Georg Haas (* 24. April 1886 in Nürnberg; † 9. Dezember 1971 in Gießen) führte 1924 weltweit die erste „Blutwäsche“ außerhalb des Körpers, wie er es nannte, mit Erfolg am Patienten durch. Im Januar 1925 veröffentlichte Haas in der „Klinischen Wochenschrift“ seinen Bericht über diese weltweit erste Dialyse am Menschen. Heute werden in Deutschland 95 Prozent aller Dialyse-Patienten mit dieser Methode behandelt, und auch weltweit ist sie das Standardverfahren.
Haas hatte die Idee, dass man das Blut an einer Membran vorbeileiten könnte, auf deren anderer Seite eine wässrige Flüssigkeit sein müsste, so dass Giftstoffe aus dem Blut durch die Membran in die wässrige Flüssigkeit wandern könnten. Haas experimentierte mit diversen Materialien, die als Membran geeignet erschienen: mit Papyrus, mit Bauchfell und schließlich mit Kollodium, das war ein Vorläufer der heutigen Kunststoffe. Er stellte selbst Kollodium-Membranen und Kollodium-Schläuche her, konstruierte ein passendes Gestell und leitete das Blut durch Schläuche, die außen von einer Lösung umspült wurden.
Georg Haas benutzte dann in den 1920er-Jahren ein selbst entwickeltes „Kabinensystem“ aus 16 Kollodiumschläuchen in acht Glasbehältern, das technisch sicher funktionierte. Ein großes Problem war – neben dem noch schwierigen Gefäßzugang – die Giftigkeit des aus Blutegeln gewonnenen Medikaments Hirudin, das anfangs als einziges Mittel zur Verhinderung der Blutgerinnung bekannt war. Georg Haas setzte erstmals 1927 auch Heparin für die Dialyse ein, nachdem dieser Wirkstoff neu auf den Markt gekommen war. Damit setzte er international einen weiteren bahnbrechenden Markstein in der Entwicklungsgeschichte der Nierenersatztherapie.
Heute überleben weltweit über 1,4 Millionen Menschen mit Hilfe der maschinellen Blutwäsche, rund 60.000 davon allein in Deutschland. Doch als Haas das erste künstliche Organ in der Geschichte der Medizin austüftelte, stieß seine Erfindung bei Kollegen zunächst auf Ablehnung: Er hatte gegen die damals herrschende Meinung verstoßen, dass man die Forschungsaktivität auf den Anfang einer Krankheit konzentrieren solle und nicht auf das Ende. Haas gab daher nach einigen Jahren seine experimentelle Forschung auf.
Daher musste der als zurückhaltend geltende Arzt 1952 in einem Artikel selbst an seine wissenschaftlichen Leistungen erinnern. Doch wird auch der Niederländer Willem Kolff als „Vater der künstlichen Niere“ gefeiert.
Mann | Deutscher | Biologe | Geboren 1886 | Gestorben 1971
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