Bei dem Flugabwehrkanonenpanzer Gepard handelt es sich um einen vollautonomen, allwetterfähigen FLAK-Panzer deutscher Produktion.
Entwicklung
Entwickelt wurde der Gepard seit
1965 als Nachfolger des
M42 Duster. Gebaut wurde der Flugabwehrpanzer in einem Gemeinschaftsprojekt wobei
Krauss-Maffei Hauptauftragsnehmer war. Den Turm fertigten insgesamt 4 Unternehmen.
Blohm + Voss aus Hamburg lieferten Turm- und Wannengehäuse,
Siemens-Albis fertigte die
Feuerleitanlage sowie Radargeräte und Oerlikon Contraves aus Zürich (seit 1999
Rheinmetall DeTec AG) baute die Waffenanlage. Die Endfertigung des Turmes übernahm Wegmann und lieferte diesen zur Endmontage an Krauss-Maffei. Insgesamt lieferte man von 1976 bis 1980 420 FlakPz1 Gepard an die
Bundeswehr.
Ab 1988 wurden 206 Panzer mit einem Laserentfernungsmesser ausgerüstet und erhielten die Bezeichnung B2L. Im Jahr 1997 bis 2000 wurden 140 Fahrzeuge einer Nutzungsdauerverlängerung (NDV) unterzogen. Diese umfasste den Einbau verbesserter Digitalrechner für die Feuerleitanlage und verbesserte Datenfunkgeräte (2x SEM 93) für das Heeresflugabwehr-Aufklärungs- und Führungssystem (HFLaAFüSyS). Die Bezeichnung lautet FlakPz Gepard 1 A2.
Allgemein
Der Gepard basiert auf einem modifizierten
Leopard 1 Fahrgestell auf diesem ein Zweimann-Turm sitzt. Die Modifikation wird unter anderem in einem geänderten Laufrollenabstand deutlich. Desweiteren wurden die Batterien in einen zusätzlichen Batteriekasten am Heck verlegt. Zur Zielaufklärung verfügt der Gepard am Turmheck über ein abklappbares Rundsuchradar mit integrierten
Sekundärradar für die Freund/Feind-Erkennung, die Reichweite beträgt 16 km. An der Turmfront befindet sich das Zielverfolgungsradar mit einer Reichweite von 15 km, beide können unabhängig voneinander arbeiten. Das Zielverfolgungsradar ist darüber hinaus mit dem voll stabilisiertes Panoramaperiskop des Kommandanten und Richtschützen gekoppelt.
Technische Daten Gepard 1 A2
- Länge: 8,15 m
- Breite: 3,28 m
- Höhe: 4,16 m Suchradar ausgeklappt
- Gewicht: ca. 46,03 t; davon entfallen 32 t auf das Fahrgestell und 15 t auf den Turm
- Militärische Lastenklasse (MLC): 52
- Motor: 10-Zylinder Mehrstoffmotor 610 kW (830 PS) / Hubraum: 37,4 l, Hersteller: MTU
- Stromerzeugungsaggregat (SEA) für die Energieversorgunganlage (EVA) der Waffensysteme und Antriebe von Turm und Kanonen: 4-Zylinder Dieselmotor 66 kW (90 PS) / Hubraum 3,8 l, Hersteller: Daimler-Benz
- Fahrwerk: Drehstabgefedertes – hydraulisch gestütztes – Gleisketten-Stützrollen-Laufwerk
- Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
- Fahrbereich (Straße): ca. 420 km
- Besatzung: 1 Fahrer, 2 Mann Waffenbedienpersonal (Kommandant und Richtkanonier)
Primärbewaffnung
- 2x 35 mm L/90 Maschinenkanonen von Oerlikon Contraves GmbH
- Munition: 640 Patronen FAPDS (Flugabwehrmunition) , 40 Patronen HVAPDS-T (gegen gepanzerte Fahrzeuge)
- Länge der Waffe: 4.740 mm
- Breite: 356 mm
- Höhe: 640 mm
- Länge des Rohres mit Vo-Messbasis: 3.710 mm
- Länge des gezogenen Teils: 2.923 mm
- Drallart: Progressivdrall rechts
- Dralllänge: 2.853 mm
- Anzahl der Züge: 24
- Gewicht: 670 kg
Sekundärbewaffnung
Besonderheiten
In Folge werden die Probleme der Ziel-Bekämpfung mit den spezifischen Lösungsansätzen des Gepards aufgeführt.
Turmantrieb
Anders als bei den meisten Panzern ist der Antrieb von Turm und Waffen nicht hydraulisch sondern wird über sehr starke
Elektromotoren realisiert. Der 15 Tonnen wiegende Turm kann so innerhalb von nur 4 Sekunden einmal um 360° gedreht werden.
Feuerleitsystem
Auf Grund der
ballistischen Flugbahn von FLAK-Munition und der möglichen großen Entfernung zu schnell beweglichen Luftzielen ist eine sorgfältige Berechnung der Abschussrichtung erforderlich.
Ausgehend von der räumlichen Lage (Neigung) des Panzers und der Entfernung zum Ziel berechnet der Feuerleitrechner den Drehwinkel des Turmes und den Anstellwinkel der Waffen. In Abhängigkeit von der berechneten Geschwindigkeit, Flugroute, Flughöhe und der Entfernung des Flugzieles wird der benötigte Aufsatz und Vorhalt ermittelt. Auch die aktuellen Wetterdaten gehen in die Berechnung von Aufsatz und Vorhalt ein.
Alternativ können Flugziele auch über zwei optische Periskope anvisiert werden, etwa bei Ausfall des Zielfolgeradars oder um auf ein Ziel aufzuschalten, ohne durch die Emission von Radarstrahlung den eigenen Standort zu verraten.
Erhöhung der Treffergenauigkeit
Um die Genauigkeit weiter zu erhöhen werden weitere Parameter mit in die Zielberechnung einbezogen. Temperatur, Luftdruck und die Mündungsgeschwindigkeit der Geschosse sind dabei die wichtigsten Größen. Da sich mit jedem Schuss die Kanonenrohre weiter erwärmen, ist kein Geschoss so schnell wie das andere.
Aus diesem Grunde wird für jedes Geschoss die tatsächliche Mündungsgeschwindigkeit ermittelt und in die Flugzielberechnung einbezogen.
Für die Bekämpfung von Flugzielen gibt es 3 verschiedene Feuerarten.
Flugzeuge werden mit Feuerwahl NORMAL bekämpft. Hierbei entscheidet der Feuerleitrechner wieviel Munition wirklich verschossen wird. Bei begrenzten Munitionsvorrat mit Feuerwahl BEGRENZT. Drohnen (UAV) werden mit Feuerwahl KURZ bekämpft.
Erdziele
Die Bekämpfung von Erdzielen ist wesentlich einfacher.
Die Zielaufschaltung erfolgt hier in der Regel nicht über
Suchradar und
Zielfolgeradar, sondern über eines der zwei optischen
Periskope. Alternativ könnten die Zieldaten auch von einer externen Feuerleitstelle empfangen und in den Feuerleitrechner gespeist werden.
Im Normalfall werden Erdziele mit schnellem Einzelfeuer bekämpft und nicht im Feuerstoß wie bei der Bekämpfung von Flugzielen.
Verwendung
Der Gepard wird mit anderen Radaranlagen auch im niederländischen und im belgischen Heer unter dem Namen
CHEETAH eingesetzt. Im Rahmen der Unterstützung von
NATO-Beitrittskandidaten hat die Bundeswehr 43 ausgemusterte Gepard des alten Typs B2L für 1 € das Stück an
Rumänien abgegeben.
Literatur
- Jürgen Plate / Lutz-Reiner Gau / Jörg Siegert: Deutsche Militärfahrzeuge, Motorbuch Verlag Stuttgart, ISBN 3-61302-152-8
- Walter J. Spielberger:Der Weg zum Flakpanzer Gepard. Die geschichtliche Entwicklung der deutschen Flugabwehrpanzer, Bernard U. Graefe Verlag, ISBN 3-76375-197-1
Weblinks
Flugabwehrpanzer | Panzer der Bundeswehr
Flugabwehrkanonenpanzer Gepard | Flakpanzer Gepard | ゲパルト | Gepard (luftvern) | Gepard (działo przeciwlotnicze)