Georg Wilhelm Steller; eigentlich Georg Wilhelm Stöller (* 10. März 1709 in Windsheim, Franken; † 12. November 1746 in Tjumen, Sibirien) war ein deutscher Arzt und Naturwissenschaftler. Er war Teilnehmer der vom dänischen Kapitän Vitus Bering geleiteten und im Auftrage des Zaren Peter des Großen durchgeführten Großen Nordischen Expedition, auch Zweite Kamtschatka-Expedition genannt.
Nahezu mittellos erreichte er 1734 die russische Hauptstadt. Im Botanischen Garten von Sankt Petersburg lernte er den orthodoxen Erzbischof Feofan Prokopowitsch kennen, der sein Gönner wurde und ihn in die gelehrten Kreise der Stadt einführte. 1737 wurde er zum Adjunkten der Naturwissenschaften der Petersburger Akademie der Wissenschaften ernannt. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Mitglied der Großen Nordischen Expedition bestimmt und nach Kamtschatka geschickt. Er wurde dem berühmten Professor Johann Georg Gmelin unterstellt. Kurz vor seiner Abreise aus Sankt Petersburg heiratete er die Witwe des deutschen Sibirienforschers Messerschmidt. Diese Ehe hielt nicht sehr lange, schon auf dem Weg nach Sibirien - in Moskau - trennte sich das Paar wieder. Nach beschwerlicher Reise und unter laufenden Feldstudien zu einer Vielzahl von Fächern (u. a. Botanik, Zoologie, Geologie und nicht zuletzt Ethnographie) erreicht er sein Ziel im September 1740 und führte dort unverzüglich die Feldforschungen fort, zusammen mit dem russischen Studenten S. P. Krascheninnikow, der schon seit 1737 vor Ort war. Im Februar 1741 erreichte ihn ein Schreiben Berings, der ihn ersuchte, ihn, Bering, anstelle des zurückgetretenen Expeditionsarztes auf der geplanten Fahrt nach Amerika zu begleiten. Nach anfänglichem Zögern stimmte er schließlich zu.
Am 4. Juni 1741 verließ die Expedition mit den beiden Schiffen St. Peter (mit Bering und Steller) und St. Paul die Awatscha-Bucht. Im Zuge dieser Reise erreichte die St. Peter (nach etlichen navigatorischen Problemen) Alaska (Land in Sicht am 15. Juli 1741). Das Verhältnis von Steller zu Bering war stets problematisch. Zu einem Eklat kam es, als Bering am 20. Juli 1741 Steller zunächst verweigerte, auf der so genannten St.-Elias-Insel (heute: Kayak-Insel) zur Erforschung der Verhältnisse an Land zu gehen. Vitus Bering wollte dort lediglich Frischwasser aufnehmen. Erst als Steller schwor, er werde dafür sorgen, dass Bering und seine Offiziere sich nach ihrer Rückkehr an höherer Stelle für diese Verweigerung würden rechtfertigen müssen, gab Bering nach. Überliefert ist noch die spöttische Bemerkung Stellers, man sei wohl hergekommen, „um amerikanisches Wasser nach Asien zu bringen“. Dennoch blieben Steller nur 10 Stunden für seine Erkundungen. Immerhin reichte dies aus, um etwa 160 Pflanzenarten zu dokumentieren. Ferner entdeckte er ein Depot der dort ansässigen Aleuten-Eskimos und entnahm eine Reihe von Gebrauchs- und Schmuckgegenständen für seine ethnologische Sammlung. Später veranlasste er, dass eisernes Kochgeschirr, Messer und ähnliche Tauschobjekte in das Depot gebracht wurden. Da sich die Einheimischen jedoch aus Furcht vor den Fremden tief im Wald versteckten, konnte er keinen Kontakt mit ihnen herstellen.
Auf der stürmischen Rückreise strandete die St. Peter schließlich am 5. November 1741 auf der später so genannten Beringinsel, wo der Expeditionskommandeur Vitus Bering schließlich am 8. Dezember 1741 starb. Während des folgenden neunmonatigen Überlebenskampfes erwies sich Steller als Meister improvisierter Überlebenstechniken. Er und der schwedische Leutnant Waxell waren die Führer, die ein halbwegs geordnetes Lagerleben organisierten. Aus den Resten der St. Peter gelang es schließlich ein Boot zu bauen, mit dem die Überlebenden endlich am 27. August 1742 Peter und Pauls Hafen in Kamtschatka (Petropawlowsk-Kamtschatskij) erreichten.
Neben all den Strapazen und Gefahren, die der Überlebenskampf auf der Beringinsel mit sich brachte, verstand es Steller immer noch, seine naturkundlichen Beobachtungen fortzusetzen. So fertigte er in dieser Zeit seine Beschreibung der so genannten Stellerschen Seekuh (Hydrodamalis gigas, früher: Rhytina stelleri oder Rhytina borealis) an, durch die er zu einigem Ruhm kam. Er war der erste und einzige Wissenschaftler, der jemals eine lebende Seekuh sah. Danach sahen sie vornehmlich Pelztierjäger, die bald für die Ausrottung dieser Spezies sorgten.
Nach seiner glücklichen Rückkehr verbrachte er weitere drei Jahre in Kamtschatka, um seine naturwissenschaftlichen und ethnologischen Forschungen fortzusetzen. Am 3. August 1744 verließ er Kamtschatka mit einer in 16 Kisten verpackten Sammlung, um nach Petersburg zurückzukehren. Noch während der Rückreise wurde er im Frühjahr 1745 in Irkutsk unter Anklage gestellt. Er wurde beschuldigt, die Völker Ostsibiriens gegen die russische Herrschaft aufgewiegelt und sogar Waffen unter ihnen verteilt zu haben. Doch schließlich wurde er aus Mangel an Beweisen frei gesprochen. Verständlicherweise hielt ihn danach nichts mehr an diesem Ort. Und so zog er Weihnachten 1745 weiter, mitten in den sibirischen Winter hinein. Bereits durch die vorangegangenen Strapazen gezeichnet, erkrankte er bald schwer. Mit letzter Kraft rettete er sich nach Tjumen. Dort starb er am 12. November 1746.
Mehr als seine zahlreichen naturwissenschaftlichen Schriften, die er während der Großen Nordischen Expedition anfertigte und die zu einem Teil erhalten sind, ist es vor allem sein Bericht der Beringschen Alaskafahrt und ihres dramatischen Endes, der seinen Namen bis heute weitergetragen hat. Zwar gab es auch andere Aufzeichnungen von dieser Reise. Doch diese betonten stark die rein technischen Aspekte der Fahrt; sie waren schließlich von Nautikern gefertigt. Steller lieferte uns ein umfassenderes Bild der Verhältnisse und Ereignisse, indem er neben den naturkundlichen Beschreibungen auch Stimmungen und Urteile zu Begebenheiten einfließen ließ, die den rein sachlichen Gehalt seines Berichts nicht minderten, sondern eher zur Entstehung eines "runden" Gesamtbildes beitrugen.
Nach ihm ist das Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium Bad Windsheim und die Steller Secondary School Anchorage benannt.
Mann | Deutscher | Geboren 1709 | Gestorben 1746 | Mediziner (18. Jh.) | Naturwissenschaftler
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