Georg Ludwig Hartig (* 2. September 1764 in Gladenbach; † 2. Februar 1837 in Berlin) war ein deutscher Forstwissenschaftler.
Wie Heinrich Cotta entstammt auch Georg Ludwig Hartig einer forstlich geprägten Familie – schon Vater und Großvater übten diesen Beruf im Hessischen Hinterland aus. Nach einer zweijährigen Lehre hörte der von einem Lehrbrief des Onkels Freigesprochene an der Universität Gießen Kameralwissenschaft. Ein für die damalige Zeit ungewöhnlicher Vorgang. Im Jahre 1786 trat er in den Dienst des Fürsten zu Solms-Braunfels und gründete eine forstliche Meisterschule. 1797 berief ihn der Fürst von Oranien-Nassau als Landesforstmeister nach Dillenburg. 1806 folgte er einem Angebot König Friedrichs I. von Württemberg und ging als Oberforstrat der baden-württembergischen Forstverwaltung nach Stuttgart, von wo er 1811 als Oberlandforstmeister und Mitdirektor für Forst- und Jagdangelegenheiten in die preußische Generalverwaltung der Domänen und Forsten nach Berlin berufen wurde. 1821 richtete er an der Universität zu Berlin einen Lehrstuhl für Forstwirtschaft ein, aus dem später die Forstliche Hochschule Eberswalde wurde.
In einem frühen Werk trug Hartig alle damals bekannten Regeln zur Gründung und Pflege von Waldbeständen zusammen. Zu kurzen Lehrsätzen zusammengefasst, veröffentlichte er sie 1791 als „Anweisung zur Holzzucht für Förster“. Vier Jahre später ließ er seine „Anweisung zur Taxation der Forsten“ folgen. Ein Werk, dass das von ihm konzipierte Massenfachwerk beschrieb. Beim Massenfachwerk werden jeder Wirtschaftsperiode Flächen gleicher Haubarkeitsmassen zugewiesen. Für einige ausgewählte Bestände arbeitete Hartig 120 bis 180 jährige Wirtschaftspläne mit genauen Maßgaben zur Behandlung aus. Das sklavische Festhalten an diesen Plänen wurde von Heinrich Cotta angezweifelt und brachte ihm einen unschönen wissenschaftlichen Disput mit dem kritischen Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil ein.
Hartig arbeitete in den Folgejahren bei verschiedenen Fürstenhäusern und veröffentlichte 1808 sein „Lehrbuch für Förster“, das fast siebzig Jahre lang immer wieder aufgelegt wurde. Dieses Standardwerk enthielt auch die Generalregeln zur Bestandesbegründung.
Nach der Niederlage Preußens in den napoleonischen Kriegen reformierte Heinrich Friedrich Karl Freiherr vom Stein das Staatswesen von Grund auf. Hartig wurde die Stelle des Oberlandforstmeisters angeboten. Vor ihm lag die gewaltige Aufgabe, die völlig desolate Forstverwaltung neu zu strukturieren. Eine schulische Unterrichtung der Förster war seit Jahren ausgesetzt worden. Die Angehörigen des Reitenden Feldjägerkorps waren eher eine militärische Formation als eine Verwaltungseinheit. Sie wurden größtenteils in Naturalien, den so genannten Accidentien, bezahlt, was der Korruption Tür und Tor öffnete.
Hartig konsolidierte den staatlichen Forstbetrieb, indem er unfähige Förster pensionieren ließ und die oft zerstückelte Waldfläche durch Zukauf, Tausch oder Verkauf arrondierte. Es gelang ihm auch, den ungehemmten Verkauf von Staatswald (zur Verbesserung des Haushaltes) zu stoppen. Er übernahm das ihm vertraute, süddeutsche Revierförstersystem für die Organisation der Verwaltung.
Er führte auch ein neues Taxationsverfahren von Waldflächen ein, nachdem er gemerkt hatte, dass das bisherige Verfahren die Bestände viel zu niedrig bewertete. In diesem Zusammenhang definierte er den Nachhaltigkeitsgedanken für die preußischen Staatsforsten neu. Die peinlich genaue Beachtung von Grundsätzen der Nachhaltigkeit brachte den Forstleuten sogar die Anerkennung des Schriftstellers Friedrich Schillers ein, der sich sehr lobend über ihr Wirken äußerte.
Hartig setzte die Gründung einer forstlichen Akademie in Berlin durch, deren erster Direktor Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil auf sein Betreiben wurde.
Trotz aller Leistungen erkannte Hartig nicht die Wandlungen, die durch seine Reformen in Bewegung gesetzt wurden. Sein uneinsichtiges Verhaften an Generalregeln und an einer schematische Vorgehensweise führten dazu, dass er noch zu Lebzeiten miterleben musste, wie die von ihm geschaffene Ordnung in den preußischen Staatsforsten ersetzt wurde.
Sein Sohn Theodor Hartig wurde ebenfalls ein bekannter Forstwissenschaftler.
Insgesamt ist Georg Ludwig Hartig wohl der bedeutendste der so genannten "Forstlichen Klassiker" (Enzyklopädisten), die einen ungeheuren Einfluss auf die Forstwirtschaft in Deutschland und in der ganzen Welt hatten. Um die Erinnerung an ihn und sein Werk wachzuhalten, wurde 1987 auf Initiative der Hessischen Landesforstverwaltung die Georg-Ludwig-Hartig-Stiftung ins Leben gerufen. Sie verleiht seit 1990 den Georg-Ludwig-Hartig-Preis.
Hartigs Grabstätte befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin und wurde von der Stadt als Ehrengrabstätte Berlins anerkannt.
*: Buch von der Georg-Ludwig-Hartig-Stiftung als Reprint herausgebracht und bei ihr erhältlich.
Deutscher | Mann | Forstwissenschaftler | Hochschullehrer | Autor | Literatur (18. Jh.) | Literatur (19. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Sachliteratur | Jagd | Landkreis Marburg-Biedenkopf | Geboren 1764 | Gestorben 1837
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