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Die Gesamthochschule (abgekürzt GH oder GHS) war eine universitäre Hochschulform, die ein Hochschulstudium in bestimmten so genannten "integrierten Studiengängen" sowohl mit Fachhochschulreife als auch mit Abitur ermöglichte. Es konnten in einigen dieser integrierten Studiengänge dann auch verschiedene Diplome erworben werden: das Diplom I, als wissenschaftlichem Kurzzeitstudium, und das Diplom II, das dem herkömmlichen Universitätsdiplom entsprach. Zusätzlich wurden auch reine Fachhochschulstudiengänge angeboten, die als einzigen Abschluss das Fachhochschul-Diplom hatten.

Geschichte


Die erste Gesamthochschule (und die einzige außerhalb Nordrhein-Westfalens) war die 1971 unter dem hessischen Kultusminister Ludwig von Friedeburg gegründete Universität Kassel. In Nordrhein-Westfalen wurden 1972 zeitgleich fünf Gesamthochschulen in den Städten Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal als "praktisches Reformmodell" gegründet. Dieses "integrative Modell" verfolgte mehrere Ziele:

  • die Überwindung unterschiedlicher Zugangsvoraussetzungen (Abitur und Fachhochschulreife) - das erklärte bildungs- und sozialpolitische Ziel der damaligen Landesregierung und sicherlich Hauptmotivation zur Entscheidung für dieses Modell
  • den einheitlichen organisatorischen Zusammenschluss von Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen
  • die Schaffung von integrativ auf Fachbereiche ausgerichteten Grundeinheiten für Forschung und Lehre alternativ zu den anderswo Studiengangs-bezogenen Strukturen
  • die Zusammenführung des wissenschaftlichen Personals (Lehrende und Forschende) zu einer funktionalen Einheit

Studienmodelle und Brückenkurse


Y-Modell

Beim Y-Modell verlief das Grundstudium wie an regulären Universitäten. Im Hauptstudium konnten sich die Studenten dann für das Diplom I oder II entscheiden. Studenten mit Fachhochschulreife mussten bis zum Vordiplom dann Brückenkurse absolviert haben, wenn sie sich für das Diplom II entschieden hatten.

Konsekutivmodell

Alle Studenten erwarben zunächst das Diplom I und konnten dann wählen, ob sie darauf aufbauend noch das Diplom II anstrebten. Da das Diplom I auch die allgemeine Hochschulreife (Abitur) beinhaltet, mussten hier keine Brückenkurse für Studenten mit Fachhochschulreife absolviert werden.

Integrierter Studiengang mit einer Abschlussmöglichkeit

Bei diesem Modell erwarben alle Studenten das Diplom II, Studenten mit Fachhochschulreife mussten in jedem Fall Brückenkurse bis zum Vordiplom absolviert haben.

Gesamthochschulen in Deutschland


Seit dem 1. Januar 2003 sind alle Gesamthochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen per Gesetz in ausschließliche Universitäten sowie in praxisorientierte Fachhochschulen überführt worden. Die Immatrikulation mit Fachhochschulreife war an den betreffenden Universitäten noch bis zum Wintersemester 2005/2006 möglich (Meldetermin war im Regelfall der 15. Juli 2005):

In Nordrhein-Westfalen:

überführt in Universitäten:

überführt in Fachhochschulen:

In Hessen:

In Bayern: In Bayern konnte sich aus politischen Gründen die Gesamthochschule nicht durchsetzen. Gleichwohl bieten verschiedene Universitäten in Bayern sowohl Fachhochschulstudiengänge als auch wissenschaftliche Studiengänge an. Durch das Bestehen der Vordiplomprüfung wird eine fachgebundene Hochschulreife für wissenschaftliche Studien erworben, mit dem Fachhochschuldiplom wird die allgemeine Hochschulreife erworben. Solche faktischen Gesamthochschulen sind unter anderem:

Zukunft


Da Studenten mit Fachhochschulreife einen Großteil der Studenten einiger Fachbereiche der ehemaligen Gesamthochschulen bilden, sind Regelungen für grundsätzlich alle Universitäten in Nordrhein-Westfalen getroffen, die diesen Studenten auch in Zukunft ein Universitätsstudium erlauben. Dies geschieht beispielsweise in Bachelorstudiengängen mit einer zusätzlichen Eignungsfeststellung (nach § 66 Abs. 6 Satz 1 HG von NRW) zu Studienbeginn. Diese sieht vor, dass der zukünftige Student ohne Abitur sowohl eine angemessene Allgemeinbildung (für deren Nachweis beispielsweise die Fachhochschulreife ausreichend sein kann), als auch eine fachspezifische Eignung besitzen soll (was zum Beispiel durch ein Gespräch mit einer Prüfungskommission nachgewiesen werden kann). Es liegt jedoch im Ermessen der Fachbereiche der Universitäten, wie diese Eignungsfeststellungen konkret ausgestaltet werden, bzw. ob dies an dem betreffenden Fachbereich überhaupt möglich ist.

Weblinks


Siehe auch


Hochschule

 

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