| Geschichte der Kapkolonie |
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| vor 1806 |
| 1806 - 1870 |
| 1870 - 1899 |
| 1899 - 1910 |
Die Geschichte der Kapkolonie von 1806 bis 1870 umfasst die Zeit der Kap-Front-Kriege, auch Kaffern-Kriege genannt, die von 1811 bis 1858 dauerten. In den Kriegen kämpften die europäischen Siedler gegen die über die Küstenebene am Indischen Ozean zugewanderten Xhosa, die gegen das Vordringen der Europäer an der Küste nördlich vom heutigen East London rebellierten. Die Kapkolonie war die erste europäische Siedlung in Südafrika, die ursprünglich unter Herrschaft der Niederländische Ostindien-Kompagnie stand. Nach deren Niedergang und während der napoleonischen Kriege wurde sie vom britischen Imperialismus im Handstreich widerrechtlich okkupiert. Nach Rebellionen der aufgrund von Verträgen mit den indigenen Khoi-Khoi legitim ansässigen Buren wurden erneut britische Streitkräfte zum Kap geschickt. Bei der Schlacht an der Tafelbucht unterwarfen die Briten unter Sir David Baird die niederländische Garnison des Cape Castle und 1814 übergaben die Verlierer die Kolonie vollständig an die britische Monarchie. Zu dieser Zeit reichte die Kolonie bis zu den Bergen vor dem riesigen Zentralplateau (Highveld), damals als „Land der Buschmänner“ bezeichnet, und umfasste eine Fläche von rund 194.000 km² und 60.000 Einwohner, darunter 27.000 Weiße, 17.000 freie Khoi Khoi (Hottentotten) und der Rest Nachfahren von einstigen Gastarbeitern unterschiedlicher Herkunft, die meisten davon sogenannte Kapmalaien.
Als die britischen Imperialisten 1817 die Rückgabe von gestohlenem Vieh forderten, kam es zu einem Konflikt zwischen ihrer Regierung und den Xhosa. Am 22. April griffen diese unter der Führung eines Propheten namens Makana die von weißen Truppen kontrollierte Grahamstown an. Letztere konnten den Angriff jedoch rechtzeitig abwehren. Anschließend einigte man sich darauf, das Land zwischen Fish River und Keiskamma River zum neutralen Territorium zu erklären.
Die Ankunft der Immigranten brachte auch die englische Sprache an das Kap. Englischsprachige Verordnungen wurden erstmals 1825 veröffentlicht und zwei Jahre später fanden sie auch in juristischen Vorgängen Anwendung. Das Niederländische wurde jedoch nicht verdrängt, weshalb die meisten Siedler zweisprachig waren.
Ein Ereignis von 1815/16 sorgte für dauerhafte Feindseligkeit der niederländischen Buren gegenüber den britischen Imperialisten. Ein Bure namens Bezuidenhout widersetzte sich einem Befehl, der nach einer Beschwerde der Khoi Khoi angeordnet worden war. Er schoß auf die Abgesandten, die ihn festnehmen sollten, und wurde im Gegenfeuer getötet. Dies führte zu einer kleinen Rebellion und bei ihrer Niederschlagung wurden fünf Rädelsführer von den Briten in Slachters Nek öffentlich erhängt, wo sie ursprünglich geschworen hatten, „die englischen Tyrannen“ zu vertreiben. Der Ärger über die Erhängung verstärkte sich durch die Umstände der Hinrichtung, da das Schafott, an dem die Rebellen gleichzeitig hingen, unter ihrem Gewicht zusammenbrach, und die Männer schließlich einzeln aufgehängt wurden. Das war in Augen der Buren der Inbegriff von Willkür des britischen Imperialismus, denn der Henker hatte das Recht einmal zu hängen, nicht zweimal. Nach geltendem Recht war das zweite Hängen Mord und die Delinquenten waren aus politischen Gründen abgeurteilt. Dieser Galgen wurde von den Buren danach als Mahnmal aufbewahrt und ist seitdem fundamental für ihr Verhältnis zu den Briten. Die Briten wiederum trieben die Entrechtung der Buren weiter fort. Eine Verordnung von 1827 ersetzte die alten und einzig rechtmäßigen niederländischen Landdrost- und Heemraden-Gerichte durch Magistrate von außerhalb. Die Verordnung besagte außerdem, dass alle juristischen Verhandlungen ab sofort in englischer Sprache zu führen seien.
Eine nachfolgende Verordnung von 1828 gewährte den Khoi Khoi und anderen freien Farbigen die gleichen Rechte wie den Weißen. 1830 wurden harte Strafen für die grobe Behandlung von Arbeitern festgelegt unnd 1834 verkündete man die Emanzipation der Arbeiter. Jede dieser Verordnungen verstärkte die Wut der Buren auf die britischen Imperialisten. Außerdem sorgten die unzureichende Kompensation für Arbeitgeber und Verdächtigungen bezüglich der Zahlungsmethoden an die Arbeiter für große Unzufriedenheit und 1835 begannen die Buren wieder, in unbekanntes Land zu ziehen, um der ungeliebten Regierung zu entfliehen. Die Emigration jenseits der ursprünglichen Siedlungsgrenzen gab es zwar kontinuierlich seit 150 Jahren, aber nun nahm sie größere Ausmaße an.
Die Buren sorgten auf beiden Seiten des Oranje für große Unruhe, wo sie mit den Basotho, anderen Bantu, den Buschmännern und den mit diesen verwandten Griqua um die Vorherrschaft kämpften, während sich die Briten in Kapstadt auch hier begann, alle Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen. Auf Vorschlag der Missionare, die großen Einfluss auf alle Nicht-Niederländer ausübten, wurden einige Stammesländer von der Regierung anerkannt und subventioniert, um den Frieden an der Nordgrenze herzustellen. Der erste Treaty State war Griqualand West. Weitere Staaten folgten 1843 und 1844. Während die Nordgrenze sicherer wurde, war der Zustand der Ostgrenze beklagenswert, da die Regierung entweder unfähig oder unwillig war, die Buren vor den Xhosa zu schützen.
Auf anderen Gebieten machte die Kolonie jedoch Fortschritte. Ein effizientes Bildungssystem wurde auf Veranlassung von Sir John Herschel, einem Astronomen, der von 1834 bis 1838 in der Kapkolonie lebte, eingerichtet. Road Boards waren sehr hilfreich beim Bau neuer Straßen. Eine neue stabile Industrie, Schafzucht, ergänzte das bisherige Angebot aus Weizenanbau, Viehzucht und Weinanbau. Ab 1846 wurde Wolle zur wertvollsten Exportware des Landes. 1835 wurden die Buren durch den neuen Legislative Council an der Regierung beteiligt.
Weitere Rückschläge folgten schnell. Der größte Teil der Xhosa-Polizei desertierte, viele mit ihren Waffen. Durch ihren anfänglichen Erfolg bestärkt umzingelten und attackierten die Xhosa Fort Cox mit immenser Gewalt, in dem der Gouverneur mit einigen Soldaten stationiert war. Es gab mehrere erfolglose Attentate auf Sir Harry, der eine Möglichkeit zur Flucht finden musste. An der Spitze von 150 Kavalleristen floh er, begleitet von Colonel Mackinnon aus dem Fort und ritt durch gegnerisches Feuer die 19 km bis nach King William's Town.
Währenddessen tauchte ein neuer Feind auf. Rund 900 Khoi Khoi vom Kat River, die in früheren Kriegen Verbündete der Briten gewesen waren, schlossen sich nun ihren ehemaligen Gegner, den Xhosa, an - und das nicht ohne Grund. Sie beschwerten sich darüber, dass sie als Soldaten in früheren Kriegen - die Kap-Kavallerie bestand zu großen Teilen aus Khoi Khoi - nicht so behandelt wurden wie andere, die der Verteidigung des Kapgebietes dienten, dass sie keine Entschädigung für ihre Verluste erhielten und dass sie vielfach ungerecht behandelt worden seien. Sie bildeten eine geheime Allianz mit den Xhosa, um die Europäer mit Waffengewalt zu vertreiben und eine Khoi Khoi Republik zu errichten. Zwei Wochen nach dem Angriff auf Colonel Mackinnon waren die Khoi Khoi vom Kat River ebenfalls bewaffnet. Ihrer Revolte folgten weitere Angriffe in anderen Missionsstationen und einige Khoi Khoi der Kavallerie folgten ihrem Beispiel, darunter sogar Männer, die den Gouverneur aus Fort Cox geleitet hatten. Viele Khoi Khoi blieben jedoch loyal und die Mfengu waren auch auf britischer Seite.
Nachdem sich die Konfusion nach dem Überraschungangriff beruhigt hatte, rief Sir Harry Smith zum Gegenangriff. Er stürmte das Amatole-Gebirge und bestrafte Sarhili, den höchstrangigen Häuptling, der die Ngqika heimlich unterstützt hatte, hart. Im April 1852 rief der Earl Grey Sir Harry Smith zurück und warf ihm - nach Meinung des Duke of Wellington zu Unrecht - einen Mangel an Energie und Urteilskraft bei der Kriegsführung vor, weshalb er ihn durch Lieutenant-General Cathcart ersetzte. Sarhili wurde erneut angegriffen und unterworfen. Die Xhosa wurden aus dem Amatole vertrieben und durch neu errichtete kleine Forts an der Rückkehr dorthin gehindert.
Die britischen Kommandanten litten ständig unter ihrer unzureichenden Ausrüstung, weshalb der Xhosa-Aufstand erst im März 1853 nach dem Verlust mehrerer Hundert britischer Soldaten niedergeschlagen wurde. Kurz danach wurde British Kaffraria, ein Gebiet zwischen Transkei und East London, zu einer Kronkolonie erklärt. Die Khoi Khoi-Siedlung am Kat River blieb bestehen, aber ihre Macht war gebrochen.
1854 breitete sich beim Vieh der Xhosa eine Krankheit aus. Man vermutete, dass sie vom Vieh der weißen Siedler übertragen worden war. Viele Tiere starben und die Xhosa erklärten dies mit ubuthi, Hexerei. Im Mai 1856 holte ein Mädchen namens Nongqawuse Wasser aus einem Teich nahe der Mündung des Gxarha River. Bei ihrer Rückkehr erzählte sie ihrem Onkel Mhlakaza, dass sie drei Geister am Teich gesehen habe, die ihr gesagt hätten, dass das gesamte Vieh geschlachtet und die Ernte vernichtet werden sollte. Am Tag nach der Zerstörung kämen die toten Xhosa zurück, um bei der Vertreibung der Weißen zu helfen. Die Vorfahren würden Vieh mitbringen, um die toten Tiere zu ersetzen. Mhlakaza glaubte der Prophezeiung und informierte den Häuptling Sarhili.
Sarhili befahl, die Anordnungen der Geister zu befolgen. Zunächst mussten die Xhosa ihr fettes Vieh vernichten. Nongqawuse, die in dem Fluss stand, wo die Geister zum ersten Mal erschienen waren, hörte überirdische Geräusche, die ihr Vater als Aufforderung verstand, noch mehr Vieh zu töten. Schließlich verlangten die Geister, dass kein einziges Tier ihrer Herden überleben sollte und jedes Getreidekorn zerstört werden müsse. Wenn dies erledigt sei, würden Unmengen von viel schönerem Vieh aus der Erde auftauchen, während große Felder mit Getreide, reif und bereit zur Ernte, plötzlich erscheinen. Die Toten würden auferstehen, Probleme und Krankheiten verschwinden und allen würden Jugend und Schönheit zuteil. Ungläubige und die verhassten Weißen würden an diesem Tag verschwinden.
Die Menschen hörten dies und gehorchten. Sarhili gilt für viele als Anstifter der Prophezeiungen. Sicherlich glaubten einige der führenden Häuptlinge, dass sie lediglich in Vorbereitung eines letzten Kampfes mit den Europäer handelte, wobei die ganze Nation der Xhosa voll bewaffnet und ausgehungert auf das Kapgebiet geworfen werden sollte. Der Glaube an die Prophezeiung verstärkte sich durch den Tod von Lieutenant-General Cathcart im Krimkrieg 1854. Sein Tod wurde dem Eingreifen der Vorfahren zugeschrieben.
Es gab auch Menschen, die weder an die Vorhersagen glaubten noch am Kriegserfolg interessiert waren, aber in bedingungslosem Gehorsam zum Befehl ihres Häuptlings ihre letzte Nahrung zerstörten. Große Menschenmengen handelten entweder in dem Glauben, der das Erhabene erreichte oder in gleich großem Gehorsam. Man errichtete große Krale für das versprochene Vieh und riesige Fellsäcke zur Aufbewahrung der Milch, die bald üppiger sein sollte als Wasser. Schließlich brach der Tag an, der laut Prophezeiung das Paradies auf Erden bringen sollte. Die Sonne ging auf und unter, aber das erwartete Wunder blieb aus. Den Häuptlinge, die die ausgehungerten Krieger auf die Kolonie hetzen wollten, war ein unglaublicher Fehler unterlaufen, da sie versäumten, die Nation unter dem Vorwand, die Auferstehung zu erleben, zusammenzurufen. Sie bemerkten ihren Fehler zu spät und versuchten das Problem zu lösen, indem sie die Auferstehung auf einen anderen Tag verlegten, aber reine Verzweiflung hatte die Hoffnung und den Glauben verdrängt und die Xhosa suchten die Briten nur als hungernde Bittsteller auf.
Nach dem War of the Axe taten die Kolonialisten alles Mögliche, um Leben zu retten, aber Tausende gingen elend zugrunde. In ihrem extremen Hunger wurden viele Xhosa zu Kannibalen und ein Fall von Eltern, die ihr eigenes Kind essen, ist bezeugt. Zu den Überlebenden gehört das Mädchen Nongqawuse. Einen lebhafter Bericht des ganzen Vorfalls findet man in G. M. Theals Buch History and Geography of South Africa (3. Auflage, London, 1878). Das entvölkerte Land wurde anschließend mit europäischen Siedlern aufgefüllt. Dazu gehörten Mitglieder der deutschen Legion, die mit der britischen Armee im Krimkrieg gedient hatte, und rund 2.000 betriebsame Emigranten aus Norddeutschland, die sich als wertvoll erwiesen.
Sir George Grey verließ das Kap 1861. Während seiner Regierung waren die Ressourcen des Kapgebietes durch die Eröffnung der Kupferminen in Little Namaqualand, die Mohair-Wollindustrie und die Eigenständigkeit des Gebietes Natal gestiegen. Mit der Einweihung der Eisenbahnlinie von Kapstadt nach Wellington im November 1863 und der Errichtung der Wellenbrecher 1860 in der Tafelbucht, die an dieser gefährlichen Küste längst nötig waren, begannen die öffentlichen Bauarbeiten in großem Umfang. Sie waren dadurch begünstigt, dass dem Kapgebiet weitestgehend Eigenständigkeit in der Regierung gewährt wurde.
Die Provinz British Kaffraria wurde 1865 unter dem Titel Electoral Divisions of King William’s Town and East London in die Kolonie integriert. Der Wechsel ging einher mit der Aufhebung des Verkaufsverbots für alkoholische Getränke an die Bantu und der folgende freie Handel mit den berauschenden Getränken hatte beklagenswerte Folgen für die Xhosa. Eine schwere Dürre, die fast das gesamte Kapgebiet mehrere Jahre lang betraf, sorgte für eine große ökonomische Depression und viele Bauern litten schwer darunter. In dieser Zeit führte man die Straußen-Zucht erfolgreich als eigenen landwirtschaftlichen Bereich ein.
Die Grenzen der britischen Autorität erweiterten sich, ob mit oder gegen den Willen der Regierung in London. Die Basotho, die in den oberen Tälern des Oranje lebten, hatten von 1843 bis 1854 unter einem Semi-Protektorat der britischen Regierung gestanden. Aber nachdem sie nach dem Verlust von Weidegebieten in Oranje-Freistaat in ihr Kernland Lesotho zurückgedrängt waren, begannen sie einen lang andauernden Krieg mit den Buren des Oranje-Freistaats. Auf Grund der dringenden Petition ihres Häuptlings Moshoeshoe I. wurden sie 1868 zu britischen Untertanen erklärt und ihr Territorium Basutoland wurde 1871 ein Teil des Kapgebietes. Im gleichen Jahr wurde der südöstliche Teil von Bechuanaland unter der Bezeichnung Griqualand West von Großbritannien annektiert. Dieser Anschluss erfolgte nach der Entdeckung von drei reichen Diamant-Minen, einem Ereignis mit weitreichenden Folgen.
Geskiedenis van die Kaapkolonie vanaf 1806 tot 1870 | History of Cape Colony from 1806 to 1870
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