Nachdem einige Gruppen der uralischen Völker bereits im 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. von dem namensgebenden Uralgebirge Richtung Westen gewandert waren, lösten sich die Magyaren zwischen 1000 und 500 v. Chr. endgültig von ihnen ab. Etwa in dieser Zeit bildete sich wohl auch ein ethnisches Selbstbewusstsein der Urungarn heraus. Wichtige Elemente dieser Entwicklung stellten die Sprache, Bräuche, Trachten und der Glaube dar. So stammt auch die berühmte ungarische Sage von einem Wunderhirsch wohl aus dieser Zeit, die sich dann im Laufe der Zeit zu der Sage von Hunor und Magor veränderte.
Im 5. Jahrhundert veranlasste die Völkerwanderung die Magyaren zur Wanderung Richtung Westen. Die Endstation dieser Wanderung war ein Gebiet zwischen Wolga und dem Uralgebirge. In diesem Gebiet fand übrigens noch 1236 der Dominikanermönch Julianus einige der im Osten gebliebenen Magyaren; er nannte dieses Gebiet Magna Hungaria („Großungarn“). Die meisten Magyaren zogen dann um 700 bis 750 dem Lauf der Wolga folgend in südlicher Richtung weiter. Einige blieben allerdings auch zurück; auf sie dürfte Julianus später gestoßen sein.
Das nächste Siedlungsgebiet der Magyaren bezeichnet man als Levédia, das nach dem vermutlichen Fürsten der Ungarn, Levedi, benannt ist. Der byzantinische Kaiser Konstantin VII. bezeichnete ca. 950 dieses Wohngebiet der Ungarn als Etelköz (Zwischenstromland). Die genaue Lage beider Gebiete ist allerdings bis heute nicht bekannt. Gesichert ist aber, dass die Ungarn um 850 das Dongebiet verließen und in westlicher Richtung weiterwanderten. Ihr damaliges Wohngebiet reichte ungefähr vom Dnepr bis zur unteren Donau und den Ostkarpaten.
Nachdem die Ungarn um 850 von den Petschenegen im Bündnis mit den Chasaren besiegt wurden, trennte sich ein bedeutender Bevölkerungsteil von den Ungarn und siedelte danach südlich des Kaukasus im persischen Grenzgebiet. Diese Savarden, wie sie Kaiser Konstantin bezeichnete, standen auch noch ein Jahrhundert lang mit den in das Karpatenbecken gewanderten Ungarn in Kontakt.
Die Ungarn, die in ihren alten Siedlungsgebieten verblieben, verfügten um diese Zeit über eine große, bis zu 20.000 Reiter starke Streitmacht. Im Zuge der nach Westen gerichteten Streifzüge erkundeten ihre Reitertrupps auch die weiten Ebenen des Karpatenbeckens.
Die Petschenegen wurden um 894 von den Usern in eine neue Heimat gezwungen und verbündeten sich mit den zu Ungarn im Krieg stehenden Bulgaren. Zusammen vertrieben sie die Magyaren aus dem Gebiet zwischen Dnjepr und Donau (Ob dies aber wirklich die Ursache für die Wanderung der Ungarn über die Karpaten war ist umstritten). Der ungarische Stammesverband flüchtete 895/896 über die Pässe der Ostkarpaten in die Pannonische Tiefebene und nach manchen Ansichten auch damals schon nach Siebenbürgen
Insgesamt gliederte sich die ungarische Bevölkerung der damaligen Zeit in folgende Hauptgruppen:
Die Unterschicht hatte die Last der Ausgaben des Adels zu tragen, die es in Form von Naturalien und Arbeitsdienst ableistete. Arbeitsdienst leisteten vor allem die „Gemeinen“ und waren zu verschiedenen Diensten gegenüber ihren Herren verpflichtet. Obwohl diese unteren Schichten, genauso wie die Mittelschicht und der Adel frei und dazu auch formell gleichberechtigt waren, gerieten sie immer mehr in Abhängigkeit zum Adel, viele verloren die Freiheit und sanken in die Gruppe der Knechte ab. Zu dieser Gruppe gehörte auch die von den Streifzügen mitgebrachten Gefangene, wie auch die im eroberten Karpatenbecken ansässigen Slawen, von denen die Ungarn die Landwirtschaft lernten und etwa 1500 grundlegende Wörter aus dem Bereich der Staatsverwaltung (Komitat, König), Landwirtschaft (Kirsche), Religion (Priest, Engel), Handwerk (Müller, Schmied) und andere (Mittwoch, Donnerstag, Straße, Fenster, Teller, Mittagessen, Abendessen) in ihre Sprache übernahmen. Im Südosten der Pannonischen Tiefebene gab es vereinzelt noch Überreste der Awaren.
Die Ungarn siedelten sich, wie bereits oben erwähnt, erst ab 895/896 im heutigen Ungarn an. Sie drangen zunächst 895 lediglich in das mittlere/obere Theißgebiet (Gebiete Großmährens). Nördlich und nordwestlich dieses Gebietes war das Gebiet des Neutraer Fürstentums (Teil von Großmähren), westlich davon das Gebiet der Ostfranken, die weiteren Expansionen Einhalt boten. Auch archäologische Funde lassen die obere Theißgegend als anfängliches fürstliches Siedlungsgebiet vermuten.
Um 900 zogen die Ungarn nach Transdanubien und brachten es unter ihre Herrschaft, wobei ihnen mehrere Geschehnisse die Eroberung erleichterten. So starb 894 der großmährische König Sventopluk, und die darauf folgenden Thronstreitereien schwächten sein Reich zunehmend (noch im selben Jahr verlor Großmähren nach ungarischen Plünderungen das Gebiet Transdanubiens an das Ostfrankenreich). Der ostfränkische König Arnulf ging mit den Ungarn sogar 892 ein Bündnis gegen die Langobarden ein, die gemeinsam geschlagen wurden. Als König Arnulf kurze Zeit später auch starb, sahen die Ungarn den richtigen Zeitpunkt für Gebietserweiterungen. Die Wahl der zu erobernden Gebiete waren vor allem strategische Gesichtspunkte, so dass sich die Ungarn hauptsächlich an Gewässern, Flusstälern oder von Sümpfen geschütztem Gebiet niederließen. Ein wichtiges Zentrum der ungarischen Stämme befand sich einigen Chroniken zufolge zu dieser Zeit auf der Insel Csepel im mittleren Abschnitt der Donau (ungefähr in der heutigen Stadt Budapest).
Mit den Schlachten von Brezalauspurc 907 schlugen die Ungarn bayerische Truppen, eroberten östliche Teile des heutigen Österreichs (bis 955) und zerstörten die Zentralmacht Großmährens. Um 925 eroberte eine Gruppe der ungarischen Stämme unter der Führung von Lél (nicht die der Árpáden) die heutige Südwestslowakei (siehe Neutraer Fürstentum).
Generell ist für das 10. Jahrhundert zu beachten, dass zumindest in seiner zweiten Hälfte die von Ungarn beherrschten Gebiete aus einer Reihe von ungarischen Stammesgebieten bestand, von denen jenes der Hauptlinie der Árpáden, d. h. der Kern des späteren ungarischen Staates, nur im nördlichen Transdanubien lag. Seit etwa den 70er Jahren des 10. Jahrhunderts war die Lage den vorhandenen Quellen zufolge so, dass den Árpáden neben dem bereits genannten Gebiet noch die Lehnfürstentümer von Neutra und von Bihar sowie das von Verwandten regierte Siebenbürgen indirekt unterstanden. Die restlichen Gebiete wurden von feindlich gesinnten ungarischen Stammesführern beherrscht und erst später von König Stephan sukzessive erobert und geeint. Allerdings darf nicht der Eindruck entstehen, als hätten die Ungarn ein ethisch homogenes Land regiert, die unterworfenen slawischen und germanischen Völker im Land waren ein wesentlicher Bestandteil der ungarischen Heere und des Staatsapparates. Und Vermittler von Kenntnissen, was sich durch die zahllosen slawischen und deutschen Lehnworte im Ungarischen nachvollziehen läßt.
Die Verteidigung der ungarischen Gebiete musste sich hauptsächlich nach Osten und Norden richten, da die Magyaren ihre Angriffe und Feldzüge stets nach Westen ausführten, oft mit oder als Verbündeter eines westlichen Staates. Im 10. Jahrhundert bestimmten diese Feldzüge die gesamte ungarische Außenpolitik. Sie beschafften sich durch Raub- und Beutezüge durch ganz Europa Luxusartikel und teure Waren (darunter auch Gefangene), die man sonst nicht hätte hervorbringen können. Die Heere westlicher Staaten bestanden zur damaligen Zeit größtenteils aus schwer gepanzerten und bewaffneter Reiterei, während die Reiter der Magyaren schnell und immer beweglich waren, ein Vorteil, der lange Zeit ihren Erfolg garantierte. Ihre Taktik war für die damalige Zeit recht außergewöhnlich: Sie versuchten das Heer des Gegners einzukreisen und vom Pferd aus mit Pfeilen zu beschießen. Nach einer Zeit täuschten sie die Flucht an, um sich dann im Überraschungsmoment umzudrehen und den Gegner so in die Falle zu locken. Mit dieser Taktik gelang es ihnen viele, auch kulturell und technisch hoch entwickelte Regionen Europas zu plündern und brandzuschatzen. Auch andere Faktoren begünstigten den Erfolg der Magyaren: Die zermürbenden Kriege der einzelnen europäischen Staaten untereinander, aber auch das von innen schwächende feudale Durcheinander. In Ungarn selber bewirkten die Streifzüge eine weitere Differenzierung der Bevölkerung. Die Führungsschicht des Staates wurde immer vermögender, hauptsächlich durch Kriegsbeute wie Silber, Tiere und teuere Stoffe, später auch durch Tributzahlungen.
Auch 933 wollten die Ungarn vom deutschen Kaiser Heinrich I. Tribut verlangen und zogen gegen Deutschland in den Krieg. Heinrich rechnete aber mit einem Angriff und konnte eine starke Streitmacht aufbieten. In der Schlacht bei Riade wurden die Ungarn geschlagen. Der Glaube an die Unbesiegbarkeit der Ungarn war erschüttert, allerdings gingen die Raubzüge der Ungarn weiter. Erst die vernichtende Niederlage bei der Schlacht auf dem Lechfeld nahe Augsburg bot den Ungarn Einhalt. Bei dieser Schlacht wurden drei gefangen genommene ungarische Führer (Bulcsú, Lél, Súr) erhängt, Österreich fiel wieder an die Deutschen und das Neutraer Fürstentum an die Árpáden. Dem damals noch heidnischen Glauben der Magyaren nach wurden die drei Erhängten zu Dienern der Deutschen, was psychologisch stark negative Folgen für die Magyaren hatte.
Außenpolitisch wurde, ausgelöst durch diese Niederlage, ein neuer Kurs eingeschlagen. Der neue Großfürst Taksony setzte den Angriffen gen Westen ein Ende und hielt sich an Verteidigung. Er war bereit, auch unter Inkaufnahme von Gebietsverlusten, den Frieden mit dem Deutschen Reich aufrechtzuerhalten. In südlicher Richtung gingen die Angriffe unterdessen aber weiter. So stellte Byzanz die Tributzahlung an Ungarn ein, so dass sich Taksony 959 für einen Feldzug gegen Byzanz entschied, der erst 11 Jahre später entschieden wurde. Die Magyaren konnten, selbst im Bündnis mit Petschenegen, Bulgaren und Russen die entscheidende Schlacht bei Arkadiupolis nicht für sich entscheiden und mussten sich geschlagen geben. Damit war das Ende der Streifzüge der Magyaren besiegelt, Großfürst Géza, der den Thron von seinem Vater Taksony geerbt hatte, sah sich gezwungen, die Angriffe einzustellen, da ansonsten die Großmächte Europas das Ungarntum vernichtet hätten. Er musste sich auch Problemen im Inneren zuwenden. Die Streifzüge als Einnahmequelle waren versiegt, so dass er sich auf andere Bereiche konzentrieren musste. Die außen- und innenpolitische Lage machten eine Staatsgründung immer dringlicher.
Géza (lebte 949–997) und sein Sohn Vajk (seit seiner Taufe Stephan (István) genannt, er lebte 975–1038) holten deutsche Missionare und Ritter ins Land, ferner Missionare aus Byzanz und bauten eine Verwaltung auf. Mit dem gewachsenen Anhang schalteten sie innere Rivalen (Koppány) aus, so dass sich Stephan I. im Winter 1000/1001 zum König krönen lassen konnte.
Ungarns Innenpolitik wurde in den folgenden Jahrhunderten von dem Kampf zwischen dem König und dem Hochadel bestimmt, der im 13. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte. Ungarns Außenpolitik war von weitreichenden Heiratsbündnissen und (nach dem Machtverfall von Byzanz ab 1180) von einer Großmachtpolitik auf dem Balkan bestimmt.
Im Jahr 1241 verwüsteten die Mongolen das Land, so dass König Béla IV. (1235–1270) wieder viele deutsche Einwanderer ins entvölkerte Land holen musste, die hauptsächlich in Siebenbürgen (siehe Siebenbürger Sachsen) und in der heutigen Slowakei angesiedelt wurden. 1370–1386 und 1440–1444 wurde Ungarn mit Polen in Personalunion von den Anjou und Jagiellonen regiert. Ende des Mittelalters blühte Ungarn unter den Königen wie dem Luxemburger Sigismund (König seit 1387) oder dem vom Kleinadel gewählten Matthias Corvinus (1458–1490) auf. Von 1490–1526 wurde es von den polnisch-litauischen Jagiellonen in Personalunion mit Böhmen regiert. Mit dem Tod Ludwigs II. in der Schlacht bei Mohács (1526) wurde es von den Osmanen unter Sultan Süleyman dem Prächtigen erobert.
Nach Zápolyas Tod im Jahre 1540 und der Besetzung von Buda im Jahre 1541 war das Gebiet des Königreichs Ungarn deutlich kleiner: Die Gebiete, die weiterhin von den Habsburgern beherrscht wurden (das heutige Burgenland, die heutige Slowakei, West-Kroatien, Teile des heutigen Nordwest- und Nordostungarns) wurden unter der Bezeichnung „Königliches Ungarn“ faktisch zu einer Provinz der Herrscher in Wien, die fortan mit den Türken um den Besitz des Landes kämpfen mussten. Formal wurden aber die Habsburger weiterhin als ungarische Könige gekrönt. Hauptstadt des Königlichen Ungarns wurde Pressburg (ungarisch Pozsony, slowakisch Prešporok, heute Bratislava). Von den restlichen ehemaligen Gebieten blieb Siebenbürgen ein türkischer Vasallenstaat und der Rest (im heutigen Ungarn) wurde eine Provinz des Osmanischen Reichs. Erst am Ende des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts eroberten die Habsburger diese Gebiete von den Türken zurück.
Siehe auch: Die Slowakei in der frühen Neuzeit (1526–1711)
Unter der Herrschaft von Maria Theresia kam es erneut zu deutschen Ansiedlungen (u. a. der Donauschwaben) im Königreich Ungarn. Während der Napoleonischen Kriege war das österreichisch-ungarische Verhältnis weitgehend spannungsfrei. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entwickelte sich jedoch dann eine starke liberale und nationale Bewegung in Ungarn. 1844 ersetzte das Ungarische die lateinische Sprache als Staatssprache. 1848/49 kam es zur Revolution gegen die Habsburger unter Führung von Lajos Kossuth, in deren Verlauf am 14. April 1849 in der Großen Reformierten Kirche von Debrecen der ungarische Reichstag zusammentrat und Lajos Kossuth die Entthronung des Hauses Habsburg und die Unabhängigkeit Ungarn verkündete. Nach der blutigen Niederschlagung des ungarischen Freiheitskampfes bis August 1849, mit russischer Unterstützung, und einer Phase der Unterdrückung (u. a. der Hinrichtung des ungarischen Ministerpräsidenten Batthyány sowie 13 weiterer Revolutionsführer am 6. Oktober 1849) kam es 1867 unter Kaiser Franz Joseph I. zum Ausgleich der Habsburger mit Ungarn, um dem Vielvölkerstaat in der modernen Zeit eine größere innere Festigkeit zu verleihen.
Der Ausgleich vollzog sich unter der Mitwirkung des ungarischen Anwalts Ferenc Deák („Der Weise der Heimat“). Ungarn war nun bis 1918 zweiter Hauptbestandteil der k.u.k. Doppelmonarchie. Die Regierung in Ungarn handelte 1868 den Ungarisch-Kroatischen Ausgleich aus, der die Autonomie des Königreichs Kroatien innerhalb des ungarischen Reichsteils der k.u.k. Doppelmonarchie regelte. Ab 1879 führte jedoch die zunehmende Magyarisierungspolitik im ungarischen Reichsteil zu erheblichen Spannungen mit anderen Volksgruppen.
ImreNagyport.jpg Nach dem Tod Stalins schloss sich ab Juni 1953 unter Ministerpräsident Imre Nagy eine Periode vorsichtiger Liberalisierung an. Mit der Entmachtung Nagys 1955 durch die weitgehend unverändert gebliebene Parteispitze ging eine Restauration einher. Die politische Lage blieb angespannt.
Schließlich kam es am 23. Oktober 1956 zu einem Volksaufstand, in dessen Verlauf Imre Nagy erneut zum Ministerpräsidenten ernannt wurde.
Siehe auch: Vorgeschichte des Ungarischen Volksaufstandes Der Aufstand wurde jedoch durch die sowjetische Armee blutig niedergeschlagen. Insgesamt fünf sowjetische Divisionen waren zwischen dem 1. und 4. November daran beteiligt; als Besatzungsarmee verblieben etwa 100.000 sowjetische Soldaten in Ungarn. Imre Nagy wurde im Juni 1958 in einem Geheimprozess zum Tode verurteilt und kurz darauf gehängt. Bis 1963 wurden ca. 400 Menschen, vorwiegend Arbeiter, als Vergeltung für den Aufstand hingerichtet. Viele Ungarn verließen nach dem gescheiterten Volksaufstand das Land und emigrierten nach Westeuropa und Nordamerika.
Unter János Kádár, Parteichef von 1956–1988, erfolgten ab 1968 Wirtschaftsreformen, die auch unter dem Begriff Gulaschkommunismus bekannt wurden.
1988 setzte der friedliche Systemwechsel mit der Bildung erster Oppositionsgruppen ein. In der Partei übernahmen Ende 1988 Wirtschaftsreformer die Macht, Miklós Németh wurde Ministerpräsident. 1989 wurde Imre Nagy rehabilitiert und am 23. Oktober die dritte ungarische Republik ausgerufen.
Am 2. Mai 1989 begann Ungarn, die Grenzanlagen zu Österreich abzubauen. Ausschlaggebend waren dafür Kostengründe; die fällige Reparatur des in die Jahre gekommenen Grenzzauns war der ungarischen Regierung schlicht zu teuer. Die symbolische Öffnung eines Grenztors zwischen Österreich und Ungarn beim Paneuropäischen Picknick am 19. August 1989 mit Zustimmung beider Regierungen galt als erste „offizielle“ Öffnung des Eisernen Vorhangs. Die mittelfristigen Auswirkungen dieser zunächst von der Weltöffentlichkeit nicht sonderlich beachteten Maßnahme waren dramatisch und trugen letztendlich entscheidend zum Fall des Kommunismus und zur Demokratisierung Osteuropas sowie zur Wiedervereinigung bei.
Die Parlamentswahl am 8. Mai 1994 gewann die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP) mit 53 % der Stimmen und bildete zusammen mit den Freien Demokraten (SZDSZ) die Regierung. Neuer Ministerpräsident wurde Gyula Horn. Am 19. März 1995 wurde der slowakisch-ungarische und am 16. September 1996 der ungarisch-rumänische Grundlagenvertrag unterzeichnet. Die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union begannen am 31. März 1998, im gleichen Jahr wurde auch ein Antrag auf Mitgliedschaft in der NATO gestellt.
Madl ferenc.png Am 10. Mai 1998 fanden Parlamentswahlen statt, die ein Bündnis aus dem Bund Junger Demokraten (FIDESZ) und der Ungarischen Bürgerlichen Partei (MPP) mit 38,3 % der Stimmen gewann. Dieses bildete zusammen mit der Unabhängigen Partei der Landwirte (FKGP) und dem Ungarischen Demokratischen Forum (MDF) eine Koalition. Ministerpräsident wurde der Vorsitzender des FIDESZ Viktor Orbán. Am 12. März 1999 wurde Ungarn Mitglied der NATO. 2000 wurde Ferenc Mádl zum Staatspräsidenten gewählt.
Die Parlamentswahl am 7. April 2002 gewann mit 41,5 % der Stimmen die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP). Diese bildete zusammen mit den Freien Demokraten (SZDSZ) eine Regierung, der parteilose Péter Medgyessy wurde neuer Ministerpräsident. Am 12. April 2003 fand eine Volksabstimmung über den Beitritt Ungarns zur Europäischen Union statt, 83,8 % der Wähler stimmten dafür. Am 16. April 2003 wurden die Verträge über den Beitritt unterzeichnet, seit dem 1. Mai 2004 ist Ungarn im Zuge der EU-Osterweiterung Mitglied der Europäischen Union. Bei der Präsidentschaftswahl am 6. und 7. Juni 2005 setzte sich der ehemalige Präsident des Ungarischen Verfassungsgerichtes László Sólyom gegen die Parlamentspräsidentin Katalin Szili im dritten Wahlgang mit 185 zu 182 Stimmen durch. Seine Amtseinführung fand am 5. August statt.
Bemerkenswert ist, dass es in Ungarn seither bis 2006 bei jeder Parlamentswahl zu einem Sieg der Opposition und somit zu einem Regierungswechsel kam. Erst bei den Wahlen im April 2006 wurde eine amtierende Regierung wiedergewählt. Die Ministerpräsidenten seit 1990:
Siehe auch:
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