Die Videospiele entwickelten sich in circa 50 Jahren von eher technischen Versuchen an Universitäten zu einem der einflussreichsten Freizeitgestaltungsformen des 21. Jahrhunderts. Siehe auch Videospielkultur.
Die weitere Entwicklung war stark abhängig von der technischen Weiterentwicklung der Computertechnologie. So entstanden die ersten, grafisch noch recht einfachen Computerspiele auf Großrechnern an amerikanischen Universitäten und blieben somit nur einer kleinen Zahl von Studenten und Wissenschaftlern vorbehalten, wie etwa "Spacewar!" von 1962 am Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Anfang der 1970er Jahre entwickelten sich aus der bestehenden massenproduzierten und daher relativ preisgünstigen Fernsehtechnologie elektronische Spielautomaten, die erstmals auch münzbetrieben der Öffentlichkeit zugänglich waren. Deshalb auch die Bezeichnung "Videospiel". Das erste erfolgreiche Spiel war "Pong", von Atari-Gründer Nolan Bushnell entwickelt. Die Automaten traf man anders als heute weniger in Spielhallen, sondern -auch für Kinder zugänglich- in Eingängen von Supermärkten, Kiosken, Pommesbuden, Kantinen oder anderen öffentlichen Orten. Ein Spiel für eine Mark war normal.
Im Laufe der 1970er Jahre entwickelten sich die Videospiele rasant und wurden z.B. von Firmen wie Atari oder Magnavox in Form von Videospielkonsolen auch für Heimanwender attraktiver; dadurch verloren die öffentlichen Spielhallen allmählich ihre Vormachtstellung im Bereich der Videospiele. Mit der Umsetzung des sehr erfolgreichen Spielhallenspiels "Space Invaders" für den Atari 2600 kam 1979 der Durchbruch für die Heimkonsolen, die sich rasant zum Massenartikel entwickelten.
Durch die Einführung der Home- und Personalcomputer (PC) entwickelten sich vorerst zwei technisch voneinander getrennte Arten des Videospiels: Das eigentliche Videospiel (damals auch "Telespiel") basierend auf speziellen Spielkonsolen und das Computerspiel für den Computer.
Im Jahr 1983 kam es zum großen Crash auf dem Videospielemarkt. Gründe waren:
Die erfolgreiche Zeit der Videokonsolen war erst einmal vorbei. Im Jahr 1984 wurden praktisch gar keine Spiele verkauft, außer Restbeständen.
In Japan, wo Heimcomputer nicht so populär waren, und der Crash daher weniger stark gewesen war, gab es eine neue Hoffnung: Dort wurde Nintendos 1983 erschienene 8-Bit-Konsole Famicom nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem großen Erfolg. Als Nintendo Entertainment System (NES) für den westlichen Markt modifiziert, testete Nintendo die Reaktion der amerikanischen Käufer im Weihnachtsgeschäft 1985. 50.000 Systeme wurden auf die Stadt New York beschränkt vermarktet. Die Resonanz war gut. Daraufhin wurde das NES 1986 in ganz Nordamerika und 1987 in Europa eingeführt. Aber erst die Veröffentlichung von Super Mario Bros. (Japan 1985, Nordamerika 1986), das alle bis dahin erschienenen Videospiele an Länge und Komplexität übertraf, löste eine regelrechte "Nintendomania" aus: Die Verkaufszahlen stiegen und eine neue Ära der Videospiele begann.Chris Kohler: Power Up. Indianapolis, Indiana 2004, ISBN 0744004241, Abschnitt Coming Home: Super Mario Bros. S. 54-63
Die Ursprünge der meisten Spielegenres liegen in dieser Zeitepoche. Rollenspiele, Rennspiele, Jump’n Runs, Beat’em ups, Adventures und viele weitere Spielkategorien wurden in dieser Zeit entwickelt.
1989 kamen auch erstmals zwei so genannte „Handheld“-Konsolen raus, die weitere Käuferschichten erreichte – der Game Boy und das farbige Atari Lynx.
* Es gab einen Durchbruch in Europa von den sogenannten 16-Bit-Konsolen Super Nintendo Entertainment System (SNES) und Sega Mega Drive in der ersten Hälfte der 90er. Diese Spielkonsolen waren weltweit äußerst erfolgreich. Sie boten den Spielern eine bessere Grafik und einen besseren Sound als die Konsolen und Computerspiele in den 80ern. Des Weiteren kam eine weitere „Handheld“-Konsole auf den Markt – der Sega Game Gear.
Seit Mitte der 1990er-Jahre werden die beiden Videospiel-Bereiche für Spielekonsolen und PCs aus Vermarktungsgründen wieder verstärkt zusammengeführt. So bildeten einheitliche Speichermedien (wie die CD-ROM) und eine kompatible Hardware die Möglichkeit, Spiele sowohl für verschiedene Konsolen als auch für PCs parallel und somit kostengünstiger und für einen breiteren Massenmarkt zu entwickeln.
Die wichtigste Innovation auf dem Konsolenmarkt war der Wechsel von 2D in 3D Mitte der 90er mithilfe der PlayStation und des Sega Saturns. Zwar konnten die früheren Konsolen auch ansatzweise 3D-Grafik darstellen, dies aber nur mithilfe von speziellen Grafikchips, die in die Module integriert waren. Später kamen noch die Konsolen Nintendo 64 und das Sega Dreamcast hinzu. Beim PC tauchten erstmals 3D-Beschleuniger-Karten auf, mit dem man 3D-Spiele für den PC spielen konnte. Die 3D-Unterstützung der Grafikkarten wurde später unverzichtbar. Spätere Generationen von Grafikkarten hatten sowohl 2D- als auch 3D-Unterstützung fest integriert. *
Es kommen erste netzwerkfähige Spiele für den PC auf den Handel. Dadurch entstehen neue Spielmöglichkeiten, die vorher nur ansatzweise möglich waren. Mehrspieler-Spiele waren meist auf 2 Spieler, beim Nintendo 64 meist auf 4 Spieler begrenzt. Beim PC konnte man nun je nach Möglichkeit weit über 10 Spieler in ein Spiel einbeziehen. Erste Strategie- und Rollenspiele mit Netzwerk- und Onlinefähigkeit erschienen.
Videospiele sind heutzutage eine weitverbreitete und wichtige Form der Unterhaltung. Deren Einfluss besonders auf Jugendliche und Kinder ist noch relativ unerforscht. Umstritten ist insbesondere die Frage, inwieweit Videospiele die Gewaltbereitschaft der Nutzer steigern. In vielen Ländern hat sich eine eigene Industrie zur Entwicklung von Videospielen gebildet, deren Umsätze teilweise die der Filmindustrie übersteigen.
Verstärkt wird der künstlerische Aspekt der Entwicklung von Videospielen erkannt, und so wurden kurz nach dem Jahr 2000 auch erste wissenschaftliche Studiengänge zur Erforschung dieses neuen Mediums gegründet.
2004 verlieh der Musiksender MTV erstmals die "International Game Awards" in Berlin, die Veröffentlichungen der neuen Videospielkonsolen werden in den Medien als Event gefeiert (Präsentation der neuen Xbox 360 von Microsoft übertragen durch MTV).
Ende 1998 fand mit der Sega Dreamcast die Einführung der neuen Konsolengeneration statt. Später folgten die PlayStation 2, der Gamecube und die Xbox. Innovation gab es nur bei Nintendo, ansonsten fand nur grafische und akustische Evolution statt (deutlich detailreichere und aufwändigere Spiele, 3D-Sound ist möglich).
Einige Jahre später veröffentlichte Sony, in Zusammenarbeit mit Logitech, die Eye-Toy-Kamera für die Sony PlayStation 2. Dieses, für Videospiele neuartige Eingabegerät, gilt als große Innovation und fand auch mehr Unterstützung seitens der Spieleentwickler als andere ähnlich revolutionäre Ideen. Auch für die Sega Dreamcast gab es schon eine optional erhältliche Kamera (DreamEye), diese wurde allerdings nicht als Eingabegerät genutzt, sondern nur als Webcam für die zugehörige Online-VideoChat-Software. Ob dieses Konzept sich letztendlich bewährt, wird sich noch zeigen müssen.
Die Handhelds haben ebenfalls eine technische Evolution erlebt, wenn auch nicht in demselben Maße wie die Konsolen. Allerdings ist die neueste Generation der Handhelds, die 2005 erschienen, doch technisch fortgeschrittener als die alte Generation, die nur 2D-Grafik (in Farbe) darstellen konnte. Die aktuellen Handhelds haben teilweise die Leistungsfähigkeit der (noch) aktuellen Konsolen.
| 1958 | im Oktober präsentiert William Higinbotham mit Tennis for Two das erste "Videospiel" |
| 1962 | Stephen Russell entwickelt Spacewar! für den PDP-1 |
| 1967 | Ralph Baer baut das TV Gaming Display |
| 1971 | Nolan Bushnell konstruiert den Videospielautomaten Computer Space, der auf Spacewar! beruht. Für den Massendurchbruch ist das Spiel noch zu kompliziert. |
| Don Daglow programmiert Baseball für den PDP-10 | |
| 1972 | Nolan Bushnell und Ted Dabney gründen Atari |
| Pong wird seit November verkauft | |
| Magnavox veröffentlicht die Spielkonsole Odyssey | |
| Der Hobby-Höhlenforscher William Crowther programmiert eine Vorversion des ersten textbasierten Abenteuer-Spiel Adventure; das Programm ist gedacht als eine einfache Höhlenforschungs-Simulation, nicht als Spiel im eigentlichen Sinne. | |
| Gregory Yob programmiert das Proto-Textadventure Hunt the Wumpus | |
| 1973 | der Spielautomat Elepong wird von Taito veröffentlicht |
| Midway lizenziert Pong und vertreibt es unter dem Namen Winner | |
| 1975 | Midway veröffentlicht den Spielautomaten Gun Fight mit Mikroprozessor |
| Don Daglow programmiert das Proto-RPG Dungeon für den PDP-10 | |
| Don Woods erweitert William Crowther's Höhlenforschungs-Simulation um diverse Fantasy-Elemente; das Ergebnis ist Adventure, das erste echte Abenteuerspiel. | |
| eine Heimversion von Pong wird erfolgreich veröffentlicht | |
| 1976 | der Apple I wird erfolgreich eingeführt |
| Fairchild vertreibt die erste programmierbare, modulbasierte Spielkonsole Channel F | |
| 1977 | die erste Spielkonsole von Nintendo kommt auf den Markt |
| Das Video Computer System (VCS) von Atari wird präsentiert | |
| der Apple II kommt auf den Markt | |
| Commodore präsentiert den programmierbaren Personal Electronic Transactor (PET) | |
| RadioShack stellt den TRS-80 Heimcomputer vor | |
| Zork wird programmiert | |
| 1978 | der Spielautomat Space Invaders von Taito wird weltweit erfolgreich vertrieben |
| Roy Trubshaw entwickelt das erste Onlinespiel an der Universität Essex | |
| 1979 | Richard Garriott programmiert Akalabeth, den Vorläufer der Ultima-Serie |
| 1980 | Pac-Man wird zum meist verkauften Videospiel |
| Space Invaders erscheint für den Atari VCS | |
| Shigeru Miyamoto entwirft das Spielhallenspiel Donkey Kong, in dem zum ersten mal Jumpman erscheint, der später, unter den Namen Super Mario, Kult wird | |
| Nintendo veröffentlicht mit der Game & Watch-Reihe die erste erfolgreiche Handheld-Konsole | |
| 1981 | Commodore veröffentlicht den VC 20 |
| IBM bringt den ersten PC auf den Markt | |
| 1982 | Commodore bringt den C64 auf den Markt |
| Don Daglow programmiert das Proto-Sim-Spiel Utopia für den Intellivision | |
| 1983 | Sega veröffentlicht die Spielkonsole SG 1000 |
| Atari veröffentlicht die Computer 600XL und 800XL | |
| Electronic Arts veröffentlicht erste Spiele für den Atari und den Apple II | |
| Atari macht großen Verlust | |
| 1984 | Der Konsolenspielemarkt ist praktisch zusammengebrochen. Der Computerspielemarkt boomt. |
| 1985 | Nintendo verkauft das Nintendo Entertainment System (NES) in den USA und Europa |
| Atari veröffentlicht den Atari 520 ST | |
| 1986 | Nintendo veröffentlicht den ersten Teil der Spiele-Serie The Legend of Zelda |
| 1987 | Commodore veröffentlicht den Amiga 500 |
| LucasArts veröffentlicht das Computerspiel Maniac Mansion | |
| 1989 | Sega bringt das Mega Drive auf den Markt |
| Nintendo veröffentlicht den Game Boy mit Tetris | |
| 1990 | Nintendo veröffentlicht das Super Nintendo Entertainment System |
| 1991 | Sid Meiers Civilization erscheint |
| Don Daglow und Cathryn Mataga programmieren das Proto-MMORPG Neverwinter Nights für AOL | |
| 1993 | Doom von id Software erscheint |
| Commodore veröffentlicht das CD32, die erste 32bit Konsole | |
| 1994 | Sony veröffentlicht die PlayStation in Japan, 1995 in Europa und Amerika |
| die Electronic Entertainment Expo findet zum ersten Mal statt | |
| 1995 | Tomb Raider von Eidos erscheint |
| 1996 | Nintendo veröffentlicht den ersten Teil der Spiele-Serie Pokémon |
| 1997 | Ultima Online startet |
| 1998 | Sega bringt Dreamcast auf den Markt |
| 2000 | Sony bringt die PlayStation 2 auf den Markt |
| 2001 | die Xbox von Microsoft und der Gamecube von Nintendo erscheinen |
| 2005 | Nintendo DS wird veröffentlicht |
| Sony veröffentlich die PSP | |
| Microsoft veröffentlicht die Xbox 360 | |
| World of Warcraft wird erfolgreichstes Spiel dank seiner Onlinewelt und seines hohen Suchtpotential |
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