Die Anfänge der Geschichte des Buchdrucks sind in Deutschland, Ostasien, Babylon und Rom zu finden. Die ältesten gedruckten Bücher wurden im so genannten Blockdruckverfahren hergestellt, bei dem jede einzelne Seite komplett in einen Holzdruckstock geschnitten und dann abgezogen wurde. Es handelt sich dabei noch nicht um die Buchform, wie wir sie heute kennen. Der Buchdruck mit allen seinen wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftsgeschichtlichen Auswirkungen entwickelte sich in der heute bekannten Form als kulturprägende Informations- und Kommunikationstechnologie in Europa. Mit der Erfindung Johannes Gutenbergs im 15. Jahrhundert breitete sich die Kunst des Buchdrucks in wenigen Jahrzehnten in ganz Europa aus und in den Jahrhunderten danach über die ganze Erde hin.
Angeblich waren bewegliche Lettern (aus Metall und Holz) in weiten Teilen Asiens verbreitet, allerdings konnte sich das Drucken mit beweglichen Lettern, wie es später in Deutschland entwickelt wurde, in China nicht durchsetzen: Abertausende chinesischer Schriftzeichen verhinderten die schnelle Zusammenstellung von Druckplatten aus beweglichen Lettern. Das bedeutet auch, dass die Auswirkungen des Holzlettern- und Blockdrucks in Japan mit denen des Buchdrucks in Europa nicht zu vergleichen ist. Das Druckverfahren in Asien erlaubte keine Massendrucke wie das System von Gutenberg.
Altertum bis Mittelalter
China
Der Bücherdruck, wie er nach Stanislas Julien ("Documents sur l'art d'imprimerie") schon im Jahre
581 n. Chr. von den
Chinesen erfunden worden sein soll und größtenteils auch noch heute geübt wird, kann als Buchdruck in unserm Sinne nicht angesehen werden; er steht nur mit den Vorläufern desselben, den
Holztafeldrucken, auf einer Stufe. Julien erklärt nach chinesischen Quellen: Im Jahr
593 soll der regierende
Kaiser Wen Di befohlen haben, alle noch nicht veröffentlichten Schriften zu sammeln, in Holz zu schneiden und herauszugeben; andere chinesische Quellen verlegen den Zeitpunkt der Erfindung in das 10. Jahrhundert unserer Zeitrechnung (zwischen 936 und 993) und haben, da sich von früheren Drucken nichts mit Sicherheit nachweisen lässt, die größere Wahrscheinlichkeit für sich.
Ein Schmied, Piching, soll sogar zwischen 1041 und 1049 den Druck mit beweglichen, das heißt in beliebiger Ordnung zusammenstellbaren und nach dem gemachten Abdruck wieder auseinander zu nehmenden Schriftzeichen ersonnen haben, indem er die Schriftzeichen in dünne Tafeln weichen Tons grub, diese zerschnitt, im Feuer härtete und dann je nach Bedarf auf eisernen Formen, die schon mit den im Chinesischen üblichen senkrechten Zeilentrennungslinien versehen waren, zusammenstellte, sie durch löslichen Kitt zu einer unbeweglichen Platte verbindend, nach dem Druck aber den Kitt wieder herausschmelzend, um die Schriftzeichen abermals benutzen zu können. Nach seinem Tod sollen indessen seine Zeichen verloren gegangen und auch seine Druckmethode soll bald vergessen worden sein.
Den Abdruck der Schriftzeichen soll Piching in gleicher Weise ausgeführt haben, wie es seine Vorgänger taten und wie es seine Nachfolger tun: auf den Holzblock, in den die Chinesen die Schriftzeichen erhaben schneiden, wird mit einem breiten Pinsel eine ziemlich flüssige Farbe aufgetragen, sodann das Papier aufgelegt und mit einer kurzhaarigen, weichen Bürste überrieben, ein Verfahren, wie es ähnlich auch die deutschen und niederländischen Holztafeldrucker geübt haben, deren Drucke ebenso wie die chinesischen nur auf einer Seite des Papiers (anapistographisch) erfolgen konnten.
Tatsächlich nachweisen lässt sich angeblich der Mobilletterndruck im Kaiserreich China im 11. Jahrhundert als Erfindung von Bi Sheng. Seine Arbeitsmethoden wurden von Shen Kuo (沈活) in den Meng Xi Bi Tang (夢溪筆談 dt. "Pinselunterhaltungen am Traumbach.") aufgezeichnet.
Kaiser Kangxi, 1661 in China zur Regierung gelangt, hat auf Veranlassung von Jesuitenmissionaren zuerst wieder bewegliche Schriftzeichen, jedoch nur in sehr beschränktem Maß und für öfters wiederkehrende Werke, in Kupfer schneiden lassen; das verhältnismäßig wertvolle Material soll diesen Typen verhängnisvoll geworden sein: ein späterer Kaiser ließ sie bei Geldknappheit einschmelzen, und im 19. Jahrhundert noch diente in China beim Bücherdruck der rohe Holzschnitt wie schon vor fast 1000 Jahren.
Bis heute fehlt allerdings jeglicher materielle Beweis für den Buchdruck mit mobilen Lettern in China.
Korea
In
Korea wurden angeblich einzeln geschnittene Lettern aus Metall bereits um
1232 entwickelt, eine Angabe, die aber nicht wissenschaftlich gesichert und anerkannt ist.
Der im Juli 1377 gedruckte zweite Band der Anthologie der Zen-Lehre großer buddhistischer Priester ("Buljo jikji simche yojeol", Bd. II) aus Korea ist das älteste bekannte Beispiel eines Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern und gehört ebenso wie die 42-zeilige Gutenberg-Bibel seit 2001 zum UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes "Memory of the World". Es existiert allerdings nur der zweite, mit Holzlettern gedruckte Band; der erste Band ist "verschwunden", nur der zweite Band existiert noch, und davon auch nur einziges Exemplar, während es von der Gutenbergbibel noch 48 Exemplare gibt. Evtl. ist das koreanische Buch auch nur eine gute Fälschung (aus z.B. China kommen in letzter Zeit eine ganze Menge, vor allem was Fossilien angeht). Von einem Massendruckverfahren oder Buchdruck im eigentlichen Sinne kann daher keine Rede sein.
Antike
Das Prinzip des Druckes, sofern darunter nur das Einprägen von Schriftzeichen für eine Mitteilung oder Aufzeichnung von Tatsachen verstanden wird, lässt sich übrigens noch viel weiter zurückverfolgen. In den Gräbern von
Theben und zu
Babylon sind
Ziegel mit eingeprägten Inschriften gefunden worden; ganz mit Schriftcharakteren bedeckte, vermittelst gravierter Formen hergestellte gebrannte Tonzylinder vertraten den alten
Assyrern die Stelle der
Chroniken; in
Athen wurden
Landkarten in dünne Kupferplatten graviert;
römische Töpfer stempelten die von ihnen erzeugten
Geschirre mit den Namen der Besteller oder mit der Angabe des Zweckes, für die sie bestimmt waren; ja, reiche Römer gaben ihren Kindern aus
Elfenbein oder aus Metall erzeugte
Alphabete zur Erleichterung des Lesenlernens. Und auf diese geschnitzten einzelnen Buchstaben und ihre Zusammensetzbarkeit bezieht sich ein Ausspruch
Ciceros, der in klaren Worten das Prinzip des Typensatzes enthält. Und doch mussten noch anderthalb Jahrtausende vergehen, ehe dieser wirklich erfunden wurde! Es fehlte im Altertum nicht nur an dem für den Druck bestgeeigneten Material, dem
Papier, es war auch infolge des durchaus öffentlichen, die mündliche Mitteilung erleichternden Lebens kein allgemeines Lesebedürfnis vorhanden; den Erfordernissen der Gebildeten und Gelehrten aber konnte durch die vor allem bei den Römern außerordentlich gepflegte und besonders durch
Sklaven geübte Kunst des Abschreibens vollständig Genüge geleistet werden.
Mittelalter
Auch die folgende Zeit bot keinen geeigneten Boden für große Erfindungen, aber sie bereitete ihn vor. Was nach dem Niedergang des römischen Reichs und der
Völkerwanderung von Gelehrsamkeit übriggeblieben war, hatte fast ausschließlich die Ruhe und den Schutz der
Klöster aufgesucht; die
Kreuzzüge jedoch brachten ein frischeres geistiges Leben, ein gewisses Interesse für die jenseits der eigenen
Burg- oder
Stadtmauer liegenden Dinge unter das Laienpublikum, und hieraus erwuchs allmählich das Verlangen nach Unterricht und Bildung des Geistes. Dieses Verlangen wurde immer mächtiger, als von freisinnigen Herrschern weltliche
Hochschulen gegründet wurden. Die Tätigkeit der Bücher abschreibenden
Mönche genügten dafür nicht mehr. Eine eigene Kopistenzunft bildete sich neben ihnen, und diese hat wohl die erste Veranlassung gegeben zur Entstehung der so genannten
Briefmaler und
Kartenmacher, aus denen wiederum
Formschneider und
Briefdrucker hervorgingen. Diese Tätigkeit , die sich bis zum Beginn des
13. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt, richtete sich zunächst nach dem Bedürfnis der großen Masse des Volkes und passte sich dessen Verständnis an: in die bildliche Darstellung wurde der Schwerpunkt gelegt; die Erläuterung durch Worte war eine höchst einfache und nebensächliche.
Doch bald räumte man dieser einen größeren Raum ein, häufig in Form von Schriftbändern, die aus dem Munde der handelnden Personen wehten, bis man endlich auch Bücher, allerdings von sehr geringem Umfang, ohne jede Bilderbeigabe, nur mit Text, druckte. Zur Herstellung der Druckplatten bediente man sich zuerst dünner Metalltafeln, in die man die Zeichnung eingrub, dabei entweder nur deren Umrisslinien erhaben stehen lassend, alles übrige aber hinwegstechend, oder man verfolgte das umgekehrte Verfahren, das heißt man schnitt nur die Umrisse in die Platte, so dass diese beim Druck weiß erschienen, während der Körper der Figur und deren Umgebung schwarz bleiben mussten. Ein gleiches Resultat ergab das "Schrotmanier" genannte Verfahren: statt die Umrisslinien auszuschneiden, schlug man sie mit Punzen in die Platte, so dass sie sich beim Abdruck als dichte Reihen kleiner Punkte zeigten, ein Verfahren, das vermutlich in den Werkstätten der Gold- und Silberarbeiter seinen Ursprung hatte. Als das Verlangen nach bildlichen Darstellungen sich mehr und mehr verallgemeinerte, ging man von den Metallplatten zu den billigeren und leichter zu bearbeitenden Holzplatten über; das Messer trat an die Stelle des Stichels, das Ergebnis aber konnte, auch infolge des Längsschnitts des Holzes, nur ein weniger gutes sein. Man hat diese primitiven Erzeugnisse des Holzschnitts mit dem allgemeinen Namen der Holztafeldrucke bezeichnet. Der erste datierte war ein großer Christophorus von 1423. Ein anderer, in der königlichen Bibliothek zu Brüssel aufbewahrter Holzschnitt, der Muttergottes mit dem Christuskind trägt die Jahreszahl 1418. Deren Echtheit wurde jedoch vielfach in Zweifel gezogen. Ob diese Drucke auch in Wirklichkeit Drucke, das heißt mit Hilfe einer Presse erzeugt, oder nicht vielmehr nur mit Hilfe eines Reibers hergestellt waren, ist eine noch unerledigte Streitfrage. Nicht unwahrscheinlich ist es, dass sich manche Formschneider der Presse, andere nur des Reibers bedienten. Tatsache ist aber, dass diejenigen ihrer Erzeugnisse, die noch existieren, nur auf eine Seite des Papiers gedruckt sind.
Von den Büchern, die ohne Abbildungen gedruckt worden sind, als Holztafeldrucke, ist das bekannteste ein Donat genanntes Schulbuch, ein kurzer Auszug in Fibelform aus der Sprachlehre des römischen Grammatikers Aelius Donatus. Doch ist nicht erwiesen, dass der Druck dieser Donate schon längere Zeit vor der Erfindung der Buchdrucks stattgefunden hat, während feststeht, dass man sich der Holztafeln noch zu ihrer Herstellung bediente, als man schon seit Jahren, ja Jahrzehnten mit beweglichen Typen zu drucken verstand. Technische Anhaltspunkte berechtigen sogar zu dem Schluss, dass man von typographisch hergestellten Donaten Überdrucke auf Holz machte und die Platten dann nach diesen schnitt, ein Verfahren, das sich dadurch erklärt, dass es den zahlreichen Buchdruckern leichter war, ganze Platten mit Schrift zu schneiden, als die einzelnen Typen dazu herzustellen oder sich zu verschaffen und zusammenzusetzen. Auch wurden durch diese Platten geringer Auflagen und ihre stete Erneuerung im Bedarfsfall möglich, was bei der Kostbarkeit des Pergaments und des Papiers sehr schätzenswert war. Holländische Briefdrucker scheinen das Überdruckverfahren wiederholt angewandt zu haben; Holztafeldrucke aber kamen 1475 (Donate des Konrad Dinkmuth zu Ulm), 1482, ja sogar noch 1504 nachweislich vor.
Die Erfindung des Typendrucks
Den letzten entscheidenden Schritt auf dem so für die Buchdruckerkunst vorbereiteten Boden ging
Johannes Gutenberg
Zwar ist ihm die Ehre, die wichtigste aller Erfindungen gemacht zu haben, schon fast zu eigenen Lebzeiten durch seine Geschäftsteilhaber streitig gemacht worden, ja er war im 16. und
17. Jahrhundert nahezu ganz vergessen; doch hat die Wahrheit sich endlich Bahn gebrochen, und Gutenberg wird heute von der weitaus größten Mehrheit aller Gebildeten als der wahre Erfinder der
Ars artium conservatrix anerkannt, und die vom persönlichen oder nationalen Parteigeist getragenen Ansprüche sind in sehr enge, nur noch künstlich haltbare Grenzen zurückgedrängt.
Mitbewerber der Erfindung
Die Städte, die Mainz die Ehre, die Wiege der Erfindung zu sein, streitig machten und Vertreter hierfür fanden, waren
Straßburg im
Elsass,
Bamberg,
Feltre in
Oberitalien und
Haarlem in Holland, ganz zu schweigen von schlecht begründeten Ansprüchen, die für erste Drucker als Erfinder des Buchdruckes in anderen Städten (Jenson in
Venedig, Hahn in
Rom etc. ) erhoben wurden.
Johann Mentel, Straßburg
Straßburg brachte auf doppeltem Weg seine Ansprüche zur Geltung. Der eine nennt uns
Johann Mentel (Mentelin) aus
Schlettstadt als ersten Drucker und Erfinder. Diese Eigenschaft ist ihm zuerst
1520 beigelegt worden von Johann Schott, seinem Schwiegersohn und Erben der Mentelschen Druckerei, und die Chronisten Specklin und Spiegel haben ihm Glauben geschenkt und durch die von ihnen verfassten Chroniken wesentlich beigetragen zur Verbreitung von Schotts falschen Angaben.
Mentel war ein Schön- oder Goldschreiber, der bereits 1447 zu Straßburg das Bürgerrecht erwarb und wahrscheinlich während Gutenbergs Aufenthalt dort mit ihm bekannt wurde und später von ihm nach Mainz gezogen worden sein mag als Gehilfe bei Zeichnung und Herstellung der Typen, wobei ihm natürlich das ganze Druckverfahren nicht fremd bleiben konnte. Er muss aber sehr bald nach Straßburg zurückgekehrt sein; vermutlich war hierzu die Aufhebung der Geschäftsverbindung zwischen Gutenberg und Fust 1455 die Veranlassung, und Philipp von Lignamine zu Rom schreibt im Jahre 1474, dass Mentel seit 1458 eine Druckerei zu Straßburg besessen habe, wo er, "nach der Art Fusts und Gutenbergs", täglich 300 Bogen gedruckt habe. In der Universitätsbibliothek zu Freiburg im Breisgau befindet sich in der Tat eine gedruckte lateinische Bibel, deren erster Teil, mit dem Psalter abschließend, von dem Rubrikator mit dem Datum 1460 versehen worden ist, während der zweite am Schluss der Apokalypse die Jahreszahl 1461 von der Hand desselben Rubrikators trägt.
Schott war zu seiner falschen Angaben wohl nur durch das Beispiel Fusts und der Schöpfer veranlasst worden, die Gutenbergs Verdienste vergessen machen und sich selbst beilegen wollten. Er fand noch im 18. und 19. Jahrhundert gläubige Anhänger und Vertreter in Schöpflin ("Vindiciae typographicae", Straßburg 1760), Oberlin ("Exercice public de bibliographie", das. 1801), Lichtenberger ("Initia typographica", das. 1811), nachdem im 17. Jahrhundert ein Pariser Arzt, Jacques Mentel, ein angeblicher Nachkomme des Straßburger Druckers, zur eignen Verherrlichung die bereits vergessene Geschichte wieder aufgefrischt hatte. Johann Mentel aber starb 1478 und wurde im Münster zu Straßburg beigesetzt. Das erste mit einer gedruckten Jahreszahl, 1471, datierte Straßburger Druckwerk, die „Dekretalien“ des Gratian, trägt nicht seinen Namen, sondern den seines Zeitgenossen Heinrich Eggestein oder Eckstein. Mentels erstes datiertes Werk ist von 1473.
Albrecht Pfister, Bamberg
Allgemeiner noch als für Mentel ist man für Albrecht Pfister zu
Bamberg zwar nicht immer als ersten Erfinder, so doch als mit Gutenberg gleichzeitigen Miterfinder der Buchdruckerkunst eingetreten, und der Druck der berühmten 36zeiligen Bibel ist selbst bis in das Ende des 19. Jahrhunderts als sein Werk angesehen worden. Erst nachdem ernste vergleichende Studien des Schriftcharakters der von den ersten Buchdruckern angewandten Typen und der relativen Güte ihrer Druckerzeugnisse angestellt worden sind, hat man in dieser Bibel auch ein Werk Gutenbergs und zwar sein erstes großes, der 42zeiligen Bibel vorausgegangenes, erkannt und die Übereinstimmung der Typen derselben mit den wenigen Drucken geringen Umfangs, welche den Namen Pfisters tragen, ganz folgerichtig dahin erklärt, dass Pfister ebenso wie Mentel ein Schüler Gutenbergs war, der Mainz ebenfalls verlassen hat, als Gutenberg 1455 durch Fust aus seinem Eigentum gedrängt wurde, der aber bei seinem Fortgang einen Teil der Typen, die zum Druck des Textes der 36zeiligen Bibel gedient hatten, von Gutenberg käuflich erworben haben mag.
Dass Pfister sie nicht selbst geschnitten oder gegossen hat, beweist der Umstand, dass er bei allen seinen Drucken nur diese eine Type, selbst als sie durch den Gebrauch schon sehr unscheinbar geworden war, angewandt hat. Dass diese Type aber schon früher zum Druck eines umfangreichen lateinischen Werkes gedient haben musste, lässt sich aus Pfisters deutschen Drucken erkennen, in denen alle im Lateinischen vorkommenden Lettern abgenutzt, aber die nur im Deutschen gebräuchlichen (k, w, z) neu und scharf erscheinen. Pfisters Drucke, soweit sie sich wirklich als von ihm angefertigt erkennen lassen, sind bis auf einen einzigen reichlich mit Holzschnitten illustriert. Ihr Erzeuger war, ehe er zum Typendruck griff, der in allen eine nur sehr untergeordnete Rolle spielt, jedenfalls seinem Beruf nach Formschneider, Brief- oder Kartendrucker, der, wäre er wirklich nicht ein Schüler Gutenbergs, dessen Erzeugnisse zu Gesicht bekommen und den Nutzen der beweglichen Lettern in der Ausübung seines Berufs erkannt hatte.
Der Umstand, dass in Bamberg und dessen Nähe mehrere Exemplare der 36zeiligen Bibel entdeckt worden sind, lässt schließen, dass zwischen ihm und Gutenberg wirklich nähere Beziehungen bestanden haben müssen. Das Auffinden dieser Bibeln sowie die Angabe des Paulus von Prag aus dem Jahr 1463, die zur Erklärung des Worts „libripagus“ für eine Art Enzyklopädie bestimmt gewesen zu sein scheint: "dass während seiner Anwesenheit in Bamberg ein Mann die ganze Bibel in Holztafeln geschnitten und sie binnen vier Wochen auf Pergament gedruckt habe", sind als schlagende Beweise für den Druck der 36zeiligen Bibel durch Pfister angesehen werden. Da dieser jedoch eine "Biblia pauperum" (17 Folioblätter mit Holzschnitten) in lateinischer und deutscher Ausgabe druckte, so kann nur diese gemeint sein, denn eine ganze Bibel ist niemals in Holz geschnitten worden. Auch wäre es damals nicht möglich gewesen, ein solch umfassendes Werk in der genannten kurzen Zeit im Druck herzustellen. Die Werke, die ein Datum und Pfisters Namen tragen, sind eine zweite Ausgabe von "Boners Edelstein", 1461, überhaupt das erste Buch in deutscher Sprache, welches deutlich Druckort und Druckjahr aufweist, sowie "Das Buch der vier Historien" vom Jahr 1462. Nach diesem Jahr kommen keine Druckwerke mit seinem Namen mehr vor; auch ist sein Todesjahr unbekannt. Wann er in Bamberg zu drucken begonnen hat, ist ebenfalls nicht festzustellen. Da man ihm aus Grund der Familienähnlichkeit seiner Drucke die "Eyn manung d' cristeheit widd' die Drucke" zuschreibt, diese aber mit Bezug auf die Allgemeingeschichte auf das Jahr 1455 zurückverlegt werden muss, so wird hierdurch in das Dunkel über sein erstes Auftreten keineswegs Klarheit gebracht. Möglich, dass er die "Manung" noch zu Mainz selbst unter Gutenbergs Leitung gedruckt hat; ihr geringer Umfang wie der Mangel aller Holzschnitte in derselben scheinen dafür zu sprechen.
Pamfilo Castaldi, Feltre
Die Mitbewerbung der Stadt
Feltre im Venezianischen um die Ehre der Erfindung der Buchdruckerkunst für ihren Mitbürger Pamfilo Castaldi kann nicht wirklich ernst genommen werden. Nur der Umstand, dass diese Erfinderfabel weit verbreitet worden ist in
Italien und durch das Denkmal, das man dem so genannten Erfinder zu Feltre gesetzt und 24. Sept.
1868 enthüllt hat, von der italienischen Nation gewissermaßen sanktioniert worden ist, macht es nötig, dieselbe zu erwähnen. Demnach wäre Castaldi von adligen Eltern gegen das Ende des
14. Jahrhunderts zu Feltre geboren, hätte in
Padua studiert, auch der Dichtkunst obgelegen und später die erste italienische Schule in seiner Vaterstadt errichtet, die bald so berühmt wurde, dass sie auch Schüler aus Deutschland für das Studium des Italienischen herbeizog. Unter diesen befand sich der
Fabel zufolge 1454 ein gewisser Fausto Comesburgo aus Mainz. Von Gutenberg aber hatte Castaldi schon
1442 Druckproben gesehen, und während Gutenberg die ihm von Fust (dem Fausto Comesburgo!) gegebenen pekuniären Unterstützungen angeblich in erfolglosen Versuchen mit Holztafeldrucken verbrauchte, sei es ihm, Castaldi, sehr bald gelungen, zweckmäßige bewegliche Typen herzustellen, für die ihm die zu
Murano angefertigten und vom
Bischof von
Equilo erfundenen Glasbuchstaben zum Muster gedient hatten. Er habe seiner eigenen Erfindung jedoch keinen Wert beigelegt, sondern sie an Fust abgetreten, der 1456 nach Mainz zurückkehrte, wo Gutenberg sich dieser Castaldischen Idee mit großem Eifer bemächtigte. Der Psalter von 1457 sei ihr erstes, mit beweglichen Typen erzeugtes Werk gewesen; alles, was vorher gedruckt worden war, sei von Holztafeln abgezogen. Den Wert dieser ganzen Geschichte charakterisiert wohl am besten die Tatsache, dass auch nicht ein Wort, nicht eine Zeile aufgefunden worden ist, als deren Drucker Castaldi nachzuweisen wäre. Hätten ihn die Stäbchen der Glasbläser von Murano wirklich zu dem Gedanken geführt, solche Stäbchen mit Typen zu versehen und aus ihnen Wörter zu bilden zum nachherigen Abdruck, so ist das eben gerade nicht der Fall, und dies allein würde genügen, ihm jedes Anrecht auf die Erfindung des Buchdrucks abzusprechen.
Lourens Janszoon Coster, Haarlem
Von größerer Bedeutung für die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst, schon weil sie weit allgemeinere Verbreitung und viel zahlreichere Anhänger gefunden hat als diese Castaldi-Legende, sind die Ansprüche gewesen, die Holland und speziell
Haarlem erhoben hat für
Laurens Janszoon Coster (Johanns Sohn,
Küster). Zwei Drucker in der Stadt, van Zuren und
Coornhert, die dort
1561 eine Druckerei gründeten, haben, wahrscheinlich auf vorhandene alte Holztafeldrucke gestützt, zuerst versucht, Haarlem als Ort der Erfindung der Buchdruckerkunst geltend zu machen. Ein Buch, das van Zuren darüber geschrieben haben soll, ist indes niemals aufgefunden und nur von Scriver
1628 in seinem "Lavre-Crans voor Lavrens Coster" dem Titel nach erwähnt worden. Coornhert bezeichnet in der Vorrede der von ihm herausgegebenen "Officia Ciceronis" die Erfindung als "zuerst zu Haarlem, obwohl nur in sehr roher Weise" gemacht, ohne indes einen Erfinder zu nennen. Das Gleiche tut der
Florentiner Luigi Guicciardini in seiner
1566 zu
Antwerpen vollendeten "Descrittione di tutti i paesi bassi". Dieses Werk, das bald (
1567-
1613) ins Deutsche, Französische, Holländische, Englische und Lateinische übersetzt wurde, hat sehr viel beigetragen zur Verbreitung der Ansprüche Haarlems. Eine abgerundete, feste Form erhielten diese aber erst durch den
Historiographen der Staaten von Holland, den Arzt Hadrian de Jonghe, genannt Junius ( † 16. Juni 1575), der zwischen 1566 und 1568 eine holländische Landesgeschichte unter dem Titel: "Batavia" verfasste, die
1588 zu
Leiden gedruckt wurde. Während seine drei Zeitgenossen sich noch in unsicheren Angaben bewegen und keinen Erfinder nennen, hat er seiner Fabel eine bestimmte Form gegeben:
Danach habe vor 128 Jahren (also 1438, wenn man von dem Jahr, in dem er seine "Batavia" zu schreiben begann, zurückrechnet, oder 1440, wenn man das Jahr der Vollendung in Betracht zieht) zu Haarlem ein Mann namens Lourens Janszoon, nach seinem Stand als Küster „Coster“ genannt, gelebt, der einstmals während eines Spaziergangs in dem vor der Stadt gelegenen Gehölz zum Zeitvertreib Buchstaben aus Buchenrinde verkehrt ausgeschnitten, sie zu Worten zusammengefügt und dann mit Tinte abgedruckt habe als Spielzeug für die Kinder seines Schwiegersohns Thomas Pieterzoon. Die gewöhnliche leichtflüssige Tinte der Schreiber aber habe sich für den Druck ungeeignet erwiesen, und es sei ihm mit Hilfe dieses Schwiegersohns gelungen, eine bessere und dickere Farbe zu erfinden, woraus er den in Holz geschnittenen Bildern die Erklärung beigefügt habe mit Hilfe seiner Lettern, beide, Bild und Erklärung, dann abdruckend. Diese ersten Bücher seien nur auf einer Seite bedruckt, die unbedruckten Seiten aber zusammengeklebt gewesen; eins davon, in der Volkssprache abgefasst, sei der "Spieghel onzer behoudenis" (die holländische Ausgabe des "Speculum salutis"). Nach und nach sei der Erfinder Coster von Buchenholztypen zu bleiernen und von diesen zu zinnernen übergegangen wegen der größeren Dauerhaftigkeit des Materials. Die neue Kunst habe den verdienten Beifall im Volk, die gedruckten Bücher viele Käufer gefunden und hiermit dem Erfinder Wohlstand zugeführt; Coster aber habe infolgedessen die Zahl seiner Arbeiter und Gehilfen vermehren müssen, unter denen sich dann auch ein gewisser Johannes (auch ein Faustus wird in unklarer Weise genannt) befunden habe. Dieser habe sich als ein sehr ungetreuer Knecht erwiesen, denn sobald er hinreichend unterrichtet war im Typenguss und Satz und was sonst zur Kunst gehörte, ergriff er die erste günstige Gelegenheit, und hierzu schien ihm die heilige Christnacht am geeignetsten, als alle anderen dem Gottesdienst beiwohnten, um sich in das Arbeitszimmer zu schleichen, Typen und Werkzeug zusammenzupacken und schleunigst zu fliehen. Er ging erst nach Amsterdam, dann nach Köln und schließlich nach Mainz, wo er sich so sicher fühlte, dass er selbst eine Druckerei eröffnete, die ihm schon in der kurzen Zeit eines Jahrs reichliche Einnahmen brachte. Es war dies um 1442, wo er bereits das „Doktrinal“ des Alexander Gallus mit denselben Typen gedruckt und veröffentlicht haben soll, deren sich Coster in Haarlem bedient hatte.
Jedem, der mit dem Wesen der Buchdruckerkunst bekannt ist, muss es unbegreiflich erscheinen, wie ein solches Märchen nicht nur Glauben, sondern auch gläubige Verteidiger Jahrhunderte hindurch hat finden können. Ein Zusammentreffen von mancherlei Umständen führte zu diesem Resultat. Die leichtfertige Fälschung des Junius fand Boden in dem Nationalitätsgefühl der Holländer; ihre nächsten und eifrigsten Verbreiter aber waren Gelehrte, die wohl oberflächliche Begriffe haben mochten von den Hantierungen der Buchdrucker, keineswegs aber von den Grundbedingungen, auf welche hin allein die Herstellung eines Schriftsatzes und sein nachmaliger Abdruck möglich sind. Andernfalls würden sie wohl schwerlich für Typen aus Buchenrinde oder Buchenholz eingetreten seien. Manche von ihnen, welche die Schwächen der Juniusschen Fabel empfanden, haben versucht, diese zu ergänzen. Der Kampf für und gegen Coster ist zum Teil mit großer Erbitterung geführt worden; entscheidend trat aber erst van der Linde gegen die Haarlemer Ansprüche 1869 im "Nederlandschen Spectator" in einer Reihe von Aufsätzen auf, die er dann in verbesserter und erweiterter Form 1870 unter dem Titel: "Die Haarlemsche Coster- Legende" erscheinen ließ, auf die 1878 sein Hauptwerk: "Gutenberg, Geschichte und Erdichtung" (Stuttgart) folgte. Speziell Haarlem betreffend, weist er nach, dass das erste dort gedruckte Buch,das diese Stadt als Druckort und als Druckjahr 1485 trägt, "Dat leiden Jesu" war, der Drucker aber sich Jacob Bellaert von Zierikzee nannte. Die 32 Holzschnitte, die das Werkchen enthielt, waren schon ein Jahr vorher von Gerard Leeu zu Gouda zum Druck desselben Buches benutzt worden; ja, 1473 druckte bereits Dierik Martens zu Aalst in Flandern und Nicolaus Kettelaer und Gerhard de Leempt in Utrecht. Haarlem hat also nicht einmal das Recht auf den Anspruch, dass es die erste Stadt in Holland gewesen sei, die historisch nachweisbar eine Druckerei besessen habe. Das Zeugnis eines Buchbinders, Cornelis, zu gunsten Costers besteht nicht vor der historischen Kritik, ebenso wenig wie der im Museum zu Haarlem aufbewahrte Stammbaum eines gewissen Gerrit Thomaszoon, der ein Nachkomme Costers von mütterlicher Seite, seinem Beruf nach aber ein Gastwirt zu Haarlem gewesen sein soll. Genaue Nachforschungen in den Haarlemer Stadtarchiven und Kirchenregistern über die Person Costers haben nur gezeigt, dass um 1446 ein Mann dieses Namens zu Haarlem gelebt hat, der einen Verkaufsladen für Salz, Lichte, Öl, Seife etc. hielt, 1456 aber eine Gastwirtschaft begann und diese bis 1483 betrieb, worauf er von Haarlem wegzog, unermittelt wohin. Von dem Lourens Janszoon Coster, dem als Erfinder der Buchdruckerkunst zu Ehren man in Haarlem ein 1856 enthülltes Monument errichtet hat, ist nicht die leiseste historische Spur aufgefunden worden.
Gutenberg der Erfinder
Wann Gutenberg und wie er seine Erfindung begonnen, hat, lässt sich nicht mit Bestimmtheit festlegen.
Anfänge
Johannes Gensfleisch, nach seiner Mutter genannt zu Gutenberg, hatte vermutlich mit seinen Eltern Anfang der 20er Jahre des
15. Jahrhunderts seine Vaterstadt Mainz wegen der zwischen
Adligen und
Bürgern ausgebrochenen Unruhen verlassen müssen, hatte auch nicht Gebrauch gemacht von einer
1430 gewährten
Amnestie, sondern war in Straßburg geblieben. Bestimmtheit über seinen Aufenthalt gibt erst die durch ihm 1434 veranlasste Inhaftnahme des zufällig in Straßburg weilenden Mainzer Stadtschreibers. Sie erfolgte wegen einer ansehnlichen Zinsschuld, die der Magistrat von Mainz an Gudenberg oder Gutenberg, wie die neuhochdeutsche Schreibart lautet, zu zahlen sich weigert. Als die Mainzer Behörde Zahlung versprach, ließ Gutenberg sofort den Stadtschreiber in Freiheit setzen.
1439 wurde ein größerer Prozess verhandelt, gegen ihn angestrengt von den Erben eines Andreas Dritzehn, mit dem er, wahrscheinlich um
1435, einen Kontrakt abgeschlossen hatte, um ihn und Andreas Heilmann das Steineschleifen zu lehren. Und da Gutenberg
1437 auch mit einem Hans Riffe zum Betrieb des Spiegelmachens für die Heiltumsfahrt nach
Aachen in Geschäftsverbindung getreten war, so geht hieraus hervor, dass er besondere Neigung und Geschick in kunstindustriellen Berufszweigen besessen und darin einen bereits wohlbegründeten Ruf gehabt haben muss. Dass er sich damals schon mit der Idee seiner Erfindung der Buchdruckerkunst beschäftigt haben mag, scheint aus mehrfachen Aussagen der Zeugen in dem Prozess hervorzugehen. Die Erfindung der Drucklettern in derjenigen Form und Beschaffenheit, die allein ihre Zusammensetzung für den Druck ermöglichen, ferner die Erfindung einer entsprechenden Farbe für diesen Abdruck waren aber sicherlich kein Werk kurzer Hand, da ja nicht allein die Typen und die Farbe, sondern auch alles Werkzeug zu deren Herstellung erfunden und geschaffen werden musste. Es steht somit fast außer Zweifel, dass jene unklaren, wohl absichtlich verschleierten Aussagen in dem Dritzehnschen Prozess sich auf die ersten Anfänge der Buchdruckerkunst beziehen. Ob er sie jedoch wirklich dort ausübte, ist nicht sicher, obwohl der „Donatus“-Rest, der sich in der Nationalbibliothek zu Paris befindet als Straßburger Presserzeugnis Gutenbergs gilt .
Der Vertrag mit Fust
Durch Urkunden über seine Geldoperationen ist erwiesen, dass Gutenberg bis zum März
1444 in Straßburg gewesen ist. Von da ab bis
1448 fehlen jedoch alle Nachrichten. Die erste danach betrifft ein Darlehen, das er, nach Mainz zurückgekehrt, von einem Mainzer Verwandten, Arnold Gelthuß, empfangen hatte. Seine Mühen in Straßburg waren offenbar vergeblich gewesen, und mit dem Verlust des Vertrauens, das seine Freunde in ihn gesetzt hatten, waren auch Vermögen und Kredit verloren gegangen, so dass seine Rückkehr nach Mainz eher eine gezwungene als freiwillige gewesen sein mag. Hier hat er jedoch seine Versuche mit der Buchdruckerkunst sofort wieder aufgenommen. Dass sie schon weit gediehen sein mussten, beweist, dass es ihm sehr bald gelang, an dem reichen Mainzer Bürger Johann Fust eine Stütze zu finden. Er schloss mit diesem am 22. August 1450 einen Vertrag, wonach Fust dem Gutenberg ein Darlehen von 800
Gulden in Gold zu 6 Prozent Zinsen gab, dieser aber damit "das Werk vollbringen solle", während all sein Werkzeug dem Fust als Unterpfand dienen würde. Blieben sie nicht einig, so habe Gutenberg dem Fust die 800 Gulden wiederzugeben, sein Werkzeug aber sei dann hypothekenfrei. Außerdem sollte Fust jährlich 300 Gulden "für Kosten, Gesindelohn, Hauszins, Pergament, Papier, Tinte etc. " zahlen, eine Bedingung, die von diesem niemals erfüllt worden ist. Gutenberg, der mit Eifer an die "Vollbringung des Werkes" gegangen sein mag, sah seine Mittel noch vor Erreichung seines Ziels wieder schwinden und musste am 6. Dezember 1452 abermals 800 Gulden von Fust aufnehmen, die dieser ihm gewiss nicht gegeben hätte ohne Aussicht auf sicheren Erfolg.
Erste Drucke Gutenbergs
Gutenberg Bible.jpg]]
Was Gutenberg inzwischen geschaffen hat , ist nicht genau festzustellen. Vermutlich beschäftigte er sich mit Herstellung der Typen zu der 36zeiligen Bibel. Diese sind benutzt worden beim Druck eines „Donats“, dessen erhaltener Rest die handschriftliche Jahreszahl
1451 trägt, sowie sie auch neben einer anderen kleineren Type zum Druck von
Ablassbriefen, von denen noch eine ansehnliche Anzahl Exemplare erhalten sind, gedient haben. Dass diese nicht von Holztafeln gedruckt worden sein können, wird durch das Vorkommen eines umgekehrten Buchstabens in einem derselben unwiderleglich bewiesen.
Die Annahme, Gutenberg habe sich zuerst beweglicher Buchstaben aus Holz bedient, ist längst zurückgewiesen, weil deren Anwendung, ganz abgesehen von der ungeheuren und zeitraubenden Mühe des Schneidens jeder einzelnen der Tausende von Typen technisch unmöglich gewesen sein würde. Wahrscheinlicher ist, dass er zuerst die Typenstempel aus Holz schnitt, sie in Sand abformte und danach goss. Bald aber wird er auch von diesem unzulänglichen und langsamen Verfahren abgegangen sein und seine Stempel in möglichst hartes Metall geschnitten haben, die er dann durch Einschlagen in ein weicheres in Formen oder Matrizen umwandelte für den Guss der Typen. Die Regelmäßigkeit und Gleichmäßigkeit der Lettern der 36zeiligen Bibel spricht dafür. Der Schriftguss ist somit nicht minder eine Erfindung Gutenbergs als die der Druckpresse, denn vor ihm hatten sich die Formschneider und Briefdrucker, wie schon erwähnt, zur Herstellung ihrer einseitigen Drucke wahrscheinlich ausnahmslos des Reibers bedient. Die 36zeilige Bibel ebenso wie die 42zeilige und der Psalter von 1457 sind so vollendete Druckleistungen und zeigen ein so genaues Passen der Seiten aufeinander (Register), dass ihre Herstellung nur auf einer Druckpresse erfolgt sein kann. Auch die Druckfarbe, die bei den Holztafeldrucken vor Gutenberg meist in mattem Erdbraun erscheint, ist von ihm seinen Zwecken angepasst und vervollkommnet worden, so dass man behaupten darf, das Verdienst der Erfindung der Buchdruckerkunst gebühre in ihrem vollen Umfang ganz allein Gutenberg. Was seine Gegner und Nachfolger dem entgegensetzten, ist durch die Tatsachen widerlegt und harrt jeglicher Beweise.
Verlust der Druckerei an Fust
Sein Erfolg aber beschleunigte sein Verderben. Bald nach der Vollendung der 36zeiligen Bibel, von der vermutlich nur eine geringe Auflage gedruckt worden war, wurde der Druck einer anderen, ebenfalls in lateinischer Sprache, aber mit kleineren Typen, der heute als 42zeiligen bezeichneten, begonnen. Sie war indes noch nicht vollendet, als Fust mit der Forderung, Gutenberg solle ihm alle geliehenen Kapitalien nebst Zinsen zurückzahlen, an diesen herantrat. Der Umstand, dass Fust recht wohl wissen musste, die Rückzahlung sei Gutenberg gerade jetzt am wenigsten möglich, sowie die ganze Fassung des Kontrakts und die zaudernde Erfüllung desselben durch Fust hat diesen in den nur zu begründeten Verdacht gebracht, er habe es von Anfang an darauf angelegt, den für seine Erfindung begeisterten, in Geldsachen jedoch unpraktischen Gutenberg und mit ihm auch dessen Erfindung selbst ganz in seine Hand zu bekommen. Das gelang ihm denn auch vollkommen, nachdem er sich nach der anderen Seite vorsichtig gedeckt und in Peter Schöffer einen Ersatz für die technische Weiterführung an Stelle Gutenbergs verschafft hatte. Schöffer, ein aus Gernsheim gebürtiger Schönschreiber, mag in Gutenbergs Druckerei vielleicht nur als Illuminator und Rubrikator der fertig gedruckten Bogen, um die großen Anfangsbuchstaben an den freigelassenen Stellen nachzutragen, beschäftigt worden sein, vielleicht war er auch als Typenzeichner oder Setzer tätig. Als es Fust gelungen war, Gutenberg die Druckerei und alle fertigen Drucke aberkennen zu lassen, tritt Schöffer an dessen Stelle und wird schließlich Fusts Schwiegersohn. Im Oktober 1455 reichte Fust seine Klage, auf Rückzahlung von 2026 Gulden einschließlich
Zins und
Zinseszins lautend (er gab vor, selbst einen Teil des Geldes "bei
Christen und
Juden" aufgenommen zu haben), ein. Am 6. November erfolgte im großen "Refender" der
Franziskaner der Rechtsspruch, der Gutenberg zur Rechnungslegung und Zahlung verurteilte oder, wenn ihm letzteres nicht möglich, Fust in seine kontraktlichen Rechte einsetzte. Der unglückliche Erfinder mochte jetzt wohl zu spät die Perfidie seines Teilhabers durchschaut und diesem Mann gegenüber seine Rechte verloren gegeben haben, denn er war nicht selbst im Gerichtssaal erschienen, sondern hatte nur einen ihm befreundeten Pfarrer und zwei seiner Gesellen gesandt: "den Verlauf der Sache zu hören und zu sehen". Im Begriff, endlich die Früchte seiner jahrelangen Mühen einzuheimsen, wurden ihm diese auf eine zwar gesetzmäßige, aber sehr perfide und schmerzliche Weise entrissen.
Weiterarbeit
Gutenberg, obwohl fast 60 Jahre alt, blieb ungebrochenen Mutes, war ihm doch seine Erfindung gelungen. Dieser Umstand verschaffte ihm sehr bald anderweitige materielle Hilfe: Ein Konrad Humery, nach einigen Quellen ein Arzt, nach anderen "Pfaff und Jurist", wurde sein Geldgeber. Die Typen der 36zeiligen Bibel, wahrscheinlich nicht mit Fusts Geld geschaffen, scheinen in die neue Druckerei, die er jetzt gründete, mit hinüber genommen worden zu sein, und mit diesen oder gleichartigen druckte er zunächst kleinere undatierte Schriften, während er gleichzeitig an den Schnitt der kleineren Type ging, die zur Herstellung seines großen Werkes, des "
Catholicon" ("
Joannis de Janua summa quae vocatur Catholicon"), einer grammatisch-lexikalischen Kompilation, diente. Das Werk umfasst 748
Folioseiten zu 2 Spalten mit 66 Zeilen auf jeder derselben und trägt die Jahreszahl der Vollendung, 1460, aber nicht den Namen Gutenbergs, wie dieser überhaupt auf keinem seiner Drucke angetroffen wird, was sich nur durch die Annahme erklären lässt, dass entweder der Meister sich selbst genug war in seinem Schaffen und sein Erfolg ihm mehr galt als aller Beifall der Welt, oder - dass er sich nicht als Drucker öffentlich nennen durfte, wollte er sich nicht unbefriedigte
Gläubiger aus früheren Perioden auf den Hals locken und seine Tätigkeit abermals ernstlich gefährden.
Lebensabend
Bei der Erstürmung von Mainz am 28. Oktober
1462 durch
Adolf von Nassau, den Gegenbischof
Diethers von Isenburg, zu dem die Mainzer standen, ging die Fust und Schöffersche Druckerei in Flammen auf. Ob Gutenberg danach noch fortgefahren hat, in Mainz zu drucken oder ob er schon vorher seine Druckerei nach
Eltville im
Rheingau verlegt hat, wo der
Nassauer Hof hielt und wo sie dann seine Verwandten mütterlicherseits, Nikolaus und Heinrich Bechtermüntze, übernahmen, ist nicht historisch nachweisbar, ebenso wenig, was noch unter seiner eigenen Leitung gedruckt worden ist. Eine Anzahl kleiner Bücher wird ihm jedoch wahrscheinlich mit voller Berechtigung zugeschrieben.
Am 18. Januar 1465 trat Gutenberg in einen wohlverdienten Ruhestand; Kurfürst und Bischof Adolf von Nassau nahm ihn durch Dekret lebenslänglich als Hofdienstmann auf für den "angenehmen und willigen Dienst, den sein lieber getreuer Johannes Gutenberg ihm und seinem Stift geleistet". Gutenberg wurde hierdurch aller materiellen Sorgen für die Zukunft enthoben, genoss die ihm gewährte Ruhe indes nicht lange. In den letzten Tagen des Januars 1468 hat ihn der Tod abgerufen, wie aus dem erst 1876 wieder aufgefundenen Totenbuch des Dominikanerklosters zu Mainz, in dessen Kirche sich die Grabstätte des Geschlechts der Gensfleisch befand, hervorgeht. Das Grabmal selbst ist unentdeckt geblieben, da die Kirche 1793 bei der Beschießung von Mainz durch die Franzosen zerstört worden ist.
Nachfolger Gutenbergs
Die dem Humery verschrieben gewesene Druckerei Gutenbergs ging auf die Bechtermüntze über, von denen sie an die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens, die so genannten Kogelherren zu Mariathal in der Nähe Eltvilles kam, in deren Händen sie bis
1508 verblieb; in dem Jahr wurde sie von ihnen an Friedrich Hewmann, Buchdrucker im Kirschgarten zu Mainz, verkauft.
Nachdem 1455 Fust die Druckerei Gutenbergs an sich gebrach hatte, nahm er Peter Schöffer zum Teilhaber, und 1457 brachten sie das noch heute als außerordentliche Druckleistung anzuerkennende und berühmte Psalterium zustande, zugleich das erste Druckwerk, das Drucker und Druckort namhaft macht und Jahr und Tag des Erscheinens genau anführt. Der Text ist mit einer großen Missaltype gedruckt und mit prächtigen Initialen in zwei Farben geziert; die wenigen davon noch vorhandenen Exemplare gehören zu den größten typographischen Schätzen. Bereits am 29. August 1459 wurde eine zweite Auflage des Werkes vollendet. Schöffer veranstaltete 1490 eine dritte, 1502 eine vierte und sein Sohn Johann 1516 eine fünfte. Die späteren Ausgaben gleichen aber nicht an Vollendung der ersten, und dieser Umstand sowie der kurze Zeitraum, der zwischen der Veröffentlichung und dem erzwungenen Austritt Gutenbergs liegt, lässt schließen, dass der Erfinder selbst es war, der den Plan zu dem Psalter entwarf, die Vorarbeiten dazu ausführte und vielleicht einen Teil des Werkes auch selbst noch druckte; auch Charakter und Schönheit der Schrift sprechen für Gutenbergs Urheberschaft. Von den großen, in zwei Farben gedruckten Initialen, deren exakte Herstellung oft die Bewunderung Gelehrter und Sachverständiger erregt hat, ist indes neuerdings mit ziemlicher Gewissheit nachgewiesen worden, dass sie nicht auf die inzwischen übliche Weise des gleichzeitigen Zweifarbendrucks erzeugt worden sind, sondern dass man die Farben auf die in Metall geschnittenen Typen mit dem Pinsel gemalt und sie dann gleichzeitig mit dem vorher eingeschwärzten Text zum Abdruck gebracht hat. Von Fust und Schöffers größeren Druckwerken sind noch zu erwähnen das am 6. Oktober 1459 beendigte "Rationale Durandi", die "Constitutiones Clementis", datiert vom 25. Juni 1460, und eine lateinische Bibel vom 14. August 1462, gedruckt mit der Texttype der "Constitutiones". Alle diese Typen sind aber in Schnitt und Guss nicht so vollkommen wie die von Gutenberg hergestellten Schriften, was der lange gehegten Ansicht widerspricht, dass Schöffer erst die Erfindung Gutenbergs durch Verbesserung des Schriftgusses zur Vollendung gebracht habe, eine Ansicht, die in den die Wahrheit verschweigenden Schlussschriften Fusts und Schöffers und in der ruhmredigen Anmaßung Schöffers und seiner Nachkommen ihren Grund hatte. Von ihrer Tätigkeit nach der Erstürmung von Mainz ist aus den Jahren 1462-1464 wenig nachzuweisen, wenn auch aus der Anwendung der Bibeltype hervorgeht, dass die Druckerei bei dem Hausbrand nicht ganz zerstört worden sein kann. Erst die Jahre 1465 und 1466 bringen wieder größere Druckwerke: "Bonifacius VIII. liber sextus decretalium", "Cicero de officiis" und die "Grammatica vetus rhythmica". Fust aber war schon 1462 nach Paris gereist, um seine Bibeln dort zu verkaufen, hatte sehr zuvorkommende Aufnahme selbst beim König gesunden, dort ein Bücherlager angelegt und sich 1466 wieder dahin begeben, wo er wahrscheinlich im Spätsommer desselben Jahres an der Pest gestorben ist. Nach Fusts Tod blieb Schöffer an der Spitze der Druckerei und trat jetzt zum ersten Mal mit dem Anspruch auf Erfindung der Buchdruckerkunst in seinen Drucken auf, die erst durch seine Vervollkommnungen des Schriftgusses zur Vollendung gelangt sei. Seine Ansprüche zerfallen aber vor der kritisch-technischen Forschung, denn die von ihm geschnittenen und gegossenen Typen stehen an Zahl und Güte weit zurück hinter den Leistungen Gutenbergs in gleicher Richtung.
Weiter noch als der Anfang 1503 gestorbene Peter Schöffer gingen dessen Nachkommen in der Verleugnung Gutenbergs. Sein Sohn Johann folgte ihm in der Leitung der Druckerei, und sein Name erscheint zum ersten Mal in der Schlussschrift des "Mercurius Trismegistus" vom 27. März 1503. Der zweite Sohn, Peter, verließ 1512 Mainz und wanderte mit einer Druckerei zunächst nach Worms und dann nach Straßburg, wo er 1532 als Drucker erscheint. Dessen Sohn Ivo wurde 1531 Nachfolger seines Onkels Johann zu Mainz und setzte das Geschäft bis 1552 fort. Mit seinem Tod starb die Fust-Schöffersche Druckerfamilie aus, und die Druckerei kam durch seine Witwe an Balthasar Lips. Warum des Mainzer Johann eigener Sohn Johann, der nach Herzogenbusch in Holland gezogen war (dort sich Jan Janszoon nennend), nicht zurückkehrte zur Übernahme der väterlichen Druckerei, ist nicht aufgeklärt. Sieser Mainzer Johann aber hat durch seinw Lügen viel beigetragen zur Verwirrung der Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst, denn während Peter Schöffer doch noch Gutenberg als ersten Erfinder nicht wegzuleugnen wagte, wenn auch sich selbst als Verbesserer und Vollender der Buchdruckerkunst aufspielend, sagte Johann Schöffer schon 1509, sein Großvater Johann Fust sei der Erfinder gewesen. Und 1515, in dem "Breviarium historiae Francorum", wiederholte er diese Aufstellung sehr weitläufig, dabei vergessend oder wähnend, die Welt habe es vergessen, dass er in seiner Dedikation der dem Kaiser Maximilian gewidmeten "Römischen Geschichte" des Livius seinen Schirmherrn gebeten hatte, "dieses Buch anzunehmen, das gedruckt worden sei zu Mainz, der Stadt, wo die wunderbare Kunst des Buchdrucks zuerst erfunden wurde von dem kunstreichen Johann Gutenberg im Jahr 1450".
Ausbreitung der Erfindung
Deutschland
Die für Mainz so schreckensvolle Oktobernacht hatte den Bann gebrochen, der bis dahin die Buchdruckerkunst in den engen Mauern der rheinischen Stadt eingeschlossen hielt. Die Arbeiter, die man mit mittelalterlicher Geheimtuerei zum Schweigen und zum Verbleiben unter Fustscher Abhängigkeit verpflichtet hatte, erhielten durch die Erstürmung der Stadt und deren Folgen ihre Freiheit; sie schwärmten aus nach allen Seiten. In Deutschland besaßen vor 1462 außer Mainz allein Straßburg und Bamberg (im
oberdeutschen Sprachraum), wie schon nachgewiesen, Buchdruckereien. Die nächste erhielt Köln durch Ulrich Zell, der sich vermutlich sofort nach der Erstürmung von Mainz dorthin gewandt und zu drucken begonnen hat, wenn auch der erste bekannte und datierte Druck Zells erst aus dem Jahr 1466 stammt. Köln wurde auch der Ausgangspunkt für die Verbreitung der Druckerei im
niederdeutschen Sprachraum nach den Niederlanden und
Norddeutschland. Eltville, das Gutenbergs Druckerei erhielt, gehörte zu Mainz und kann deshalb kaum als selbständiger Druckort genannt werden. 1468 aber druckte man zu Augsburg (Günther Zainer),
Lübeck (
Lucas Brandis) und
Pilsen (in
Böhmen). 1470 erhielt
Nürnberg seinen Johann Sensenschmid, der anfänglich den Mainzer Heinrich Keffer zum Teilhaber hatte. Sensenschmid siedelte, wahrscheinlich um 1480, nach Bamberg über, wo nach Pfister bis dahin kein Drucker gewirkt zu haben scheint In Nürnberg aber druckten 1472-75 der
Mathematiker Regiomontanus und 1473-1513 Anton Coberger oder Koburger, der nach der großen Ausdehnung seines Geschäfts und der Trefflichkeit seiner Arbeiten "der König der Buchdrucker" genannt wurde.
Druckereien erschienen ferner: 1471 zu Speyer, 1473 zu Eßlingen, Laugingen, Merseburg und Ulm, 1475 zu Blaubeuren, Breslau, Burgdorf, Lübeck und Trient, 1476 zu Rostock (Johann Snell), 1478 zu Eichstätt und Prag, 1479 zu Würzburg, wohin der Bischof Rudolf von Scherenberg den Eichstätter Buchdrucker Georg Reyser berufen hatte, dessen erstes dort gedrucktes Werk, das "Breviarium Dioc. Herbipolensis", auch das erste durch einen Kupferstich illustrierte Werk in Deutschland war. Leipzig erhielt erst 1481 seine erste Druckerei durch Andreas Friesner, ehemals Teilhaber und Korrektor Sensenschmids zu Nürnberg. Wiens erste Drucke tragen das Datum 1482, indes ohne Namen des Druckers; als erster gilt Johann Winterburger aus Winterburg bei Kreuznach. Im gleichen Jahr druckte in München zuerst Johann Schauer; auch in Erfurt und Passau hielt 1482 die Druckerpresse ihren Einzug, ein Jahr darauf in Magdeburg, 1485 in Heidelberg und Regensburg, 1486 in Stuttgart, Münster, Brünn und Schleswig, 1491 in Hamburg. Obwohl eine Anzahl größerer deutscher Städte, in denen die Buchdruckerkunst später zu hervorragender Entwicklung gelangte (Frankfurt am Main, Wittenberg, Dresden, Berlin u.a..), erst mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts Druckereien erhielten, waren am Schluss des 15. Jahrhunderts Gutenbergs Erfindung und ihre Erzeugnisse doch schon überall bekannt und durch das ganze Deutsche Reich verbreitet.
Italien
Mit noch größerer Schnelligkeit breitete sie sich in
Italien aus. Schon 1480, wo es in Deutschland erst 23 Städte mit tätigen Buchdruckereien gab, zählte Italien deren 40. Die erste wurde errichtet im Kloster zu
Subiaco 1464 durch Arnold Pannartz und Konrad Sweynheym, deren berühmtester Druck der "Lactantius" ist. 1467 verlegten sie ihre Druckerei nach
Rom. Hier hatte sich bereits Ulrich Hahn (Ulricus Gallus) niedergelassen, sein erster Druck trägt die Jahreszahl 1467. Die Zahl der Druckereien in Rom nahm bald so zu, dass es bis 1500 schon 37 Drucker gab, darunter 25 Deutsche. . Noch großer war im gleichen Zeitraum die Zahl der Druckereien zu
Venedig, wo 1469 Johann von Speier (Johannes de Spira) die Buchdruckerkunst einführte, bald gefolgt von Nikolaus Jenson aus
Tours, dem Schöpfer der
Antiquatype, und von dem durch seine klassischen Ausgaben, die sogenannten
Aldinen, berühmt gewordenen
Aldus Pius Manutius. In
Mailand druckte zuerst 1469 Filippo de Lavagna; anfänglich mit ihm, von 1471 allein Antonio Zaroto, bald auch Waldarfer aus Regensburg.
Foligno,
Verona,
Treviso,
Bologna,
Ferrara,
Neapel,
Florenz,
Cremona,
Messina sahen in denselben Jahren die ersten Drucke neben noch vielen anderen, weniger bedeutenden italienischen Städten, wobei die auffallend große Zahl der Deutschen, die überall die Buchdruckereien gründeten und zuerst betrieben, am eindrucksvollsten die Erfindung selbst als eine deutsche bezeichnet. Die erste vollständige
arabische Druckerei in Italien wurde auf Kosten des
Papstes
Julius II. von Gregor Gregorio aus Venedig zu Fano errichtet.
Frankreich
Frankreich, das schon 1458 auf Gutenbergs Erfindung aufmerksam geworden war und Jenson nach Mainz gesandt hatte, damit er die Buchdruckerkunst erlernte, auch Fust schon 1462 mit seinen Erzeugnissen auf dem Markt von Paris sah, erhielt seine ersten Pressen doch erst 1470.
Johannes Heynlin, genannt von Stein (Jean de la Pierre, Lapidarius) nach seinem Geburtsort in der Nähe von Konstanz, und
Guillaume Fichet, Lehrer der
Sorbonne, beriefen die Typographen Ulrich Gering, Martin Crantz und Michael Friburger (von Kolmar) nach Paris, wo sie in der Sorbonne eine Werkstätte errichteten und 1470 mit "
Gasparini Pergamensis epistolarum opus" den ersten Pariser Druck lieferten. Diesem folgte eine lateinische Bibel, doch scheint bald eine Trennung der drei Drucker stattgefunden zu haben, denn 1478 druckte Gering allein und hatte später als Mitarbeiter Wilhelm Maynyal und Bartholomäus Remboldt. Die zweite Buchdruckerei in Paris errichtete Petrus Caesaris (Kaiser). Zur Zeit von Gerings Tod (1510) aber gab es dort schon mehr als 20. Gilles Gourmont war der erste, der
griechische und
hebräische Werke druckte (1507-1508). Die namhaftesten Buchdrucker von Paris und Frankreich gingen im Lauf der Jahrhunderte hervor aus den Familien Badius, Stephanus (Etienne), Wechel und Didot. Die Staatsbuchdruckerei in Paris, 1640 unter
Ludwig XIII. gegründet, hat viel beigetragen zur Entwicklung der Buchdruckerkunst in Frankreich; doch nahm diese keine so rascher Verbreitung über das Land, wie es in Deutschland und Italien der Fall gewesen ist. Guillaume le Roy und Buyer waren 1473 die ersten Drucker in
Lyon. Es folgten dann
Angers (1477),
Chablis (1478),
Toulouse und
Poitiers (1479),
Caen (1480) u. a. in den darauf folgenden Jahren.
Holland und Belgien
Holland und
Belgien haben aller Wahrscheinlichkeit nach die Buchdruckerkunst von
Köln aus erhalten, und zwar ist der erste durch vorhandene Drucke mit Jahreszahl und Druckername nachgewiesene Druckort
Aalst in Ost
flandern, wo Dierick Martens (Theoderich Maertens) von 1473 bis 1476 tätig war. Er verwandte zuerst eine eigentümliche holländisch-gotische Type mit vielen Ecken und scharfen Kanten und ersetzte sie erst später durch eine mit abgerundeten Formen . Zwar soll schon vor ihm Johann von Westphalen, der 1474 als erster Drucker in
Löwen erscheint, zu Aalst gedruckt haben; doch fehlen hierfür authentische Beweise.
Utrecht aber hat unstreitig die begründetsten Ansprüche, als erster Druckort in Holland betrachtet zu werden, da, wie neuere Forschungen ergeben haben, angenommen werden darf, dass hier alle die Drucke entstanden sind, auf welche die Holländer ihre Ansprüche für Coster gründeten. Zwar trägt keiner dieser Drucke Namen und Jahr, doch weisen gewichtige Momente auf 1471 hin, und der Umstand, dass die Holzschnitte des "Speculum salutis", des Hauptwerks des unbekannten Druckers, von dem 1478 zu Utrecht arbeitenden Drucker Johannes Veldener ebenfalls benutzt worden sind, nach ihm aber verschwinden, scheint auch dafür zu sprechen. Die Drucke dieses unbekannt gebliebenen Druckers sind weniger Vorläufer der Buchdruckerkunst als vielmehr Erzeugnisse eines ungeübten Buchdruckers, der allem Anschein nach von Haus aus nur Formschneider und Holztafeldrucker war und die geringe Kenntnis von der Buchdruckerei, die er haben mochte, praktisch zu verwerten suchte, so gut er konnte, ein Umstand, der auch das Fehlen von Druckernamen und Druckort auf allen seinen Arbeiten erklärlich erscheinen lässt. Von den namhaften Städten der Niederlande erhielten die ersten Buchdrucke: 1475
Brügge, Colard Mansion; 1476
Brüssel (Brüderschaft vom gemeinsamen Leben); 1477
Gouda, Gerard Leeu;
Deventer, Richard Paffroad, und
Delft, Jacob Jacobzoon; 1482
Antwerpen, Matt. van der Goes. Haarlem erscheint 1483 erst als 21. Stadt der Niederlande, die in Jacob Bellaert einen Buchdrucker erhielt. In Antwerpen gelangte die Buchdruckerkunst im 16. Jahrhundert zu hoher Blüte durch Christoph Plantin, dessen Druckerei als "achtes Weltwunder" die Augen der ganzen gelehrten Welt auf sich zog. Sie ist durch drei Jahrhunderte in den Händen seiner Familie und Nachfolger geblieben und bildet, nachdem sie in das Eigentum der Stadt übergegangen ist, das ganz eigenartige Musée Plantin.
Amsterdam, das erst 1500 die erste Druckerei erhielt, hat später neben
Leiden als Druckplatz Berühmtheit erlangt durch die an beiden Orten von 1592 bis 1680 blühende Druckerfamilie Elzevir .
England, Schottland, Irland
Nach
England wurde die Buchdruckerkunst aus Köln und Brügge gebracht durch William Caxton, ein hervorragendes Mitglied der Kaufmannsgilde von
London. Sein Beruf hatte ihn nach Brügge geführt, ob er aber hier oder in Köln oder im Kloster Weidenbach bei Köln die Buchdruckerkunst erlernte, ist eine ebenso offene Frage wie die, wo das erste Buch in englischer Sprache, die von Caxton übersetzte
Sagensammlung "Recueil des histoires de Troyes", von ihm um 1471 gedruckt worden ist. Im Jahr 1477 war er bereits nach London zurückgekehrt und druckte hier als erstes Buch "The dictes and sayings of the philosophers" im Bezirk der Abtei von
Westminster. Mit ihm gleichzeitig (1480 und 1481) druckten in London John Lettou, William Machlinia (Wilhelm von Mecheln, 1481-83) und als Caxtons Nachfolger der Lothringer Wynkyn de Worde. In
Oxford druckte zuerst 1478 der Kölner Theoderich Rood oder Rudt. In der Abtei von St. Albans arbeitete 1480-86 ein unbekannt gebliebener Drucker, der sich selbst nur als "Schulmeister von St. Albans" bezeichnet hat. Alle übrigen namhaften Städte Englands erhielten erst im 16. Jahrhundert oder später Buchdruckereien.
In Schottland hielt die Buchdruckerkunst 1507 ihren Einzug; Walter Chepman und Andrew Millar waren die ersten Drucker der schottischen Residenz.
In Irland druckte 100 Jahre nach der Erfindung, 1551, zuerst Humphrey Powell.
Finnland
Erstes Buch
Finnlands ist das von dem
Lübecker
Inkunabel-Drucker
Bartholomäus Ghotan hergestellte
Missale Aboense.
Schweiz
Als erster Druckort der
Schweiz galt lange der Flecken
Beromünster im
Aargau (1470) und als erster Drucker Helias Helye, Kanonikus des Stifts daselbst. Das erste, am 10. November 1470 von ihm vollendete Buch war der "Mammotrectus" des Marchesino da Reggio, eine Art Wörterbuch zur Erläuterung der Bibel. Im 19. Jahrhundert ist jedoch nachgewiesen worden, dass der erste Druck von
Basel vor das Jahr 1468 zurückzudatieren ist, wie denn auch in den Unterlagen der Universität Basel bereits Anfang der 60er Jahre des 15. Jahrhunderts eine Anzahl Männer verzeichnet sind, die später als Buchdrucker tätig waren, unter ihnen Ulrich Gering, einer der drei ersten 1469 nach Paris berufenen Buchdrucker. Als erster Drucker wird Berthold Ruppel oder Rippel von Hanau genannt, ein Schüler Gutenbergs und einer der beiden "Druckerknechte" (Bertolff von Hanauve), die von ihm gesandt worden waren, damit sie den Verhandlungen des Fustschen Prozesses gegen ihn im großen "Refender" beiwohnten. Es ist aber nur ein einziger Druck von ihm vorhanden, der seinen Namen und Basel, wo er das Bürgerrecht erworben hatte, als Druckort trägt: das "Repertorium vocabulorum" des Magister Konrad von Mure. In
Genf druckte zuerst 1478 Adam Steinschauwer aus Schweinfurt. Der erste Druck zu
Zürich datiert von 1504; besondern Ruf als Druckort erlangte es durch Christoph Froschauer (1519-64). Die Ausbreitung der Buchdruckerkunst schritt in der Schweiz während des 16. Jahrhunderts nicht allzu rasch vorwärts; sie gelangte nicht eher als 1577 nach
Schaffhausen, 1578 nach
St. Gallen, 1585 nach
Freiburg im Üechtland. Und
Einsiedeln, das im 19. Jahrhundert die größte Druckerei der Schweiz besaß, die den Gebrüdern
Benziger gehörte, erhielt die erste Druckerei wie zahlreiche andere Schweizer Orte erst im 17. Jahrhundert, 1664.
Spanien und Portugal
Wie in Italien, so waren auch in
Spanien Deutsche die Apostel von Gutenbergs Erfindung. Eine zu Ehren der heiligen Jungfrau 1474 in
Valencia gedruckte Sammlung von 36 Gedichten gilt als frühestes in Spanien gedrucktes Buch. Doch erst vier Jahre später, 1478, gibt es einen Druckernamen, Lambert Palmart (1476-94), am Schluss einer in limousinischer Übersetzung erschienenen Bibel. In
Saragossa druckte 1475 Matthias Flander, mit Paul Hurus aus Konstanz als nächstem Nachfolger; in
Sevilla waren 1477 drei Spanier die ersten Drucker, denen drei Deutsche folgten. Auch in
Barcelona druckten 1478 Deutsche die ersten Bücher.
Granada sah 1496 seine ersten Drucker in Meinrad Ungut und Hans Pegnitzer aus Nürnberg Pegnitzer hatte schon vorher in
Sevilla gedruckt. In
Madrid hielt im Jahr 1500 die Buchdruckerkunst ihren Einzug; begünstigt vom Hof, gedieh sie bald zu hoher Blüte.
In Portugal wurde die Buchdruckerkunst durch Juden eingeführt; 1489 druckten zu Lissabon Rabbi Zorba und Raban Eliezer des Rabbi Mosis Machmonides hebräischen Kommentar zum Pentateuch und zwar mit rabbinischen Typen. Lateinische und portugiesische Bücher druckten erst 1495 Nikolaus aus Sachsen und Valentin aus Mähren. Druckereien erhielten Leiria 1492, Braga 1494, Coimbra 1536, Viseu 1571 und Porto erst 1622.
Ungarn, Polen, Russland
Nach dem Osten hin hatte 1472 die Buchdruckerkunst freundliche Aufnahme gefunden zu
Ofen in
Ungarn durch dessen König Matthias Corvinus, wo der Deutsche Andreas Heß auf Kosten des Hofs die "Chronica Hungarorum" druckte. Doch volle 60 Jahre vergingen, ehe eine zweite Druckerei in Ungarn und zwar 1534 zu
Kronstadt gegründet wurde. Danach schritt die Ausbreitung rascher vorwärts, und noch vor Ablauf des Jahrhunderts besaß eine ansehnliche Zahl ungarischer Städte Buchdruckereien.
In Polen wurde die erste Buchdruckerei 1491 zu Krakau gegründet durch Swaybold Frank, angeblich ein Schüler Koburgers in Nürnberg. Jüdische Typographen druckten hier von 1517 an mit Erfolg, wie überhaupt die Juden und die Jesuiten sich in Polen, Litauen und Galizien Verdienst erworben haben um Ausbreitung und Förderung der Buchdruckerkunst. In Lemberg war 1593 der erste Drucker Matthias Bernhart. Warschau, wo 1580 ein fahrender Drucker vorübergehend tätig gewesen war, erhielt erst 1625 eine ständige Buchdruckerei.
Russlands erste Druckerei soll 1493 zu Tschernigow tätig gewesen sein, doch fehlen nähere Daten hierüber. Moskau erhielt seinen ersten Drucker durch einen Machtspruch des Zaren Iwan des Grausamen. Er befahl im Jahr 1563 Iwan Fedorow, bis dahin Diakon an einer der Kremlkirchen, "von handschriftlichen Büchern Abdrücke zu machen, da dadurch infolge der schnelleren Arbeit und des geringeren Preises es jedem rechtgläubigen Christen möglich werde, gerecht und ungestört die heiligen Bücher zu lesen und laut denselben zu reden und zu handeln". Ob Fedorow schon vorher die Druckkunst betrieben hat, ist unbekannt. Das erste vollendete Druckwerk, eine Apostelgeschichte, trägt jedoch bereits das Datum vom 1. März 1564. Der kaiserliche Drucker musste aber bald flüchten vor den Verfolgungen der Abschreiber und gelangte nach mancherlei Schicksalen nach Ostroh in Wolhynien, wo er den Druck der ersten Bibel in russischer Sprache 1583 vollendete. Zu lebhafterer Entwicklung gelangte die Buchdruckerkunst in Russland erst unter Peter dem Großen, der in Holland Schriften schneiden und gießen ließ und 1704 die Synodalbuchdruckerei von Moskau errichtete, 1707 auch den Buchdruckereibetrieb, bisher Staats- und Kirchenmonopol, den Privaten freigab. Sankt Petersburg erhielt Pressen 1710 sofort nach seiner Gründung; der Zar ließ sie von Moskau herbeischaffen. Die Nr. 1 der "Petersburger Zeitung" trägt das Datum des 11. Mai 1711, das erste Buch wurde 1713 vollendet. In Riga druckte 1588 ein vom Magistrat aus Deutschland berufener Drucker, Nikolaus Mollin. In allen anderen russischen Städten und Klöstern wurde die Buchdruckerkunst nicht vor dem 17. Jahrhundert geübt.
Skandinavien
Der skandinavische Norden zeigte sich infolge der verhältnismäßig hohen unter dem Volk verbreiteten Bildung zur Aufnahme der Buchdruckerkunst gut vorbereitet.
In Schweden druckte bereits 1474 ein fahrender Buchdrucker in Stockholm. Johann Snell, ein Lübecker, legte 1483 die erste ständige Buchdruckerei an. 1486 ließ sich der ebenfalls aus Lübeck kommend der Drucker Bartholomäus Ghotan erstmals in Stockholm mit eigener Offizin nieder. 1495 druckte man im Kloster Vadstena, 1510 zu Uppsala, aber nicht vor 1663 in dem alten Lund.
Norwegens erste Druckerei arbeitete Mitte des 16. Jahrhunderts in Trondheim, Oslo sah die erste 1644.
In Dänemark soll die Buchdruckerkunst 1482 durch denselben Johann Snell, der sich ein Jahr später in Stockholm niederließ, zu Odense auf Seeland Eingang gefunden haben. In Kopenhagen druckte Gottfried von Ghemen 1490 einen Donat.
Auf Island ließ 1531 Bischof Jens Areson zu Holum durch den Schweden Matthiesson das "Breviarium Nidorosiense" drucken. 1584 erschien, gedruckt von Hans Jensen, die erste Ausgabe der isländischen, mit Holzschnitten illustrierten Bibel.
In Grönland wurde die erste Buchdruckerei um 1860 in der Herrnhuter Kolonie Godthaab errichtet.
Türkei und Griechenland
In der
Türkei und in
Griechenland waren es Juden, welche die Buchdruckerkunst, die
Sultan Bajesid II. 1483 bei Todesstrafe verboten hatte, 1490 im Verborgenen ausübten.
Ahmed III. gab endlich 1727 die Erlaubnis zur Anlegung einer Druckerei in
Istanbul, für die der unermüdliche Förderer derselben, Ibrahim Efendi, selbst nach aus Leiden in Holland bezogenen Mustern die Typen goss.
In Smyrna hatten bereits 1658 Juden gedruckt, desgleichen schon 1515 zu Saloniki, 1554 zu Adrianopel und 1552 in Belgrad. Im eigentlichen Griechenland druckten im 16. Jahrhundert ebenfalls wandernde Juden. Nicht früher als 1817 wurde eine Druckerei auf Korfu gegründet. In Athen war die erste Presse ein Geschenk des Lords Stanhope. Nauplia erhielt von Ambroise Firmin Didot eine ganze Druckerei geschenkt, und zu Missolunghi richtete Lord Byron während der Belagerung eine Druckwerkstätte ein.
Asien
In den außereuropäischen Ländern trug zur Verbreitung der Buchdruckerkunst das
Missionswesen wohl ebenso viel bei wie
Handel und
Wissenschaft.
In China und Japan waren es Missionare, die sich zuerst der Erfindung Gutenbergs bedienten; auch in Goa war dies der Fall in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Und nach Trankebar sandte eine Londoner Missionsgesellschaft 1569 eine vollständige Druckerei und gelernte Arbeiter; Rangun, Singapur, Malakka erhielten Druckereien durch Missionare. Nach Kalkutta gelangte eine Druckerei erst 1778 durch den Sanskritforscher Charles Wilkins. In Madras druckte man bereits sechs Jahre früher, und Bombay sah 1792 Drucker in seinen Mauern tätig. Von den Philippinen soll Manila schon 1590 die Buchdruckerkunst aufgenommen haben; in Batavia erschien der erste Druck 1668, auf Ceylon 1737, auf Sumatra 1818. In Persien wurden erst 1820 zwei Druckereien, in Teheran und Tebriz, errichtet. In Syrien waren es vor allem die Klöster des Libanon, in denen der Buchdruck ausgeübt wurde; doch schon im 16. Jahrhundert sollen Juden in Damaskus gedruckt haben. Ein Meister der Kunst war der melchitische Priester Abdallah Ben Zacher im Kloster Mar-Hanna, der 1732 seine Typen selbst schnitt und goss und seine Pressen baute wie die Prototypographen des ersten Jahrhunderts der Erfindung.
Von den asiatisch-russischen Städten erhielten Druckereien: Tiflis 1701, Sarepta 1808, Astrachan 1815, Kasan Anfang des 19. Jahrhunderts, 1808 aber eine Anstalt für den Druck des Türkischen, für die Bedürfnisse der islamischen Tataren. Auch in den größeren sibirischen Städten hat die Buchdruckerkunst Eingang gefunden; Tomsk, Jenissejsk und Irkutsk druckten gegen Ende des 19. Jahrhunderts Gouvernementszeitungen und für die Bedürfnisse der Verwaltung, ebenso Blagoweschtschensk am Amur und Taschkent in Zentralasien (Usbekistan).
Amerika
In Amerika war es
Mexiko, dessen Hauptstadt
Mexiko-Stadt die erste Druckerpresse sah; der Deutsche Johann Cromberger druckte dort 1544. Jesuiten druckten 1585 in
Peru in
Lima, 1612 in
Puebla sowie um dieselbe Zeit in
Quito. Und auch
Brasilien mag damals Druckerpressen tätig gesehen haben, obwohl ältere Drucke von dort nicht bekannt sind und die frühesten nicht über den Anfang des 19. Jahrhunderts zurückgehen.
Buenos Aires erhielt die erste Druckerei 1789,
Montevideo 1807,
Valparaíso 1810,
Santiago de Chile 1818. In
Westindien druckte man bereits im Anfang des 17. Jahrhunderts auf
Haiti.
In den britischen Kolonien Nordamerikas erhielt Halifax 1766 die erste Presse; auch in Quebec wurde bereits vor Beginn des Unabhängigkeitskrieges gedruckt. Von den jetzigen Vereinigten Staaten erhielt Massachusetts die erste Presse. Ein Prediger, Glover, hatte den Druckapparat von England mitgenommen, starb jedoch während der Überfahrt, und es blieb seiner Witwe vorbehalten, ihn in Cambridge 1638 aufzustellen. Die Leitung der Druckerei übernahm John Daye, 1649 gefolgt von seinem Gehilfen Samuel Green. Philadelphia erhielt durch W. Bradford 1686 eine Presse; der zweite Drucker dort war Samuel Keimer, bekannt als Brotherr Benjamin Franklins. Franklin selbst, der berühmteste aller Buchdrucker nach Gutenberg, hat keine in typographischer Hinsicht ausgezeichneten Drucke geliefert; nur der ausgedehntesten Verbreitung von Kenntnissen und der Volksbildung dienten seine Pressen. Germantown sah 1735 als ersten Drucker den Deutschen Christoph Sauer, der zuerst eine deutsche Zeitung, dann 1743 eine deutsche Bibel druckte. Er gründete auch die erste Schriftgießerei in Amerika. W. Bradford, aus Philadelphia durch Pietisten vertrieben, übersiedelte er 1693 nach New York, gründete auch hier die erste Buchdruckerei und hatte Anteil an der Begründung der zweiten Papiermühle Amerikas, nachdem er sich schon vorher an der ersten beteiligt hatte. Die Schöpfung der "New York Gazette" (1728) war auch sein Werk. Nach Beendigung des Freiheitskriegs, verbreitete sich die Buchdruckerkunst im 18. Jahrhundert über einen großen Teil der Unionsstaaten; doch hatte sie auch schon während desselben die Sache der Freiheit mächtig gefördert. Den Mississippi, dem "fernen Westen" zu, überschritt die Buchdruckerkunst erst im 19. Jahrhundert Jahrhundert. *] erhielt erst 1846 seine ersten Pressen zu San Francisco, Oregon 1853 und die Vancouverinsel 1858. Und zuu New Echota in Arkansas gab 1828 der Cherokeehäuptling Seequah-yah den"Cherokee Phoenix" heraus in englischer und Cherokeesprache, wofür er selbst ein Alphabet von 85 Zeichen erfunden hatte.
Afrika
In Nord
afrika hielt die Buchdruckerkunst ihren Einzug unter der Fahne
Napoleons, der 1798 die erste Presse in
Kairo errichtete; auch
Alexandria erhielt damals eine Buchdruckerei, und selbst aus dem Dorf
Gizeh sind Drucke von 1800 und 1801 bekannt. Mehemed Ali gründete 1822 zu Bulak (Kairo) eine Buchdruckerei, die später auch mit einer Schriftgießerei ausgestattet worden ist.
Algerien hat nach der Eroberung durch die Franzosen 1830 zahlreiche Buchdruckereien erhalten.
Westafrika aber soll schon unter den
Portugiesen im 16. Jahrhundert (
San Salvador und
Luanda) mit Druckereien versehen worden sein. In
Kapstadt gründeten 1806 englische Missionare eine Buchdruckerei. Der Osten Afrikas erhielt wie der Westen seine ersten Druckwerkstätten von den Portugiesen, die zu
Melinde und
Mosambik schon frühzeitig
Schul- und Andachtsbücher herstellen. Der älteste bekannte afrikanische Druck vom Jahr 1583 stammt aus
Angra auf der
azorischen Insel
Terceira. Druckereien erhielten auch die Inseln
Bourbon 1821,
Mauritius 1833,
Madagaskar, wo englische Missionen um 1825 druckten, nachdem sie vorher die Sprache der
Hova orthographisch festgestellt hatten. Und selbst
St. Helena gelangte zu einer Presse während der Gefangenschaft Napoleons I. .
Australien, Neuseeland, Pazifikraum
Nach
Australien sandte 1795 die englische Regierung die erste Druckerei, erster Drucker war einer der dorthin verbannten
Sträflinge. Die erste Privatdruckerei gründete 1802 zu
Sydney George Howe, ein
Kreole aus Westindien. Aus ihr ging auch 1803 die erste australische Zeitung "Sydney Gazette and New -South -Wales -Advertiser", hervor.
Tasmanien sah 1818 in seiner Hauptstadt
Hobbarttown die erste Buchdruckerei.
Neuseeland besitzt zu Wellington, Dunedin und in anderen Städten gute Buchdruckereien und zahlreiche Zeitungen.
Auch die Inseln Hawaii (1821), Maui (1836), Tahiti (1818), Neukaledonien und Fidschi hat Gutenbergs Erfindung im 19. Jahrhundert erobert und damit ihren Gang um die Welt vollendet.
Buchdruck und Zivilisation
Die Buchdruckerkunst hielt und hält stets gleichen Schritt mit dem Fortschreiten der Zivilisation, deren mächtigster Hebel sie bis zur Erfindung der Telekommunikation, des Computers und des Internets war. Aber nicht nur die Fortschritte der Zivilisation, auch deren Rückgang, wenn er sich über weite Länderstriche erstreckte, hat sie beeinflusst. Vor allem die Kriege des 17. Jahrhunderts veranlassten einen empfindlichen Niedergang der Buchdruckerkunst ganz besonders in Deutschland. Die Erzeugnisse aus jener Zeit sind der rohesten Art. Erst das 18. Jahrhundert brachte wieder Besserung, und eine neue Blüte begann 1740 mit dem dritten Jubiläum der Erfindung , einerseits gefördert durch den Aufschwung des literarischen Lebens, anderseits durch das Auftreten tüchtiger Techniker auf dem Gebiet der Buchdruckerkunst, durch das Wiederaufleben des Holzschnittes , durch Erfindung der
Stereotypie und der
Galvanoplastik und im 19. Jahrhundert durch die
Photographie mit ihrer unendlich ausgedehnten Anwendung im Buchdruck. Die Erfindung der
Schnellpresse durch den Deutschen Fr. König schuf die Möglichkeit zur vollen Ausnutzung aller dieser von der Wissenschaft gewährten Hilfsmittel und so ist die Buchdruckerkunst am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Vollkommenheit der Leistungen sowohl in Bezug auf Schnelligkeit als auf Schönheit gelangt, die sie niemals zuvor auch nur annähernd erreicht hatte.
Buchdruck im 20. und 21. Jahrhundert
Der Buchdruck, so wie Gutenberg ihn erfunden hatte, hielt sich bis etwa
1930 in fast unveränderter Form. Zwar wurden neue Schriften geschnitten (zum Beispiel
Baskerville,
Bodoni,
Futura), doch änderte sich nichts an der Art der Arbeit.
Im 20. Jahrhundert wurde die Arbeit des Setzers mechanisiert. Die Monotype, eine automatische Schriftgießmaschine, die einzelne Lettern nach einem Gießzettel goß, und die Linotype (sie goss ganze Zeilen), veränderten den Ablauf, aber nicht das Prinzip der Bleilettern-Technik. Erst um 1960 gab es fotomechanische Umsetzungen der Technik - den Fotosatz.
Heute (Stand 2005) werden Bücher vorwiegend im Offsetdruck produziert; dieser bekommt aber in letzter Zeit Konkurrenz durch die nächste Generation: den Digitaldruck. Während beim Offsetdruck noch Druckplatten (Druckvorlagen) produziert werden, verzichtet man bei Digital-Druckverfahren völlig auf die Herstellung von Druckvorlagen. Diese Techniken schaffen die Voraussetzungen für das "Book on demand".
Siehe auch
Literatur
Neue Literatur
- Peter Kornicki: The Book in Japan. A Cultural History from the Beginnings to the Nineteenth Century. Brill, Leiden 1998
- Venzke, Andreas: Johannes Gutenberg - Der Erfinder des Buchdrucks und seine Zeit. München 2000
- Endymion Wilkinson: Chinese History. A Manual. Harvard University Press, Cambridge (Massachusetts), London; 2000 (S.449ff)
Ältere Literatur
- A. Mayer: Wiens Buchdruckergeschichte, 1482-1882. Wien 1883-86, 2 Bde.
- Bigmore und Wyman: Bibliography of printing. London 1880-84, 2 Bde.
- Blades: The biography and typography of William Caxton (2. Aufl.). London 1878
- Butsch: Die Bücherornamentik der Renaissance: Leipzig 1878
- Faulmann: Illustrierte Geschichte der Buchdruckerkunst. Wien 1882
- Lorck: Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Leipzig 1882-83 (2 Bde.)
- Mackellar: The American printer (8. Aufl.). Philadelphia 1878
- Muther: Die deutsche Bücherillustration der Gotik und Frührenaissance, 1460-1530. Leipzig und München 1884, 2 Bde.
- Th. Goebel: Friedrich König und die Erfindung der Schnellpresse. Stuttgart 1883
- van der Linde: Gutenberg, Geschichte und Erdichtung. Stuttgart 1878
Historische Zeitschriften
- "Journal für Buchdruckerkunst" (Braunschweig, seit 1834)
- "Archiv für Buchdruckerkunst" (Leipzig, seit 1863)
- "Österreichische Buchdruckerzeitung" (Wien)
- "Schweizer Typographische Mitteilungen" (St. Gallen)
- "Imprimerie", "Typologie Tucker", "Bulletin de rimprrmerie et delalibrairie" (Par.)
- "Printers' Register", "Printing Times" (London)
- "American Model Printer" (New York)
- "Printers' Circular" (Philadelphia)
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