In der Gerberei werden vorwiegend Häute und Felle von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen zu Leder verarbeitet. Die Haut wird von der Oberhaut samt Haaren bzw. Borsten befreit. Das geschieht mit Sulfiden im hochalkalischen Bereich (Äscher) und/oder Enzymen. Die Unterhaut wird mechanisch abgetrennt (Scheren, Entfleischen, Spalten). Die Lederhaut wird gegerbt. Sie besteht zu 1/3 aus Eiweiß (Kollagen) und Wasser. Die Gerbung soll verhindern, dass beim Trocknen die Strukturelemente des Kollagens (Fibrillen) durch die Oberflächenspannung des Wassers verkleben und die Lederhaut hornartig auftrocknet. Bei der Gerbung werden die Fibrillen von den Gerbstoffen durch Querverbindungen versteift oder umhüllt. Bei der dominierenden Chromgerbung vernetzen basische CrIII-Komplexe benachbarte Fibrillen. Bei der pflanzlichen Gerbung werden die Fibrillen von Polyphenolen aus Blättern, Wurzeln und Früchten umhüllt. Bei der Fett- und Aldehydgerbung reagieren Aledhyde mit dem Kollagen. Bis auf die Fettgerbung werden allen Gerbungen in Kombination von Gerbstoffen gegerbt. -->|QS-Seite]]}} Beim Gerben wird Tierhaut zu Leder verarbeitet. Das Gerben ist eines der ältesten Gewerbe.
Lange vor der Zeitenwende waren lederne Gegenstände in Ägypten und bei den Israeliten in Gebrauch. Im Mittelalter war die Produktion von Leder in Vorderasien und Nordafrika sehr viel weiter fortgeschritten als in Europa, sowohl was die Quantität als auch was die Qualität anbetraf. Erst 1749 wurde die erste Saffianleder-Fabrik im Elsass errichtet. Die Herstellung einzelner Lederarten war in Deutschland lange Zeit einzelnen Regionen oder Städten vorbehalten:
Ziel des Gerbens ist es, den Fäulnisprozess der Tierhaut zu unterbinden und die Haut in ein möglichst widerstandsfähiges und zum Teil wasserabstoßendes Material zu verwandeln.
Um die Rohhäute aut auf die Gerbung vorzubereiten, werden sie zunächst getrimmt (beschnitten, zugeschnitten), damit werden Teile entfernt, die zur Lederherstellung nicht geeignet sind. Danach muss die Haut schnellstmöglich konserviert werden, um den organischen Verfall aufzuhalten und qualitative Schäden zu vermeiden. Dies geschieht meistens durch Salzen. In Regionen, wo die Entfernungen und die Lieferketten es zulassen, werden die Häute auch durch Kühlung Kurzzeit-konserviert und damit auf Salz verzichtet. In manchen Regionen, in denen Salz knapp ist und es das Klima zulässt, werden Häute und Felle auch noch getrocknet.
Nach dem Transport durchläuft die Haut die Wasserwerkstatt, in deren Verlauf die nicht-ledergebenden Bestandteile (Haare, Unterhautbindegewebe, Fett und unstrukturierte Eiweiße) entfernt werden. Das geschieht in zwei Stufen:
1. chemische Einwirkung (Weiche, Äscher, Hautaufschluss) Dabei wird Haut z. B. einige Wochen in den "Äscher" eingelegt. Im traditionellen Verfahren verwendete man dafür meist Kalkmilch.
2. mechanische Einwirkung (entfleischen, spalten, streichen). Wenn die "Haarlässigkeit" einsetzt, wird die Haut enthaart (das Narben). Dabei wird das aufgeweichte Gewebe heruntergestrichen.
Wenn man ein weiches Leder herstellen möchte, wird die so genannte Blöße noch gebeizt. Danach kann mit der eigentlichen Gerbung begonnen werden. Dabei werden die Häute mit tierischen, mineralischen oder pflanzlichen Gerbstoffen behandelt und dadurch haltbar gemacht und in ihren technischen Eigenschaften verändert.
Bei der pflanzlichen Gerberei (vegetabile Gerbung, Lohgerberei) werden Eichen- oder Fichtenrinden, Auszüge aus Quebracho-, Kastanien- oder Eichenholz, Mimosa-, Sumach- und andere Holz- bzw. Rindengerbstoffe eingesetzt. Aus dieser Nutzung entstanden die Lohwälder. Die pflanzlichen Gerbmittel werden in einer Lohmühle gemahlen. Der verwendete Sud wird auch Lohe genannt. Bei der Mineralgerbung werden Chrom- (Chromgerberei) und Alaungerbung (Weißgerberei) unterschieden.
Der Gerbungsprozess besteht aus drei Phasen: dem Quellen des Kollagen, dem Eindringen des Gerbextrakts und dessen Fixierung. Bodenleder, die nach dem klassischen Verfahren der Alt-Grubengerbung mit rein pflanzlichen Gerbstoffen in einer Gerbzeit von mehr als 12 Monaten hergestellt werden, ist dabei die nicht nur die natürlichste Art der Ledergerbung, auch ist es der Grund für die extrem lange Haltbarkeit, hohe Wasserfestigkeit und Atmungsaktivität einer Ledersohle.
Nach Abschluss der Gerbung werden die Leder dann je nach Verwendungszweck nachgegerbt, gewaschen, gefärbt und gefettet. Nach der Trocknung kann zur Steigerung der Gebrauchsfähigkeit noch eine Oberflächenbehandlung mit Zurichtmitteln erfolgen. Damit wird ein hochwertiger Werkstoff für vielerlei Einsatzmöglichkeiten hergestellt.
Allgemein unterscheidet man drei Arten der Gerberei, die wiederum in Unterarten zerfallen:
In früheren Jahrhunderten war die Gerberei eine gesellschaftlich nicht sehr anerkannte und gefährliche Arbeit. Der Umgang mit der faulenden Haut und den giftigen Chemikalien setzte erstens extremen Gestank frei und zweitens konnte man sich leicht mit Milzbrand und anderen Krankheiten infizieren. Ein Arbeiter, der Milzbrand überlebt hatte, war sehr wertvoll und genoß eine bessere Behandlung durch seinen Arbeitgeber. Insgesamt waren Gerber aber eher, was man im indischen Kastensystem Unberührbare nennt. Einen Eindruck davon kann man in "Das Parfüm" von Patrick Süskind gewinnen.
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