George Balanchine (gebürtig georgisch გიორგი ბალანჩივაძე, Giorgi Balantschiwadse; * 9. Januar/22. Januar 1904 in Sankt Petersburg; † 30. April 1983 in New York City) war einer der bedeutendsten Choreografen des 20. Jahrhunderts. Er gilt als hervorragendster Vertreter des neoklassischen Balletts. Er brachte die Tradition des klassischen russischen Balletts in die USA und gründete das New York City Ballet, das Weltgeltung erreichte.
Als Balanchine zusammen mit den Tänzerkollegen Tamara Geva, Alexandra Danilova and Nicholas Efimov 1924 für eine Westeuropatournee die Ausreiseerlaubnis aus der gerade gegründeten Sowjetunion erhielt, kehrte keiner in die Heimat zurück. Bei einer Aufführung in London fielen sie dem Impresario Sergej Djagilew auf, der sie alle für seine Ballets Russes engagierte. Dies war der Beginn von Balanchines internationaler Karriere.
Er arbeitete für die Ballets Russes bis zu deren Auflösung nach Djagilews Tod 1929, zunächst als Tänzer, dann nach Bronislawa Nischinskas Ausscheiden als Ballettmeister und Choreograph. In der Zeit mit den Ballets Russes entstanden verschiedene wegweisende Choreografien, u.a. das Meisterwerk Apollon Musagète und Der verlorene Sohn. Eine Knieverletzung, die er während dieser Zeit erlitt, schränkte seine tänzerischen Fähigkeiten ein und trug unter Umständen dazu bei, dass er das Choreographieren zum Schwerpunkt machte.
Nach der Auflösung der Kompanie und anstrengender Arbeit für die Anschlussgründung Les Ballets Russes de Monte Carlo gründete er 1933 die Kompanie Les Ballets. Während der kurzen Lebensdauer dieser Truppe lernte er in London den jungen amerikanischen Mäzen Lincoln Kirstein kennen, der in den USA eine von Europa unabhängige Ballettkompanie mit amerikanischen Tänzern, eigener Choreographie und eigenen Themen aufbauen wollte. Balanchine bestand darauf, zunächst eine Ballettschule zu gründen, die School of American Ballet (gegr. 1934), aus der dann das American Ballet hervorging. Die Schule existiert bis heute, dort werden Tänzer für das New York City Ballet und andere große Kompanien ausgebildet.
Das American Ballet fand ein Unterkommen bei der New Yorker Metropolitan Opera. Während Balanchines Arbeit dort von 1933 bis 1938 entstanden wegweisende Ballette zur Musik von Igor Strawinski. Das American Ballet blieb 3 Jahre als Balletttruppe der Metropolitan Opera bestehen, was zu Spannungen führte, da hier der Schwerpunkt auf der Oper lag und abendfüllende Ballette nur selten ins Programm genommen wurden. 1938 trennten sich Balanchine und seine Tänzer von der Met und die Truppe löste sich nach einigen Kurztourneen auf. Dem folgte eine kurze Episode wiederaufgenommener Arbeit für die Ballets Russes de Monte Carlo und 1946 dann die Gründung der Ballet Society, die Balanchines neue Werke in kleinem Rahmen vorstellte, was dazu führte, dass die Kompanie sich der Kulturinstitution New York City Center anschließen durfte, als New York City Ballet. Hier arbeitete Balanchine bis zu seinem Tod im Jahr 1983 und konnte seine Werke einem großen Publikum vorstellen. Sein umfangreiches Schaffen und seine Bedeutung für die Entwicklung des Tanzes werden weltweit anerkannt.
Balanchine schuf viele Choreografien zur Musik zeitgenössischer Komponisten wie Schönberg, Strawinski und Prokofiew. Er war äußerst musikalisch und durch seinen Vater, einen Komponisten, schon sehr früh mit Musik und Musizieren in Berührung gekommen. Während seines Tanzstudiums studierte er zusätzlich 3 Jahre lang am Petersburger Konservatorium Klavier, Musiktheorie und Komposition. Fürs Choreographieren fertigte er aus den Orchesterpartituren seine eigenen Klavierauszüge an. Mit Igor Strawinski verband ihn eine über 50-jährige Freundschaft und kongeniale Schaffensbeziehung, die auch auf Balanchines tiefem Verständnis für Musik beruhte. Als Choreograph war er für seine ruhige und konzentrierte Arbeitsweise bekannt.
siehe auch: John Taras
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