Über den tuaithe standen die mächtigeren Provinzkönige (ri ruireach) wie z. B. die Ui Neill-Dynastie in Tir Eoghan (Provinz Uladh; heute: Ulster). Trotz all dessen, war die gälisch-irische Gesellschaft nicht egalitär - die höchte Klasse, die Könige, galten als nemed (heilig). Die Könige verrichteten keine manuellen Arbeiten, da dies unter ihrer Würde (enech) war. Aufgrund des Wahlsystems in Fragen der Nachfolge, entstanden häufig gewalttätige Kämpfe unter den möglichen Nachfolgern. Neben den Königen galten auch die Kleriker und Poeten als "heilig". Unterhalb diesen Klassen standen die Landbesitzer und am unteren Ende des gesellschaftlichen Leiter waren die "unfreien", Arbeiter, die keine politischen Rechte hatten. Irland war nahezu komplett ländlich geprägt, mit nur einigen Siedlungen bevor die Wikinger auf der Insel ankamen und dies alles änderten.
Thorgest (lateinisch Turgesius) war der erste Wikinger, der versucht ein eigenen irischen Königreich zu erschaffen. Er begab sich 839 über die Flüsse Shannon und River Bann nach Armagh wo er ein Gebiet eroberte, dass Ulster, Connacht und Meath umfasste. 845 wurde Thorgest von Maelsechlainn I (König von Mide) gefangen und im Lough Owen ertränkt. 848 besiegte Maelsechlainn - nun Hochkönig - eine nordische Armee bei Sciath Nechtain. Indem er behauptete, sein Kampf würde auch im Namen des Christentums gegen die Heiden geführt, bat er um Unterstützung vom französischen Herrscher Karl dem Kahlen - allerdings ohne Erfolg.
852 landeten die Wikinger Ivar Beinlaus und Olaf der Weiße in der Bucht von Dublin und erbauten eine Festung auf dem Gebiet der heutigen Stadt Dublin. Olaf der Weiße war der Sohn einen norwegischen Königs und krönte sich selbst zum König von Dublin. Diese Krönung gilt allgemein als Gründung von Dublin, auch wenn griechische und römische Schriften bereits im 1. Jahrhundert von einer Siedlung an gleicher Stelle namens Eblana (oder Deblana) berichten. Ivar wurde Nachfolger von Olaf und nach dem Tod von Ivar entstand eine Unsicherheit im Königreich von Dublin, die viele Siedler der Wikinger dazu veranlasste, nach England oder Frankreich umzusiedeln. Doch neben Dublin gründeten die Wikinger auch andere Küstenorte und mit der Zeit vermischten sich die irischen und nordischen Bevölkerungsgruppen immer mehr und die sog. Gall-Gaels entstanden (Gall war das irische Wort für Fremde). Der nordische Einfluss findet sich in vielen irischen Königsnamen wieder, die auf nordische Namen zurückgehen, z. B. Magnus, Lochlann oder Sitric. Und auch DNA-Untersuchungen in diesen Küstenstädten belegen noch heute diese Vermischung. KoenigreicheIrland.png
914 begann eine neue Angriffswelle der Wikinger - diesmal von der Südküste aus, wo die Wikinger in Waterford eine neue Siedlung gründeten. Von dort aus führte man Raubzüge in ganz Südirland aus. Auch von Dublin führten die Nachfahren von Ivar Beinlaus nun wieder Raubzüge aus und eroberten einen Großteil der Insel. Diese Herrschaft wurde erst durch die verbündeten Kräft von Maelsechlainn II (König von Meath) und Brian Boru in den Jahren bis 1014 beendet. Im späten 10. Jahrhundert erreichte Brian Boru, ein Abkömmling eines obskuren Stammes aus dem mittleren Westen von Irland, durch politische Spielereien und Eroberungen genug Einfluss, dass er den Titel ard righ (Hochkönig) erhielt. Boru und seine Alliierte besiegten eine gemeinsame Armee aus Wikingern und Einheimischen bei der Schlacht bei Clontarf im Jahr 1014. Obwohl Boru dieses Schlacht nicht überlebte, war damit die Vorherrschaft der Wikinger in Irland gebrochen. Nach und nach gingen die übrigen Wikinger in der ansässigen Bevölkerung auf. Borus Nachkommen scheiterten bei dem Versuch einen gesamtheitlichen irischen Thron zu errichten und die daraus folgenden regionalen Territorialstreitereien führten indirekt zur möglichen Invasion der Normannen unter Strongbow im Jahr 1169. Irland war zwar nun seit ca. 150 Jahren erstmals wieder ein freies Land, aber die internen Kämpfe machten es keinesfalls friedlicher.
Nach dem Verlust des Schutzes von Hochkönig Muirchertach MacLochlainn (durch dessen Tod 1166) wurde der König von Leinster Diarmait Mac Murchada (oder Diarmuid MacMorrough) gewaltsam von einer verbündeten Kraft unter dem neuen Hochkönig Ruaidri mac Tairrdelbach Ua Conchobair (oder Rory O'Connor) verbannt. Diarmait floh zuerst nach Bristol, dann nach Aquitanien und erhielt schließlich von Heinrich II. die Erlaubnis mit seinen Untertanen sein Königreich zurückzuerobern. 1167 konnte Diarmait die Unterstützung von Maurice Fitz Gerald gewinnen und später den Prinzen von Deheubarth (Königreich im südlichen Wales) dazu überreden, den gefangenen Halbbruder von Maurice, Robert Fitz-Stephen, zu begnadigen, damit dieser an seiner Fahrt teilnehmen konnte. Doch am wichtigsten war die Unterstützung des Earl of Pembroke Richard de Clare, besser bekannt als Strongbow.
Der erste normannische Kämpfer, der Irland betrat, war Richard fitz Godbert de Roche im Jahr 1167, doch erst 1169 landeten die Hauptkräfte der gemeinsamen Armee aus Normannen, Walisern und Flamen in der Grafschaft Wexford. Binnen kürzester Zeit war Leinster zurückerobert sowie Dublin und Waterford unter der Kontrolle von Diarmait. Strongbow wurde zum Thronerben seines neuen Königreiches. Diese Entwicklung bestürzte jedoch Heinrich II., da dieser einen rivalisierenden normannischen Staat in Irland fürchtete. Daraufhin reiste dieser nach Leinster um seine Autorität zu demonstrieren.
Die mächtigste Kraft im Land waren die großen hiberno-normannischen Grafschaften, wie die der Geraldines, der Butlers und der Burkes, die große Gebiete kontrollieren, die nahezu unabhängig von den Regierungen in Dublin oder London waren. Der Lord of Ireland (daher der Name Lordschaft Irland) war König John, der bei seinen Besuchen 1185 und 1210 dabei half, die normannischen Gebiete in militärischer und administrativer Hinsicht zu sichern. Es schaffte es auch, diverse irische Könige unter seine Lehnseid zu bringen, z. B. Cathal Crobderg Ua Conchobair. Dem Namen nach war die Lordschaft Irland (die bis 1541 andauerte) ein inselumfassender irischer Staat - doch in der Realität beschränkte sich der Herrschaftsbereich neben einigen normannischen Hochburgen auf ein kleines Gebiet rund um Dublin, das als The Pale bekannt werden sollte.
Doch die Hiberno-Normannen mussten eine Reihe von Rückschlägen hinnehmen, die ihre Ausbreitung, Siedlungspolitik und Macht einschränkten. Zuerst wurden eine Reihe von Rebellionen von gaelischen Lords initiiert, die Teilweise Ressourcen banden, teilweise sogar Gebiete eroberten. Weiterhin versiegte der Rückhalt von Heinrich III. und seinem Nachfolger Edward I. (der sich mehr um Angelegenheiten in England, Wales und Schottland kümmerte), so dass die normannischen Kolonisten keinerlei (oder nur wenig) Nachschub aus England erhielten. Und letztendlich wurde die normannische Position auch durch Streitereien innerhalb ihrere eigenen Reihen geschwächt und durch die Aufteilung von Ländern auf mehrere Söhne im Sinne der Nachfolge zersplitterte das Land in schwächere Einheiten (die Marshalls von Leinster zerteilten eine Grafschaft in einem Fall sogar in fünf Teile).
Im 14. Jahrhundert wurde das hiberno-normannische Irland von drei Vorfällen erschüttert:
Außerhalb des Pale nahmen die hiberno-normannischen Lords nach und nach die irische Sprache und die irischen Sitten an - sie wurden als die Old English (alten Engländer) bekannt und man sagt, sie wurden irischer als die Iren. In den folgenden Jahrhunderten verbündeten sich die Lords bei diversen politischen und militärischen Konfrontationen mit den Iren gegen die Engländer und blieben auch nach der Reformation katholisch. Die Machthaber des Pale fürchteten sich so sehr vor der Gälisierung, dass sie 1366 einige Gesetze im Parlament von Kilkenny (die sog. Statuten von Kilkenny) erließen, die es den englischstämmigen Lords untersagten, irisch zu sprechen, irische Kleidung zu tragen oder Irischstämmige zu heiraten. Da die Regierung in Dublin aber nur wenig Autorität besaß, blieben die Statuten außerhalb des Pale nahezu ohne Folgen.
Im 15. Jahrhundert blieb dieser Trend der Gälisierung ungebrochen - er nahm sogar an Geschwindigkeit zu. Die zentrale englische Autorität in Irland verschwand, was auch daran lag, dass die englische Krone mit dem Rosenkrieg anderweitig involviert war.
Das Verschwinden der Zentralmacht in der Kolonie führte dazu, dass im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert eine Reihe wichtiger irischer Königreiche und Lordschaften entstanden, zwischen denen bis in die 1500er Jahre hinein diverse Grenzverschiebungen stattfanden.
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"Geschichte Irlands (800–1536)".
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