Das Land Thüringen hat eine sehr lange Geschichte. Es ist benannt nach einem germanischen Stamm der "Thüringer" (Herkunft des Namens unklar bzw. umstritten). Im Laufe der Geschichte zerfiel es in zahlreiche Herrschaften, die sich immer wieder veränderten.
Das heutige Thüringen lag in der Altsteinzeit an den südlichsten Ausläufern der eiszeitlichen Gletscher (Elster-Eiszeit). Die ältesten Funde menschlicher Besiedlung im Land stammen aus Bilzingsleben, Ehringsdorf bei Weimar (Ehringsdorfer Urmensch) sowie aus Ranis.
Um 100 v. Chr. wandern Hermunduren aus dem Gebiet der unteren Elbe nach Thüringen ein und vertreiben die Kelten bzw. vermischen sich mit ihnen. Letztere leben bis um Christi Geburt südlich des Thüringer Waldes und erbauen dort ihr einziges Oppidum auf dem Gebiet der nordöstlichen Bundesländer, die Steinsburg bei Römhild.
3 n. Chr. vereinigt Markomannenfürst Marbod Hermunduren, Quaden, Langobarden und Semnonen in seinem Reich. 19 n. Chr. vertreibt Vibilius, Fürst der Hermunduren, den Markomannen Katwalda, den Nachfolger Marbods, und verleibt sich so den nordböhmischen Teil des Markomannenreiches ein. Laut Tacitus (98 n. Chr.) entspringt die Elbe, deren Quelle tatsächlich im nordöstlichen Böhmen liegt, im Gebiet der Hermunduren.
Die Römer herrschen zwar niemals in Thüringen, dennoch unterhalten sie Handelsbeziehungen und unternehmen einige Expeditionen dorthin. Vielfach wurden im Land römische Münzen gefunden, und eine in Haarhausen bei Erfurt ausgegrabene Töpferei ist fast identisch mit denen der Römer.
Im 3. Jahrhundert brechen Angeln und Warnen von Norden nach Thüringen ein und bilden zusammen mit den Hermunduren die Thüringer. Im 4. Jahrhundert wird der Name Toringi erstmals durch Flavius Vegetius Renatus schriftlich erwähnt, wobei diese Quelle bezweifelt wird. Sicher hingegen ist Sidonius Apollinaris, ein gallischer Autor, der um 480 die Toringi als einen ehemaligen Gefolgschaftsverband des Hunnenkönigs Attila bei dessen Kriegszug nach Gallien benennt.
(Siehe auch: Thüringer) Das Königreich Thüringen existierte bis zur Zerschlagung durch die Franken und Sachsen im Jahre 531. Die Quellen sind spärlich, genau zu datieren ist nur das Ende.
Nach dem Abzug der Hunnen im Jahre 452 konnte König Bisinus einen riesigen Machtbereich kontrollieren. Sein Reich erstreckte sich nach Süden über den Main hinaus fast bis zur Donau. Bisinus residierte in der Bisinesburg (Bösenburg, Saalkreis). Wahrscheinlich ist er mit Fisud identisch, der seine Tochter Radegund mit dem Langobardenkönig Wacho verheiratete.
Kurz danach erscheinen als Könige der Thüringer die Brüder Baderich, Herminafried und Berthachar, von denen Berthachar früh von Herminafried ermordet wurde. Schließlich blieb nur noch Herminafried als eigenständiger König übrig. Herminafried (Ermanfried, Hermenefred) heiratete die Gotin Amalaberga, eine Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich. Beim Tod Theoderichs 526 verlor das thüringische Reich den gotischen Schutz, sodass es für Franken nicht mehr schwer war, die Thüringer anzugreifen.
531 ist das Ende des Reiches gekommen - in der Schlacht bei Burgscheidungen an der Unstrut besiegten die merowingischen Franken mit den verbündeten Sachsen die Thüringer (ob die Sachsen tatsächlich 531 Verbündete der Franken waren, ist umstritten). Durch Flucht, Deportation und Mord (Herminafried 534 in Zülpich) fand die thüringische Königsfamilie ihr Ende. Die letzte Angehörige des Könishauses, Radegundis, starb 587 im französischen Exil und wurde später heilig gesprochen.
Das Reich wird zerschlagen, bleibt aber eine Verwaltungseinheit. Der Norden nördlich des Harzes geht an die Sachsen, der Süden an die Franken. Das Gebiet östlich der Saale kann von den Franken nicht gehalten werden und wird von Slawen besiedelt.
Als Strafe wird den Thüringern der so genannte Schweinezins auferlegt, dem zufolge sie dem fränkischen Königshof jährlich 500 Schweine liefern müssen.
Vom Untergang des Thüringerreiches existiert auch eine - allerdings nur - fragmentarisch überlieferte Heldensage, das sog. Iringlied.
Um 620 richten die Merowinger in Thüringen ein Herzogtum unter der Herrschaft des Herzogs Radulf ein. Über ihn und seine Nachfolger (Heden I., Heden II.) ist fast nichts bekannt. Heden II. schenkte 704 seinen Hof Arnstadt dem Bischof Willibrord - es ist die älteste urkundliche Erwähnung eines Ortsnamens im Thüringer Gebiet.
Unklar ist, ob es sich bei Radulf um einen Herzog Hruodi handelt, der etwa zeitgleich in der Würzburger Gegend herrscht. Das Herzogtum besteht bis ins späte 7. Jahrhundert.
Im Gegensatz zu den übrigen deutschen Stämmen haben die Thüringer somit zu Beginn der deutschen Geschichte im 10. Jahrhundert keinen eigenen Stammesherzog mehr. In ottonischer Zeit sind die einflussreichsten Fürstenhäuser die Markgrafen von Meißen und die Grafen von Weimar. Thietmar von Merseburg schreibt, Markgraf Ekkehard I. sei durch das Volk der Thüringer zum Herzog gewählt worden – auch wenn eine solche Wahl, falls sie tatsächlich stattgefunden hätte, kaum Rechtsgültigkleit besessen hätte. Nach der Ermordung Ekkehards I. im Kloster Pöhlde bei Nordhausen im Jahr 1002 steigen die Grafen von Weimar zur wichtigsten Familie des Landes auf. Als König Heinrich II. bei seinem Krönungsumritt im Juli 1002 Kirchberg bei Jena besuchte, trat Wilhelm als Fürsprecher aller Thüringer auf und erreichte beim König nach fast 500 Jahren die Aufhebung des Schweinezinses.
Unter den thüringischen Adelsgeschlechtern des Mittelalters gewinnt das der Ludowinger eine besondere Bedeutung. Seine ersten bekannten Angehörigen standen - wie die verwandten Reginbodonen - in engerer Beziehung zum Erzstift Mainz und waren (auch) am mittleren Main gegütert. Ludwig der Bärtige - angeblich ein Verwandter Giselas, der Ehefrau Kaiser Konrads II. - erhält um 1040 ein Lehen nördlich des Thüringer Waldes und legt die heute verfallene Schauenburg an. Im Raum Friedrichroda/Finsterbergen erwirbt er ein ansehnliches Territorium, das später, auch durch Heirat, bis an den Harz ausgedehnt werden kann.
Sein Sohn Ludwig der Springer erbaut 1067 die Wartburg. Seine Nachkommen erhalten 1130 die Würde eines Landgrafen von Thüringen. Diese Landgrafschaft wurde zwischen 1111-1112 durch Kaiser Heinrich V. gegründet. Der ernste Landgraf von Thüringen war den bayrischen Feldherrn Hermann I. von Winzenburg-Radelberg († 1122). Sein Sohn und Nachfolger Hermann II. von Winzenburg († 1152) wurde aber in 1130 abgesetzt.
Wartburg eisenach1.jpg Durch die Landgrafen wird die Wartburg im 12. und 13. Jahrhundert ein Zentrum deutscher Kultur. Bekannt sind der sagenhafte Sängerkrieg und das Wirken der heiligen Elisabeth (1207-1231). Die Heirat Ludwigs IV. mit Elisabeth, der Tochter des ungarischen Königs Andreas II., zeigt, dass die Ludowinger in dieser Zeit zu den mächtigsten deutschen Reichfürsten zählten.
Der letzte Ludowinger, Heinrich Raspe, versucht 1246 die deutsche Königskrone zu erlangen, stirbt jedoch ein Jahr später. Daraufhin kommt es zum thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg zwischen dem Enkel Hermanns I., dem Meißener Markgrafen Heinrich dem Erlauchten, dem Heinrich Raspe 1243 die Eventualbelehnung im Falle seines Todes zugesichert hatte, und Sophie von Brabant, einer Tochter Ludwigs IV. Nach Kriegsende (1264) fällt Thüringen zum Großteil an den Wettiner Heinrich den Erlauchten. Der Westteil des ehemaligen ludowingischen Herrschaftsgebietes, die durch Heirat zur thüringischen Landgrafschaft hinzugekommenen hessischen Grafschaften, nehmen seit 1264 wieder eine eigene Entwicklung und bilden die Landgrafschaft Hessen unter Heinrich dem Kind, dem Sohn der Sophie von Brabant.
Die thüringischen Besitzungen der Wettiner werden schrittweise in den wettinischen Gesamtstaat integriert, zu dem auch die Markgrafschaft Meißen und seit 1423 das Kurfürstentum Sachsen-(Wittenberg) gehören. Einige wettinische Fürsten überlassen die Regierung Thüringens jedoch anderen Verwandten. Im Thüringer Grafenkrieg (1342-1346) können sie ihre Dominanz in Thüringen gegenüber den anderen uradligen Familien sichern. Mit dem Tod Friedrichs IV. endet 1440 die Existenz Thüringens als selbständiger Staat endgültig.
1485 kommt es zur Leipziger Teilung, bei der die wettinischen Lande zwischen den Albertinern und den Ernestinern aufgeteilt werden. Der Hauptteil von Thüringen fällt dabei an die Ernestiner. Ihr Gebiet wird später in eine Vielzahl von Zwergstaaten aufgesplittert. Der Norden Thüringens verbleibt bei den Albertinern und damit beim späteren Kurfürstentum Sachsen.
Innerhalb des Heiligen Römischen Reiches gehört ein großer Teil Thüringens mit den übrigen Gebieten der Wettiner zum Obersächsischen Reichskreis. Der Südwesten ist Teil des Fränkischen Reichskreises, während Erfurt und das Eichsfeld als kurmainzische Gebiete dem Kurrheinischen Reichskreis angehören.
Während der Reformation spielt Thüringen eine bedeutende Rolle. Martin Luther hält sich 1521 bis 1522 auf der Wartburg versteckt und übersetzt dort das Neue Testament ins Deutsche.
1525 ist Thüringen neben Südwestdeutschland ein Zentrum des Deutschen Bauernkrieges. Bei Bad Frankenhausen kommt es am 15. Mai 1525 zu einer von dessen bedeutendsten Schlachten, wenige Tage später wird Thomas Müntzer in Mühlhausen aufgegriffen und hingerichtet.
1531 schließen sich die protestantischen Reichsstände in Schmalkalden zum Schmalkaldischen Bund gegen Kaiser Karl V. zusammen. Die Ächtung der führenden Vertreter dieses Bundes im Jahr 1546 führt zum Schmalkaldischen Krieg von 1546/47. Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige, ein Ernestiner, dem auch Thüringen gehört, steht dabei auf der Seite der Protestanten. Sein ebenfalls protestantischer Vetter, Herzog Moritz, ein Albertiner, unterstützt hingegen den Kaiser.
Durch die Wittenberger Kapitulation von 1547 verliert Johann Friedrich der Großmütige Teile seines Besitzes und auch die Kurwürde an Herzog Moritz. Die Ernestiner behalten lediglich ihre thüringischen Besitzungen, die sich wie folgt zusammensetzen: die Ämter, Städte und Schlösser Gerstungen, Eisenach, Wartburg, Creuzburg, Tenneberg, Waltershausen, Leuchtenburg, Roda, Orlamünde, Gotha, Jena, Kapellendorf, Roßla, Weimar, Wachsenburg, Dornburg, Camburg, Buttstädt, Arnshaugk, Weida und Ziegenrück.
Hierzu kamen nach dem Tode des Herzogs Johann Ernst von Coburg (1553) noch die Ämter Coburg, Sonneberg, Hildburghausen, Königsberg, Veilsdorf und Schalkau und durch den Naumburger Vertrag (24. Februar 1554) Altenburg, Eisenberg, Sachsenburg und Herbesleben, welche Kurfürst August abtritt, sowie 1555 durch Tausch mit den Grafen von Mansfeld die Herrschaft Römhild. Schließlich erwirbt das Ernestinische Haus aus der hennebergischen Erbschaft (1583), definitiv allerdings erst 1660 die Ämter Meiningen, Themar, Maßfeld, Behrungen, Henneberg, Milz, Ilmenau, Kaltennordheim, Frauenbreitungen, Sand und Wasungen.
Durch die nach dem Tod Johann Friedrichs des Großmütigen 1554 einsetzende Erbteilung der Ernestinischen Lande beginnt die Aufteilung Thüringens in zahlreiche kleine Einzelstaaten.
- bgcolor="#FF7256" | Staat | Existenzzeit | Herkunft | Verbleib |
|---|---|---|---|
| ERNESTINER | |||
| Sachsen-Weimar | Ernestinischer Gesamtstaat | Sachsen-Weimar-Eisenach | |
| Sachsen-Coburg-Eisenach | 1633-1638 | Ernestinischer Gesamtstaat | Geteilt in Sachsen-Coburg und Sachsen-Eisenach |
| Sachsen-Coburg | Sachsen-Coburg-Eisenach | Sachsen-Gotha | |
| Sachsen-Eisenach | Sachsen-Coburg-Eisenach | Sachsen-Weimar-Eisenach | |
| Sachsen-Altenburg | Sachsen-Weimar | an Sachsen-Gotha | |
| Sachsen-Gotha | Sachsen-Weimar | Sachsen-Gotha-Altenburg | |
| Sachsen-Jena | Sachsen-Weimar | Sachsen-Weimar | |
| Sachsen-Gotha-Altenburg | Sachsen-Gotha + Sachsen-Altenburg | Sachsen-Coburg und Gotha sowie Sachsen-Altenburg | |
| Sachsen-Meiningen | Sachsen-Gotha | Land Thüringen | |
| Sachsen-Hildburghausen | Sachsen-Gotha | Sachsen-Meiningen | |
| Sachsen-Coburg | Sachsen-Gotha | Sachsen-Coburg-Saalfeld | |
| Sachsen-Eisenberg | Sachsen-Gotha | Sachsen-Gotha-Altenburg | |
| Sachsen-Römhild | Sachsen-Gotha | Sachsen-Gotha-Altenburg, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Coburg-Saalfeld, Sachsen-Hildburghsn. | |
| Sachsen-Saalfeld | Sachsen-Gotha | Sachsen-Coburg-Saalfeld | |
| Sachsen-Coburg-Saalfeld | Sachsen-Coburg + Sachsen-Saalfeld | Sachsen-Coburg und Gotha, Sachsen-Meiningen | |
| Sachsen-Weimar-Eisenach | Sachsen-Weimar + Sachsen Eisenach | Land Thüringen | |
| Sachsen-Coburg und Gotha | Sachsen-Coburg + Sachsen-Gotha | Freistaat Bayern, Land Thüringen | |
| Sachsen-Altenburg | Sachsen-Gotha-Altenburg | Land Thüringen | |
| REUSS | |||
| Reuß-Untergreiz | Spaltung in Reuß-Untergreiz I und Reuß-Untergreiz II | ||
| Reuß-Obergreiz | Bildung von Reuß älterer Linie zusammen mit Reuß-Untergreiz | ||
| Reuß-Gera | Vereinigung mit Reuß-Schleiz zu Reuß jüngerer Linie | ||
| Reuß-Untergreiz I | Reuß-Untergreiz | Vereinigung zu Reuß-Untergreiz-Burgk | |
| Reuß-Untergreiz II | Reuß-Untergreiz | Vereinigung mit Teilen von Reuß-Untergreiz-Burgk zu Reuß-Untergreiz | |
| Reuß-Untergreiz-Burgk | Reuß-Untergreiz I | Aufspaltung in Reuß-Burgk und Reuß-Untergreiz | |
| Reuß-Burgk | Reuß-Untergreiz-Burgk | Reuß-Untergreiz | |
| Reuß-Dölau | Reuß-Obergreiz | ||
| Reuß-Untergreiz | Reuß-Untergreiz II + Teile von Reuß-Untergreiz-Burgk | Bildung von Reuß älterer Linie mit Reuß-Obergreiz | |
| Reuß-Schleiz | Bildung von Reuß jüngerer Linie mit Reuß-Gera | ||
| Reuß-Saalburg | |||
| Reuß-Lobenstein | Reuß-Schleiz | ||
| Reuß-Rothenthal | |||
| Reuß-Hirschberg | Reuß-Lobenstein | ||
| Reuß-Ebersdorf | Reuß-Lobenstein | Reuß-Schleiz | |
| Reuß älterer Linie (Reuß-Greiz) | Reuß-Obergreiz + Reuß-Untergreiz | Volkstaat Reuß | |
| Reuß jüngerer Linie (Reuß-Gera) | Reuß-Gera + Reuß-Schleiz | Volkstaat Reuß | |
| Volksstaat Reuß | Reuß älterer Linie + Reuß jüngerer Linie | Land Thüringen | |
| SCHWARZBURG | |||
| Schwarzburg-Sondershausen | Grafschaft Schwarzburg | Land Thüringen | |
| Schwarzburg-Frankenhausen | Grafschaft Schwarzburg | Schwarzburg-Rudolstadt | |
| Schwarzburg-Oberherrschaft | Grafschaft Schwarzburg | Teilung in Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Arnstadt | |
| Schwarzburg-Rudolstadt | Schwarzburg-Oberherrschaft | Land Thüringen | |
| Schwarzburg-Arnstadt | Schwarzburg-Oberherrschaft | Schwarzburg-Sondershausen | |
| Schwarzburg-Ebeleben | Schwarzburg-Rudolstadt | Schwarzburg-Rudolstadt |
Der thüringisch-fränkische Raum war eine Kernzone der deutschen Hexenverfolgungen mit vielen Hexenprozessen. Aus der Zeit zwischen 1526 und 1731 können in Thüringen über 1500 Fälle von Hexenverfolgung konstatiert werden. Zwischen 1598 und 1631 wurde Thüringen mit kurzen Unterbrechungen von einer ersten und gut zehn Jahre später bis ca. 1700 von einer zweiten großen Verfolgungswelle erschüttert. Die Verfolgungen verliefen in Phasen von unterschiedlicher Intensität mit einem Höhepunkt um 1629. Das Henneberger und das Coburger Land im Süden und Südwesten waren Zentren der Verfolgungen.
Die zerfallenen ernestinischen Gebiete (Ernestinische Herzogtümer) sind zeitweise in bis zu zehn Einzelstaaten aufgespalten, davon hat im 17. Jahrhundert Sachsen-Gotha (mit Ernst dem Frommen), im 18. Jahrhundert Sachsen-Weimar-Eisenach die Vorherrschaft.
Noch im 18. Jahrhundert wird Thüringen als ein Teil Sachsens aufgefasst, wie die folgende Textstelle aus dem Schauspiel Minna von Barnhelm (1767) von Gotthold Ephraim Lessing zeigt.
Um 1800 wird Weimar durch Herzogin Anna Amalia und Herzog Karl August ein Zentrum der deutschen Kultur, hier wirken Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Etwa zeitgleich entwickelt sich das benachbarte Jena mit Ludwig Tieck, den Brüdern Schlegel und vielen anderen zur Keimzelle der deutschen Romantik.
Der Reichsdeputationshauptschluss hob 1803 die geistlichen Fürstentümer und fast alle Reichsstädte in Deutschland auf. Dies betraf in Thüringen die kurmainzischen Gebiete Erfurt und Eichsfeld sowie die freien Reichsstädte Nordhausen und Mühlhausen. Die kleinen Fürstentümer der Ernestiner, der Reußen und der Schwarzburger blieben hingegen erhalten. Sachsen-Weimar-Eisenach wurde von Napoleon I. zum Großherzogtum ernannt.
1806 siegte Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt über das Königreich Preußen.
Am Ende der Napoleonischen Ära wurde Thüringen zum Ursprungsland der Burschenschaften - 1815 wurde die erste derartige Studentenverbindung in Jena gegründet. 1817 fand eine der bedeutendsten Aktionen der Burschenschaften in Thüringen statt - das Wartburgfest.
Nach dem Wiener Kongress gab es in Thüringen immer noch 12 unabhängige Staaten, die sich bis Ende des 19. Jahrhunderts auf acht reduzieren. Alle anderen Gebiete Thüringens fielen an Preußen und wurden im Regierungsbezirk Erfurt der Provinz Sachsen zusammengefasst. Nur das Gebiet um Schmalkalden gehörte zu Hessen-Kassel, mit dem es 1866 ebenfalls preußisch wurde.
THUERINGEN.png Nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg wurden 1826 die ernestinischen Herzogtümer neu aufgeteilt. Das Herzogtum Sachsen-Meiningen erhielt ganz Sachsen-Hildburghausen, dessen Herzog als Ersatz Sachsen-Altenburg zugesprochen bekam, und den Saalfelder Teil von Sachsen-Coburg-Saalfeld, das dafür mit Sachsen-Gotha in Personalunion zum Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha vereinigt wurde.
Die sächsischen Herzogtümer sowie die reußischen und schwarzburgischen Fürstentümer wurden innerhalb des Deutschen Bundes zusammenfassend als Thüringische Staaten bezeichnet. Seit 1849 waren dies folgende Länder:
Von der Revolution war Thüringen stark betroffen. Neben einer Fundamentalpolitisierung in der Bevölkerung geriet auch ein Zusammenschluss der thüringischen Staaten in die Diskussion. Auch in Thüringen waren die Ursachen vielfältig: neben dem Bevölkerungswachstum waren dies die Krisen in der Landwirtschaft, im Heimgewerbe und im Handel. Im Frühjahr 1847 gab es u.a. Hungerunruhen in Kahla, Apolda und Jena. Bedeutsam für die Vorgeschichte der Unruhen war aber auch das Jagdprivileg des Adels, wodurch Rehe und Wildschweine die Ernte zerstörten.
Die Märzforderungen fielen vielerorts verschieden aus. Neben den üblichen Forderungen nach Presse- und Versammlungsfreiheit, unabhängigen Gerichten und Volksbewaffnung gab es z.B. in Gera auch Forderungen nach Abschaffung der Biersteuer und Regulierung der Weißen Elster. Da die Fürsten im Gegensatz zu den großen Staaten des Deutschen Bundes dem Volk viel näher standen, wurden auch recht schnell ein Großteil der Forderungen eingelöst. Zu den wichtigsten Errungenschaften zählten Wahlrechtsreformen, die dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht zumindest nahe kamen. Abdankungen gab es nur in Sachsen-Altenburg, hier waren die Märzforderungen durch Herzog Joseph nicht umgesetzt worden, und in Reuß-Lobenstein-Ebersdorf. Letzteres wurde mit Reuß-Schleiz zu Reuß jüngere Linie vereinigt, womit sich die Zahl der thüringischen Staaten auf acht reduzierte.
Trotz der Erfüllung der meisten Märzforderungen verschärfte sich die Lage im Sommer 1848 zusehends. Mediatisierungsabsichten waren auch der Grund dafür, weshalb im Herbst die Reichsexekution durchgeführt wurde. Am 2. Oktober rückten sächsische Truppen in Altenburg ein, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Ebenfalls besetzt wurden Jena, Weimar, Hildburghausen, Römhild und Saalfeld. Am 24. November starben in Erfurt bei einem Zusammenstoß zwischen Militär und Volk 27 Menschen.
Am 28. März 1849 wurde ein Entwurf für eine neue Reichsverfassung vorgelegt. 28 Staaten des Deutschen Bundes ratifizierten die Vorlage, darunter auch alle thüringischen Staaten. Am 8. Mai erkannte Sachsen-Weimar-Eisenach die Verfassung als rechtsgültig an. Preußen lehnte jedoch den Entwurf ab, da König Friedrich Wilhelm die Krone nicht vom Volk angetragen bekommen wollte. Als Folge fand eine Spaltung zwischen den Mitgliedern des Deutschen Bundes statt; auch die thüringischen Territorialstaaten mussten umdenken. Im Frankfurter Parlament tendierten jedoch viele thüringische Abgeordnete nach links. Im Rumpfparlament waren noch Christian Gottlieb Schüler (Jena), Friedrich Carl Hönniger (Rudolstadt) und Julius Fröbel (Reuß j.L.), Bruder von Friedrich Fröbel, vertreten. Trotz großer Sympathien in der Bevölkerung waren sie nach ihrer Rückkehr nach Thüringen staatlichen Repressalien ausgesetzt. Gegen Hönniger wurde z.B. ein Untersuchungsverfahren eingeleitet und im August 1850 wurde er zu einem Jahr Freiheitsstrafe wegen Hochverrats verurteilt.
Während des Dresdner Maiaufstandes solidarisierte sich nicht nur das Volk, sondern auch die Presse mit den Sachsen ("Gott schütze das Sachsenland"). Viele Freiwillige meldeten sich und marschierten nach Altenburg, Werdau und Crimmitschau, wo Sonderzüge nach Dresden starteten. Auch in Apolda startete am 7. Mai ein Sonderzug. Die Befürchtung, man sei zu spät, bewahrheitete sich schließlich; der Aufstand war niedergeschlagen und viele thüringische Freiwillige kehrten enttäuscht zurück.
Die Zersplitterung des Landes in zahlreiche Territorien erschwerte die Planung von Eisenbahnstrecken außerordentlich, obwohl sich die meisten Kleinstaaten um einen Anschluss an das entstehende deutsche Schienennetz bemühten. So kam es, dass um das Jahr 1890 fünfzehn verschiedene Gesellschaften im größten Einzelstaat Thüringens, dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Eisenbahnen betreiben.
Allerdings versuchte das Königreich Preußen, dessen Provinz Sachsen auch Teile Thüringens umfasste, die Entwicklung zu beeinflussen. Sein Ziel war es, möglichst kurze Verbindungen von seinen Stammlanden ins Rheinland und nach Westfalen zu schaffen, nach 1866 auch in die neue Provinz Hessen-Nassau. Preußen beteiligte sich daher im Jahre 1844 neben Sachsen-Weimar-Eisenach und Sachsen-Coburg und Gotha maßgeblich an der Gründung der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft, die aber mit 75 % des Kapitals von privaten Investoren dominiert wurde.
Ihre erste Bahnlinie erreichte von Halle über Weißenfels am 19. Dezember 1846 die Residenzstadt Weimar und im folgenden Jahr über Erfurt und Gotha schließlich am 24. Juni 1847 Eisenach. Von hier aus schloss man 1849 die Lücke zur Hessischen Kurfürst Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in Gerstungen, so dass man einige Jahre später über Kassel auch Frankfurt am Main auf dem Schienenwege erreichen konnte, der 125 Kilometer auf thüringischem Gebiet verlief.
In Eisenach begann die Strecke einer zweiten großen Bahngesellschaft, der Werra-Eisenbahn-Gesellschaft. Das neue Unternehmen, das die Betriebsführung der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft überließ, erschloss ab 2. November 1858 mit seiner 150 Kilometer langen Linie Eisenach - Meiningen - Hildburghausen - Coburg – Lichtenfels, der Werrabahn, sowie deren Zweigstrecke Coburg - Sonneberg, die südthüringischen Staaten, die sich maßgeblich an der Finanzierung beteiligt hatten. Die Eröffnung des letzten Teilstückes von Coburg nach Lichtenfels an das bayerische Eisenbahnnetz erfolgte 1859 durch die Bayerische Staatsbahn. Im selben Jahr erreichte die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft von Weißenfels über Zeitz die Hauptstadt Gera des Fürstentums Reuß jüngerer Linie.
In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann der Bahnbau auch im heutigen Nordthüringen, das damals preußisch war. Die Magdeburg-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete am 10. Juli 1866 die Strecke von Halle über Eisleben - Sangerhausen durch die Goldene Aue am Südrand des Harzes entlang bis Nordhausen. Von hier ging es 1867 einerseits über Leinefelde - Heiligenstadt durch das Eichsfeld nach Arenshausen und 1869 andererseits nach Nüxei bei Bad Sachsa. An beiden Endpunkten gab es Anschlüsse an die nun preußisch gewordenen Strecken in Kurhessen und Hannover.
Die schon erwähnte Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete in jenen Jahren nur 1867 die Strecke von Erfurt nach Arnstadt, das damals zum Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen gehörte. Es folgen 1870 die Querverbindung Gotha - Mühlhausen - Leinefelde und 1871 die Strecke von Gera über Triptis nach Saalfeld.
Die Nordhausen-Erfurter Eisenbahn-Gesellschaft (NEEG) nahm 1869 mit ihrer Stammstrecke über Sondershausen - Straußfurt eine weitere Nord-Süd-Verbindung in Betrieb. Sie übernahm auch die Betriebsführung der 1874 eröffneten Strecke Straußfurt - Sömmerda - Großheringen der Saal-Unstrut Eisenbahn-Gesellschaft, die 1882 völlig auf die NEEG überging.
Eine weitere wichtige Ergänzung des Thüringer Eisenbahnnetzes fand 1874 und 1876 statt. 1874 eröffnete die Saal-Eisenbahngesellschaft ihre Strecke von Großheringen nahe Naumburg über Jena nach Saalfeld. Die sogenannte Holzlandbahn wurde 1876 eröffnet und vervollständigte die Bahnanbindung Jenas. Gebaut wurde sie von der Weimar-Geraer Eisenbahn-Gesellschaft zwischen diesen beiden Städten. Somit war die größte Stadt des Landes, Erfurt, mit der Zweitgrößten, Gera, verbunden.
Nachdem die Preußische Staatsbahn Ende des 19. Jahrhunderts viele der privaten Gesellschaften aufkaufte, erfolgte 1884 die erste Querung des Thüringer Waldes durch eine Eisenbahnlinie. Sie begann in Plaue und führte über Suhl bis zur Werrabahn nach Grimmmenthal nahe Meiningen. Sie beinhaltet mit dem Brandleitetunnel (3039 m lang) den längsten Eisenbahntunnel Thüringens. Die Eröffnung dieser Strecke vervollständigte die Eisenbahnverbindung Berlin - Stuttgart.
Die zweite Querung des Thüringer-Wald-Massivs erfolgte 1885, als die Frankenwaldbahn von Saalfeld über den Rennsteig und Kronach nach Lichtenfels in Bayern eröffnet wurde. Sie stellt seither die wichtigste Verbindung von Berlin nach München dar.
Während das Hauptstreckennetz bis etwa 1885 vollendet war, wurden in Thüringen noch bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges viele Nebenstrecken erbaut. Nach 1914 ebbte der Eisenbahnstreckenbau im Land langsam ab.
- bgcolor="#FFDEAD" | Jahrzehnt | Neu eröffnete Strecken auf thüringer Gebiet |
|---|---|
| 1840er | 166 km |
| 1850er | 182 km |
| 1860er | 227 km |
| 1870er | 526 km |
| 1880er | 453 km |
| 1890er | 396 km |
| 1900er | 285 km |
| 1910er | 199 km |
| 1920er | 40 km |
| 1930er | 15 km |
Quelle: G. Fromm, Thüringer Eisenbahnstreckenlexikon
Durch zeitweiligen wirtschaftlichen Misserfolg und unter preußischem Druck verkauften Sachsen-Weimar-Eisenach und Gotha 1881 ihre Anteile an der Thüringischen Eisenbahn an Preußen, welches 1882 die Königliche Eisenbahndirektion in Erfurt errichtete. Als schließlich 1895 auch die Werrabahn, die Saal-Eisenbahn und die Weimar-Gera-Bahn an Preußen verkauft wurden, war das thüringische Eisenbahnnetz fast vollkommen an Preußen gekommen, das dadurch seinen Einfluss auf die thüringischen Staaten erheblich verstärken konnte. Im Osten Thüringens kamen einige Teilstrecken von Privatbahnen zur Sächsischen Staatsbahn.
Bis 1867 gehörten die thüringischen Staaten dem Thurn- und Taxisschen Postgebiet an, nur Sachsen-Altenburg war der sächsischen Post angeschlossen. 1867 wurde dann die Postverwaltung vereinheitlicht. Am 1. Januar gingen beide Postgebiete in Preußen und am 1. Juli im Norddeutschen Bund auf und 1871 in die Reichspost über. Zuständig war für die thüringischen Staaten und die preußischen Gebietsteile die 1815 gegründete Oberpostdirektion Erfurt, für Sachsen-Altenburg dagegen die Oberpostdirektion Dresden.
Im Ersten Weltkrieg starben 44.000 Thüringer an der Front. In der Heimat war die Zeit geprägt von der Kriegswirtschaft und Missernten, was Hungersnöte und Mangelwirtschaft zur Folge hatte. Besonders die landwirtschaftlichen Erträge gingen im Laufe des Krieges zurück. Im Sommer 1918 forderte die Spanische Grippe allein in Thüringen 4.500 Todesopfer. Die Industrieproduktion konzentrierte sich auf Kriegsgüter wie Uniformen, Waffen oder Feldstecher (Zeiss). 1915 begann die Lebensmittelbewirtschaftung. Dies führte zur Gründung einer Zwangsgenossenschaft, eines Viehhandelsverbandes, einer Landeskartoffelanstalt, eines Landesfuttermittelamtes (Versorgung für Vieh) sowie einer Landesverteilungsstelle für Butter und Eier. Im Dezember 1916 wurde ein Ernährungsausschuss gegründet, 1917 ein Landesernährungsamt in Weimar.
Die Arbeiterproteste gegen den Krieg verstummten nach 1914, besonders durch den "Burgfrieden" der SPD mit der Reichsregierung am 4. August 1914. Ab 1916 gab es wieder vermehrt Streiks in Gotha, Gera, Altenburg, Jena und Weimar. Die Kriegsgegner der SPD fanden sich 1917 in der USPD wieder. Nach Jahren relativer Ruhe begannen wieder Diskussionen über ein einheitliches Thüringen. Besonders die Sozialdemokraten kritisierten die politischen Verhältnisse und die überholten Wahlrechte. Im Januar 1918 fanden Munitionsarbeiterstreiks statt (u.a. in Jena mit 7.000 Demonstranten). Vermehrt traten Forderungen nach Meinungs- und Versammlungsfreiheit auf.
Im Juni 1918 fand ein Treffen der Landtagspräsidenten statt, ab Spätsommer 1918 erfolgten weitere Besprechungen über das Vorgehen. Dr. Arnold Paulssen reiste durch Thüringen, um Meinungen über die aufgeworfene Frage zur Abdankung des Kaisers zu erfahren. In Meiningen, Coburg, Gotha und Schwarzburg lehnte man eine Abdankung ab, während man sich in Reuß zugänglicher zeigte. Auch Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach (1876 bis 1923) sah die Notwendigkeit der Abdankung des Kaisers. Die Einsicht, dass eine Demokratisierung notwendig ist, traf weniger bei den Fürsten, sondern vielmehr bei den Staatsministerien auf Widerstand. In Sachsen-Weimar-Eisenach setzte sich bspw. aber auch der Landtag für Reformen ein.
Bis zum November 1918 hielt sich bei den Fürsten die Ansicht, dass nur der Kaiser abdanken müsse. Ende Oktober 1918 wurde in Kiel gemeutert, am 30. und 31. Oktober fand auch auf der "S.M.S. Thüringen" eine Meuterei statt. Kriegsflagge und Wimpel wurden eingeholt und stattdessen die rote Flagge gesetzt.
Auch in Thüringen gab es seit dem 8. November Revolutionsaktivitäten. Am 9. November 1918 wurde im preußischen Erfurt ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet, wodurch die Revolutionäre die Macht übernahmen. Als erster Herrscher in den Territorialstaaten dankte am selben Tag Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach ab, es folgten Bernhard III. von Sachsen-Meiningen am 10. November und Heinrich XXVII. am 10. November für Reuß j.L. und am 11. November für Reuß ä.L. Am 13. November dankte Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha nach gewaltsamen Druck von der Straße ab. In Sachsen-Altenburg wurde bereits am 10. November die Republik ausgerufen, obwohl Ernst II. erst am 13. November abdankte. Als letzter thüringischer und überhaupt als letzter deutscher Fürst dankte Günther Victor am 23. November für Schwarzburg-Rudolstadt und am 25. November für Schwarzburg-Sondershausen ab. Noch am 22. November unterschrieb er ein Gesetz zur Neuregelung der Landesregierung in Rudolstadt, am 25. November in Sondershausen.
Vom 6. Februar bis 30. September 1919 tagte in Weimar die verfassungsgebende Nationalversammlung. Sie verabschiedete am 11. August die so genannte "Weimarer Verfassung", nach der die bis 1933 bestehende deutsche Republik die Bezeichnung "Weimarer Republik" erhielt.
Außer in Gotha verlief die Revolution in den thüringischen Territorialstaaten relativ friedlich. In Gotha wurde eine Räteregierung gebildet, die parallel zum Landtag existierte und auch nach der Wahl vom 23. Februar 1919 nicht gedachte, ihre Befugnisse an das Landesparlament abzutreten.
Innerhalb kurzer Zeit wurden die thüringischen Staaten Freistaaten mit republikanischer Verfassung, wobei aus dem Doppelherzogtum Sachsen-Coburg und Gotha die beiden Freistaaten Coburg und Gotha wurden. Die beiden ehemaligen reußischen Fürstentümer schlossen sich schon 1919 zum Volksstaat Reuß zusammen. Der Freistaat Coburg entschied sich bei einer Volksabstimmung am 30. November 1919 mit 88 Prozent gegen einen Anschluss an Thüringen, worauf am 1. Juli 1920 die Vereinigung mit dem Freistaat Bayern vollzogen wurde. Die übrigen sieben Volks- beziehungsweise Freistaaten beschritten den Weg der Einigung, wobei zuerst unklar war, ob eine "großthüringische Lösung" mit den preußischen Territorien oder nur eine "kleinthüringische Lösung" zustandekommen sollte. Die Ablehnung von Gebietsabtretungen auf der Seite Preußens verwies jedoch schnell auf die zweite Variante.
Als Schöpfer des Landes Thüringen gilt Eduard Rosenthal, der einen Einigungsvertrag vorlegte. Durch die Unterzeichnung eines Reichsgesetzes am 23. März in der Weimarer Nationalversammlung wurden die Einzelstaaten schließlich am 1. Mai 1920 zum Land Thüringen mit einer Fläche von 11.763 km² vereinigt. Das erste Landeswappen hatte sieben Sterne auf rotem Grund, welche die ehemaligen Freistaaten symbolisieren. Hauptstadt wurde Weimar. Der Staat erhielt am 11. Februar 1921 eine Verfassung. Die Regierungschefs Thüringens trugen bis 1933 den Titel Vorsitzender des Staatsministeriums. Dies sind zwischen 1920 und 1945:
Auch in Thüringen war die Zeit der Weimarer Republik von politischen Wirren geprägt. Im Oktober 1923 bildete der sozialdemokratische Ministerpräsident August Frölich eine Regierung mit der KPD. Jedoch zerbrach die "Arbeiterregierung" wenig später nach dem Einmarsch der Reichswehr infolge großer politischer Differenzen.
Von Januar 1930 bis April 1931 gab es in Thüringen die erste völkisch-nationalsozialistische Regierung in Deutschland, nach ihrem nationalsozialistischen Innenminister Wilhelm Frick als Frick-Regierung bezeichnet, und schon 1932 konnte die NSDAP in Thüringen mit ihrem Gauleiter Fritz Sauckel als Leitendem Staatsminister allein die Regierung bilden. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers Anfang 1933 erfolgte die Gleichschaltung der Länder. Der bisherige Ministerpräsident Fritz Sauckel wurde Reichsstatthalter und dessen Nachfolger Willy Marschler (NSDAP) war nur noch Verwaltungschef und hatte wenig politische Macht. Die Landeshauptstadt Weimar wurde zur Gauhauptstadt ausgebaut, das so genannte "Gauforum" existiert noch heute. Daneben wurden in Thüringen die Konzentrationslager Buchenwald (1937) und Dora-Mittelbau (1943) errichtet.
Ende März 1945 näherten sich die Westalliierten Thüringen. Trotz des nahen Kriegsendes befahlen NS-Offiziere, das "Trutzgau Thüringen" bis zum letzten Mann zu verteidigen, die "Werralinie" westlich von Eisenach sollte unter allen Umständen gehalten werden. Dadurch kam es am 1. April zwischen Treffurt und Gerstungen zu Kämpfen von Volkssturm, Hitlerjugend und Fronturlaubern gegen die anrückenden US-Truppen, bei denen etwa 350 Todesopfer zu beklagen waren und die Kleinstadt Creuzburg zu etwa 85% zerstört wurde. Damit begann die Befreiung Thüringens, innerhalb von rund zwei Wochen war das ganze Land amerikanisch besetzt. Zuvor war es am 6. April noch zu starken Bombenangriffen auf Gera gekommen.
| Daten im Jahr 1950 | ||
|---|---|---|
| Landeshauptstadt: | Erfurt | |
| Fläche: | 15.585 km² | |
| Einwohner: | 2.837.600 | |
| Kfz-Kennzeichen: | ST | |
| Karte Thüringens zwischen 1945 und 1952 | ||
| THUERINGEN1952.png | ||
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet zunächst amerikanisch besetzt. Die Amerikaner setzten Hermann Brill als Präsident der Landesverwaltung ein. Auf Grund der alliierten Vereinbarungen von Jalta wurde Thüringen zwischen 2. und 6. Juli 1945 von sowjetischen Truppen besetzt, unter denen Rudolf Paul zum Regierungspräsidenten (auch Landespräsident) ernannt wurde. 1947, nach Pauls Flucht in die amerikanische Besatzungszone wurde schließlich Werner Eggerath Regierungspräsident.
In der Folgezeit gab es einige Grenzänderungen zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Besatzungszone. Siehe dazu im Einzelnen den Artikel zur Geschichte der Verwaltungsgliederung Thüringens. 1946 bekam das Land Thüringen eine Verfassung, und 1950 wurde der Regierungssitz von Weimar nach Erfurt verlegt. Das Gebiet des Landes Thüringen bestand nun aus dem ehemaligen Freistaat Thüringen ohne die Exklave Allstedt, ferner aus dem Gebiet des früheren preußischen Regierungsbezirkes Erfurt und der Herrschaft Schmalkalden mit einer Gesamtfläche von 15.585 km².
Ein Jahr später wurde Thüringen Teil der DDR, aber schon am 25. Juli 1952 beschloss der Landtag das Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in Thüringen. Damit wurde das Land aufgelöst. Fortan bestanden die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl, wobei die Bezirke Erfurt und Gera im Vergleich zum aufgelösten Land Thüringen Gebietsänderungen beziehungsweise Grenzbegradigungen zu den Nachbarländern Sachsen-Anhalt und Sachsen erfuhren, welche meist den heutigen Landesgrenzen entsprechen.
Auf einer Sitzung auf der Wartburg am 25. Oktober 1993 verabschiedete der Thüringer Landtag eine neue Verfassung, die am 16. Oktober 1994 durch eine Volksabstimmung angenommen wurde.
Seit den ersten freien Landtagswahlen ist immer die CDU Regierungspartei, dabei von 1990 bis 1994 in einer Koalition mit der FDP und von 1994 bis 1999 in einer Großen Koalition mit der SPD. Ministerpräsidenten waren 1990 bis 1992 Josef Duchač und 1992 bis 2003 Bernhard Vogel, seit 2003 ist es Dieter Althaus.
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"Geschichte Thüringens".
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