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Gerhard Berger Ferrari 1995.jpg Gerhard Berger (* 27. August 1959 in Wörgl / Tirol) ist ein ehemaliger Formel 1-Rennfahrer (von 1984 bis 1997) und Ex-Motorsportdirektor bei BMW. Heute ist er Mitinhaber des Formel-1-Teams Toro Rosso.

Hintergrund


Gerhard Berger wurde im Tiroler Wörgl geboren. Seine Mutter war Hausfrau, sein Vater besaß eine Transportfirma. Damit war schon früh das Interesse für Motoren und Autos geweckt. Der Vater wollte eine solide Basis für seinen Sohn, dessen Pläne, als Rennfahrer im Motorsport mitzumischen, schon sehr früh entstanden. Deshalb musste er auch eine Lehre absolvieren. Berger entschied sich Automechaniker zu werden.

1978, als 19-Jähriger, fuhr er mit unzureichendem Material auf dem Österreich-Ring sein erstes Rennen. Es war ein Flop, aber der Misserfolg spornte ihn nur noch weiter an. In der Deutschen Formel-3-Meisterschaft fiel der junge Draufgänger dem fachkundigen Blick Helmut Markos auf, der ihn in die Formel-3-Europameisterschaft lotste.

Formel-1-Karriere


1984 gelang der Sprung in die Formel 1, in der er alle Höhen und Tiefen erlebte.

ATS, Arrows, Benetton

Die Premiere verlief ganz passabel. Platz zwölf auf dem Österreichring folgte Rang fünf (ohne Punkte) in Monza auf einem ATS. Bei Arrows-BMW war man inzwischen längst aufmerksam geworden, und 1985 saß Berger in Rio erstmals in diesem Boliden. Aber die Möglichkeiten bei Arrows waren bald ausgereizt. 1986 ging er zu Benetton-BMW und feierte in Mexiko seinen ersten Sieg. Dennoch erfolgte mit Saisonschluss die Trennung und der Wechsel zu Ferrari.

Ferrari

Von 1987 bis 1989 saß Berger im feuerroten Renner aus Maranello, wurde 1988 WM-Dritter.

Beim Grand Prix von San Marino 1989 verunglückte Gerhard Berger schwer. In der vierten Runde des Rennens verlor Berger bei Tempo 280 in der schnellen und berüchtigten Tamburello-Kurve aufgrund eines gebrochenen Frontflügels die Herrschaft über sein Fahrzeug und krachte gegen die Streckenbegrenzung. Bergers Fahrzeug fing Feuer und brannte lichterloh. Da Berger zu dem Zeitpunkt nicht bei Bewusstsein war, konnte er auch das eingebaute Notlöschsystem nicht aktivieren. Doch die Streckenposten reagierten schnell und nach einer knappen halben Minute war das Feuer gelöscht und Gerhard Berger konnte erstversorgt werden. Er wurde mit schweren Verbrennungen an den Händen, sowie einer Gehirnerschütterung und einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht. Später, als er im Zentrum von Willi Dungl behandelt wurde, stellte man noch einen Brustbeinbruch fest. Doch Berger, wie schon Jahre zuvor Niki Lauda, setzte sich schon ein Monat später wieder in seinen Ferrari.

Den ersten Podiumsplatz nach seinem Feuerunfall erreichte Berger beim Grand Prix von Italien in Monza, wo er Zweiter hinter dem späteren Weltmeister Alain Prost und vor Thierry Boutsen wurde. Schon beim darauffolgenden Grand Prix in Estoril kehrte Berger als Sieger aufs Podest zurück und feierte seinen ersten Sieg nach seinem Unfall vor Alain Prost und dem Schweden Stefan Johansson.

McLaren

1990 wanderte Berger zu McLaren weiter, wo Ayrton Senna sein Partner wurde, jener Mann, den er mehr schätzte als jeden anderen und an dem letztlich kein Weg vorbeiführte. Ayrton Senna war aber auch der Einzige, mit dem Berger außerhalb des Business eine tiefe, bis zu Sennas Tod anhaltende Freundschaft pflegte.

Zurück zu Ferrari

Ferrari engagierte Berger 1992 noch einmal. Der Tiroler erlag der Verlockung vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil er dort Niki Lauda als "Piccolo Commendatore" und Berater wusste. 1994 erreichte er seinen zweiten 3. Platz in der Weltmeisterschaft.

Wieder Benetton

Als Michael Schumacher 1996 zu Ferrari ging, wechselte das Ferrari-Duo Gerhard Berger und Jean Alesi zum Weltmeisterteam Benetton. Gerhard Berger, der bis dato nicht unbedingt als „Freund“ Schumachers galt, geriet beim ersten Test mit dem Auto des Weltmeisters in einer der ersten Kurven sogleich ins Kiesbett - auch Jean Alesi erging es kaum besser. Berger und Alesi war es unerklärlich, wie man mit solch einem nervösen Fahrzeug Weltmeister werden konnte. Berger bezeichnete den Benetton sogar in einem Interview als „unfahrbar“ und erklärte später seinen Respekt vor Schumachers Fahrzeugbeherrschung. Dahinter stand, dass Schumacher bedingt durch seine Erfahrungen beim Kartfahren meist ein nervöses Fahrzeug mit leichtem bis mäßigem Übersteuern bevorzugte, während der Österreicher ein neutrales bis untersteuerndes Rennfahrzeug liebte, mit dem er kontrolliert tief in die Kurven einbremsen konnte. Aus dieser Perspektive passte der Benetton in der Rennabstimmung des Kerpeners überhaupt nicht zum Fahrstil Bergers, der erst relativ spät zum Motorsport fand.

Leistungen

14 Jahre fuhr Berger in der Formel 1, ehe er am 26. Oktober 1997 in Jerez de la Frontera als Fahrer ausstieg. Mit 210 Grand Prix-Rennen für Arrows-BMW, Benetton, Ferrari, und McLaren-Honda ist der Tiroler Österreichs Rekordhalter. Zwischen 1986 (Großer Preis von Mexiko) und 1997 (GP Deutschland) gewann er 10 Rennen (je 5 von 1986-89 bzw. 1991-97), davon je zweimal den Grand Prix von Australien und Deutschland. Zweimal erreichte er den 3.Platz in der WM (1988, und 1994), und in den anderen dieser 13 Jahre (bis auf 1985) 4. bis 8. Plätze.

Dem große Ziel WM-Titel jagte Berger vergeblich nach. 1992 verpasste er den Titel vor allem, weil Nigel Mansell im Williams-Renault den anderen jede Chance raubte, 1993 weil Prost und Senna fast alles beherrschten und später, weil der Stern des Michael Schumacher strahlend aufgegangen war. 1996 tauschten Berger und Schumacher die Rennställe. Ein Spiel von prickelnder Spannung, das nicht aufging, weil Williams dominierte und die Benettons ohne Schumacher plötzlich nicht mehr liefen.

Berger ist jener Fahrer Österreichs mit den meisten GP-Starts (210) und fuhr davon 21 mal die schnellste Runde. Er war gewissermaßen der Nachfolger von Niki Lauda, der 1971-1985 insgesamt 171 mal startete, allerdings 25 mal siegte.

Mit 48 Podestplätzen ist er der erfolgreichste Formel-1-Pilot ohne Weltmeistertitel. Das gleiche gilt für Platzierungen in den Punkte-Rängen (95), schnellste Runden (19) und WM-Punkte (385).

Er erreichte in Summe 385 WM-Punkte (Lauda 420), davon ab 1986 durchschnittlich 32 pro Jahr. Die meisten WM-Punkte erreichte er 1992 mit 49 Punkten, wurde aber nur WM-Fünfter. Seine beiden dritten Plätze erreichte Berger mit 41 Punkten.

Nach Ende der Renn-Karriere


Gerhard Berger ist seit 1990 mit der Portugiesin Ana verheiratet. Mit ihr hat er die zwei Kinder, Sarah-Maria und Heidi. Aus einer früheren Beziehung mit der Tirolerin Rosi Troppmaier stammt seine Tochter Christina (* 1980). Er lebt mit seiner Familie in Monte Carlo/Monaco (Frankreich).

Nach seiner letzten Saison wurde er 1998 Motorsportdirektor bei BMW, um deren Rückkehr in die Formel 1 (mit Williams) vorzubereiten. Mit Hilfe seiner Kontakte baute er die Strukturen auf, die für die Rückkehr nötig waren. Zusammen mit dem promovierten Ingenieur Mario Theissen avancierte er zu einer der erfolgreichsten Doppel-Spitzen der Formel 1. Über vier Saisonen stand Berger im Dienste von BMW, nach 20 Jahren eines hektischen Lebens, das er größtenteils an Rennstrecken oder im Flugzeug ("Rein ins Flugzeug, raus aus dem Flieger, einchecken, auschecken") verbracht hatte, hatte er im Jahr 2003 vorerst genug und verlängerte den auslaufenden Fünfjahresvertrag nicht.

Im Herbst 2003 zog er sich ins Privatleben zurück.

Aber nicht lange, wie man Anfang 2006 hörte:

Der zehnfache Grand-Prix-Sieger dementiert zwar nicht, gab aber vorerst kein grünes Licht: "Im Moment ist nichts spruchreif, denn zu den aktuellen Bedingungen können sich nur Autohersteller oder eine Firma wie Red Bull die Formel 1 leisten." Grundsätzlich ließen die Äußerungen Bergers aber eine Bereitschaft zu einem Formel-1-Comeback erkennen. "Es kann sein, dass ich eines Morgens aufstehe und das Gefühl habe: Ich brauche es wieder. Dann mache ich es." (sport.orf.at vom 2. Februar 2006)

Wie es scheint kam dieser Morgen früher als erwartet. Der 46-jährige Tiroler, 2005 auch als Teamchef im neuen Formel-1-Rennstall BMW im Gespräch, teilte am 09. Februar 2006 mit, dass er 50% der Scuderia Toro Rosso übernommen hatte. Im Gegenzug dazu kauft der Salzburger Getränkekonzern Red Bull und dessen Chef Dietrich Mateschitz 50% von Bergers Speditions- und Logistikunternehmen.

Zahlen, Daten, Fakten - Formel 1


Nationalität Österreich
Geburtsort Wörgl, Tirol
Geburtsdatum 27. August 1959
WM-Titel 0
WM-Punkte insgesamt 385
Siege insgesamt 10
Podiumsplätze 48
Pole Positions 12
Schnellste Runden 19
Starts 210
Führungsrunden 842
Führungskilometer 4210

Bergers Rennwagen

  • 1984-85 ATS-BMW
  • 1986 Benetton B 186 - BMW, Pirelli (Motor, Reifen)
  • 1986-88 Ferrari F1-87 - Ferrari, Goodyear
  • 1989 Ferrari F1-89 - Ferrari, Goodyear
  • 1990-92 McLaren MP 4/5B - Honda, Goodyear
  • 1993-95 Ferrari 412 T2 - Ferrari, Goodyear
  • 1996-97 Benetton B 197 - Renault, Goodyear

Grand-Prix-Siege

WM-Platzierungen

  • 1984: Keine Punkte (ATS)
  • 1985: 17. Platz mit 3 Punkten (Arrows-BMW)
  • 1986: 7. Platz mit 17 Punkten (Benetton-BMW)
  • 1987: 5. Platz mit 36 Punkten (Ferrari)
  • 1988: 3. Platz mit 41 Punkten (Ferrari)
  • 1989: 7. Platz mit 21 Punkten (Ferrari)
  • 1990: 4. Platz mit 43 Punkten (McLaren-Honda)
  • 1991: 4. Platz mit 43 Punkten (McLaren-Honda)
  • 1992: 5. Platz mit 49 Punkten (McLaren-Honda)
  • 1993: 8. Platz mit 12 Punkten (Ferrari)
  • 1994: 3. Platz mit 41 Punkten (Ferrari)
  • 1995: 6. Platz mit 31 Punkten (Ferrari)
  • 1996: 6. Platz mit 21 Punkten (Benetton)
  • 1997: 6. Platz mit 27 Punkten (Benetton)

Weblinks


Mann | Formel-1-Rennfahrer (Österreich) | Geboren 1959

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