Wirtschaft
Das erste Ziel der Spanier war die Ausbeutung der Goldressourcen, die jedoch sehr bald erschöpft waren. Viele wanderten infolgedessen nach Mexiko ab. Kuba blieb nur dünn besiedelt. Die Wirtschaft beruhte auf einer extensiven Landwirtschaft: Anbau der indianischen Kulturpflanzen, Viehhaltung, Imkerei und den tropischen Hölzern der noch weitgehend bewaldeten Insel. Die Landesteile abseits von Havanna lebten vor allem von Selbstversorgung und etwas Schmuggel. Im 17. Jh. wurde das Landesinnere in einem zweiten Siedlungsschub erschlossen und weitere Orte gegründet.
Durch die Verlegung des Gouverneurssitzes wurde Havanna 1607 zum politisch Zentrum der Insel. Auch wirtschaftlich gewann die Stadt aufgrund ihrer Lage zunehmend an Bedeutung. Von dort aus konnte man den Zugang zum Golf von Mexiko kontrollieren und unter Ausnutzung des Golfstroms über den Atlantik nach Europa segeln. Ab den sechziger Jahren des 16. Jh. war der Hafen von Havanna der Sammelpunkt der Flotten aus den spanischen Kolonien Amerikas, die Silber und andere Waren nach Sevilla und Cádiz brachten. Havanna war der Brückenkopf der Neuen Welt im transatlantischen Handel. Die Wirtschaft Kubas war auf die Versorgung Havannas und der Flotten mit Nahrungsmitteln und Gütern ausgerichtet.
Gesellschaft
Die koloniale Gesellschaft Kubas lässt sich rechtlich und soziokulturell folgendermaßen gliedern. Weiße bildeten bald die Mehrheit. Aber nur wer in Spanien geboren, aufgewachsen und ausgebildet war, die sogenannten peninsulares, konnte in die höheren Verwaltungs- und Kirchenämter aufsteigen. Außerdem dominierten dieser Personenkreis den Handel. Die in Kuba geborene Nachfahren von Spaniern, die Kreolen stellten den größten Teil der Bevölkerung. Die auf die ersten Siedler zurückgehenden Familien konnten ihr Land oft zum Großgrundbesitz ausbauen, den sie als Viehzüchter oder Pflanzer bewirtschafteten. Der Grundbesitz bildete die Grundlage ihrer Macht, die sie als Oligarchie in lokalen Ämtern in Politik und Kirche ausübten. Daneben gab es eine große Zahl von Mittel- und Kleinbauern, die das Land zwischen den großen Gütern bewirtschafteten und nach und nach auch die abgelegeneren Gegenden erschlossen.
Der generelle Mangel an Arbeitskräften in Kuba wurde durch die Einführung von Sklaven aus Afrika ausgeglichen. Sklaven wurden in allen Wirtschaftsbereichen eingesetzt, als Hauspersonal, in kleinen ländlichen und städtischen Produktionsbetrieben oder als Bergarbeiter. Auch bei ihnen unterschied man zwischen in Kuba geborenen, spanischsprachigen Schwarzen Kreolen und in Afrika geborenen bozales. Das Rechtssystem erlaubte den Sklaven eigenen Besitz, die Möglichkeit sich und die eigene Familie damit freizukaufen, die freie Wahl eines Ehepartners und sogar die Suche nach einem neuen Herren. Sklaven konnten sich zu Vereinigungen, sogenannten cabildos, zusammenschließen, die von Schwarzen gleicher ethnischer oder ähnlicher kultureller Herkunft gebildet wurden. Diese Institution ermöglichte ihnen, afrikanische Kulturelemente zu bewahren und weiterzugeben. Darunter auch religiöse Vorstellungen, die sich mit dem Katholizismus, denn jeder Sklave musste getauft sein, zu den synkretistischen afrokubanischen Kulten, z.B. der Santería vermischten, die noch heute weit verbreitet sind.
Eine Zwischenstellung nahmen die freien Farbigen ein. Besondere rechtliche und soziale Verhältnisse ermöglichten in Kuba eine ausgeprägte Vermischung der Rassen und Kulturen. Hier gab es eine beachtliche Anzahl freier Schwarzer, die auf freigelassene bzw. freigekaufte Sklaven zurückgingen. Im Gegensatz zur spanisch-kreolischen Oberschicht achteten die unteren weißen Schichten nicht auf die „Reinheit des Blutes“ und vermischte sich mit Indianern und freien Schwarzen. Mischehen waren nicht unüblich und - wenn auch begrenzt - akzeptiert. Mulatten und freie Schwarze arbeiteten meist als Handwerker oder Gewerbetreibende, Berufe, die wegen ihres niedrigen Status von Weißen gemieden wurden. Sie stellten die Unter- und Mittelschicht der Städte. Auf dem Land, besonders im Osten, lebten sie als Kleinbauern.
Indianer und Mestizen wurden im Zensus schon bald nicht mehr als eigene Gruppe erfasst, sie waren in den Bevölkerungsgruppen der Kreolen und der Farbigen aufgegangen. Am Rande der kolonialen Gesellschaft standen entlaufene Sklaven (Cimarron) und Restgruppen von Indianern, die in abgelegenen Gebieten zurückgezogen lebten.
Im Zuge des revolutionären Sklavenaufstandes auf Haiti 1791 flohen viele französische Großgrundbesitzer, die dort Zucker- und Kaffeeplantagen besessen hatten, nach Kuba. Unter ihrem Einfluss und mit ihren technischen Kenntnissen wurde nun Kuba für Spanien zu dem, was Haiti vorher für Frankreich gewesen war: Die Insel des Zuckers und des Kaffees. Wirtschaftlicher Aufschwung und der industrielle Einsatz von Sklaven war die Folge.
Nach den Unabhängigkeitskämpfen in Süd- und Mittelamerika im 19. Jahrhundert wurde Kuba die wichtigste Kolonie Spaniens. Aber auch auf der „immer treuen Insel“ Kuba nahm die Unzufriedenheit der Kreolen mit der spanischen Herrschaft zu, anderseits regierte unter den sklavenhaltenden Zuckerplantagenbesitzern die Angst vor einem Sklavenaufstand nach haitianischem Vorbild, der ihre Privilegien beseitigen würde. Zwischen 1812 und 1844 ereigneten sich acht große Sklavenaufstände, die an der militärischen Übermacht der spanischen Kolonialtruppen und der Milizen der Sklavenhalter, besonders aber an der militärischen Unerfahrenheit der Sklaven scheiterten.
In dieser Zeit entstanden auf der Insel verschiedene Parteien mit unterschiedlichen Zielen:
Kuba-UnionRevolucionaria.jpg Seit 1842 gab es immer wieder militärische Invasionsversuche ohne offizielle Unterstützung der USA, die zu einer Angliederung Kubas an die USA führen sollten. Gaspar Cisneros Betancourt kann als der geistige Führer des kubanischen Annexionismus gesehen werden, Narciso López als Führer der militärischen Aktivitäten. Auf der anderen Seite standen die entschiedenen Befürworter eines souveränen kubanischen Nationalstaates wie José Antonio Saco und später José Martí.
Das Thema Annexionismus ist bis in die aktuelle Politik Kubas (2005) wirksam. Während die exilkubanischen Invasoren der Schweinebucht wie die meisten Exilkubaner in Florida sich deutlich als Annexionisten zu erkennen gaben, finden sich in der gegenwärtigen politischen Opposition in Kuba verschiedene Richtungen. Der Großteil der Dissidenten in der Versammlung zur Förderung der kubanischen Zivilgesellschaft (APSC, Marta Beatriz Roque) bekennt sich offen zu ihrer Unterstützung durch die US-amerikanische Regierung und die Exilorganisationen in Florida, während ein kleinerer Teil die Nähe zur US-amerikanischen Politik ablehnt. Hauptargument der kubanischen Regierung gegen die Mehrzahl der Dissidenten ist daher auch die „Verteidigung kubanischer Souveränität“ gegen den Annexionismus.
Am 10. Oktober 1868 rief Carlos Manuel de Céspedes im Kriegsruf von Yara von der Ostprovinz Kubas Oriente (Kuba) aus das kubanische Volk zum Krieg gegen die spanische Kolonialmacht auf. Er ließ seine Sklaven frei und besetzte mit einer kleinen Armee die Stadt Bayamo. Als die spanischen Truppen Bayamo zurückerobern wollten, zündeten die Einwohner der Stadt ihre eigenen Häuser an und schlossen sich den Aufständischen an. Ein Gedicht, das dieses Ereignis feiert, wurde zur kubanischen Nationalhymne La Bayamesa. Innerhalb eines Monats wuchs die Revolutionsarmee von 147 auf über 12.000 Mann an, unter ihnen viele Sklaven.
Kurze Zeit später bildeten sich auch in Camagüey in Zentralkuba (Ignacio Agramonte Loynaz u.a.) und Las Villas in Westkuba (Eduardo Machado, Carlos Roloff) starke revolutionäre Militärverbände. Aufgrund des Widerstandes der Zuckerplantagenbesitzer unter dem Anführer der Reformisten Havannas José Morales Lemus blieb der geplante und strategisch entscheidende Angriff auf den Westen der Insel jedoch aus.
Das Parlament der Republik in Waffen, wie sich die kubanische Untergrundbewegung nannte, bestand in ihrer politischen Führung zum größten Teil aus Großgrundbesitzern, die sich von einer Unabhängigkeit Kubas freien Handel mit den Ausland, besonders den USA, versprachen. Sie widersetzten sich stets der Forderung, den Krieg auch auf den kubanischen Westen auszudehnen, wo sich die großen Zuckerrohrfelder befanden, aus denen Spanien die notwendigen finanziellen Mittel für den Kampf gegen die Aufstandsbewegung schöpfte. Nach vielen Misserfolgen gelang es dem spanischen General Arsenio Martínez Campos, in einer politisch-militärischen Offensive die Aufstandsbewegung zu schwächen. 1878 kam es zum Frieden von Zanjón. Er gewährte den Kubanern und Kubanerinnen eine Vertretung in den spanischen Cortes und legte eine schrittweise Sklavenbefreiung fest, Kuba blieb jedoch ohne echte Autonomie.
Der stellvertretende Oberbefehlshaber der Revolutionsstreitkräfte Antonio Maceo weigerte sich, die Kapitulation anzuerkennen und erklärte bei einem Treffen mit Arsenio Martínez Campos die Fortsetzung des Kampfes um die Unabhängigkeit Kubas (Protesta de Baragua). 1879 musste jedoch auch er den Kampf einstellen und ging ins Exil nach Mexiko.
Zwischen 1879 und 1895 bereiteten sich kubanische Exilgruppen in den USA und Mexiko auf eine Rückkehr nach Kuba vor. Besonders aktiv bei der Organisierung war der Dichter, Journalist und Revolutionär José Martí, dem es schließlich gelang, die beiden ehemaligen Oberbefehlshaber der Revolutionsstreitkräfte, Máximo Gómez und Antonio Maceo, wieder an einen Tisch zu bringen. Im Manifest von Montechristi (Manifesto de Montechristi) wurden die Bedingungen für eine Wiederaufnahme des Kampfes festgelegt. 1895 landeten die Revolutionäre mit einem Schiff im Osten Kubas. José Martí, der keine militärische Erfahrung besaß, fiel in einer der ersten Schlachten mit der spanischen Kolonialarmee. Der spanische Ministerpräsident Antonio Cánovas del Castillo entsandte eine Armee von 200.000 Soldaten unter dem Generalkapitän Valeriano Weyler y Nicolau auf die Insel. Seine drakonischen Methoden hatten zwar militärischen Erfolg, lösten aber weltweit Entrüstung aus, sodass Weyler 1897 zurückgerufen wurde, ein eigenes Ministerium für Kuba entstand und die Insel weitgehende Autonomie erhielt. Die Kubaner forderten jedoch vollständige Unabhängigkeit. Spanien gelang es diesmal nicht, die Aufstandsbewegung aufzuhalten, zumal der Kampf von Anfang an über ganz Kuba, also auch den für Spanien wirtschaftlich besonders wichtigen Westen der Insel, ausgedehnt wurde. Als in Spanien bereits öffentlich über einen Rückzug aus Kuba gesprochen wurde, griffen die USA 1895 ein und provozierten den Spanisch-Amerikanischen Krieg. Historisch markiert dieses Datum den Eintritt der USA in den Kreis der imperialistischen Weltmächte. Statt seine Unabhängigkeit zu gewinnen, kam Kuba nun nach den Friedensverhandlungen zwischen Spanien und den USA in Paris, an denen die kubanische Unabhängigkeitsbewegung nicht teilnehmen durfte, unter die Herrschaft der USA, die erst 1902 eine Scheinrepublik erlaubten.
Die Verfassung Kubas von 1902 erhielt auf Druck der USA einen Zusatzartikel, das sogenannte Platt-Amendment, der den USA ein Recht militärisches Eingreifen zusicherte, falls sie ihre Interessen oder US-amerikanisches Eigentum auf Kuba in Gefahr sahen. Damit fehlte der neugegründeteten Republik Kuba die wichtigste Voraussetzung eines unabhängigen Staates: die Souveränität. Tomás Estrada Palma wurde erster Präsident der Republik.
Im Platt Amendment sicherten sich die USA 1903 außerdem zwei Militärstützpunkte auf der Insel: Bahía Honda, das 1912 zurückgegeben wurde, und Guantánamo Bay, das bis heute von US-amerikanischem Militär besetzt gehalten und seit dem Afghanistan-Krieg zur völkerrechtswidrigen Inhaftierung von Kriegsgefangenen verwendet wird.
1933 wurde der Diktator Machado von einer breiten Volksbewegung gestürzt. Neuer Machthaber wurde der Sergeant Fulgencio Batista Zaldívar, der als »Führer der Revolution« von 1933 bis 1939 zum Oberbefehlshaber der Armee wurde. In dieser Funktion beeinflusste er die Regierungsgeschäfte entscheidend. So setzte er den Präsidenten Grau San Martín ab und Carlos Mendieta Montefur als neuen Präsidenten ein, gestützt auf die kubanische Armee und die immer präsente Interventionsdrohung der USA, repräsentiert durch den Botschafter Jefferson Caffery.
Fidel Castro, ein junger Rechtsanwalt und Mitglied der Orthodoxen Partei von Chibás, klagte Batista wegen seines Militärputsches vor dem Obersten Gerichtshof an. Nachdem die Klage zurückgewiesen wurde, erklärte Castro, dass nun das in der Verfassung von 1940 verankerte Widerstandsrecht nach Ausschöpfung aller legalen Mittel in Kraft getreten sei und bereitete den gewaltsamen Sturz Batistas vor.
Havanna_libre.jpg Am 26. Juli 1953 verübte eine Guerillatruppe unter der Führung des Rechtsanwalts Fidel Castro Ruz (*1926) einen Angriff auf die Moncada-Kaserne von Santiago, der allerdings fehlschlug. Dies war der Beginn der Revolution unter Führung der Bewegung des 26. Juli (M-26-7). Die Ziele der Bewegung waren Sozialreformen, Demokratie und die Wiederherstellung der Verfassung von 1940. Nachdem Castro einige Jahre im Gefängnis verbrachte ging er ins Exil( zunächst in die USA später Mexiko). Er kehrte 1956 mit ca 140 Guerilla-Kämpfern zurück.
Am 1. Januar 1959 eroberten Castros Revolutionäre die Hauptstadt Havanna, woraufhin Fulgencio Batista ins Exil floh. Fidel Castro übernahm am 16. Februar das Amt des Ministerpräsidenten.
Am 17. Mai 1959 kam es zur Einführung einer Land- und Agrarreform, die unter anderem die Beseitigung des privaten Großgrundbesitzes, Bildung von Kooperativen und staatlichen Betrieben und das Verbot von Landbesitz für Ausländer vorsah. Am 17. Juli 1959 wurde Osvaldo Dórticos Torrado (*1919, † 1983) Präsident der Republik. Castro blieb Regierungschef.
Im Juli 1960 verhängten die USA über Kuba ein partielles Handelsembargo, dem sich als zweites Land nach den USA die Bundesrepublik Deutschland und später nahezu alle westlichen Staaten anschlossen, und das schließlich zu einem völligen Handelsboykott ausgedehnt wurde.
Am 17. April 1961 scheiterten von Guatemala aus eindringende Exilkubaner bei einem Angriff in der »Schweinebucht«. Am 2. Dezember 1961 fand die Proklamation der Sozialistischen Republik'' auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus statt. Im Februar des darauf folgenden Jahres verhängten die USA ein totales Embargo auf alle Einfuhren aus Kuba.
Nach dem Scheitern der Schweinebucht-Invasion gab es in den Präsidenten-Beratungen unter Kennedy, die inzwischen nicht mehr der Geheimhaltung unterliegen, Überlegungen, Kuba noch einmal anzugreifen, diesmal aber unter direktem Einsatz von US-Truppen. Was fehlte, war ein brauchbarer Vorwand um den völkerrechtswidrigen Angriff auf Kuba zu rechtfertigen. Nach der Schweinebucht-Invasion wurden von der UdSSR Atomraketen auf Kuba stationiert, die unter anderem zur Abschreckung einer Invasion durch die USA dienten. Da die USA an der türkisch-sowjetischen Grenze ebenfalls Atomraketen stationiert hatte, sah die Sowjetunion in diesem Schritt ein „Gleichziehen“ im Sinne der Abschreckungsdoktrin des Kalten Krieges. Die Entdeckung sowjetischer Raketenbasen auf Kuba im September 1962 schien nach langer Überlegung der Präsidentenberater der gesuchte Anlass für einen Angriff auf Kuba zu sein. Im Oktober 1962 errichteten die USA eine totale Blockade über Kuba und bedrohten auf dem freien Meer sowjetische Handelsschiffe mit Warnschüssen. Der Atomkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion schien greifbar nahe. Nach Geheimverhandlungen zum Abbau amerikanischer Atomraketen in der Türkei stimmten die Sowjets zu, auch die Raketenbasen auf Kuba zu eliminieren. Außerdem mussten die USA zusichern, keine weiteren Angriffe auf Kuba vorzubereiten. In der Öffentlichkeit war von diesem Geheimabkommen jedoch nichts bekannt, so dass die US-Regierung unter Kennedy als Sieger gestärkt aus der Oktober-Krise hervorging.
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