Die Geschichte der Provinz Nordirland ist durch soziokulturelle Konflikte zwischen den verstärkt seit dem 17. Jahrhundert in Ulster angesiedelten, anglikanischen Engländern und presbyterianischen Schotten auf der einen Seite und den katholischen Iren und den Nachfahren englischer Siedler aus anglo-normannischer Zeit auf der anderen Seite geprägt, bei der die unterschiedliche Religion allerdings nicht der wirkliche Grund für den Konflikt ist.
Hinweise: Weitergehende Informationen für die Zeit bis zur Teilung Irlands 1921 finden Sie unter Geschichte Irlands.
Die Geschichte Nordirlands ist hauptsächlich die Geschichte des Nordirland-Konflikts. Informationen über den genauen geschichtlichen Ablauf finden Sie auf dieser Seite, zu weitergehenden Informationen benutzen Sie bitte den Artikel Nordirland-Konflikt.
Irland wurde 1169 von Truppen unter der Führung normannischer Adliger besetzt. Bis etwa ins 15. Jahrhundert gelang es den Normannen bzw. Engländern jedoch nie, mehr als Teile der Ostküste der Insel über längere Zeiträume zu beherrschen. Im Gegenteil, viele neue Siedler passten sich sehr schnell an die irische Kultur und Sprache an. Um dieser Entwicklung ernsthaft entgegenzutreten, wurden unter Heinrich VIII. und Elisabeth I. erste Plantations (Ansiedlungen) auf dem Gebiet der heutigen Grafschaften Offaly und Laois vorgenommen. Doch erst im 17. Jahrhundert traten wirkliche "Erfolge" ein, als vor allem in Ulster protestantische Engländer und Schotten angesiedelt wurden (Ulster Plantation). Innerhalb relativ kurzer Zeit ging beinahe der gesamte Grundbesitz in englische und schottische Hände über.
Bereits zur Zeit Oliver Cromwells kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Diese Unterschiede waren vor allem sozialer und politischer Natur, fielen jedoch mit ethnischen und religiösen Unterschieden weitgehend zusammen. Aufgrund der zögerlichen, aber dennoch stattfindenden Vermischung der einzelnen Bevölkerungsteile wurde die "saubere" Einteilung der Bevölkerung in Gruppen bald kaum mehr möglich. Daher wurde es bald (und bis heute) üblich, das rein oberflächliche, aber gut zu überschauende Kriterium der Religionsunterschiede zur eigentlichen Konfrontationslinie zu erheben. Es gab aber auch vor allem im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe bekannter und unbekannter protestantischer Nationalisten und katholischer Unionisten.
Am 12. Juli 1690 besiegte Wilhelm von Oranien in der Schlacht am Boyne (Battle of the Boyne) das irisch-französische Heer des katholischen englischen Königs James II.. Dem Sieg in dieser Schlacht wird heute jährlich in der sommerlichen marching season (dt. "Marschsaison") gedacht. In den nordirischen Städten marschieren dann Anhänger des pro-britisch-unionistisch-protestantischen Oranier-Ordens (Orange Order) auch durch katholische Viertel, was immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen führt.
Im Gefolge dieser die gesamten britischen Inseln betreffenden Auseinandersetzungen wurden 1695 die sog. Strafgesetze (Penal Laws) erlassen, die sich in unterschiedlichem Maße gegen alle Konfessionen außer der anglikanischen wandten. Katholiken verloren für die Zeit des 18. und frühen 19. Jahrhunderts fast alle politischen und ökonomischen Rechte. Dies wirkte sich in Ulster besonders stark aus, da sich die Katholiken nur dort in der Unterzahl befanden. Der zweite große Unterschied zwischen Ulster und dem Rest Irlands bestand darin, dass sich fast die gesamte aufkommende Industrie dort ansiedelte. Das (fast ausschließlich anglikanische) Bürgertum befand sich daher in einer starken und stabilen wirtschaftlichen Position.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt der Prozess der politischen und kulturell-ideologischen Ablösung Irlands von Großbritannien, der Anfang des 20. Jahrhunderts einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Als Teil dieser Bewegung werden unterschiedlichste Organisationen gegründet, u. a. Sinn Féin (1905). Nach zwei im britischen Parlament gescheiterten Home Rule Bills, dem ersten Weltkrieg und dem gescheiterten Osteraufstand (1916) kristallisierte es sich gegen 1917/18 heraus, dass es für Irland keinen friedlichen Übergang in die Unabhängigkeit und wahrscheinlich auch keinen vollständigen Übergang für alle Grafschaften geben würde. Nach Ende des irischen Unabhängigkeitskriegs (1919 bis 1921) wurden zwischen Irland (Verhandlungsführer Michael Collins) und Großbritannien (Verhandlungsführer David Lloyd George) Verhandlungen geführt, die im Anglo-Irischen Vertrag mündeten. Dieser sah unter anderem vor, dass die Grafschaften Ulsters mit den höchsten protestantischen Anteilen an der Bevölkerung vom Rest Irlands abgeteilt werden. Unter mehreren Vorschlägen wurde letztlich derjenige ausgewählt, nach dem die Grafschaften Antrim, Down, Armagh, Londonderry, Tyrone und Fermanagh abgeteilt wurden. Auf Seiten der irischen Nationalisten wurde um die Anerkennung des Vertrags der irische Bürgerkrieg (1922 bis 1923) geführt. Die Teilung Irlands blieb bis heute bestehen.
Auch Nordirland erhielt ein gewisses Maß an Autonomie (Homerule) und 1922 beschloss ein seit 1921 bestehendes nordirisches Parlament, das Stormont, den Verbleib bei Großbritannien. Bis 1923 gibt es einen Bürgerkrieg zwischen den Gegnern der Teilung, den radikalen Anhängern der Sinn-Féin-Bewegung, und zwischen den gemäßigten Befürwortern der Regelung, bei dem sich die Befürworter durchsetzen. Die Grenze wurde 1925 von allen drei Seiten anerkannt.
1937 tritt in Irland eine Verfassung in Kraft, die als Staatsgebiet die ganze Insel bezeichnet, wobei Gesetze nur im südlichen Teil gelten. Die nächsten Jahre war die Lage ruhig, allerdings wurden die weitgehend armen Katholiken, zum Beispiel bei den nach einem Zensuswahlrecht durchgeführten Wahlen, benachteiligt und diskriminiert. Das britische Unterhaus beschloss 1949 den Ireland Act, nach dem Nordirland solange bei Großbritannien bleibt, wie eine Mehrheit in Nordirland dies wünscht.
Seit 1967 kämpfte die Nordirische Bürgerrechtsvereinigung (engl. Northern Ireland Civil Rights Association) mit gewaltfreien Mitteln für eine Gleichberechtigung der Katholiken. Nachdem einer ihrer friedlichen Protestmärsche von der RUC niedergeschlagen wurde, erhielt die gewaltbereite Provisional IRA (eine Splittergruppe der seit 1922 in beiden Teilen Irlands verbotenen IRA) wieder Zulauf. 1969 sandte Großbritannien Truppen nach Nordirland, 1972 waren 21.000 Soldaten in Nordirland stationiert. 1970 verzeichneten die Katholiken einen Erfolg mit der Auflösung der B-Specials (eine Spezialtruppe der Polizei, die nur aus Protestanten bestand und beispielsweise Hausdurchsuchungen ohne Durchsuchungsbefehl durchführen durfte). Einer der Gegner der Reformen war Ian Paisley.
Am 30. Januar 1972 kommt es zum Blutsonntag (Bloody Sunday): In Derry werden bei einer Demonstration gegen die Internment-Politik mindestens 14 Katholiken von britischen Fallschirmjägern getötet. In der Folge kam es zu einem starken Zulauf zur IRA und zu Terrorakten verschiedener Gruppierungen (auf Seiten der irischen Nationalisten v.a. der IRA, auf Seiten der Unionisten beispielsweise die Ulster Defence Association), denen viele Zivilisten zum Opfer fielen. Im März löste die britische Regierung das nordirische Parlament auf und Nordirland wurde von London aus durch einen Nordirland-Minister regiert. Am 21. Juli (Bloody Friday) führte die IRA mindestens 21 Bombenattentate durch, bei denen mindestens 9 Menschen starben.
1973 spricht sich bei einem von vielen Katholiken boykottierten Volksentscheid eine Mehrheit für einen Verbleib Nordirlands bei Großbritannien aus. Ein auf Grundlage einer neuen Verfassung nach dem Verhältniswahlrecht gewähltes Parlament, dem Mitglieder aus beiden Bevölkerungsgruppen angehören, wird nach wenigen Monaten wieder aufgelöst. Auch andere Versuche, den Nordiren einen Teil der Macht zurückzugeben, scheitern.
Am 2. Mai 1975 wird eine verfassungsgebende Versammlung gebildet, die 1976 ergebnislos wieder aufgelöst wird. Am 15. November 1985 schließen Großbritannien und Irland einen Vertrag, der Irland ein gewisses Mitspracherecht in Nordirland gibt.
Am 31. August 1994 rief die Sinn Féin, der politische Arm der IRA, erstmals einen einseitigen Waffenstillstand aus, der Friedensgespräche ermöglichte, allerdings 1995 mit einem Bombenanschlag in London endete.
Am 30. Mai 1996 wird ein Nordirland-Forum ohne Beteiligung der Sinn Féin gewählt. Eine neu gewählte Labour-Regierung beginnt am 16. Mai 1997 Verhandlungen mit der Sinn Féin und am 7. Oktober beteiligen sich erstmals seit 1922 sowohl die Sinn Féin als auch protestantische Unionisten (sie kämpfen für eine Einheit=Union mit Großbritannien) an Verhandlungen.
Am 10. April 1998 schließen die Regierungen Irlands, Großbritanniens sowie die nordirische Parteien (Ulster Unionist Party, Social Democratic and Labour Party, Sinn Féin) das Karfreitagsabkommen.
Das Abkommen:
Am 25. Juni 1998 wird entsprechend des Vertrages ein neues nordirisches Parlament gewählt. Am 1. Juli 1998 wählt das Parlament David Trimble, den Vorsitzenden der unionistischen Ulster Unionist Party, mit 61:27 Stimmen zum Ersten Minister, sein Stellvertreter wird Séamus Mallon von der katholischen Social Democratic and Labour Party gewählt.
Am 15. August verübt die (Wahre) Real IRA, eine Splittergruppe der IRA, im westlich von Belfast gelegenen Omagh einen schweren Bombenanschlag mit 29 Toten und 350 Verletzten.
Am 11. September 1998 werden erstmals gemäß dem Karfreitagsabkommen Terroristen entlassen.
Am 16. Oktober 1998 erhalten der Unionistenführer David Trimble und der Führer der gemäßigten katholischen Nationalisten John Hume den Friedensnobelpreis.
Am 29. November 1999 werden zehn Ministerposten nach der Anzahl der Sitze im Parlament vergeben und die erste protestantisch-katholische Regierung Nordirlands damit vervollständigt.
Zum ersten Mal seit 1972 erhält Nordirland am 2. Dezember 1999 Autonomie, aber bereits am 11. Februar 2000 wird Nordirland wieder unter britische Direktverwaltung gestellt, weil die Entwaffnung der IRA nicht funktioniert. Am 30. Mai 2000 erhält Nordirland die Autonomie zurück.
Bei den Wahlen zum Unterhaus am 7. Juni 2001 erleidet die Ulster Unionist Party von David Trimble schwere Verluste. Gewinner der Wahl sind die radikalen nordirischen Parteien, die katholische Sinn Fein und die protestantische Democratic Unionist Party.
Am 1. Juli 2001 tritt David Trimble als Erster Minister zurück, um gegen die ausbleibende Entwaffnung der IRA zu protestieren.
Am 23. Oktober 2001 wird von einer internationalen Entwaffungskommission bestätigt, dass die IRA mit der Abgabe ihrer Waffen begonnen hat.
Bei Wahlen zum irischen Parlament vom 15. Mai bis 17. Mai 2002 gewinnt Sinn Féin unter Gerry Adams vier Mandate hinzu und hat damit fünf Sitze.
Ungefähr dreißig Jahre nach dem Bloody Friday entschuldigt sich die IRA am 16. Juli 2002 für die zivilen Opfer ihrer Attentate, am nächsten Tag verübt die Real IRA einen neuen Anschlag.
Im Oktober kommt Nordirland nach Gerüchten über Spione der IRA in der nordirischen Regierung unter britische Direktverwaltung. Am 1. Mai 2003 wird durch die britische Regierung die Wahl zum Nordirischen Parlament, die eigentlich für Ende Mai geplant war, auf den Herbst verschoben. Der Grund für die Verschiebung ist die zögerliche Haltung der IRA bei der Ablehnung von weiteren paramilitärischen Aktionen.
Die Wahlen finden am 26. November statt. Sieger der Wahl sind die radikalen Parteien. Stärkste Partei ist die Democratic Unionist Party mit 30 Mandaten, vor der Ulster Unionist Party mit 27, der Sinn Féin mit 24 und der Social Democratic and Labour Party mit 18 Mandaten. Die restlichen Parteien erhalten 9 Mandate.
Im September 2004 sollte ein Gipfeltreffen im britischen Leeds Castle den Friedensprozess wiederbeleben. Die Verhandlungen wurden ohne Ergebnis abgebrochen, da die radikale protestantische Partei DUP nicht bereit war, gemeinsam mit der Sinn Féin zu regieren. Zum Jahreswechsel scheint sich die Situation weiter zu verschlechtern. Die britische Regierung beschuldigt die IRA, hinter einem Banküberfall zu stecken, bei dem in Belfast umgerechnet 31 Millionen Euro erbeutet wurden. Am 30. Januar 2005 wird der 30-jährige Robert McCartney in einem Pub von mehreren Personen, auch Mitgliedern der IRA, erst zusammengeschlagen und dann erstochen; Aus Angst ist keiner der Zeugen bereit, mit der Polizei zusammen zu arbeiten. Bei den Unterhauswahlen vom 5. Mai 2005 kann die Ulster Unionist Party nur einen ihrer fünf Sitze verteidigen. Auch David Trimble verliert seinen Sitz und tritt darauf vom Parteivorsitz zurück.
Am 28. Juli erklärt die IRA ihren bewaffneten Kampf für beendet, der Schritt wird begrüßt, vor allem Protestanten bleiben aber skeptisch.
Der Premierminister Nordirlands war bis 1972 der Regierungschef Nordirlands. Er wurde vom britischen Gouverneur für Nordirland ernannt.
- bgcolor="cccccc" | # | Name | Amtsantritt | Ende der Amtszeit | Partei | - bgcolor="#DDEEFF" | 1. | Sir James Craig | 7. Juni 1921 | 25. November 1940 | Ulster Unionist Party | - bgcolor="#DDEEFF" | 2. | John Miller Andrews | 25. November 1940 | 1. Mai 1943 | Ulster Unionist Party | - bgcolor="#DDEEFF" | 3. | Sir Basil Brooke | 1. Mai 1943 | 25. März 1963 | Ulster Unionist Party | - bgcolor="#DDEEFF" | 4. | Terence O'Neill | 25. März 1963 | 1. Mai 1969 | Ulster Unionist Party | - bgcolor="#DDEEFF" | 5. | James Chichester-Clark | 1. Mai 1969 | 23. März 1971 | Ulster Unionist Party | - bgcolor="#DDEEFF" | 6. | Brian Faulkner | 23. März 1971 | 25. März 1972 | Ulster Unionist Party |
|---|
Nach dem Karfreitagsabkommen wurde das Amt des Ersten Ministers von Nordirland geschaffen.
1972 wurde das britische Nordirland-Ministerium geschaffen. Es übt einen großen Teil der Regierungsgewalt aus.
Britische Geschichte | Nordirland | Irische Geschichte
History of Northern Ireland | היסטוריה של צפון אירלנד | História da Irlanda do Norte
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