Georg Ferdinand Howaldt (*
8. April 1802 in
Braunschweig; †
19. Januar 1883 in
Braunschweig) war ein bekannter
Goldschmied,
Bildhauer und
Erzgießer.
Leben
Georg Howaldt wurde in Braunschweig als Sohn des aus
Breslau stammenden Braunschweiger Goldschmieds
David Ferdinand Howaldt geboren. Nach dem Besuch der
Waisenhaus-Schule erlernte er zunächst bei seinem Vater von
1816 bis
1821 das
Goldschmiedehandwerk und bildete sich sodann sechs Jahre auf der Wanderschaft (u.a. beim
Silberschmied Häberlein in
Nürnberg) fort. Schon in Braunschweig hatte er sich neben der Lehre im
Modellieren geübt und nicht zuletzt aufgrund der in Nürnberg gewonnenen Freundschaft mit
Jacob Daniel Burgschmiet wandte er seine Arbeit der
Bildhauerei und dem
Kunstguss zu.
1828 wurde er in der Nachfolge Burgschmiets Lehrer des Modellierens an der Polytechnischen Schule in Nürnberg,
1836 Lehrer des Modellierens und 1863
Professor am
Collegium Carolinum zu Braunschweig, der heutigen
Technischen Universität. Zu seinen Schülern zählte auch
Adolf Breymann. 1874 wurde Georg Howaldt das Ritterkreuz des
Ordens Heinrich des Löwen verliehen.
Georg Howaldt heiratete am 20. März 1832 in Nürnberg Barbara Hechinger und hatte mit ihr fünf Kinder. Er verstarb am 19. Januar 1883 in Braunschweig. Sein Grab auf dem Magni Friedhof in unmittelbarer Nähe des Lessinggrabes ist erhalten. Christian Daniel Rauch hielt ihn für den besten Erzgießer seiner Zeit.
Werk
Aus seiner heute zwischen Howaldtstraße und Hochstraße in Resten noch vorhandenen
Bildgießerei und
Werkstatt, die zunächst von seinem Sohn
Hermann Howaldt (*
5. Januar 1841; †
2. Dezember 1891) und dann bis zur Einstellung des Betriebes
1906 von dem langjährigen Mitarbeiter
Paul Rinckleben und ab 1903 auch wieder von seinem Enkel Ferdinand Howaldt (*
9. Oktober 1874) als Mitgesellschafter Rincklebens in der
Künstlerfamilie bis zum Ende 1906 fortgesetzt wurde, gingen für das Braunschweiger Stadtbild prägend gebliebene,
monumentale Werke hervor: Das Lessing-Denkmal (
1853) und die
Quadriga mit
Brunonia auf dem
Braunschweiger Schloss, beide nach Entwürfen von
Ernst Rietschel. Bei der Herstellung der Quadriga stellte er seine herausragende
Fertigkeit und Technik als Kupfertreiber gleich zweimal unter Beweis, als er sie nach dem Brand des Braunschweiger Schlosses erneut herstellen musste. Die Aufträge Rietschels verschafften ihm den Durchbruch und die Anerkennung, so dass der Bau des eigenen Gießereigebäudes möglich wurde. Das Gießereigebäude wurde 1912 an die
Schlaraffia verkauft und dient dieser heute noch als Vereinshaus, in Braunschweig die
Okerburg genannt.
In Anbetracht des Wiederaufbaus des Braunschweiger Stadtschlosses erinnert sich die Stadt zunehmend ihres bedeutsamen Erzgießers. Im Braunschweiger Museum wurde unlängst ein Finger der Brunonia wiederentdeckt, in dem sich noch eine handschriftliche Notiz Georg Howaldts befand, woraus hervorging, um welchen Finger es sich handelt. Sein Wirken geht jedoch weit über Braunschweig hinaus: eines der ersten Denkmale, das am 14. September 1869 im Central Park von New York aufgestellt wurde, ehrt Alexander von Humboldt. Gefertigt wurde es von Georg Howaldt & Sohn in Braunschweig nach einem Entwurf von Gustav Bläser.
Werke
(Auswahl)
- Lessing-Denkmal nach Entwurf Ernst Rietschel (1852), Bronzeguss für Braunschweig
- Denkmal des Grafen Blücher nach Entwurf Franz Bernhard Schiller, Bleiguss für Altona
- Denkmal des Bürgermeisters August Wilhelm Francke nach Entwurf Gustav Blaeser (1853), Erzguss für Magdeburg
- Denkmal des Nationalökonomen Friedrich List nach Entwurf Gustav Adolph Kietz (1854), Bronzeguss für Reutlingen
- Quadriga mit Brunonia nach Entwurf Ernst Rietschel, Treibarbeit für Braunschweig
- Denkmal Ernst Moritz Arndt nach Entwurf Bernhard Afinger (1864), Bronzeguss für Bonn
- Denkmal Alexander von Humboldt nach Entwurf Gustav Blaeser, 1869 für den Central Park von New York
- Brunnenstandbild Heinrich des Löwen (1869 und 1874) nach Entwurf Adolf Breymann, Bronzeguss für Braunschweig, gezeigt auf der Weltausstellung Wien 1873 (ausgezeichnet mit der Silbermedaillie)
- Reiterstandbild Herzog Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, Entwurf Franz Pönninger, Wien, Enthüllung 10.11.1874
- Reiterstandbild des Schwarzen Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig (Enthüllung 10.11.1874), Entwurf Ernst Hähnel, Dresden
- Relief für das Hermannsdenkmal nach Entwurf Ernst von Bandels, 1874
- Büste Kaiser Wilhelm I. nach Entwurf Heinrich Pohlmann, heute im Garten der Villa Staudt in Heringsdorf
- Zwei Engel mit Schwert nach Entwurf Adolf Breymann für die Gruft des englischen Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg-Gotha in Frogmore House bei Windsor
- Kolossalbüste Freiligraths, Entwurf Adolf von Donndorf, für Cannstatt, 1878
Literatur
Siehe auch
- Weitere Namensträger der Familie Howaldt
Weblinks
Mann | Deutscher | Unternehmer (Industrie) | Goldschmied | Kunsthandwerker | Bildhauer | Geboren 1802 | Gestorben 1883 | Hochschullehrer
Georg Ferdinand Howaldt | Georg Ferdinand Howaldt