Dieser Artikel behandelt die Geschichte der Ryūkyū-Inseln.
Shunten Aji (1166-1237) ging aus diesem Wettbewerb erfolgreich hervor und war als erster Herrscher imstande, seine Überlegenheit zur Einigung mit anderen Ryūkyū-Herrschern zu nutzen. Im 14. Jahrhundert begründete König Satto (1321-95) diplomatische Beziehungen mit Korea, Japan und China; erste Tribut- und Handelsmissionen wurden nach China geschickt. Wissen und Kultur wurde so zwischen den Ländern ausgetauscht, wodurch z.B. das Sanshin (vgl. Shamisen), ein gitarrenähnliches Musikinstrument, nach Okinawa gebracht wurde und von dort aus später in Japan Verbreitung fand. König Shō Hashi (1372- 1439) einigte das Königreich Ryūkyū vollständig. König Shō Shin (1477-1526) der zweiten Shō-Dynastie, die bis 1879 andauerte, entwaffnete die lokalen Kriegsherren. Er zwang sie in der Hauptstadt Shuri zu leben. Die Administration der lokalen Regionen übernahmen fortan offizielle Beamte.
Mitte des 16. Jahrhunderts reichte das Einzugsgebiet des Königreichs Ryūkyū über alle vier Hauptinselgruppen. Es entwickelte sich ein soziales Klassensystem, das dazu führte, dass weiterhin viele Einwohner der Ryūkyū-Inseln in Armut leben mussten. Gleichzeitig wurde das Königreich um ein stehendes Heer verstärkt.
Doch die Satsuma-Invasion im Jahre 1609 stellte das Ende der Unabhängigkeit dar. Dem Feind, der über Feuerwaffen verfügte, hatten die nur 3000 Mann umfassenden Streitkräfte des Ryūkyū-Königreichs nichts entgegenzusetzen und wurden in nur zehn Tagen überrannt. Die nördliche Inselgruppe Amami kam unter direkte Kontrolle der Daimyo von Satsuma, während man sich ansonsten mit Steuerzahlungen zufrieden gab. Zum Schein wurde die Regierung Ryūkyūs aufrechterhalten, so dass die chinesischen Gesandtschaften nichts von der veränderten Lage bemerkten. Die doppelte Abhängigkeit von China und Japan stürzte Ryūkyū nicht nur in eine wirtschaftliche Krise, sondern führte auch zu politischer und moralischer Konfusion.
Das Königreich Ryūkyū war zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte von Chinesen besetzt. Trotzdem gab es zu diesem Zeitpunkt einen beträchtlichen Einfluss chinesischer Kultur, weil 36 chinesische Familien, die im Zuge einer Gesandtschaft der Ming-Dynastie nach Okinawa übersiedelten, für eine umfangreiche Wissensvermittlung an die Einwohner Ryūkyūs sorgten.
Mit der Reformation des japanischen Nationalstaats 1868 und der rasanten Entwicklung in den folgenden Jahrzehnten steigerten sich die Ansprüche Japans auf eine vollständige Kolonialisierung bzw. Eingliederung Ryūkyūs. Diesen Ambitionen standen jedoch die Beziehungen Ryūkyūs zu China im Weg. 1874 kam es zur japanischen Taiwan-Expedition, einer Vergeltungsaktion, der ein Massaker an 54 gestrandeten Ryūkyū-Fischern durch Eingeborene Taiwans vorangegangen war. Die als Invasion Taiwans geplante Expedition war wenig erfolgreich, da die Armee durch Krankheiten dezimiert wurde. Sie führte jedoch zur Anerkennung der japanischen Herrschaft über die Ryūkyū-Inseln durch die chinesische Qing-Dynastie. 1879 wurde schließlich die Präfektur Okinawa eingerichtet, der König Ryūkyūs endgültig entthront, während China die Inselgruppen Yaeyama und Miyako nahe Taiwan zugesprochen bekam. Dieses Abkommen wurde durch den Sieg der Japaner im Sino-Japanischen Krieg 1894/95 allerdings hinfällig und auch diese beiden Inselgruppen wurden in die neue Präfektur aufgenommen. Mit einer Assimiliationspolitik wurden die Ryūkyū-Inseln in den japanischen Nationalstaat eingegliedert. Dies wurde mit der Verbreitung japanischer Kultur und Sprache erreicht. Zentrales Instrument war dabei die Einführung der Schulpflicht.
In der weiteren Entwicklung der Weltgeschichte taucht Okinawa erst wieder gegen Ende des zweiten Weltkriegs auf. Die Schlacht um Okinawa begann am 1. April 1945 und stellte den einzigen Landkampf auf japanischem Territorium dar. In einem ungefähr drei Monate andauernden Kampf verloren 12 500 Amerikaner und geschätzte 250 000 Japaner oder Einwohner Ryūkyūs ihr Leben. Die Infrastruktur wurde komplett zerstört. Wie die hohen Opferzahlen belegen, nahm weder die japanische noch die amerikanische Seite viel Rücksicht auf die zivile Bevölkerung. Nach Kriegsende richten die USA auf Okinawa ihren zweitgrößten Marine- und Luftwaffenstützpunkt in Ostasien ein.
Die Einwohner der Ryūkyū-Inseln wurden bei diesen Entscheidungen nicht miteinbezogen. Trotz eindeutiger Mehrheiten der Befürworter einer Wiederangliederung ans Festland, verfolgten die Amerikaner eigene strategische Interessen. Die US-Regierung sah die Stationierung von Truppen in Okinawa als oberstes Ziel an, da die geostrategische Lage der Ryūkyū-Inseln im zukünftigen politischen Wettbewerb der Welt immer mehr an Bedeutung gewann. Okinawa diente als wichtige militärische Basisstation für Krisenherde der Region, wie dem Korea- oder Vietnamkrieg. Auch die unmittelbare Nähe zu Taiwan (von der Yonaguni-Insel der Yaeyama-Inselgruppe aus 90 km entfernt; Koordinaten:) erhöht sicherlich die strategische Bedeutung.
Eine Zivilregierung (United States Civil Administration of Ryūkyū, USCAR) wurde eingerichtet mit einem „Deputy Governor“, später einem „High Commissioner“ an der Spitze, der direkt von der amerikanischen Regierung gestellt wurde. Das Militär auf Okinawa hatte allerdings immer Vorrang gegenüber zivilen Notwendigkeiten und Wünschen, was im Gegensatz zu der von den Amerikanern propagierten Demokratisierung der Ryūkyū-Inseln stand. Durch geschicktes Verhandeln konnten den Besatzern einige Zugeständnisse abgerungen werden. So entstanden zum Beispiel aus dem 1945 gegründeten Okinawa Advisory Council 1950 die Guntō Regierungen für jeweils eine Inselgruppe, die dann schließlich in der gewählten Regierung der Ryūkyū-Inseln (Government of Ryūkyū-Islands, GRI) aufgingen, welche allerdings von wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen wurde. Der Regierungsstil der USCAR sorgte anfangs für erheblichen Unmut in der Bevölkerung. Für die notwendigen Militärbasen waren erhebliche Landnahmen notwendig, die mit Waffengewalt den Besitzern entrissen wurden. Aus einer geplanten einmaligen Zahlung an die Landbesitzer wurde schließlich nach langem Kampf der Ryūkyū-Regierung ab dem 3.11.1958 eine periodische Zahlung, die sich im Lauf der Zeit immer mehr erhöhte, allerdings heute vom japanischen Staat getragen wird.
1953 wurde die Amami-Inselgruppe, die den japanischen Hauptinseln am nächsten liegt, als „Weihnachtsgeschenk“ an Japan zurückgegeben. Dadurch ergaben sich erhebliche Probleme für die Einwohner Amamis, die auf die nahegelegende Okinawa-Hauptinsel zur Arbeit pendelten, da sie seit dem Zeitpunkt der Rückgabe Amamis zu Japanern geworden waren und daher auch beschwerliche Einreise-Prozesse über sich ergehen lassen mussten.
Ab 1958 milderte sich auch der Regierungsstil des USCAR allmählich ab. 1972 kommt es, auch aufgrund von andauernden Protesten der Bevölkerung, mit einer Zusicherung der Weiterbestehung der US-Basen zu einer Wiedereingliederung der amerikanischen Ryūkyū-Zone in den japanischen Staat.
Die Bevölkerung der Ryūkyū-Inseln hat bis heute unter einer verhältnismäßig schlechten wirtschaftlichen Lage und der großen Belastung der US-Basen zu leiden, die auf dem sehr eng besiedelten Raum Okinawas untergebracht sind. Als Vermächtnis der japanisch-ryukuischen Geschichte seit 1609 gilt das Verhältnis zwischen den Ryūkyū-Inseln und den japanischen Hauptinseln als stark belastet. Dies beginnt mit der Satsuma Invasion 1609, der erzwungenen Eingliederung in den japanischen Nationalstaat 1879, der als Verrat aufgefassten US-japanischen Vereinbarungen zum Ende der Besatzungszeit bis hin zur fortwährenden Präsenz militärischer Streitkräfte auf Okinawa.
Solange dort weiterhin US-Truppen in großer Zahl stationiert sind, bleibt zu erwarten, dass sich auch das Verhältnis zur USA nicht entspannen wird. In den letzten Jahren wächst der Druck auf die USA, ihre Truppen früher und vollständig von den Ryukyu-Inseln zurückzuziehen, nachdem es auf Okinawa zu diversen Skandalen um Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen und Morde durch Angehörige der US-Streitkräfte gekommen ist. Trotz erheblichen Widerstands der lokalen Bevölkerung gibt es keinerlei Anzeichen, dass man auf japanischer oder amerikanischer Seite bereit ist, die eigenen Interessen hinter denen Okinawas zurückzustellen.
- | Überblick (wichtige Daten): |
| 32000 v.Chr. | Yamashita-Höhlenmensch |
| 2000 v.Chr. – bis Geburt Chr. | Entwicklung zweier unterschiedlicher Kulturen, Kontakte zur Yayoi-Kultur |
| 1000 | Spezialisierung, soziale Differnzierung |
| 1166-1237 | Herrscher Shunten Aji; einigt Landesfürsten |
| 1321-1395 | König Satto |
| 1372-1439 | König Shō Hashi; Vollständige Einigung des Königreichs |
| 1477-1526 | König Shō Shin; Entwaffnung der lokalen Kriegsherren; Beginn der zweiten Shō-Dynastie, die bis 1879 andauerte |
| ab 16. Jh. | Erstes Goldenes Zeitalter |
| 1609 | Satsuma-Invasion; Abhängigkeit von Japan |
| 17. Jh. | Zweites Goldenes Zeitalter |
| 1874 | Taiwan-Expedition Japans |
| 1879 | Entthronung des Königs; Einrichtung der Präfektur Okinawa |
| 1945 | Schlacht um Okinawa |
| 1951 | Vertrag von San Francisco |
| 1953 | Rückgabe der Amami-Inselgruppe an Japan |
| 1972 | Rückgabe der Präfektur Okinawa an Japan |
Siehe auch: Liste der Regionen Japans, Shimazu, Goju-Ryu, Kobudo, Tode
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