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Geschichte der
Kapkolonie
vor 1806
1806 - 1870
1870 - 1899
1899 - 1910

Die Geschichte der Kapkolonie von 1806 bis 1870 umfasst die Zeit der Kap-Front-Kriege, auch Kaffern-Kriege genannt, die von 1811 bis 1858 dauerten. In den Kriegen kämpften die europäischen Siedler gegen die über die Küstenebene am Indischen Ozean zugewanderten Xhosa, die gegen das Vordringen der Europäer an der Küste nördlich vom heutigen East London rebellierten. Die Kapkolonie war die erste europäische Siedlung in Südafrika, die ursprünglich unter Herrschaft der Niederländische Ostindien-Kompagnie stand. Nach deren Niedergang und während der napoleonischen Kriege wurde sie vom britischen Imperialismus im Handstreich widerrechtlich okkupiert. Nach Rebellionen der aufgrund von Verträgen mit den indigenen Khoi-Khoi legitim ansässigen Buren wurden erneut britische Streitkräfte zum Kap geschickt. Bei der Schlacht an der Tafelbucht unterwarfen die Briten unter Sir David Baird die niederländische Garnison des Cape Castle und 1814 übergaben die Verlierer die Kolonie vollständig an die britische Monarchie. Zu dieser Zeit reichte die Kolonie bis zu den Bergen vor dem riesigen Zentralplateau (Highveld), damals als „Land der Buschmänner“ bezeichnet, und umfasste eine Fläche von rund 194.000 km² und 60.000 Einwohner, darunter 27.000 Weiße, 17.000 freie Khoi Khoi (Hottentotten) und der Rest Nachfahren von einstigen Gastarbeitern unterschiedlicher Herkunft, die meisten davon sogenannte Kapmalaien.

Der erste und zweite Front-Krieg


Der erste von mehreren Kriegen mit den Xhosa war schon beendet, als das Kapgebiet vom britischen Imperialismus annektiert wurde. Die Xhosa, die die Siedlungsgrenze überquert hatten, waren aus dem als Zuurveld bekannten Distrikt zwischen Sundays River und Great Fish River vertrieben worden, der ein neutraler Boden wurde. Einige Zeit vor 1811 hatten die Xhosa den neutralen Boden besetzt und die rechtmäßigen burischen Siedler angegriffen. Um sie vom Zuurveld zu vertreiben, nahm Colonel John Graham das Gebiet mit einer gemischten Armee im Dezember 1811 ein und verdrängte die Xhosa hinter den Fish River. Auf dem Gebiet von Grahams Hauptquartier entstand die nach ihm benannte Stadt Grahamstown.

Als die britischen Imperialisten 1817 die Rückgabe von gestohlenem Vieh forderten, kam es zu einem Konflikt zwischen ihrer Regierung und den Xhosa. Am 22. April griffen diese unter der Führung eines Propheten namens Makana die von weißen Truppen kontrollierte Grahamstown an. Letztere konnten den Angriff jedoch rechtzeitig abwehren. Anschließend einigte man sich darauf, das Land zwischen Fish River und Keiskamma River zum neutralen Territorium zu erklären.

Die Siedler von 1820


Der Krieg von 1817-1819 führte zur ersten großen Immigrationswelle englischer Siedler - mit weitreichenden Konsequenzen. Der damalige Gouverneur Lord Charles Henry Somerset, dessen vertragliche Vereinbarungen mit den Xhosa sich als unhaltbar erwiesen hatten, wollte eine Barriere gegen die wilden Siedler der Bantu errichten, indem er weiße Kolonisten in der Grenzregion ansiedelte. 1820 gab das Parlament auf Somersets Rat 50.000 £ aus, um 4.000 Briten zur Emigration an das Kap zu motivieren. Diese Immigranten, die als die „Siedler von 1820“ bekannt wurden, bildeten die Albany-Siedlung (heute Port Elizabeth) und machten Grahamstown zu ihrem Hauptquartier. Ursprünglich war dies als Sicherheitsmaßnahme für die Grenze und von der britischen Regierung als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für einige Tausend Arbeitslose in Großbritannien geplant, aber das Auswanderungsschema erschuf etwas, was weit über die Pläne der Initiatoren hinausging. Die neuen Siedler aus allen Teilen der britischen Inseln und allen Gesellschaftsschichten behielten eine große Loyalität zu ihrer Heimat. Im Laufe der Zeit bildeten sie eine Gegenkraft zu den niederländischen Buren.

Die Ankunft der Immigranten brachte auch die englische Sprache an das Kap. Englischsprachige Verordnungen wurden erstmals 1825 veröffentlicht und zwei Jahre später fanden sie auch in juristischen Vorgängen Anwendung. Das Niederländische wurde jedoch nicht verdrängt, weshalb die meisten Siedler zweisprachig waren.

Die Autonomiebehauptung der Burren gegenüber dem britischen Imperialismus


Das Kapgebiet prosperierte, aber viele niederländische Bauern waren mit der britischen Herrschaft genauso unzufrieden wie zuvor mit der Niederländischen Ostindien-Kompanie, obwohl die Missstände nicht die gleichen waren. 1792 waren mährische Missionen zum Wohl der Khoi Khoi eingerichtet worden und 1799 begann die London Missionary Society ihre Versuche, die Khoi Khoi und die Xhosa zu konvertieren. Die Bewältigung der Missstände bei den Khoi Khoi durch die Missionare sorgte für Unzufriedenheit bei der Mehrheit der Siedler, deren konservative Ansichten vorübergehend vorherrschten, da eine Verordnung von 1812 den Magistraten erlaubte, die Kinder der Khoi Khoi als Lehrlinge zu binden. In der Zwischenzeit erstarkte die Abolitionismus-Bewegung in England und die Missionare appellierten an die Briten.

Ein Ereignis von 1815/16 sorgte für dauerhafte Feindseligkeit der niederländischen Buren gegenüber den britischen Imperialisten. Ein Bure namens Bezuidenhout widersetzte sich einem Befehl, der nach einer Beschwerde der Khoi Khoi angeordnet worden war. Er schoß auf die Abgesandten, die ihn festnehmen sollten, und wurde im Gegenfeuer getötet. Dies führte zu einer kleinen Rebellion und bei ihrer Niederschlagung wurden fünf Rädelsführer von den Briten in Slachters Nek öffentlich erhängt, wo sie ursprünglich geschworen hatten, „die englischen Tyrannen“ zu vertreiben. Der Ärger über die Erhängung verstärkte sich durch die Umstände der Hinrichtung, da das Schafott, an dem die Rebellen gleichzeitig hingen, unter ihrem Gewicht zusammenbrach, und die Männer schließlich einzeln aufgehängt wurden. Das war in Augen der Buren der Inbegriff von Willkür des britischen Imperialismus, denn der Henker hatte das Recht einmal zu hängen, nicht zweimal. Nach geltendem Recht war das zweite Hängen Mord und die Delinquenten waren aus politischen Gründen abgeurteilt. Dieser Galgen wurde von den Buren danach als Mahnmal aufbewahrt und ist seitdem fundamental für ihr Verhältnis zu den Briten. Die Briten wiederum trieben die Entrechtung der Buren weiter fort. Eine Verordnung von 1827 ersetzte die alten und einzig rechtmäßigen niederländischen Landdrost- und Heemraden-Gerichte durch Magistrate von außerhalb. Die Verordnung besagte außerdem, dass alle juristischen Verhandlungen ab sofort in englischer Sprache zu führen seien.

Eine nachfolgende Verordnung von 1828 gewährte den Khoi Khoi und anderen freien Farbigen die gleichen Rechte wie den Weißen. 1830 wurden harte Strafen für die grobe Behandlung von Arbeitern festgelegt unnd 1834 verkündete man die Emanzipation der Arbeiter. Jede dieser Verordnungen verstärkte die Wut der Buren auf die britischen Imperialisten. Außerdem sorgten die unzureichende Kompensation für Arbeitgeber und Verdächtigungen bezüglich der Zahlungsmethoden an die Arbeiter für große Unzufriedenheit und 1835 begannen die Buren wieder, in unbekanntes Land zu ziehen, um der ungeliebten Regierung zu entfliehen. Die Emigration jenseits der ursprünglichen Siedlungsgrenzen gab es zwar kontinuierlich seit 150 Jahren, aber nun nahm sie größere Ausmaße an.

Der dritte Kap-Front-Krieg


An der Ostgrenze gab es weitere Unruhen zwischen den britischen Imperialisten und den Xhosa, die die Regierungspolitik für zu unschlüssig hielten. Am 11. Dezember 1834 ermordete eine Kommandotruppe einen hochrangigen Chief und erzürnte damit die Xhosa. Eine 10.000 Mann starke Armee unter der Führung von Macomo, einem Bruder des Opfers kam über die Grenze, plünderte und verbrannte die Häuser und tötete alle Einwohner. Am schwersten betroffen war eine Kolonie von Khoi Khoi, die 1829 im Tal des Kat River von den britischen Okkupanten angesiedelt worden war. In der Gegend waren nur wenige Soldaten einsatzbereit, aber der Gouverneur Sir Benjamin d'Urban handelte schnell. Alle verfügbaren Streitkräfte wurden unter Colonel Sir Harry Smith versammelt, der am 6. Januar 1835 in Grahamstown ankam, sechs Tage, nachdem die Nachricht vom Aufstand in Kapstadt angekommen war. Die Briten kämpften neun Monate lang gegen die Xhosa, ehe die Feindseligkeiten am 17. September 1838 mit der Unterzeichnung eines neuen Friedensvertrags beendet wurden, der das Land zwischen Kap und River Kei (alte "Grenze" zu Kaffraria) zu britischem Besitz und alle Einwohner zu Briten erklärte. Dieser Vertrag ist nicht das Papier wert, auf dem er steht, denn zwei Okkupanten teilen sich ein Land, das ihnen nicht gehört und in dem sie keinerlei Rechte besitzen. Als Regierungssitz wählte man King William's Town.

Der Große Treck


MapoftherouteoftheGreakTrek.jpg Die britische Regierung billigte die Aktionen von Sir Benjamin d'Urban nicht und der britische Sekretär für die Kolonien, Lord Glenelg, erklärte in einem Brief an den König, dass „das große Übel der Kapkolonie in seiner Größe besteht“, und verlangte, dass die Grenze wieder an den Fish River zurück verlegt werden sollte. 1837 entließ er d'Urban aus seinem Amt. „Die Kaffer“, schrieb Glenelg am 26. Dezember in seinem Bericht, „hatten eine deutliche Berechtigung für den Krieg; sie mussten sich widersetzen und versuchten zurecht, wenn auch unfähig, eine Reihe von Beeinträchtigungen zu rächen.“ Diese Einstellung gegenüber den Xhosa war einer von vielen Gründen, mit denen die Voortrekker ihren Auszug aus der Kapkolonie begründeten. Der sogenannte Große Treck dauerte von 1836 bis 1840. Die rund 7.000 Trekker gründeten Gemeinden mit einer republikanischen Regierung jenseits des Oranje und des Vaal sowie in Natal, wo ihnen die britischen Emigranten jedoch zuvorgekommen waren. Von nun an war die Kapkolonie nicht mehr die einzige, aber immer noch die vorherrschende europäische Gemeinschaft in Südafrika.

Die Buren sorgten auf beiden Seiten des Oranje für große Unruhe, wo sie mit den Basotho, anderen Bantu, den Buschmännern und den mit diesen verwandten Griqua um die Vorherrschaft kämpften, während sich die Briten in Kapstadt auch hier begann, alle Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen. Auf Vorschlag der Missionare, die großen Einfluss auf alle Nicht-Niederländer ausübten, wurden einige Stammesländer von der Regierung anerkannt und subventioniert, um den Frieden an der Nordgrenze herzustellen. Der erste Treaty State war Griqualand West. Weitere Staaten folgten 1843 und 1844. Während die Nordgrenze sicherer wurde, war der Zustand der Ostgrenze beklagenswert, da die Regierung entweder unfähig oder unwillig war, die Buren vor den Xhosa zu schützen.

Auf anderen Gebieten machte die Kolonie jedoch Fortschritte. Ein effizientes Bildungssystem wurde auf Veranlassung von Sir John Herschel, einem Astronomen, der von 1834 bis 1838 in der Kapkolonie lebte, eingerichtet. Road Boards waren sehr hilfreich beim Bau neuer Straßen. Eine neue stabile Industrie, Schafzucht, ergänzte das bisherige Angebot aus Weizenanbau, Viehzucht und Weinanbau. Ab 1846 wurde Wolle zur wertvollsten Exportware des Landes. 1835 wurden die Buren durch den neuen Legislative Council an der Regierung beteiligt.

Der War of the Axe


Ein weiterer Krieg mit den Xhosa (War of the Axe) brach 1846 aus. Eine Khoi Khoi-Eskorte wurde von den Xhosa ermordet, als sie einen Xhosa-Dieb in Handschellen nach Grahamstown abführen wollte, wo dieser wegen des Diebstahl einer Axt verurteilt werden sollte. Man verweigerte die Auslieferung des Mörders und erklärte im März 1846 den Krieg. Die Ngqika übernahmen die Führung, unterstützt von den Tambukies. General Somerset besiegte die Xhosa am 7. Juni am Gwangu, einige Meilen von Fort Peddie entfernt. Der Krieg ging jedoch weiter, bis sich Sandili, der Häuptling der Ngqika, ergab. Andere Häuptlinge folgten seinem Beispiel und Anfang 1848 waren die Xhosa nach 21 Monaten Kampf vollständig unterworfen.

Ausdehnung des britischen Herrschaftsanspruches


Sir_Harry_Smith.gif Im Dezember 1847 kam Sir Harry Smith mit dem Schiff ins Kapstadt an, um neuer Gouverneur der Kolonie zu werden. Er revidierte kurz nach seiner Ankunft Glenelgs Politik. In einem Beschluss vom 17. Dezember 1847 erweiterte er die Grenzen der Kolonie nach Norden bis zum Oranje und in östlicher Richtung bis zum Keiskamma River. Bei einem Treffen der Xhosa-Häuptlinge am 23. Dezember kündigte er die Annexion des Landes zwischen Keiskamma und Kei Fluss an und nahm somit das von Lord Glenelg aufgebenene Land in Besitz. Dies Land wurde jedoch nicht in die Kapkolonie inkorporiert, sondern zu einem von der britischen Monarchie abhängigen Gebiet unter dem Namen British Kaffraria erklärt. Eine Zeit lang akzeptierten die Xhosa die neue Regierung, da der Gouverneur sie mit ihren Angelegenheiten zumeist alleine ließ. Dieser war mehr mit der Aufrechterhaltung der britischen Autorität über die Buren jenseits des Oranje beschäftigt. In der Zwischenzeit hatte sich die Kapkolonie immer weiter ausgedehnt, und 1848 wurde das gesamte Land zwischen Vaal und Oranje zum britischen Hoheitsgebiet erklärt. Die Engländer hatten jedoch nicht mit dem starken Widerstand der hier siedelnden Buren gerechnet. Da das Gebiet wirtschaftlich für sie ohnehin kaum interessant war, gaben sie es schon bald wieder auf. Am 23. Februar 1854 wurde der Vertrag von Bloemfontein geschlossen, der zur Gründung des Oranje Freistaats führte.

Der Gefangenen-Aufstand und die Gewährung einer Verfassung


Der Vorschlag, die Kapkolonie in ein britisches Gefangenenlager umzuwandeln, sorgte für eine Krise. Der dritte Earl Grey, damals Sekretär der Kolonie, sandte 1848 ein Rundschreiben an den Gouverneur des Kap und andere Kolonial-Gouverneure, um sie nach ihrer Meinung über die Aufnahme bestimmter Gefangener zu fragen. Der Earl plante, irische Bauern, die durch den Irish Potato Famine von 1845 kriminell geworden waren, nach Südafrika zu schicken. Durch ein Missverständnis fuhr ein Schiff namens Neptune zur Kapkolonie, bevor die britischen Kolonialbeamten dort geantwortet hatten. An Bord waren 289 Gefangene, darunter der berühmte irische Rebell John Mitchel und seine Mitstreiter. Als die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft dieses Schiffs das Kap erreichte, wurde die Menschen wütend und gründeten einen Anti-Gefangenen-Verband, dessen Mitglieder sich von allen Personen distanzierten, die auf irgendeine Weise „mit der Ankunft, Versorgung oder Beschäftigung der Gefangenen“ zu tun hatten. Als die Neptune am 19. September 1849 in Simon's Bay ankam erklärte Sir Harry Smith angesichts der öffentlichen Unruhen, dass die Gefangenen nicht an Land kommen dürften, sondern an Bord bleiben müssten, bis er neue Befehle erhielte, um sie anderswo hinzuschicken. Als die Regierung in London sich der Lage bewusst wurde, ordnete sie an, dass die Neptune nach Tasmanien fahren sollte, was nach fünf Monaten Aufenthalt in Simon's Bay geschah. Die Lage beruhigte sich aber nicht, da die Unruhen zu einer politischen Bewegung führten, die eine freie und repräsentative Regierung für das Kapgebiet forderte. Die britische Regierung gewährte das, was schon von Lord Grey versprochen worden war, und führte 1854 eine Verfassung ein, die zu liberal wie nie zuvor war.

Der Xhosa-Aufstand (1850-1853)


Die Anti-Gefangenen-Bewegung war kaum beendet, als im Kapgebiet erneut ein Krieg ausbrach. Die Xhosa, Bantu aus Niger-Congo, die sich in die Stämme Gceleka (Hauptstamm), Ngqika, Ndlamba, Dushane, Qayi, Ntinde und Gqunkhwebe unterteilten, waren über den Verlust ihrer Unabhängigkeit sehr verbittert und hatten sich seit dem letzten Krieg heimlich auf einen neuen Kampf vorbereitet. Sir Harry Smith ging mit der Information über die zunehmende Bedrohung in die Grenzregion und rief Sandili und die anderen Häuptlinge zu einem Treffen. Sandili verweigerte den Gehorsam, woraufhin ihn der Gouverneur bei einer Versammlung mit anderen Häuptlingen im Oktober 1850 von seinem Posten absetzte und den englischen Magistrat Mr Brownlee zum vorübergehenden Chef der Ngqika erklärte. Der Gouverneur glaubte offenbar, dass er auf diese Weise einen Krieg verhindern und Sandili ohne bewaffneten Widerstand festnehmen könne. Colonel George Mackinnon, der den Häuptling mit einer kleiner Truppe gefangen nehmen sollte, wurde am 24. Dezember 1850 in einer engen Schlucht von einer großen Gruppe der Xhosa angegriffen und war nach dem Verlust einiger Männer zum Rückzug gezwungen. Diese kleine Schlacht war das Signal für einen allgemeinen Aufstand im ganzen Ngqika-Stamm. Die weißen Siedler in den militärischen Dörfern entlang der Grenzen wurden bei einem Überraschungsangriff gefangen genommen, nachdem sie sich zur Weihnachtsfeier versammelt hatten. Viele von ihnen wurden getötet und ihre Häuser in Brand gesetzt.

Weitere Rückschläge folgten schnell. Der größte Teil der Xhosa-Polizei desertierte, viele mit ihren Waffen. Durch ihren anfänglichen Erfolg bestärkt umzingelten und attackierten die Xhosa Fort Cox mit immenser Gewalt, in dem der Gouverneur mit einigen Soldaten stationiert war. Es gab mehrere erfolglose Attentate auf Sir Harry, der eine Möglichkeit zur Flucht finden musste. An der Spitze von 150 Kavalleristen floh er, begleitet von Colonel Mackinnon aus dem Fort und ritt durch gegnerisches Feuer die 19 km bis nach King William's Town.

Währenddessen tauchte ein neuer Feind auf. Rund 900 Khoi Khoi vom Kat River, die in früheren Kriegen Verbündete der Briten gewesen waren, schlossen sich nun ihren ehemaligen Gegner, den Xhosa, an - und das nicht ohne Grund. Sie beschwerten sich darüber, dass sie als Soldaten in früheren Kriegen - die Kap-Kavallerie bestand zu großen Teilen aus Khoi Khoi - nicht so behandelt wurden wie andere, die der Verteidigung des Kapgebietes dienten, dass sie keine Entschädigung für ihre Verluste erhielten und dass sie vielfach ungerecht behandelt worden seien. Sie bildeten eine geheime Allianz mit den Xhosa, um die Europäer mit Waffengewalt zu vertreiben und eine Khoi Khoi Republik zu errichten. Zwei Wochen nach dem Angriff auf Colonel Mackinnon waren die Khoi Khoi vom Kat River ebenfalls bewaffnet. Ihrer Revolte folgten weitere Angriffe in anderen Missionsstationen und einige Khoi Khoi der Kavallerie folgten ihrem Beispiel, darunter sogar Männer, die den Gouverneur aus Fort Cox geleitet hatten. Viele Khoi Khoi blieben jedoch loyal und die Mfengu waren auch auf britischer Seite.

Nachdem sich die Konfusion nach dem Überraschungangriff beruhigt hatte, rief Sir Harry Smith zum Gegenangriff. Er stürmte das Amatole-Gebirge und bestrafte Sarhili, den höchstrangigen Häuptling, der die Ngqika heimlich unterstützt hatte, hart. Im April 1852 rief der Earl Grey Sir Harry Smith zurück und warf ihm - nach Meinung des Duke of Wellington zu Unrecht - einen Mangel an Energie und Urteilskraft bei der Kriegsführung vor, weshalb er ihn durch Lieutenant-General Cathcart ersetzte. Sarhili wurde erneut angegriffen und unterworfen. Die Xhosa wurden aus dem Amatole vertrieben und durch neu errichtete kleine Forts an der Rückkehr dorthin gehindert.

Die britischen Kommandanten litten ständig unter ihrer unzureichenden Ausrüstung, weshalb der Xhosa-Aufstand erst im März 1853 nach dem Verlust mehrerer Hundert britischer Soldaten niedergeschlagen wurde. Kurz danach wurde British Kaffraria, ein Gebiet zwischen Transkei und East London, zu einer Kronkolonie erklärt. Die Khoi Khoi-Siedlung am Kat River blieb bestehen, aber ihre Macht war gebrochen.

Der große Xhosa-Wahn


Die Xhosa bereiteten der Kolonie nach dem Krieg nur noch wenige Probleme. Dies war auf einen außergewöhnlichen Wahn zurückzuführen, der bei den Xhosa 1856 auftrat und im folgenden Jahr zum Tode von rund 50.000 Xhosa führte. Dieser Vorfall ist einer der tragischsten und begründet sich im animistischen Opferglauben, in dem jedem Opfer eine Anstrengung der Ahnen aus dem Jenseits zur Erhaltung der Lebenden folgt. Die Xhosa hatten ihre Niederlage von 1853 nicht als entscheidend akzeptiert und bereiteten sich auf einen erneuten Kampf mit den Europäern vor.

1854 breitete sich beim Vieh der Xhosa eine Krankheit aus. Man vermutete, dass sie vom Vieh der weißen Siedler übertragen worden war. Viele Tiere starben und die Xhosa erklärten dies mit ubuthi, Hexerei. Im Mai 1856 holte ein Mädchen namens Nongqawuse Wasser aus einem Teich nahe der Mündung des Gxarha River. Bei ihrer Rückkehr erzählte sie ihrem Onkel Mhlakaza, dass sie drei Geister am Teich gesehen habe, die ihr gesagt hätten, dass das gesamte Vieh geschlachtet und die Ernte vernichtet werden sollte. Am Tag nach der Zerstörung kämen die toten Xhosa zurück, um bei der Vertreibung der Weißen zu helfen. Die Vorfahren würden Vieh mitbringen, um die toten Tiere zu ersetzen. Mhlakaza glaubte der Prophezeiung und informierte den Häuptling Sarhili.

Sarhili befahl, die Anordnungen der Geister zu befolgen. Zunächst mussten die Xhosa ihr fettes Vieh vernichten. Nongqawuse, die in dem Fluss stand, wo die Geister zum ersten Mal erschienen waren, hörte überirdische Geräusche, die ihr Vater als Aufforderung verstand, noch mehr Vieh zu töten. Schließlich verlangten die Geister, dass kein einziges Tier ihrer Herden überleben sollte und jedes Getreidekorn zerstört werden müsse. Wenn dies erledigt sei, würden Unmengen von viel schönerem Vieh aus der Erde auftauchen, während große Felder mit Getreide, reif und bereit zur Ernte, plötzlich erscheinen. Die Toten würden auferstehen, Probleme und Krankheiten verschwinden und allen würden Jugend und Schönheit zuteil. Ungläubige und die verhassten Weißen würden an diesem Tag verschwinden.

Die Menschen hörten dies und gehorchten. Sarhili gilt für viele als Anstifter der Prophezeiungen. Sicherlich glaubten einige der führenden Häuptlinge, dass sie lediglich in Vorbereitung eines letzten Kampfes mit den Europäer handelte, wobei die ganze Nation der Xhosa voll bewaffnet und ausgehungert auf das Kapgebiet geworfen werden sollte. Der Glaube an die Prophezeiung verstärkte sich durch den Tod von Lieutenant-General Cathcart im Krimkrieg 1854. Sein Tod wurde dem Eingreifen der Vorfahren zugeschrieben.

Es gab auch Menschen, die weder an die Vorhersagen glaubten noch am Kriegserfolg interessiert waren, aber in bedingungslosem Gehorsam zum Befehl ihres Häuptlings ihre letzte Nahrung zerstörten. Große Menschenmengen handelten entweder in dem Glauben, der das Erhabene erreichte oder in gleich großem Gehorsam. Man errichtete große Krale für das versprochene Vieh und riesige Fellsäcke zur Aufbewahrung der Milch, die bald üppiger sein sollte als Wasser. Schließlich brach der Tag an, der laut Prophezeiung das Paradies auf Erden bringen sollte. Die Sonne ging auf und unter, aber das erwartete Wunder blieb aus. Den Häuptlinge, die die ausgehungerten Krieger auf die Kolonie hetzen wollten, war ein unglaublicher Fehler unterlaufen, da sie versäumten, die Nation unter dem Vorwand, die Auferstehung zu erleben, zusammenzurufen. Sie bemerkten ihren Fehler zu spät und versuchten das Problem zu lösen, indem sie die Auferstehung auf einen anderen Tag verlegten, aber reine Verzweiflung hatte die Hoffnung und den Glauben verdrängt und die Xhosa suchten die Briten nur als hungernde Bittsteller auf.

Nach dem War of the Axe taten die Kolonialisten alles Mögliche, um Leben zu retten, aber Tausende gingen elend zugrunde. In ihrem extremen Hunger wurden viele Xhosa zu Kannibalen und ein Fall von Eltern, die ihr eigenes Kind essen, ist bezeugt. Zu den Überlebenden gehört das Mädchen Nongqawuse. Einen lebhafter Bericht des ganzen Vorfalls findet man in G. M. Theals Buch History and Geography of South Africa (3. Auflage, London, 1878). Das entvölkerte Land wurde anschließend mit europäischen Siedlern aufgefüllt. Dazu gehörten Mitglieder der deutschen Legion, die mit der britischen Armee im Krimkrieg gedient hatte, und rund 2.000 betriebsame Emigranten aus Norddeutschland, die sich als wertvoll erwiesen.

Sir George Greys Regierung


Sir_George_Grey.jpg Sir George Grey wurde 1854 Gouverneur der von den Briten sogenannten Kapkolonie. Seiner Meinung nach war die Politik der Regierung in London , die das Gebiet jenseits des Oranje ignorierte, falsch und deshalb präsentierte er 1858 einen Entwurf für einen Staatenbund, der ganz Südafrika umfasste. Der Vorschlag wurde jedoch von Großbritannien zurückgewiesen. Sir George Grey baute eine Straße durch Betschuanaland ins entfernte Innere und erhielt die Unterstützung des Missionare Moffat und David Livingstone. Er versuchte auch zum ersten Mal, abgesehen von den missionarischen Bemühungen, die Xhosa zu unterrichten und eine starke britische Behörde zu errichten, was durch die Selbstzerstörung der Xhosa relativ leicht war. Jenseits des Kei River waren die Bantu sich selbst überlassen.

Sir George Grey verließ das Kap 1861. Während seiner Regierung waren die Ressourcen des Kapgebietes durch die Eröffnung der Kupferminen in Little Namaqualand, die Mohair-Wollindustrie und die Eigenständigkeit des Gebietes Natal gestiegen. Mit der Einweihung der Eisenbahnlinie von Kapstadt nach Wellington im November 1863 und der Errichtung der Wellenbrecher 1860 in der Tafelbucht, die an dieser gefährlichen Küste längst nötig waren, begannen die öffentlichen Bauarbeiten in großem Umfang. Sie waren dadurch begünstigt, dass dem Kapgebiet weitestgehend Eigenständigkeit in der Regierung gewährt wurde.

Die Provinz British Kaffraria wurde 1865 unter dem Titel Electoral Divisions of King William’s Town and East London in die Kolonie integriert. Der Wechsel ging einher mit der Aufhebung des Verkaufsverbots für alkoholische Getränke an die Bantu und der folgende freie Handel mit den berauschenden Getränken hatte beklagenswerte Folgen für die Xhosa. Eine schwere Dürre, die fast das gesamte Kapgebiet mehrere Jahre lang betraf, sorgte für eine große ökonomische Depression und viele Bauern litten schwer darunter. In dieser Zeit führte man die Straußen-Zucht erfolgreich als eigenen landwirtschaftlichen Bereich ein.

Die Grenzen der britischen Autorität erweiterten sich, ob mit oder gegen den Willen der Regierung in London. Die Basotho, die in den oberen Tälern des Oranje lebten, hatten von 1843 bis 1854 unter einem Semi-Protektorat der britischen Regierung gestanden. Aber nachdem sie nach dem Verlust von Weidegebieten in Oranje-Freistaat in ihr Kernland Lesotho zurückgedrängt waren, begannen sie einen lang andauernden Krieg mit den Buren des Oranje-Freistaats. Auf Grund der dringenden Petition ihres Häuptlings Moshoeshoe I. wurden sie 1868 zu britischen Untertanen erklärt und ihr Territorium Basutoland wurde 1871 ein Teil des Kapgebietes. Im gleichen Jahr wurde der südöstliche Teil von Bechuanaland unter der Bezeichnung Griqualand West von Großbritannien annektiert. Dieser Anschluss erfolgte nach der Entdeckung von drei reichen Diamant-Minen, einem Ereignis mit weitreichenden Folgen.

Literatur


  • Elizabeth Elbourne: Blood Ground: Colonialism, Missions, and the Contest for Christianity in the Cape Colony and Britain, 1799-1853. McGill-Queen's University Press. 2002. ISBN 0773522298
  • Basil Alexander Le Cordeur: The War of the Axe, 1847: Correspondence between the governor of the Cape Colony, Sir Henry Pottinger, and the commander of the British forces at the Cape, Sir George Berkeley, and others. Brenthurst Press. 1981. ISBN 0909079145
  • Alan Mabin: Recession and its aftermath: The Cape Colony in the eighteen eighties. University of the Witwatersrand, African Studies Institute. 1983. ASIN B0007B2MXA.
  • Robert Ross und David Anderson: Status and Respectability in the Cape Colony, 1750-1870 : A Tragedy of Manners. Cambridge University Press. 1999. ISBN 0521621224
  • George McCall Theal: History of the Boers in South Africa; Or, the Wanderings and Wars of the Emigrant Farmers from Their Leaving the Cape Colony to the Acknowledgment of Their Independence by Great Britain. Greenwood Press. 1970. ISBN 0837116619
  • P.J. van der Merwe und Roger B. Beck: The Migant Farmer in the History of the Cape Colony. Ohio University Press. 1995. ISBN 0821410903

Weblinks


Geschichte (Südafrika)

Geskiedenis van die Kaapkolonie vanaf 1806 tot 1870 | History of Cape Colony from 1806 to 1870

 

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