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Das jetzige estnische Gebiet wurde von den ersten Stämmen vor spätestens 11 000 Jahren besiedelt, nachdem der weichende Gletscher dies ermöglichte.

Um 800 werden die Esten erstmals erwähnt. Anfang des 13. Jahrhunderts wurden sie von Dänemark aus missioniert. 1356 wurden die Esten vom deutschen Orden unterworfen. Seitdem lebten in Estland viele Deutsche, die sich bald als eigene ethnische Gruppe verstanden und als Deutschbalten bezeichneten.

Mittelalter


Das Mittelalter war von der Zugehörigkeit der estnischen Städte zur Hanse und deren Kontakten nach Skandinavien geprägt. 1561 kam Estland unter schwedische Herrschaft. Der Süden Estlands um Dorpat wurde mit Lettland als "Inflanty" polnisches Lehen.

Im russischen Reich


1710 (1721) wurde Estland unter Peter dem Großen russisch und bildete eines der drei Ostseegouvernements. 1816 (Nordestland) bzw. 1819 (Südestland) wurde die Aufhebung der Leibeigenschaft beschlossen. Die Zaren nach Alexander III (1881-1894) verfolgten eine rigorose Russifizierungspolitik und schränkten die Souveränität der baltischen Oberschicht immer weiter ein. Gleichzeitig destabilisierte das erwachende nationale und wirtschaftliche Interesse sowie Arbeiter- und Bauernbewegungen der Esten und Letten die Gesellschaftsordnung.

Eine zentrale Rolle spielte bei dieser Entwicklung zur eigenen kulturellen und politischen Identität die Universität Tartu (Dorpat), auf der seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts die studierenden Esten sich bewußt nicht mehr über die Mitgliedschaft in den Corporationen assimilieren wollten, sondern vor im Verein Studierender Esten (EÜS) und weiteren Corporationen eine eigene Identität förderten.

Unabhängigkeit


Am 24. Februar 1918 wird die Republik Estland ausgerufen. Vorerst bleibt dies ein Beschluss auf dem Papier. Die eigentliche Unabhängigkeit wird im Freiheitskrieg (1918-1920) erkämpft, die durch den Friedensvertrag mit dem sowjetischen Russland gekrönt wird. 1920 erkannte die Sowjetunion die Unabhängigkeit Estlands im Frieden von Dorpat "auf alle Zeiten" an.

Das damals wie Lettland über eine tolerante Minderheitsgesetzgebung verfügende Land erlebte eine wirtschaftliche wie kulturelle Blüte, die 1934 abrupt durch einen autoritären Umsturz unter Konstantin Päts beendet wurde. Die Zeit der ersten unabhängigen (1918-1940) Republik Estland schafft es, mit allen bedeutenden Staaten offizielle Beziehungen anzuknüpfen und sein Vorhandensein im Bewusstsein der Europäer zu festigen. Die Selbständigkeit wurde durch den zwischen der Sowjetunion und Nazi-Deutschland im August 1939 geschlossenen Vertrag jäh beendet.

Sowjetische und Deutsche Okkupation


Estland geriet ins Visier der zwei Agressoren, Sowjetunion und Nazi-Deutschland, die im August 1939 über baltische Staaten und Einflussbereiche in deren Territorien verhandelten (Hitler-Stalin-Pakt). Im Oktober 1939 wurden die Deutschbalten (Adel, Gutsbesitzer, Kaufleute, viele Akademiker) zwangsweise in den sog. Warthegau umgesiedelt.

Nach der sowjetischen Okkupation im Juni 1940 ist Estland von 1941-1944 ein Teil des Nazi-Imperiums. Das Land stand seit dem 5. Dezember 1941 als Generalbezirk Estland im Rahmen des Reichskommissariats Ostland unter deutscher Zivilverwaltung und litt unter deren nationalsozialistisch orientierter Politik.

Zweite sowjetische Okkupation


Im Herbst 1944 okkupierte die Sowjetunion Republik Estland wieder. Die schwedischsprachige Minderheit (zumal auf den Inseln) wurde von Schweden aufgenommen. Ein großer Teil der Bevölkerung ging ins Exil. Viele wurden nach Sibirien deportiert. Manche versuchten, sich der neuen Situation anzupassen.

In der Nachkriegszeit wurde das durch die Sowjetunion besetzte Estland als Estnische SSR eingegliedert; ein Schritt, der vom Westen nicht anerkannt, aber hingenommen wurde. Wegen einer massiven Einwanderung überwiegend russischsprachiger Zuwanderer (Russifikationspolitik) wurden die Esten in den östlichen Regionen zeitweise zu einer Minderheit im eigenen Land.

Unabhängigkeitserklärung


Im Jahr 1990 erklärte Estland erneut seine Souveränität, die es 1991 zusammen mit Litauen und Lettland durchsetzen konnte: am 20. August 1991 erklärt der Oberste Rat die Unabhängigkeit des Landes.

Anfangs galt Estland politisch und wirtschaftlich als instabil. Im Laufe der 1990er Jahre erlebte die Wirtschaft einen Aufschwung ("Baltischer Tiger").

Am 29. März wurde 2004 Estland Mitglied der NATO. Zum 1. Mai trat Estland der Europäischen Union bei. Außenpolitisch orientiert sich Estland an den skandinavischen Ländern.

Die estnischen Nationalfarben (blau/schwarz/weiß) sind auch diejenigen des Vereins studierender Esten, einer Studentenverbindung.

Literatur


  • Seraina Gilly: Der Nationalstaat im Wandel. Estland im 20. Jahrhundert, (= Arbeiten aus dem Historischen Seminar der Universität Zürich, Bd. 97) Bern/Berlin a. 2002. ISBN 3-906769-19-4
  • Gert von Pistohlkors (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas - Baltische Länder. Berlin 1994.

Externe Links


Estnische Geschichte

History of Estonia | Historia de Estonia | Eesti ajalugu | Viron historia | Histoire de l'Estonie | היסטוריה של אסטוניה | エストニアの歴史 | Estijos istorija | Historia Estonii - kalendarium | История Эстонии | Estlands historia

 

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