''Siehe auch: Niederlande (Begriffsklärung)
Unter Kaiser Augustus wurde im Kerngebiet der belgischen Stämme die Provinz Gallia Belgica mit der Hauptstadt Durocortorum (Reims) gegründet. Erst unter Kaiser Claudius wurde die Provinz romanisiert.
Durch Erbfolge kam Belgien unter die Herrschaft Karl V. (1500–1558), Enkel von Maximilian I. von Österreich. Von nun an waren die Regionen nur noch ein Anhängsel des Habsburgischen Reiches und wurden von Madrid aus regiert.
1568 brach der Achtzigjährige Krieg aus, der die 17 Provinzen in zwei Lager teilte. 1581 erklärte sich der Norden, die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, (heutiges Königreich der Niederlande), für unabhängig. Der Süden gehörte dem spanischen Zweig der Habsburger (Spanische Niederlande) und später den österreichischen Habsburgern (Österreichische Niederlande).
1790 folgte die Unabhängigkeitserklärung der „Vereinigten Belgischen Staaten“, die aber 1794 von Frankreich besetzt wurden. 1815 wurde das Gebiet nach dem Wiener Kongress den Niederlanden zugesprochen (was aber innerhalb Belgiens für Unruhe sorgte).
Am Tag nach den ersten Unruhen schickte Wilhelm I. seine beiden Söhne als Unterhändler nach Brüssel. Die Aufständischen forderten eine Teilung des Landes, ohne Gegenvorschläge zu akzeptieren. Nach der Abreise der Prinzen wurden auch die niederländischen Truppen aus Brüssel abgezogen. Eine weitere Verhandlungsrunde, in der Wilhelm I. persönlich mit einer Brüsseler Delegation sprach, blieb ebenfalls ohne Ergebnis. Unterdessen breitete sich die offene Unabhängigkeitsbewegung auch in andere belgische Städte aus. Ende September beschloss Wilhelm I., militärisch gegen den Aufstand vorzugehen. 12.000 Soldaten zogen gegen Brüssel und besetzten den Park vor dem dortigen Schloss. Nun stellte sich der vorherige Abzug der Garnison aus der Stadt als taktischer Fehler heraus. Den Brüsselern gelang es, eine geschlossene Verteidigung der Stadt aufzubauen. Drei Tage lang dauerten die Kämpfe, an deren Ende sich die Niederländer zurückzogen.
Am 26. September formierte sich eine provisorische Regierung in Brüssel. Frankreich und Großbritannien erkannten sie sofort an. In den folgenden Tagen wurden niederländische Beamte und Truppen aus allen Städten des Landes vertrieben. Am 4. Oktober 1830 verkündete die provisorische Regierung auf dem Balkon des Brüsseler Rathauses die Unabhängigkeit Belgiens.
In der Konferenz von London (Ende 1830) wurde Belgien die Unabhängigkeit von den damaligen Großmächten zugestanden, obwohl sie damit den gerade mal 15 Jahre alten Vertrag von Wien in Frage stellten. Die Suche nach einem König stellte sich als äußerst schwierig heraus. Ein Vorschlag der Franzosen wurde von allen anderen abgelehnt, da die Angst vor einer erneuten Oberherrschaftsbestrebung der Franzosen zu groß war. Kurze Zeit später wurde Leopold I. von Sachsen-Coburg-Gotha zum König eingesetzt und eine immerwährende Neutralität erklärt. Der König hatte nur beschränkte Funktionen und musste einen Eid auf die Verfassung ablegen, darin erkennt er die Souveränität des Volks, die Grundrechte und das parlamentarische System an.
Nach diesem Trauma des 20. Jahrhunderts engagierte sich Belgien zusammen mit anderen westlichen Staaten für eine friedlichere Zukunft (s.u.), um so wieder ein vertrauensvolleres Verhältnis zu seinen Nachbarstaaten zu bekommen.
Am 30. Juni 1960 wurde die Kolonie Belgisch-Kongo unabhängig, wobei Belgien in der turbulenten Phase nach der Unabhängigkeit in die dortigen Konflikte verwickelt war. Mit der Unabhängigkeit Burundis und Ruandas am 1. Juli 1962 endete für Belgien die Zeit als Kolonialmacht.
Nach dem Austritt Frankreichs aus der militätischen Integration der NATO übernahm Belgien 1967 das NATO-Hauptquartier und das Hauptquartier Europa (SHAPE). Mit dem Ausbau der Europäischen Gemeinschaft wurde Brüssel neben Luxemburg Sitz europäischer Institutionen.
Bis in die fünfziger Jahre war die französischsprachige Bevölkerung in Wallonien die „tonangebende“ Volksgruppe in Belgien gewesen, was zu großen politischen Spannungen mit der niederländischsprachigen flämischen Bevölkerung führte, die sich in vielerlei Hinsicht unterdrückt fühlte. Erst mit dem wirtschaftlichen Niedergang der Wallonen – ihr Haupterwerbszweig war der Bergbau gewesen – änderte sich diese Situation zugunsten eines angenäherten Gleichgewichtes zwischen den zwei großen Bevölkerungsgruppen.
Im Mai 1977 wurde durch den Egmont-Pakt die Einführung von drei autonomen Regionen Brüssel, Wallonien und Flandern vorgeschlagen, welches aber aufgrund weiterer Forderungen der Wallonen nicht durchsetzbar war. Durch die Gewährung regionaler Autonomierechte für Flamen und Wallonen (aber auch für die deutschsprachige Volksgruppe in Ostbelgien) und die Verabschiedung des Gesetzes, welches Belgien in einen Bundesstaat umwandelt, im August 1980 wurden zwar politische Forderungen erfüllt, die Spannungen und Gegensätze – jetzt unter einem wirtschaftlich umgekehrten Verhältnis – sind aber trotzdem bis heute vorhanden und werden u. a. von der flämischen nationalistischen Partei Vlaams Belang (früher Vlaams Blok) und der wallonischen nationalistischen Partei Front National nach außen getragen.
Hinzu kommen die zwischen 1990 und 2000 entstandenen gesamtstaatlichen Probleme (Vorwurf der Verfilzung der Bundespolitik, Skandale um Kindesmissbrauch s. a. *).
Als einigendes und stabilisierendes Band für das Land erweist sich das Königshaus, dem seit 1993 König Albert II. als Nachfolger von Baudouin I. vorsteht.
Dennoch ist völlig offen, ob Belgien auch in Zukunft als einheitlicher Staat bestehen bleiben wird. Zwar wurde der Vlaams Blok im November 2004 verboten, doch könnte dieser Schuss aufgrund der breiten Zustimmung für die Partei in Flandern (größte Fraktion im flämischen Parlament) leicht nach hinten losgehen. Es wurde umgehend eine Nachfolgeorganisation namens Vlaams Belang gegründet.
siehe auch: Liste der belgischen Ministerpräsidenten
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