Die Windenergie ist eine der ältesten vom Menschen genutzten Energieformen. Lange Zeit wurde mit Hilfe von Windmühlen vor allem mechanische Arbeit wie das Mahlen von Getreide und das Pumpen von Wasser durchgeführt. Dieser Artikel beschreibt die Geschichte der Windenergienutzung an Land. Anwendungen wie Segelschifffahrt oder Segelflug finden sich unter Windenergie.
In Europa sind Windmühlen seit dem 12. Jahrhundert bekannt. Sie wurden von Anfang an als Auftriebsläufer mit horizontaler Achse gebaut, was bis heute das grundlegende Prinzip moderner Windenergieanlagen ist. Entstehen konnte diese Technologie durch das zusammentreffen einiger historischer Umstände:
Zur Entwicklung von Windrädern führte dies auf folgende Weise: durch den Mangel an billigen Arbeitskräften zum manuellen Antrieb von Mühlen bestand Bedarf nach einer neuen Technologie. Moderne Windmühlen wurden dann möglich durch die Verbindung der, aus der Segelkunst bekannten, aerodynamischen Kenntnisse der nordischen Völker mit der Handwerkskunst der Mitteleuropäer.
Diese Windmühlen wurden im Laufe der Zeit verbessert und außer zum Mahlen auch zum Dreschen, Wasserpumpen oder -schöpfen und zum Sägen eingesetzt.
Den nächsten großen Schritt gab es erst wieder im 19. Jahrhundert. Die amerikanische Westernmill, die hauptsächlich in Nordamerika zum Wasserpumpen eingesetzt wurde (und wird), kann sich zum ersten mal in der Geschichte automatisch bei Sturm aus dem Wind drehen. Bis dahin musste bei jeder Mühle der Müller immer darauf achten vor einem aufziehenden Sturm die Mühle zu sichern und so vor Schäden zu schützen. Damit und durch die industrielle Produktion der Mühlen war der Weg für einen massenhaften Einsatz frei. Noch immer sind einige dieser Mühlen in ländlichen Gegenden weltweit im Einsatz und sie werden auch noch, meist mit handwerklichen Mitteln vor Ort, als Wasserpumpen produziert.
In derselben Zeit wie die Westernmill entstand allerdings auch die für die mechanische Windenergienutzung fast vernichtende Konkurrenz der Dampfmaschinen und Verbrennungsmotoren.
Charles F. Brush (* 1849; † 1929) baute 1887/88 eine Windenergieanlage auf der Basis der Westernmills , die er zur Versorgung seines Hauses mit elektrischer Energie aus einem Batteriespeicher benutzte.
Der Däne Poul La Cour hat dann, die Verdrängung der Windmühlentechnik durch die Elektrifizierung hatte schon eingesetzt, die Grundlagen der Technik wissenschaftlich erforscht. Er wandte seine Erkenntnisse als einer der ersten Wissenschaftler auf die Wandlung in elektrische Energie an und errichtete 1891 mit Mitteln seiner Regierung eine erste Versuchsanlage. Seinem guten wissenschaftlichen Fundament, seinem systematischen Vorgehen sowie seiner Geschicklichkeit bei der praktischen Umsetzung seiner Entwürfe sind wichtige Entwicklungen für die heutige Windenergieanlagentechnik zu verdanken. Er betrieb erstmalig Windkanalversuche - unter anderem zur Aerodynamik der Flügelform - und kam zum Konzept Schnellläufer, einer Anlage, bei der sich die Flügelspitzen schneller als der Wind bewegen. Eine von ihm konzipierte Anlage wurde von der Firma Lykkegard als kommerzielles Produkt vermarktet, bis 1908 waren bereits 72 Stück in Dänemark zur Versorgung ländlicher Siedlungen installiert.
Der Bau von Windenergieanlagen bekam durch die Treibstoffverteuerung und -verknappung im ersten Weltkrieg noch einmal Aufwind. Nach dem Krieg wurde Treibstoff günstiger. Die Technik der Windenergieanlagen blieb für lange Zeit eine Nische der technischen Entwicklung.
1920 schuf Albert Betz (* 1885; † 1968), Physiker und damaliger Leiter der Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen, mit streng wissenschaftlichen Forschungen zur Physik und Aerodynamik des Windrotors weitere Grundlagen für die Entwicklung von Windenergieanlagen. Er formulierte erstmals das Betz'sche Gesetz und zeigte, dass das physikalische Maximum der Ausnutzung der kinetischen Energie des Windes bei 59,3 % liegt. Seine Theorie zur Formgebung der Flügel ist auch heute noch Grundlage für die Auslegung der Anlagen.
Der Savonius-Rotor, ein Widerstandsläufer mit vertikaler Rotationsachse wurde um 1925 vom Schiffsoffizier Sigurd J. Savonius erfunden.
Der Franzose George Darrieus patentierte 1931 in den USA den Darrieus-Rotor, ebenfalls eine Bauform mit vertikaler Achse, jedoch ein Schnellläufer.
Ein weiterer Meilenstein war die 1,25 MW Smith-Putnam-Anlage (2 Flügel, Leeläufer, benannt nach Palmer Cosslett Putnam (*1910 †1986)) in Vermont, USA, 1941. Die Anlage lief mit Unterbrechungen bis 1945, dann brach einer der Flügel. Die für diese Größe notwendigen Materialien beziehungsweise Materialqualitäten waren einfach noch nicht verfügbar.
1957 wurde in Dänemark von Johannes Juul in Gedser eine 200 kW-Windenergieanlage erbaut. Sie hatte drei Flügel, die aus Stabilitätsgründen untereinander abgespannt waren. Die Anlage lief bis 1966, dann wurde sie aus Kostengründen stillgelegt. Sie wurde jedoch nicht abgebaut und erlebte 1977 eine Renaissance, als sie im Rahmen eines Abkommens einer dänischen Institution mit der NASA wieder in Betrieb genommen wurde und mehrere Jahre als Versuchsanlage diente.
Anfang der 1980er Jahre setzte sich aufgrund der großen Nachfrage in den USA das dänische Konzept bei Windenergieanlagen durch. Typisch waren der Asynchronmotor (Kurzschlussläufer), ein oder zwei feste Drehzahlen und drei starre Rotorblätter (Stall-Regelung). Diese Konstruktionsweise hat sich für die 500kW-Klasse weitestgehend durchgesetzt.
1988 entstand auf 20 Hektar am ehemaligen Versuchsgelände der erste kommerzielle Windenergiepark Deutschlands mit 30 kleinen Anlagen. Die Windenergiepark Westküste GmbH bietet heute interessierten Besuchern ein Informationszentrum rund um die Geschichte der Windenergie.
Nach dem Fehlschlag GROWIAN wurde die kleinere, nur etwa halb so große Anlage WKA-60 ("GROWIAN 2") entwickelt und 1990 auf Helgoland zum ersten Mal in Betrieb genommen. Wiederum gab es Materialprobleme und da sich die Schäden nach dem dritten Ausfall nicht mehr versichern ließen, blieb es bei lediglich vier Anlagen.
Mit dem Stromeinspeisungsgesetz von 1991 wurde ein Aufschwung der Windenergie in Deutschland eingeleitet. Die Stromnetz-Betreiber wurden darin zur Abnahme des erzeugten Stroms zu definierten Preisen verpflichtet. Diese Entwicklung wurde im Jahr 2001 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) noch einmal verstärkt. In der Folge dieser politischen Entscheidung waren gegen Ende des Jahres 2003 etwa zwei Drittel der europäischen Windenergieanlagen in Deutschland installiert. Parallel dazu wurde eine führende Position der BRD-Wirtschaft in diesem technischen Gebiet des Maschinenbaus erreicht.
Seit Ende 2003 befindet sich in der Nordsee die Forschungsplattform FINO 1, auf der u.a. die Bedingungen für Windenergieanlagen im Meer untersucht werden. In der Ostsee wird zu diesem Zweck die Plattform FINO 2 errichtet.
Am 20. Oktober 2004 hat eine 108 Meter hohe E-112-Offshore-Testanlage von mit 4,5 Megawatt Leistung in der Ems das erste Mal Strom ins öffentliche Netz eingespeist. Mit 4,5 Megawatt Leistung ist sie derzeit einer der größten und leistungsstärksten Anlagentypen (Stand Anf. 2005).
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"Geschichte der Windenergienutzung".
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