Levi ben Gershon (auch Levi ben Gerson, Leo de Bagnols oder Gersonides genannt, * 1288 in Bagnols-sur-Ceze (Südfrankreich), † 20. April (?) 1344 in Perpignan(?)) war ein bedeutender jüdischer Mathematiker, Philosoph, Astronom und Talmud-Gelehrter.
Über seinen Lebenslauf ist wenig bekannt. Er war Abkömmling einer Familie von Gelehrten, lebte eine Zeit lang in Orange, später in Avignon und Perpignan und hatte Kontakt zu einflussreichen Christen. Obwohl er auch „Rabbi Levi ben Gershon“ genannt wurde, war er niemals als Leiter einer jüdischen Gemeinde tätig. Bereits als junger Mann wurde er in sämtliche Zweige der Philosophie seiner Zeit eingeführt.
In verschiedenen seiner Schriften kommentierte Levi den Pentateuch; sein Kommentar zum Buch Ijob war eines der ersten in hebräischer Sprache (und Schrift) gedruckten Bücher (1477 in Ferrara).
Er war Aristoteliker und stark von Ibn Rushd beeinflusst; neuplatonische Argumente finden sich bei ihm nicht. Andererseits war er immer ein unabhängiger Denker. Als einziger der jüdischen Peripatetiker wagte er es, das aristotelische System insgesamt zu verteidigen (auch wenn es der einen oder anderen Doktrin der jüdischen Theologie widersprach). Er scheute sich aber auch nicht, eine von Aristoteles (bzw. Ibn Rushd) abweichende Meinung klar auszusprechen.
Sein zentrales Thema war eine Synthese von biblischen (talmudischen) und philosophischen (aristotelischen) Lehrmeinungen. In diesem Sinne behandelt sein Hauptwerk Sefer milhamot Adonai in sechs Abteilungen naturphilosophische Probleme, die von seinen Vorgängern (besonders Maimonides) nur unzureichend abgehandelt worden waren. Dies waren insbesondere das Wesen der Materie, die Unsterblichkeit der Seele, Prophetie und Träume, die Allwissenheit Gottes und die göttliche Vorsehung, sowie die himmlischen Sphären und die Natur der Gestirne.
Aus Levis Sicht ist Gott das oberste Denken und gleichzeitig das höchste Formprinzip des Seins. Gott habe die Welt zwar erschaffen, dies jedoch aus einer ewigen und daher unerschaffbaren Materie. Für ihn war Gottes Wissen nicht allumfassend, sondern beschränkt auf die Gesetzmäßigkeiten im Kosmos. In diesem Sinne genügt Gottes Wirken als Schöpfer, eine gegenwärtige Einwirkung Gottes auf die Welt verneinte er. Den „aktiven“ Teil der Seele hielt er für unsterblich.
Er entwickelte eine astronomische Theorie, die erhebliche Abweichungen vom überkommenen Weltbild des Ptolemäus enthielt. Seine Ansichten - dargestellt im fünften Abschnitt des Sefer milhamot Adonai - untermauerte er durch eigene Beobachtungen, die er bis etwa 1340 fortsetzte. Giovanni Pico della Mirandola zitierte seine astronomischen Schriften mehrfach in den "Disputationes in Astrologiam"; noch Johannes Kepler gab sich alle Mühe, ein Exemplar des für Clemes VI. ins lateinische übersetzten astronomisch-mathematischen Teils zu bekommen.
Levi ben Gershon gilt als der bedeutendste mittelalterliche Philosoph des Judentums. Er wurde oft wegen seiner Ausdrucksweise und seiner unkonventionellen Ideen kritisiert (ja sogar als Häretiker denunziert); vielleicht eben deshalb hat er das philosophische Denken bis ins 19. Jahrhundert beeinflusst.
Philosoph des Mittelalters | Mathematiker des Mittelalters | Astronom des Mittelalters | Mann | Person des Judentums | Geboren 1288 | Gestorben 1344
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