George Shaw (* 10. Dezember 1751, Bierton nahe Aylesbury, Mittelengland, † 22. Juli 1813, London) war ein englischer Zoologe und Botaniker.
George Shaw begann seine Laufbahn als praktischer Arzt. 1786 wurde er wissenschaftlicher Assistent für Botanik an der Universität Oxford. Im Jahre 1788 war er Mitbegründer und Vizepräsident der Linnean Society of London, im Jahr darauf wurde er Mitglied der Royal Society. 1791 trat er als Nachfolger von Edward Whitaker Gray eine Stellung als assistierender Kustos in der Abteilung für Naturgeschichte im Britischen Museum in London an. Von 1807 bis zu seinem Tod arbeitete er dort als Kustos. Dabei fiel ihm der schlechte Zustand vieler der Sammlungsstücke auf, die Hans Sloane dem Museum hinterlassen hatte. Die anatomischen und medizinischen Präparate wurden an das Royal College of Surgeons geschickt aber viele der ausgestopften Tiere waren so zerfallen, dass sie verbrannt werden mussten. Shaws Bezahlung am Museum war nicht ausreichend, sodass er einen Großteil seiner Zeit mit Schreiben verbringen musste und sich nicht um die Instandhaltung der Sammlung kümmern konnte. Der deutschstämmige Charles Konig (eigentlich Carl Dietrich Eberhard König, 1774–1851) folgte Shaw 1813 als Kustos.
„The vast island, or rather continent, of Australia, Australasia or New Holland...“ (Die riesige Insel, oder vielmehr Kontinent, Australien, Australasien oder Neuholland“)
Shaw katalogisierte die bedeutende Privatsammlung von Sir Aston Lever und veröffentlichte Beschreibungen ausgewählter Exponate in dem Werk Museum Leverianum. Insbesondere erforschte und beschrieb er als Erster heute vielen bekannte zoologische Taxa wie Wellensittich, Östliches Graues Riesenkänguru, Nacktnasenwombat, Axolotl, Amerikanischem Ochsenfrosch, die Gattung der Kiwis und vieler anderer, deren wissenschaftliche Beschreibungen in den Ausgaben der monatlich erscheinenden Reihe „The Naturalist's Miscellany“ veröffentlicht wurden. Die Abbildungen und Kupferstiche fertigte Frederick Polydore Nodder (1767(?) - 1800(?)) an, nach dessen Tod übernahm sein Sohn Richard P. Nodder diese Aufgabe. Nach Shaws Tod wurde die Reihe von Nodder und dem englischen Zoologen William Elford Leach (1790-1836) unter dem Titel The Zoological Miscellany; being descriptions of new, or interesting Animals von 1814 bis 1817 weitergeführt.
1797 wurde das Schnabeltier am Ufer eines Sees nahe dem Hawkesbury River in New South Wales entdeckt und 1798 schickte vermutlich John Hunter, der Gouverneur von New South Wales, den getrockneten Balg eines noch nicht ganz ausgewachsenen Männchens nebst einigen Zeichnungen des Tieres an das Britische Museum. Shaw kam die Aufgabe zu, das Tier eingehend zu untersuchen und die wissenschaftliche Erstbeschreibung anzufertigen. Beim Anblick eines Tieres, das an einen Maulwurf erinnert, an den man den Schwanz eines Bibers und den Schnabel einer Ente befestigt hatte, begann er sich zu fragen, ob sich hier nicht jemand einen Scherz erlaubt hatte:
"...impossible not to entertain some doubts as to the genuine nature of the animal, and to surmise that there might have been practiced some arts of deception in its structure.“ ("... unmöglich nicht einige Zweifel an der Echtheit des Tieres zu hegen und zu vermuten, dass hier eine kunstvoll ausgeführte Täuschung an seiner Gestalt vorgenommen worden sein könnte.“).
Eine solche Vermutung lag nahe, da der Balg aus dem indisch-pazifischen Raum stammte und die dort ansässigen Chinesen für ihre Fähigkeiten als Tierpräparatoren bekannt waren, insbesondere dafür, Teile verschiedener Tiere zu etwas Neuem zu arrangieren. Um nach verborgenen Nähten zu suchen, schnitt Shaw das Fell am Schnabelansatz mit der Schere auf, fand aber nichts Verdächtiges. Diese Schnitte sind noch heute an diesem „ersten Schnabeltier“, dem wissenschaftlichen Vergleichsexemplar oder Holotypus im Londoner Natural History Museum, zu erkennen. Shaw beschrieb die Art unter dem zweiteiligen wissenschaftlichen Namen (Binomen) Platypus anatinus und veröffentlichte die Arbeit im Juni 1799 wie üblich im Naturalist's Miscellany (Band 10). In Europa war das skurril anmutende Schnabeltier sogleich eine Sensation, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, dass es sich um ein eierlegendes Säugetier handelt. Diese Tatsache fand erst 1884 allgemein Zustimmung, noch in „Brehms Thierleben“ (1864–1869) wurden entsprechende Berichte als „Fabeln, welche zum Theile den Berichten der Eingeborenen ihre Entstehung verdankten“ Alfred Brehm: Die Säugethiere 1. In: Brehm's Thierleben, 1864-1869 abgetan. Jedoch sah sich Shaw nun selbst dem Vorwurf der Fälschung ausgesetzt.
Die Gattungsbezeichnung Platypus war jedoch bereits 1793 von dem deutschen Insektenkundler Johann Friedrich Wilhelm Herbst für die Kernholzkäfer verwendet worden. Nach den Regeln der internationalen zoologischen Nomenklatur handelte es sich somit um eine illegitime Homonymie, da beide Spezies dem Tierreich angehören, daher musste der Name geändert werden. Ein Jahr nach Shaws Erstbeschreibung, im Jahre 1800, veröffentlichte der deutsche Anatom Johann Friedrich Blumenbach, der einen anderen von Hunter verschickten Balg erhalten hatte, eine zweite Beschreibung des Tieres und nannte es Ornithorhynchus paradoxus. Von Shaws Beschreibung (dem Basionym) blieb, der in solchen Fällen maßgeblichen Prioritätsregel folgend, das verfügbare Artepithet und von Blumenbachs Arbeit die verfügbare Gattungsbezeichnung erhalten, so ergab sich die seitdem gültige wissenschaftliche Bezeichnung Ornithorhynchus anatinus - auf Deutsch „entenähnlicher Vogelschnabel“. Da Shaws ursprüngliche Beschreibung somit ihre Gültigkeit (Validität) verlor, erfolgt seitdem, wie in solchen Fällen üblich, die Nennung von Autor und Jahr der Erstbeschreibung in Klammern.
Aufgrund der Popularität, die das Tier sehr rasch erlangte, blieb im englischen Sprachraum sein ursprünglicher Gattungsname ((duck-billed) platypus) erhalten und wurde zum volkstümlichen Namen (Trivialnamen).
George Shaw | George Shaw | George Shaw
Zoologe | Botaniker | Mediziner (18. Jh.) | Engländer | Mann | Sachliteratur | Geboren 1751 | Gestorben 1813
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