neuen musikalischen Formen experimentierten. Die Unzufriedenheit mit den stereotypen Klischees des kommerziellen Swing, das Zusammentreffen einiger kreativer Musikerpersönlichkeiten und ein erwachendes Selbstbewusstsein dieser meist schwarzen Musiker führte letztendlich zur Entstehung eines neuen Stils. Als "Gründerväter" des Bebop gelten Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Thelonious Monk, Charlie Christian und Kenny Clarke

Durch die Verbindung des Bebops mit Elementen der latein-amerikanischen Musik entstand der Afro-Cuban Jazz. Auslöser hierfür war die Zusammenarbeit Dizzy Gillespies mit dem Kubanischen Perkussionisten Chano Pozo Mitte der 40er Jahre.

Als Geburtsstunde des Cool Jazz werden die Aufnahmen des von Miles Davis geleiteten Tentetts Ende der 40er Jahre betrachtet, die jedoch erst in den 50er Jahren unter dem Titel "Birth Of The Cool" Berühmtheit erlangten. Die Musik dieser LP ist geprägt durch komplexe, vielstimmige Arrangements, die im Unterschied zum Bepop weniger die extrovertierten und oft rasend schnellen Soli der Musiker in den Vordergrund rücken, als viel mehr auf einen kunstvoll aus den einzelnen Instrumentalstimmen gewobenen Klang mit eher zurückhaltender Ästhetik setzen. Bedeutende Arrangeure waren Gil Evans und der Baritonsaxofonist Gerry Mulligan. Diese "coole" Ästhetik wurde auch von vielen weißen Jazzmusikern wie Chet Baker, Stan Getz und Shelly Manne an der Westküste der USA aufgegriffen und erlangte in den 50er Jahren unter dem Begriff "West Coast Cool" große Popularität.

Der Hard Bop vereint ab Mitte der 50er Jahre die Freiheiten des Bebop mit einer einfacheren Rhythmik und Melodik, die in der Tradition des Blues und der Gospel-Musik steht. Die wichtigsten Impulsgeber dieses Stiles sind Art Blakey And The Jazz Messengers, Horace Silver und Miles Davis. Ein gutes Jahrzehnt war der Hardbop der im Jazz dominierende Stil, in dem Musiker wie Wayne Shorter, Herbie Hancock, Freddie Hubbard, Clifford Brown und andere zahlreiche klassische Aufnahmen machten. Der Hardbop setzte sich so weit durch, dass er zum Inbegriff des Mainstreams im Jazz wurde.

Eine Weiterentwickling des Hard Bop stellt der Soul Jazz dar, der noch mehr auf gesangsartige Melodien baut. Der Soul Jazz war Ende der 60er Jahre sehr populär, einer seiner wichtigsten Vertreter, Cannonball Adderley, konnte mit dem Stück Mercy, Mercy, Mercy sogar einen Chart-Erfolg verbuchen.

Free Jazz (seit 1960)


Fusion (1968-1980)


Gegen Ende der 60er Jahre geriet der Jazz in eine Krise. Der in diesem Jahrzehnt dominierende Free Jazz traf beim breiten Publikum auf wenig Gegenliebe. Gleichzeitig wurde die Rock- und Soulmusik dieser Zeit mit virtuosen Musikern wie Jimi Hendrix immer anspruchsvoller und komplexer, Idole wie James Brown oder Sly Stone verdrängten den Jazz zunehmend in der Gunst seiner angestammten Hörerschaft. Durch den Einsatz elektrisch verstärkter Instrumente intensivierte sich der Klang der Musik, eine Entwicklung, die der Jazz bis dahin kaum mitgemacht hatte. Mit dem Blues als gemeinsamer Basis und der gesteigerteten Qualität der Popmusik fanden sich aber auch Berührungspunkte zwischen Rock und Jazz.

Als Geburtsstunde der Fusion gelten die Miles Davis-Alben "In a silent way" (1969) und Bitches Brew (1970). Anklänge eines neuen Stils hört man schon auf "Filles de Kilimanjaro" (1968). Miles Davis berichtete später, dass er zu dieser Zeit vor allem Musik von James Brown, Sly Stone und Jimi Hendrix hörte und diese entscheidenden Einfluss auf seine Musik ausübten. Damit legte er den Grundstein für den Jazzrock.

Nach Miles Davis schlugen viele andere Musiker einen ähnlichen Weg ein. Der Jazzrock brachte einigen Musikern außergewöhnlich große kommerzielle Erfolge, vor allem weil ein neues, jugendliches Publikum erreicht wurde. Das Album Headhunters von Herbie Hancock wurde ein Hit, der sich millionenfach verkaufte. Wayne Shorter und Joe Zawinul waren die Gründer der Gruppe Weather Report, die zur erfolgreichsten Formation der Fusion wurde. Diese drei sowie andere herausragende Fusion-Musiker hatten zuvor in der Band Miles Davis' gespielt und auf "Bitches Brew" buchstäblich "mitgemischt". Dazu gehören auch Tony Williams (Bedründer der Gruppe Lifetime), John McLaughlin (Mahavishnu Orchestra) und Chick Corea (Return to Forever).

In Europa gab es früh und unabhängig von der Entwicklung in den USA eine Fusion-Bewegung, die unverdienterweise relativ unbeachtet blieb und der kein kommerzieller Riesenerfolg beschieden war. Musiker wie Volker Kriegel ("Lift"), Albert Mangelsdorff ("Inside: Missing Link"), Wolfgang Dauner und Dave Pike legten Alben von überragender Energie, Qualität und Kreativität vor.

Die eigentlich kreative Phase des Jazzrock umfasste lediglich die erste Hälfte der 70er Jahre. Danach begann sich diese Musik oft in seichter, kommerzieller Muzak zu erschöpfen oder zur bloßen Leistungsschau einiger Instrumentalvirtuosen zu werden. Bereits Ende der 70er Jahre wandten sich viele Musiker wieder akustisch gespielter Musik zu.

New Bop und Contemporary Jazz (1980-heute)


Der Jazz ab 1980 ist äußerst vielgestaltig. Typisch für diese Zeit ist die parallele Existenz verschiedenster, teilweise offen rückbezüglicher Spielweisen, ohne Herausbildung eines klar erkennbaren Mainstreams. Die Benennung von klar erkennbaren Stilrichtungen ist aus der gegenwärtigen Perspektive kaum möglich und umstritten. Selbst die Abgrenzung des Jazz zu anderen Musikrichtungen wie Pop oder Weltmusik ist sehr unscharf.

In den frühen 80er Jahren zeichnete sich eine Strömung ab, in der vornehmlich auf Stile der 50er und 60er Jahre zurückgegriffen wurde. Eine Reihe junger, gut ausgebildeter und virtuoser Musiker wurde von der Plattenindustrie als The Young Lions vermarktet. Herausragendstes Beispiel war der Trompeter Wynton Marsalis, der auch als Leiter der Jazz-Abteilung des Lincoln Center enormen Einfluss gewann. Weitere Musiker waren Joshua Redman und James Carter.

Literatur


  • Joachim-Ernst Behrendt: Das Jazzbuch (Frankfurt am Main, 1953, aktualisierte Ausgabe 2005)
  • Ekkehard Jost: Sozialgeschichte des Jazz (Frankfurt am Main, 2003)

Jazz

Siehe auch


http://www.musikerwiki.de/index.php?title=Jazzgeschichte

 

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